Kupfercanyon Mexiko Mai 2014

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01.05.  Auf nach Mexico

Abends startet mein Flug von Hamburg über München nach Mexiko. Eine lange Nacht, der Flieger ist voll, aber zum Glück habe ich wenigstens einen Gangplatz.

02.05. El Fuerte

Nach pünktlicher Ankunft in Mexico City muss ich mein Gepäck holen, durch die Immigration und den Zoll und dann das Terminal wechseln. Das ist aber kein Problem mit dem Aerotren, der das nationale und internationale Terminal verbindet. Mein Weiterflug nach Los Mochis ist pünktlich, so dass ich um 09:00 Uhr Ortszeit dort lande. Mein Transfer nach El Fuerte wartet schon. Zusammen mit drei netten Mexikanerinnen geht es in 1,5 Stunden per VAN in die kleine Kolonialstadt. Mein Hotel Posada del Hidalgo ist sehr schön, die Zimmer zwar etwas dunkel, aber hübsch und mit Klimananlage, das macht die Hitze erträglich. 

Ich mache einen kleinen Spaziergang durch den netten  Ort, ehe die Hitze noch größer wird. Leider verhindert mittags ein übereifriger Hahn meine dringend benötigte Siesta, um die 8 Stunden Zeitunterschied zu verarbeiten. Also esse ich erstmal etwas – sehr zu empfehlen ist die örtliche Spezialität Lobino, Flussfisch aus dem Rio Fuerte! Anschließend gehe ich mit den drei Mexikanerinnen ein erfrischendes Raspeleis auf dem schönen Zocaló essen– obwohl ich Zweifel habe, dass mein deutscher Magen das verträgt. Aber ich vertraue den Einheimischen..

Später am Nachmittag unternehmen wir eine sehr schöne Bootsfahrt auf dem Rio Fuerte. Unser Guide zeigt uns viele einheimische Vögel, außerdem stoppen wir für einen kleinen Spaziergang zu prähispanischen Steinglyphen in der Nähe. Glücklicherweise hat der Guide Mosquito-Spray dabei! Rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir zurück und gönnen uns noch ein Corona-Bier auf der schönen Hotelterrasse.

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03.05. El Fuerte – Cerocahui

Nach dem Frühstück  geht es pünktlich um 07:45 zur Bahnstation von El Fuerte, wo schon einige andere Touristen auf den CHEPE warten. CHEPE ist die Abkürzung für Chihuahua al Pacifico. Der Zug fährt täglich in ca. 15 Stunden (oder auch mal mehr) knapp 650 km von Los Mochis am Pazifik nach Chichuahua , zeitgleich fährt auch ein Zug in die entgegengesetzte Richtung. Während der Zugfahrt werden 3 verschiedenen Vegetationszonen durchfahren, es geht von Meeresspiegelhöhe bis auf über 2.400 m   hinauf. Eine wunderschöne Zugfahrt! Die erste Klasse „Primera Express“  ist sehr gemütlich,  große Fenster erlauben einen guten Blick auf die vorbeiziehende Landschaft. Auch ein Speisewagen mit Panoramafenstern ist vorhanden, und das Essen ist sehr lecker. Die erste Etappe bis Bahuichivo ist die spektakulärste, durch viele Tunnel (ingesamt 88 auf der gesamten Strecke) und über schwindelerregend hohe Brücken (mehr als 30 insgesamt) fährt der Zug in etwa 4 Stunden  gemächlich bis nach Bahuichivo auf ca. 1800 m. Höhe. Die Landschaft ist momentan sehr trocken – die Regenzeit beginnt erst im Juni – aber trotzdem faszinierend.

Wir steigen in Bahuchivo aus, es wartet bereits ein Transfer des Hotel Mision auf uns. 12 km sind es bis zum kleinen Ort Cerocahui, wo unser Hotel direkt gegenüber der Kirche liegt. Auch dies ein schönes Hotel im Kolonialstil. Nachmittags unternehmen wir einen Ausflug zu einem nahegelegenen Wasserfall, ich zu Fuß, die beiden Damen zu Pferde. Unser Guide  führt uns durch den staubtrockenen Ort in ein schönes Seitental zum Wasserfall , der eigentlich gerade keiner ist, es plätschert nur leicht. Wieder zurück im Hotel nach einer schönen 2-Stunden-Tour wartet schon das Abendessen – wieder 3 Gänge. Die Mahlzeiten sind bei vielen Hotels im Kupfercanyon schon inklusive, da es in einigen Orten kaum Restaurants gibt.

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04.05. Cerocahui: Cerro Gallegos und Paraiso del Oso

Vormittags fahren wir mit ein paar anderen Hotelgästen in ca. einer Stunde über eine Schotterpiste hinauf zum Aussichtspunkt Cerro Gallegos. Die Aussicht von hier oben ist wirklich spektakulär. Wir blicken hinunter in den Urique-Canyon, den tiefsten der Canyons hier im Kupfercanyon-System ,  und auf das Dorf Urique, das knapp  1700 m unter uns liegt. Noch schöner muss es nach der Regenzeit sein, wenn alles grün ist. Der Copper Canyon ist vier mal größer als der Grand Canyon in den USA und mindestens genauso spektakulär. Wieder zurück im Hotel verabschiede ich mich von meinen neuen mexikanischen Freundinnen, sie fahren mit dem Zug weiter, ich bleibe noch in Cerocahui.

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Jetzt wartet Hugo auf mich, Manager des Hotels Paraiso del Oso , wunderschön gelegen ein paar Kilometer außerhalb von Cerocahui in einem kleinen Tal. Diese urige Ranch wird von einer Familie betrieben, Diego, der Besitzer, ist leider verreist. Aber sein Sohn Hugo und dessen Frau kümmern sich rührend um mich, lecker und üppig bekocht werde ich von Hugos Schwester, und mit Jaime, seinem Neffen, unternehme ich die Ausflüge. Als erstes geht es in der prallen Mittagshitze per Pferd durch das ausgetrocknete Flussbett und hinauf auf einen kleinen Hügel. Eigentlich kann ich gar nicht reiten, aber ich vertraue meinem Pferd, es läuft einfach stur hinterher. Zwei Stunden lang fühle ich mich wie ein Cowgirl im Wilden Westen. Die Umgebung der Ranch ist idyllisch, ohne Autolärm, ab und zu kreuzt ein frei laufendes Rind unseren Weg. Wieder zurück und nach einer kleinen Pause klettern Jaime und ich hoch zum „Oso“, dem Felsen, der aussieht wie Yogi-Bär und dem das Hotel seinen Namen verdankt. Der Ausblick ist beeindruckend, von unten sieht es gar nicht so hoch aus.

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05.05. Cerocahui – Posada Barrancas

Es gibt erst um 8 Uhr Frühstück, also versuche ich, im Patio die Kolibris zu fotografieren, aber das ist gar nicht so einfach. Später  führt Jaime mich auf einer kleinen Wanderung zur „Cueva de las Cruzes“, einer Höhle, in der während der mexikanischen Revolution 72 Tarahumara-Indios, die sich hier versteckt hielten, an der Grippe gestorben sind.

Mittags steht die nächste Zugetappe an, ziemlich kurz diesmal mit nur 1,5 Stunden. Während des Zwischenstopps wird der Zug von Tarahumara-Frauen belagert, die ihre geflochtenen Körbe verkaufen wollen.

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In Posada Barrancas wartet schon der Hotelbus auf die neuen Gäste, der Weg bis zum Hotel Mirador ist nur kurz.  Das Hotel „klebt“ am Canyon, jedes Zimmer hat einen Balkon mit toller Aussicht, auch vom Panorama-Restaurant und der Terrasse hat man eine wunderschöne Sicht. Später unternehme ich einen Spaziergang oben am Canyon-Rand, tief unten sieht man die Seile der Zip-Line und den Parque Aventuras. Weiter unten am Canyon geht es vorbei an der „Cueva del Chino“, hier wohnen Tarahumara-Indios sehr einfach in Höhlen, an die die Zimmer angemauert wurden.

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06.05. Posada Barrancas – Creel

Kurz nach Sonnenaufgang unternehme ich eine schöne  Canyon-Wanderung mit einem Guide des Hotels zu einer Tarahumara-Höhle.  Wunderschön, wie die Sonne aufgeht und langsam das Leben erwacht. Wieder zurück im Hotel erwartet mich ein üppiges Frühstück im Panorama-Restaurant.

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Anschließend geht es mit anderen Hotelgästen ein kurzes Stück per Bus zum “Abenteuerpark”, der vor ca 3 Jahren hier entstand.  Die weniger Mutigen unternehmen eine Fahrt mit dem „Teleferico“ , der Seilbahn, die alle halbe Stunden über den Canyon fährt. Die Unerschrockenen entscheiden sich für die Zip-Line – so auch ich. Die Zip-Line führt über 7 Teilstrecken und 2 Hängebrücken über diverse kleinere Canyons und endet nach insgesamt 6,4 km wieder an der Talstation der Seilbahn.  Unsere Gruppe von ca. 10 Personen wird von 3 erfahrenen Guides begleitet, die den Ablauf erklären, uns mit der nötigen Ausrüstung ausstatten und uns an den jeweiligen Stationen ein- und aushaken. Ich habe zwar schon zweimal in Mittelamerika an einer Zip-Line gehangen, aber das war kaum zu vergleichen mit dem, was mich hier erwartet. Man rauscht in großer Höhe und mit großer Geschwindigkeit quer über die Canyons, das ist nichts für Leute mit Höhenangst! Erstaunlicherweise hatte ich weniger Angst als befürchtet, nach dem ersten Teilstück eigentlich gar nicht mehr – es macht einfach riesigen Spaß! Zwischendurch muss man immer mal wieder ein Stück am Hang zur nächsten Station laufen, zweimal auch über lange Hängebrücken, die einen tollen Ausblick bieten –  für den, der das genießen kann, denn es ist wirklich hoch! Die längste Teilstrecke ist 1113 m lang, man sieht kaum das andere Ende des Seils. Hier muss man sich zu zweit in die Seile schwingen, um genug Gewicht zu haben, um bis zur nächsten Station zu kommen. Das klappt bei uns leider nicht, wir bleiben ein gutes Stück vor der Station über dem Canyon hängen und müssen uns mit Muskelkraft rückwärts zur Station ziehen, angefeuert von den anderen. Da hatte ich dann doch etwas weiche Knie!  Aber die letzte Teilstrecke ist dann nicht mehr so schlimm, nur noch knapp über 700m lang…. Zurück zum Ausgangspunkt geht es anschließend entspannt mit der Seilbahn.

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Mittags geht die Zugfahrt weiter nach Creel. Unterwegs stoppt der Zug für eine Viertelstunde bei Divisadero , wo man nochmal einen Blick in den Canyon werfen und sich an den zahlreichen Ständen mit leckerem Essen und weiteren Souvenirs eindecken kann. Nach 2 Stunden erreiche ich den kleinen Ort Creel, zum Hotel ist es wieder nur ein kurzer Weg und ich treffe eine Deutsche wieder, die ich ein paar Tage vorher schon im Zug kennengelernt habe.  Zusammen planen wir das Programm des nächsten Tages und machen noch einen schönen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt über das Tal von Creel.

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07.05. Creel – Chihuahua

Wir kaufen Vorräte für unser Picknick (Obst, Brot und leckeren Mennoniten-Käse), holen die schon reservierten Räder ab und starten unsere 20km-Tour durch die Umgebung, wo fast nur Tarahumara-Indios in kleinen Hütten verstreut in der Landschaft leben. Hier wird der Boden noch mit Hilfe von Pferden gepflügt und Mais per Hand gesät.  Die Mountain-Bikes sind glücklicherweise sehr stabil, denn es geht über Schotter- und Sandpisten, nur das letzte Stück ist Straße. Leider ist es sehr windig und ab und zu werden wir von Sandwolken gebremst, die uns den Staub in die Augen wehen.  Erste Station sind die Cuevas de San Sebastian in einer kleinen Tarahumara-Siedlung, weiter geht es zum Valle de Los Hongos (Pilztal) und Valle de las Ranas (Froschtal), wo bizarre Felsformationen mitten in der Landschaft stehen. Höhepunkt ist aber das Valle de los Monjes (Mönchstal) mit riesigen Felsen, die spektakulär in die Höhe ragen. Hier lassen wir die Räder stehen und klettern ein bisschen durch diese seltsamen Felsformationen. Weiter geht es über Sandpisten durch trockene Kiefernwälder bis hinunter zum Arareko-See, wo wir uns eine Picknickpause gönnen.

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Nachmittags fahren wir mit dem Zug weiter bin nach Chihuahua, die längste Etappe mit 300 km in ca 5 Stunden. Am Anfang ist es noch bergig und menschenleer, später wird es flacher, wir fahren durch Siedlungsgebiet der Mennoniten, in der intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Aber langweilig wird es nie.

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Pünktlich um 21 Uhr kommen wir in Chihuahua an, nehmen ein Taxi zum Hotel in der Innenstadt und drehen noch eine Runde um die schöne Kathedrale der Stadt.

08.05. Chihuahua – Mexico City

Nach einer kurzen Nacht fliege ich schon um 6 Uhr morgens nach Mexico.  Tagsüber erkunde ich das historische Zentrum Mexico Citys und die Einkaufsstraßen rund um den Zocaló. Während ich die Kathedrale besichtige, gibt es offensichtlich ein Erdbeben der Stärke 6, das ich allerdings gar nicht richtig mitbekomme. Ich wundere mich nur, dass auf dem Zocaló alles stillsteht, als ich wieder rauskomme. Von der Dachterasse des Holiday Inn Hotels genieße ich den schönen Ausblick auf den Zocaló von oben. Leider fängt es an zu regnen, ich beschieße, mir den Palacio de Bellas Artes von innen anzuschauen. Ein tolles Gebäude, innen gibt es riesige Murales (Wandmalereien) u.a. von Diego Rivera zu bestaunen und eine Picasso-Ausstellung läuft ebenfalls gerade. Später bin ich noch zum Essen verabredet. Wir gehen in die Casa de los Azulejos, ein wunderschönes, mit Kacheln verkleidetes Gebäude aus dem 16. Jhdt.  Im Innenhof befindet sich ein nettes Restaurant, in dem man in toller Atmosphäre sehr gut mexikanisch essen kann.  Eine Margarita gibt´s zum Abschluss meines kurzen, aber sehr intensiven Mexiko-Trips.

09.05. Rückflug

Leider geht es heute schon zum Flughafen – per  vorbestelltem Taxi kein Problem und auch nicht teuer. Adiós Mexico.

Mein Tip:

Ich kann nur jedem empfehlen, auch den Kupfercanyon-Anschluss nach unserer Baja –California-Tour mitzumachen. Es lohnt sich wirklich – man reist sicher, entspannt und komfortabel durch eine wunderschöne Landschaft.  Auch als Individualreise ohne Reiseleiter ist eine Kupfercanyon-Tour problemlos zu organisieren.

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