Expeditions-Kreuzfahrt mit der Stella Australis durch die Inseln Patagoniens und Feuerland

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100_6451Noch in Deutschland habe ich mir vorgestellt, dass es in Südpatagonien und am Kap Hoorn total kühl, regnerisch und irre stürmisch ist. Die Bilder, die ich so von Kap Hoorn im Kopf habe, drehen sich um Schiffbrüchige, 10 Meter hohe Wellen und Skorbut. Davor zumindest werde ich hoffentlich verschont bleiben. Die Tour ist ja nicht so lange und auf einem Kreuzfahrtschiff gibt es ja immer gute Verpflegung. Ich kann es also wagen und schließlich will man ja auch kennen, was man verkauft. Ja klar, und Pinguine wollte ich ja immer schon mal in Ihrer natürlichen Umgebung sehen.

15.02.2014 – Punta Arenas – die Hauptstadt der Magellan-Region

Mittags komme ich ganz im SüdenKarte Patagonien Chiles an, wo das südamerikanische Festland aufhört. Gegenüber Santiago ist es hier zwar kühl  – etwa 14 °- aber lange nicht so ungemütlich wie ich es mir vorgestellt habe. Das Wetter in Punta Arenas ist heute sonnig, frisch und windig. Der Taxifahrer erklärt mir dann auch, dass von Oktober bis März meist sogar den ganzen Tag die Sonne scheint und es in den letzten Jahren immer wärmer geworden sei.  Minusgrade gäbe es eigentlich das ganze Jahr über nicht. Allerdings müsse man auch mit Windstärken über 200 km klar kommen. Er zeigt dabei auf die Bäume an der Straße (Südbuchen?), deren Äste  auch ganz “windschief” nur in eine Richtung wachsen. So ist das also mit dem Wetter in Punta Arenas. Da packe ich doch besser gleich noch meine Fleece-Jacke und meine Mütze aus. Zunächst fahre ich zum Stadtbüro-Terminal von Cruceros Australis um mich anzumelden und  einzuchecken.  Das Gepäck kann ich gleich hier abgeben. Es wird dann zum Schiff transportiert. Das ist gut, dann kann ich mir die Stadt noch etwas ansehen.

Die Stadt scheint erst mal nicht so der Hit. Aber es gibt ein paar urgemütliche Restaurants hier. Die Zeit bis zur Abfahrt lässt sich also sehr gut überbrücken. Es stellt sich dann auch heraus, dass es den guten Carmenére Rotwein gibt, den ich mal von Freunden (wohl  wegen des Namens) zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und der mir, obwohl ich eigentlich sonst keinen Rotwein vertrage,  super gut bekommen ist. Wie ich jetzt vom Kellner erfahre, liegt das vielleicht daran, dass der Carmenére ganz wenig Tanin enthält. Dennoch, mehr Wein geht jetzt nicht. Besser wäre es, eine Kleinigkeit zu Essen. In so etwas wie einer Markthalle finde ich mehrere kleine Restaurants, die ein wahnsinnig großes Angebot an Meeresfrüchten haben. Ich entscheide mich für mit Meeresfrüchten gefüllte Empanadas und bereue es nicht. Es sind die Besten die ich je gegessen habe! Dann wird es aber Zeit mal so langsam zum Hafen zu gehen. Crucero Australis hat auch hier ein eigenes Terminal. Das ist quasi das Tor zur Antarktis. Hier werden auch die Pässe gecheckt und das Handgepäck durchleuchtet. Das Wetter ist gut und ich wäre eigentlich gerne über den Steg zum Schiff gelaufen. Aber alle werden in den bereits bereitstehenden Bus verfrachtet und die paar Meter zum Schiff gefahren. Dann geht es auf das Schiff, wo mein Gepäck bereits in der Kabine auf mich wartet. Das Fenster meiner Kabine ist so groß wie eine Leinwand. Ich bin begeistert.

Kabine Stella Australis

Um 19.00 Uhr gibt es dann auf dem Schiff einen Begrüßungscocktail, die Besatzung wird vorgestellt und die notwendigen Sicherheitseinweisungen werden gegeben. Die Rettungsweste in meiner Kabine hatte ich schon entdeckt. Um 20.00 Uhr sollten wir eigentlich auslaufen, deshalb bin ich nochmal raus auf Deck gegangen. Aber es dauert und dauert. Dann endlich kommt ein kleiner Lieferwagen mit quietschenden Reifen vorgefahren und bringt eine Uniform. Offensichtlich musste die Uniform des Kapitäns mal Express gereinigt werden. Dann ertönt aber wirklich das Schiffshorn. Und gleich gibt es auch schon das Abendessen.  Es wird um  20.30 Uhr  im Speisesaal stattfinden. Sehr angenehm auch hier:  es erscheint wirklich keiner in “Abendrobe”.  Es herrscht eine lockere, entspannte Atmosphäre, bei der man auch als Alleinreisende mit seinen Tischnachbarn leicht ins Gespräch kommt. Das Essen ist natürlich köstlich. Dennoch kann ich es nicht wirklich bereuen, dass ich die Empanadas in Punta Arenas  gegessen habe. Nach dem Essen war es dann schon wieder Zeit zu dem Vortrag über unsere Route zu hecheln. Jetzt bin ich zurück in der gemütlichen Kabine. Draußen vor dem Fenster zieht nur Wasser und Dunkelheit vorbei. Ich bin jetzt auf der legendären Magellanstraße, werde später den Beagle-Kanal durchqueren und wenn das Wetter es zulässt, auf Kap Hoorn anlanden.

Das dürften die letzten Zeilen sein, die ich vom Schiff schreibe, weil wir schon darüber informiert wurden, dass es keinen Internetanschluß hier auf dem Schiff in der Inselwelt Südchiles kurz vor der Antarktis  gibt – mit einer Ausnahme, aber dazu kommen wir später!

Das Schiff fährt in der Nacht, draußen ist kein Licht mehr zu sehen. Die bewohnte Welt liegt hinter mir. Durch die Inselwelt rund um Feuerland, heute Nacht durch die Fjorde des südlichen Eisfeldes, des ‘Campo de Hielo Darwin’, und zu seinen Gletschern…

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16.02.2014 – Sonntag: Auf See, Landung in der Ainsworth Bucht und die Pinguin Insel
Im Morgengrauen durchfährt die Stella Australis den Almirantazgo-Fjord bis zur Ainsworth-Bucht mit dem Marinelli-Gletscher im Hintergrund. Etwa 90 Seemeilen haben wir jetzt von Punta Arenas aus zurückgelegt.  Als ich aufwache, sehe ich schon den Gletscher vor meinem Panorama-Fenster und ich bin mitten drin, liege aber noch warm verpackt im Bett. Was für ein Luxus. Heute steht der erste Landgang in die Ainsworth – Bucht bevor. Daher stehe ich dann doch besser auf. Nach dem Frühstück haben wir dann erst einmal Anweisungen bekommen, was wir anziehen sollen, wie man in die Zodiacs (sehr stabile Schlauchboote) ein – und aussteigt und was es zu sehen gibt. Dann werden wir in deutsch-, englisch oder spanischsprachige Gruppen eingeteilt. Ich entscheide mich für die spanischsprachige Gruppe, in der bunt gemixt viele Nationalitäten zusammen gewürfelt sind. Der Himmel ist etwas bedeckt und ab und zu regnet es auch etwas. Aber es ist nie kalt und es tut gut, sich zu bewegen. Die Luft hier, weitab jeglicher Zivilisation, ist wirklich rein – es herrscht absolute Stille und die Natur scheint lautlos zu atmen. Wir erkunden über Stege den magellanischen Urwald. Eine geheimnisvolle, feuchte, dampfende Welt.  Unser Guide Rocky ist super symphatisch und erklärt uns viel über die Flora und Fauna. Wir machen das erste Mal Bekanntschaft mit den überlebenstüchtigen “Früchtchen”, den gutschmeckenden Calafates. Als wir zurück zur Anlegestelle kommen, scheint die Sonne und ich finde auch noch eine ganz besondere patagonische Muschel.

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Nach dem Mittagessen fahren wir zu den Tucker-Eilanden. Dort beobachten wir von Schlauchbooten aus ganz viele Magellanpinguine und Kormorane. Es ist kaum zu glauben, wie viele von diesen süßen ‘Vögeln’ sich dort tummeln. Sie stören sich gar nicht an uns, springen ins Wasser direkt neben uns, stehen in Gruppen zusammen zum ‘Gespräch’, als ob wir gar nicht da wären, oder vielleicht sind wir die Attraktion für Sie?

L1020310 L1020298 100_6590Magellan Pinguine im ‘Gespräch’ und auf dem Weg zum ‘Baden’

17.02.2014 – Pia Gletscher

Heute100_6668 fahren wir in die Pia-Bucht hinein, wo wir am gleichnamigen Gletscher an Land gehen. Es ist echt beeindruckend zu sehen, wie sich die riesige Gletscherzunge von der Gebirgskette bis ins Meer hinunter schiebt. Mit dem Zodiac müssen wir den Eisschollen ausweichen.

An Land machen wir eine kleine Wanderung und kommen nahe an den Gletscher heran. Ein einzigartiges Erlebnis – getoppt durch den anschließenden heißen Kakao und/oder Johnny Walker mit echtem Gletschereis!

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Weiter geht unsere Fahrt durch den Nordwestarm des Beagle-Kanals. Hier wartet eine ganz besondere Fahrt auf uns. Während wir draußen den ersten der „Allee der Gletscher” bewundern, ertönt kurze Zeit später innen plötzlich auf unserem Schiff Verdi-Musik und die Kellner laufen mit Pizza herum, kurz danach ertönt Blasmusik, die Kellner rennen mit Bier und Bratwürsten durch die Gegend, als dann Edith Piaf singt, denke ich schon an Rotwein und Käse, aber gefehlt, es gibt Champagner und Kanapees, bei Tulpen aus Amsterdam gibt es dann den Käse – das Ganze recht schnell hintereinander, in 30 Minuten war der Spuk vorbei. Was war passiert? Wir sind erst am ‘glaciar italiano’, dann am ‘alemán’, am ‘francés’ und zuletzt am ‘holandés’ vorbeigefahren! Was für eine abgefahrene Idee, das Essen und Trinken auf die Gletschernamen abzustimmen! 

Die “Allee der Gletscher”: Der Italiener, der Deutsche, der Franzose und der Holländer!

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 18.02.2014 – Kap Hoorn …

100_6755Weiter geht es durch den Murray-Kanal und die Nassau-Bucht und dann erreichen wir die letzte Insel am Ende der Welt: bis zu 425m hoch, die Ufer senkrecht ins Meer abfallend – Kap Hoorn! Engel reisen! Es scheint die Sonne und ist fast windstill! 

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Wir genießen das super Wetter und haben fantastische Ausblicke am südlichsten Punkt Südamerikas!

 

 

 

Die Umrundung des Kaps gehörte zu den gefürchtetsten Schiffspassagen, Schätzungen zufolge wurde die See vor Kap Hoorn mehr als 800 Schiffen und mehr als 10.000 Menschen zum Verhängnis und ist der größte Schiffsfriedhof der Welt. Zum Gedenken an alle diese Seeleute wurde ein Denkmal auf dem Kap errichtet. Drei Menschen leben dort, ein chilenischer Offizier mit Frau und Kind. Letzteres (ein Bub) bekommt Fernunterricht per Internet. Ein Jahr müssen Sie dort in der Einsamkeit ausharren, doch als die Stella Australis uns dort ‘ausspuckte’, war es mit der Einsamkeit vorbei. Viele kaufen Souvenirs oder ein Dokument, dass man auf Kap Hoorn war – offiziell mit chilenischem Siegel!

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18.02.2014 – Die Wulaia Bucht auf der Insel Navarino

Am Nachmittag erreichen wir die sagenhafte Wulaia Bucht. Hier befand sich eine der größten Siedlungen der Yamana-Indianer und Charles Darwin ging hier auf seiner Weltreise von Bord (1833). Nun war auch ich hier!

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Besonders beeindruckend ist die außergewöhnlich schöne Pflanzenwelt sowie der magellansche Urwald mit seinen Lenga-, Coihue- und Canelo-Bäumen. Südbuchen? Eher Scheinbuchen! Fast unberührte Natur, wenn nur die Biber nicht wären…

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19.02.2014 – Ushuaia

Am letzten Tag erreichen wir schließlich die südlichste Stadt Argentiniens. Ushuaia liegt am Beagle – Kanal und bedeutet soviel wie „Bucht (=aia), die nach Osten blickt“ (Sprache der Ureinwohner, der Yámana).

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Kaum zu glauben, wie groß Argentinien eigentlich ist! Deutschland schafft gerade einmal etwa 900 km von Nord nach Süd. Von Ushuaia sind es fast 5.000 km bis zur Grenze von Bolivien, La Quiaca.

 

Und weil es so wunderschön ist, noch ein gelungenes Bild am Ende einer tollen und erlebnisreichen Kreuzfahrt durch die Inseln Südpatagoniens und um Feuerland.

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