Patagonien, Feuerland und mehr

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29.01.2014   Hamburg, 8 Grad, nieselt

In genau 11 Tagen beginnt meine Reise nach Chile, Feuerland, und durch Patagonien. Evtl. fahre ich noch weiter bis Rio de Janeiro und wenn Zeit bliebt auch nach Florianapolis und zur Ilha do Mel – aber bis dahin kann sich noch einiges tun und auch die Flüge dorthin sind noch nicht fest. Aber der 10 FEB als Flug nach Santiago ist klar und ich brauche warme Sachen für Patagonien. Wenn ich auf Bildern die Eisberge im Grey See treiben sehe und Erzaehlungen über das windzerzauste Kap Hoorn lese, dann stelle ich  mir vor, dass es dort recht frisch sein kann.

07.02.2014   Hamburg, 10 Grad, nieselt

Noch genau 3 Tage dann geht es los. Mein Flieger geht am Montag, den 10.02. um 17:55 Uhr. Gestern habe ich mir bei Tschibo Restposten für € 27 eine wasserabweisende ‘Patagonien-Jacke’ gekauft, die auch windundurchlässig sein soll. Es wird sich beides herausstellen. Jetzt fehlen noch Wanderstöcke. Eine Angel will mein Freund Tschensi mitbringen, wir wollen versuchen, uns von Fisch zu ernähren, soll gesund sein. In Hamburg ist heute so richtiges Schmuddelwetter, es regnet, ist stürmisch und fast 10 Grad – kann nur noch besser werden!

11.02.2014  Santiago de Chile, 32 Grad, sonnig

Nach 14 Stunden recht angenehmem Flug mit Air France ab Paris komme ich ausgeruht am Vormittag in Santiago an, fahre in die Stadt, wohne am Cerro Lucia und bin sofort unterwegs. Eine nette Stadt und es ist 32 Grad, ich bummele in den Sommer …

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12.02.2014 – Angekommen in Patagonien

Vor meinem Fenster steht himmelhoch mit weißer Muetze der Osorno. Es hat 8 Windstaerken und der blaue Llanquihue See ist voller weisser Schaumkronen, es passt super zum Schneevulkan. 19:30 Uhr, die Sonne strahlt ueber den grossen See, der Wind hat mich vorhin, als ich mit den Fuessen im warmen Wasser stand, fast umgeworfen – blauer Sturm – ich bin angekommen im Norden Patagoniens, in Puerto Octay.

Osorno im Wind

Chi Paine towersDas ist bisher nur Planung, der Aufstieg im Torres del Paine Nationalpark zu den Granitfelsen.  Ob dann so ein blauer Himmel ist und wir die Lagune am Fuss der Torres Spitzen ereichen, steht noch in den Sternen…Dazu muss ich ganz in den Süden des Kontinents, bin zuerst in Ushuaia, fahre durch die Steppen Feuerlands, dann von Punta Arenas nach Puerto Natales, dann zur Milodon Höhle und schließlich zum Rio Serrano am Torres Park, wo wir wohnen. 

22.02.2014 – Am Grey See

Es hat fast den ganzen Tag geregnet. Lichtblicke waren die blauen Eisberge auf dem Lago Grey, der im Uebrigen seinem Namen alle Ehre gemacht hat, und das Guanaco vor den Cuernos im Nebel, vor den Cuernos – das wäre das Bild gewesen, aber weder das Guanaco noch das Wetter haben mitgespielt. Es ist kalt, wir sind nass und durchgefroren, heisser Kakao hilft ein bisschen. Morgen wollen wir hoch zur Lagune, früh soll es losgehen. Das Wetter kann nur noch besser werden…

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23.02.2014 – Laguna Torre

Mision Cumplida oder Einfach Glueck gehabt! 9 Stunden harte Wanderung, 18 km, ueber 1000 Hoehenmeter, steile Anstiege, Geröll – das alles war es wert! Die Sonne strahlte auf die Laguna Torre und die Tuerme tauchten aus den Nebelwolken auf – der Wahnsinn!  

Von der Hosteria las Torres gingen wir los.L1020744  L1020756

L1020772 Es war schon fast 10 Uhr, da wir auch eine lange Anfahrt vom Serrano Fluss hatten.

Das erste Stück zog sich schon ganz schön in die Länge und viel Volk war unterwegs.

Die Pause am Fluss war entmutigend. Alles in Wolken, Weitergehen um im Nebel zu irren?  Es nieselte auch noch. Doch dann probierten wir es.                             Durch Lenga Wälder, ein angenehmes Stück langsam bergauf. Dann noch eine gute Stunde, nun steil, steinig. Eine riesige Geröllhalde dann vor uns, auch die kämpften wir uns hoch, es schien kein Ende zu nehmen, doch dann geschah es, die Wolken rissen und die Türme tauchten auf…

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24.02.2014 – Laguna Azul

El Calafate – Es ist 23 Uhr, wir sind gerade angekommen nach gut  5 Stunden Fahrt ab Laguna Azul. Diese Laguna hat uns verzaubert. Sie liegt hinter den ‘Türmen’, wenn man vom Rio Serrano aus schaut. Und wieder war ‘Carmen- Wetter’, warm und nur Sonne. Nach dem gestrigen Aufstieg tat es gut, mit den Füssen im Wasser zu stehen und die Torres Türme vor den Augen zu haben.

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Dann passierte es doch noch, fast in der Dämmerung Flamingos an einem kleinen Salzsee mitten im Nichts. Bremse und per Allrad dahin, die Fluchtdistanz testen. Doch dazu kam es nicht, wir bleiben im Ufersand stecken und es wird gleich dunkel. Tschensi erweist sich als der praktischere, packt gleich den Spaten aus und es wird geschaufelt, nach 40 Minuten sind wir wieder frei, die Putzlumpen und das Schneidebrett hat es aber gekostet, und dreckige Hände und Hosen, und die Kondore kreisen über uns …

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26.02.2014 – El Chaiten

Eine sonnige Fahrt durch die Pampa, schon nach gut 1 Stunde taucht das Fitz Roy Massiv auf. Tolle Bilder, immer wieder halten wir zum Fotoshooting. Das Bild oben am Anfang des Blogs habe ich vom Autodach aus gemacht. Unten links ist auf dem Weg zum Lago Desierto, das Bild rechts auf dem Weg zur Laguna Piedra Blanca und zum Fitz Roy

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In El Chaiten orientieren wir uns erstmal an der Touristeninfo. Der Ort ist klein, wir fahren zum Campingplatz, Tschensi waescht seine Hose, mich haelt es nicht, ich muss hoch, erst zum Aussichtspunkt auf den Cerro Torre. Es ist schon drei Uhr am Nachmittag, als ich losgehe. Der erste Aufstieg ist leicht, kome kaum ins Schwitzen, dann geht es durch Nothofagus-Waelder bis zum Blick auf den Cerro Torre, die skurillste der Spitzen (über 3000m hoch). Es ist nach 5 Uhr, da ueberlege ich umzukehren – ich habe ja den Aussichtspunkt erreicht – oder noch gut 1,5 Stunden weiter bis zur Laguna Cerro. Ich gehe es an, doch nach einer guten Stunde breche ich ab, ich habe kein Wasser mitgenommen, bin durstig und es faengt schon an zu daemmern. Aber einen Super Blick auf den Cerro Torre habe ich gehabt…

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27. Februar – Schlechtes Wetter

… am Lago Desierto. Wir nehmen Merel mit, die zu Fuss unterwegs ist. Sie ist gern draußen und schiebt ihr Studium deswegen auf. Am See steigt sie aus, wir trinken einen heissen Mate Tee gegen die Kälte, dann geht sie zu Fuss weiter nach Chile, es sind 12 km bis zur Grenze, dann über einen Berg zum O’Higgins See…

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28. Februar  *  Facing Fitz Roy

L1030040L1030051Gegen 7 Uhr krieche ich aus meiner Koje im Bus und draußen ist ‘das Wetter’! Ich kann es kaum glauben nach dem verregneten Gestern. Also geht es los, ein schneller Tee, den Rucksack gepackt, Wasser, Obst und Süßes – und Tschensi bringt mich mit unserer Van 10 km weiter, wo der Aufstieg am schönsten ist – so habe ich mir sagen lassen. Er selbst will lieber reiten, aber ich brenne darauf, endlich dem Berg der Berge näher zu kommen. Um 8 Uhr gehe ich los und es ist ein wunderbarer Anfang, durch Wälder, an Wildbächen entlang und ich gehe fast allein, nur ab und an treffe ich andere Wanderer. Nach gut 3 Stunden bin ich am ‘Basislager’ angekommen, lege mich auf eine Wiese in die Sonne, vor mir der Fitz Roy fast zum Anfassen, mache die Augen zu – und tatsächlich, es ist wahr, als ich wieder schaue, das Panorama ist traumhaft…

Dann kommt der schwierige Part, es geht recht steil bergauf…

L1030031L1030034Am 28. März

.. geschafft! Und wie gut es tut, die Füße im kalten Wasser zu erfrischen!

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01.03.2014 – Auf der legendären Ruta 40 …Staub, Staub, Schotter, endlose Weite …

Bajo Caracoles und ein platter Reisen, aber endlich wieder Sprit. Cueva de las Manos, eine Oase in der Pampa, Lago Posadas und wieder ein platter.  Tschensi schiesst ein Gürteltier.

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Über den Paso Roballos nach Chile

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Nach Tagen auf der Ruta 40, nach Staub und endlosen Schotterpisten, sind wir wieder zurueck in der Zivilisation, wieder ‘On Line’, in Coihaique, dem Hauptort in der Provinz Aisen. Aber ganz spannend und echt Far Out waren die letzten Tage. Eine  letzte Nacht im Campervan endete heute frueh mit Sonnenaufgang ueber dem Lago Carrera, kurz vor Puerto Tranquilo, am Strand des recht kalten Sees. Als ich dann doch schaffte, nackt – es war niemand weit und breit in der Naehe, sonst sollte man dies hier tunlichst lassen! – ins eiskalte Wasser zu tauchen, war ich ganz eins mit der Realitaet und der Erwartung an diese Reise, genau davon hatte ich immer getraeumt: sonnige Morgen, blaue Seen, hohe Berge und die Stille. Das war kurz vor Puerto Tranquilo, weil wir vom Fahren muede waren, sind wir gestern schon fast im Dunkeln einfach eine steile Piste hinunter zum See gefahren, und dann hat sich heute Morgen noch herausgestellt, dass wir ganz nahe an den ‘Marmor-Kathedralen’ waren – auch das noch! Manchmal passt eben Alles!

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05.03.2014 – Puerto Cisnes

Eben erfahre ich, dass Daniel Hujer vor Coihaique an uns vorbeigefahren ist, schade, haetten uns  gern getroffen. Es ist seit gestern richtig schlechtes Wetter. Es regnet und ist kaum 10 Grad.  Wir flüchten zur Insel Chiloe.

  L1030403 L1030419  Die kälteste Nacht!  Nur Feuermachen hilft…

 06.03.2014  –  Chiloe Naionalpark und Castro

Nach 12 Stunden auf See durch die Inselwelt vor der Kueste Suedchiles, kommen wir frueh um 6 in Quellon auf der Insel Chiloe an. Alles grau, aufgerissene Strassen, kein Cafe offen – kein guter Empfang! Aber dann: in Castro, dem Hauptort der Insel, wird es sonnig, im Cafe Plaza fruehstuecken wir, Mokkachino, einfach koestlich! Beim Fotografieren der pittoresken Stelzenhaeuser esse ich zuviel Frambuesas, die dort wild wachsen und bekomme die Quittung 12 Stunden spaeter. Nachmittag sind wir am Pazifik, El Tepaul, Urwald wie noch nie gesehen, und die Sonne scheint. Nachts haengen wir irgendwo an der Hauptstrasse der Insel, Hunde bellen uns an, Tschensi bekommt nasse Fuesse beim Pinkeln, weil er im Dunkeln den Sumpf nicht sieht.

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07.03.2014: Es gibt Pinguine auf der Insel!

Doch zuerst fahren wir nach Chepu. Dort ist noch mehr Urwald, grosse Lenga (Nothofagus Antartika), alte Zypressen und mehr. Tschensi ist wie im Rausch und erfaehrt, daß ein Tsunami hier die ganze Lagune zerstoert hat,  Baumstuempfe ragen aus den Suempfen…

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Die Bucht bei Pinguinera

09.03.2014  – Zurück auf dem Festland: Lahuen Nadi Park, Frutillar , Puyuhue, heisse Quellen

Von Ancud sind wir schnell am Llanquihue See, wir besuchen noch den Lahuen Nadi Park mit seinen alten Alercen, essen Cebiche in Puerto Varas (Corvina = leckerst!), schlafen in Puerto Octay, das Wetter wird wieder besser, ich schwimme wieder in diesem wunderbaren See, besuchen Frutillar und fahren zu den heissen Quellen von Puyuhue am gleichnamigen Vulkan.

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 13.03.2014 – Bariloche, der Nahuel Huapi See

Morgens noch schnell in die heissen Quellen von Puyuhue, um die Kälte der Nacht zu verscheuchen, dann geht’s ab nach Argentinien. Durch dichte Wolken, über einen Pass, der 2011 vom Vulkanausbruch eines Kraters des Petrohue Vulkans verschüttet wurde, und die Asche bis Bariloche über 100 km weit das ganze Land zudeckte…

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15.03.2014 – Inselwelt Angra dos Reis

Angekommen in Brasilien, die Reise neigt sich dem Ende zu, die Wärme genießen – da ist der Törn durch die Inselwelt nördlich von Rio gerade das Richtige: Musik und Baden.

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RIO DE JANEIRO

Die letzten Tage: Copacabana und Fussball, Fluminense gegen Vasco

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Last but not least:

Wir haben doch keinen Fisch gefangen. Bis zum Fund einer Angelschnur kamen wir, aber nicht weiter. Wir hätten uns einen Köder machen sollen, eine sogenannte ‘Fly’. Doch selbst Tschensi mit seinem handwerklichen Geschick hat es nicht hingebracht. So aßen wir nur manchmal Fisch und meist rohen, Cebiche in Limonesaft gegart. Es war aber auch in Argentinien recht preiswert. Dort stehen Steaks auf der Speisekarte und der weltbeste Rotwein, Malbec. Da sind wir einfach umgestiegen auf roten Wein und rotes Fleisch, nicht immer, aber öfters. Und einmal an der Grenze  Argentinien – Chile, die wir auf dieser Reise ja öfters überquert haben in allen Richtungen, haben uns die Chilenen diese köstlichen Steaks, die wir in Argentinien gekauft haben, konfiszieren wollen – man darf keine Lebensmittel oder anderes Pflanzliches in Chile einführen – da habe ich an der Grenze unseren Gasherd angeworfen und wir haben direkt vor dem Zollhäuschen unsere Steaks gebraten und gegessen, da wird manchem Zöllner das Wasser im Mund zusammengelaufen sein, war aber nicht so beabsichtigt. Es hat trotzdem geschmeckt und Ärger gab es auch nicht deswegen, am Schluss haben alle gelächelt über diese verrückten Alemanos.
Ja, und das mit der Honig- oder Mehl-Insel ist auch nichts geworden. Es war mir in Brasilien einfach zu heiss, obwohl ich das normalerweise liebe. Aber nach den klaren, kalten, regen- und sonnenreichen Tagen in dem richtig gesunden Klima Patagoniens, das mir Körper und Geist erfrischt hat, waren die Tropen in dem Moment nicht mehr so reizvoll, sondern eher drückend und beschwerlich. Von der Honiginsel melde ich mich ein ander Mal.
Jürgen Janßen – 26. März 2014

 

 

 

 

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