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Nepal und Oman Rundreise – Ein Bericht von Heike und Thomas Schittko

Der Reisebeginn: Zugfahrt von Halberstadt nach Frankfurt am Main

Wir starten am 6.Oktober gegen 13 Uhr mit dem Zug von Halberstadt. Es ist zwar Herbst, aber dennoch ziemlich warm (17 Grad).

Was ist in den letzten Tagen so alles in Nepal passiert? Ein Lawinenunglück mit 7 Toten; Ein Geier fliegt in Kathmandu in ein startendes Flugzeug; Die Propellermaschine stürzt ab, alle Insassen, die Piloten und die Bergsteiger auf dem Weg nach Lukla, sterben. Insgesamt 19 Tote.

Heute früh habe ich uns noch auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes angemeldet, da warnen sie vor Überfällen auf Trekking-Touristen, Vergewaltigungen von Frauen und vor Streiks und Straßensperrungen. Man solle auch nicht mit einem öffentlichen Bus fahren.

Heike zeigt mir im Zug einen Spiegel- Artikel über eine Everest Besteigung vom 19.Mai diesen Jahres. Auf dem Foto ist eine Menschenschlange von mehr als 100 Bergsteigern zu sehen, die sich gerade auf 7300 m Höhe befindet. Alle wollen auf die Spitze des höchsten Berges der Welt. An diesem Tag wollten ca. 300 Menschen auf den höchsten Berg der Welt, 9 bezahlten ihren Traum mit dem Leben.

Das hat wirklich nichts mehr mit den Idealen der ersten Bergsteiger zu tun, es ist ein eiskaltes Geschäft geworden, alle möglichen Personen auf den Everest zu schaffen. Zudem erinnert es an Massentourismus auf „höchstem Niveau“.

Uns erwartet in Nepal sicher eine völlig andere Welt. Dort wird uns wenig an das Leben zu Hause erinnern. Wir sind beide total gespannt. Wir fragen uns, wie wird unser Guide sein? Hoffentlich nett, denn wir werden 2 Wochen mit ihm zusammen sein.

Wir haben schon viele Bücher über das Leben in Nepal und das Bergsteigen im Himalaya Gebiet gelesen. Werden wir diese Berge von der Ferne sehen können? Hoffentlich passt das Wetter. Kann man erkennen, dass diese Bergen nochmal 4000 m höher sind als die in den Alpen? Wie werden wir Kathmandu erleben? Eine der dreckigsten Städte der Welt. Sie soll keine Kanalisation und auch keine Müllabfuhr haben. Wie geht so etwas überhaupt? Wir werden es letztendlich sehen und auch zu spüren bekommen.

Also ein ganz normaler Urlaub ist etwas anderes. Auch wenn andere darüber schmunzeln, für uns ist es schon ein kleines Abenteuer. Noch sind es zwei Nächte, die uns von unserem kleinen Abenteuer trennen, aber es rückt immer näher.

Flughafen Frankfurt: Flug nach Kathmandu mit Zwischenstopp in Muscat (Oman )

Heute im Flughafen hin und her geirrt. Irgendwie wollte es mit dem Zurechtfinden zwischen Reisebank und Abflugterminal nicht klappen. Jetzt sitzen wir aber in der Abflugzone und müssen noch ca. 1 Stunde warten. Hier sitzt eine ganze Reihe von Leuten mit Wanderschuhen und Rucksäcken. Wir sind also nicht allein mit unserem Reiseziel. Jetzt sitzen wir im Flieger, letzte Reihe. Der Service ist gut, selbst eine Internetverbindung im Flugzeug ist nun möglich, allerdings 10 MB für 15 Dollar. Braucht man das wirklich?

Die omanischen Stewardessen und Stewards sind gut gekleidet und sprechen Englisch. Die Flugzeit beträgt ca. 6,5 Stunden. Jetzt gibt es erst mal etwas zu essen. Gegen 23 Uhr kommen wir in Muscat an. Vom Flugzeug aus sehen wir, dass die Straßen fast alle beleuchtet sind. Aber da es dunkel ist, können wir nur erkennen, dass neben dem Flughafen eine ganze Menge Baukräne stehen. Es wird sicherlich ein neuer und größerer Flughafen gebaut. Das Flughafengebäude ist voll klimatisiert und sehr modern. Wenn keine einheimischen Leute in ihren traditionellen Gewändern rumlaufen würden, würde man gar nicht merken, dass man in einem arabischen Land ist. Frauen aus dem Oman tragen größtenteils komplett schwarze Gewänder (Burka) und das Gesicht ist bei einigen total verhüllt. Männer tragen vorwiegend weiße Gewänder (Dischdaschas) und Sandalen.

Jetzt trinken wir noch zwei Café Latte für schlappe 10 Dollar und sitzen unsere Zeit bis zum nächsten Flug um halb 3 Uhr ab. Wir starten pünktlich gegen 2.20 Uhr in Muscat. Jetzt müssen wir nochmal 4 Stunden Flug überstehen und schon sind wir in Kathmandu. Ankunftszeit ist 8.00 Uhr, in Deutschland ist 4:00 Uhr. Müde sind wir natürlich jetzt schon.

01 021. Tag: Ankunft in Kathmandu Nepal

Kurz vor der Landung gibt es einen kurzen Blick auf die grandiose Bergwelt. Die Berge, die wir zu sehen bekommen, ragen über die Wolkendecke empor und sind allesamt mit Schnee bedeckt. Beim Eindrehen des Flugzeugs sehe ich einen ausgedehnten Gletscher. Leider konnte ich kein Bild davon machen, aber gesehen ist gesehen. Wir landen pünktlich in Kathmandu. Jetzt geht es zum Visaschalter. Natürlich haben wir im Flugzeug wieder einmal die falschen Visa- Formulare bekommen und ausgefüllt. Also müssen wir die richtigen Formulare holen und diese erneut ausfüllen. Die Einreiseprozedur geht aber doch recht schnell. Wir tauschen noch Geld und dann geht es raus aus dem Flughafen.

Dort wartet schon Herr Chhitich Dhakal auf uns. Er ist allerdings nicht allein, sondern hat noch einen Fahrer und einen Kofferträger dabei. Wir fahren mit dem Auto 5km zum Hotel und brauchen dafür eine halbe Stunde. Unterwegs sehen wir massenhaft Händler, die teilweise im Dreck des Straßenrandes ihre Ware verkaufen und auch Kinder, die in verschmutzen Höfen spielen.

Im Botschaftsviertel, Lazimpath, wo sich auch unser Hotel befindet, ist es allerdings viel sauberer. Fast überall wird gebaut. Sie brechen die Häuser entweder ganz ab oder sanieren diese. Die Sanierung läuft jedoch ein wenig anders ab als bei uns. Da wird schon mal die Hausfassade abgebrochen, obwohl wir sehen, dass die Leute noch im Haus wohnen. Ein Geländer als Absturzsicherung – Fehlanzeige. Es werden auch ganz moderne Häuser errichtet, aber dennoch sind die Baugerüste oft aus Bambus. Im 5.Stock turnt ein Bauarbeiter gerade auf einem Balken rum, abgesichert ist er natürlich nicht.

Der Verkehr ist hier wie wir es schon in Laos und Vietnam erlebt haben, hektisch, durcheinander und sehr laut. Die Nepalesen fahren vorwiegend Motorrad. Autos können sich die meisten nicht leisten. Es wird hier aber links gefahren. Ich kann mich auch in 14 Tagen nicht so richtig daran gewöhnen, wo ich als Fußgänger hinzuschauen habe, um die Straße zu queren. Das Überqueren der Straßen ist meines Erachtens auch riskanter als in Vietnam und Laos. Dort konnte man langsam die Straße queren und die Fahrzeuge fuhren um einen herum. In Nepal aber muss man schon mal mitten auf der Straße stehenbleiben, anderenfalls fahren sie einen um.

Wir werden in das Hotel Shanker, einen ehemaligen Palast, gebracht und haben ein komfortables Zimmer. Alles ist sauber und ordentlich. Die Leute sind freundlich. Die Hotelangestellten tragen alle Anzug oder Uniformen, der uniformierte Portier an der Eingangstür macht jedes Mal einen Militärgruß und öffnet dabei die Tür.

Nachdem wir uns erfrischt haben, machen wir uns zu Fuß auf den Weg, ein wenig die Gegend zu erkunden. Ganz in der Nähe von unserem Hotel verläuft eine größere Straße. Dort herrscht tagsüber permanenter Verkehr. Ein Auto, Motorrad am anderen. Es ist laut und die Abgase stinken. An der Straße stehen alte traditionelle Häuser, Häuser die saniert werden, aber auch ganz neue mit moderner Architektur. Hier befinden sich auch die Botschaften anderer Länder. Aber die Gebäude der Botschaften kann man nicht sehen, sie sind mit höheren Mauern umgeben. Einen ausgebauten Fußweg gibt es nicht, aber es sieht danach aus, dass dieser vermutlich noch gebaut wird. Überall liegen Baumaterialien, wie Mauersteine, Kies, Bewehrungseisen usw. herum. Wenn man nicht die Straße benutzen will, muss man über die Baumaterialien steigen. Es ist jetzt ca. 11 Uhr und die Temperatur beträgt ca. 30 Grad. Lange spazieren wir nicht umher, noch dazu haben wir keinen Plan, wo wir eigentlich hingehen. Also gehen wir wieder ins Hotel. Vor dem Hotel ist eine schöne gepflegte Anlage mit einem großen Pool. Alles sieht sauber aus und man hört das Hupen des Verkehrs nur wenig.

Im Hotel sind die Flure reich mit verziertem Holz ausgestattet. Die einzelnen Etagen sind mit Holztreppen verbunden. Zwei Fahrstühle gibt es auch. Komisch ist nur, dass die Etagen hier mit den Nummer 4 bis 7 bezeichnet sind, obwohl die 4. Etage das Erdgeschoss ist. Welchen Grund dies hat, wissen wir nicht. Mit Aberglauben hat es wohl nichts zu tun. Im Hotelladen holen wir 4 Ansichtskarten und können diese nur mit einem großen Schein bezahlen. Da der Verkäufer nicht rausgeben kann, sollen wir die Karten mitnehmen und später bezahlen. „No problem“ – sagt er, obwohl er uns gar nicht kennt. Wir gehen anschließend an den Pool und Essen Momos – mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen mit scharfer Soße, lecker.

Nachmittags besuchen wir die Einkaufsstraßen des Geschäfts- und Restaurants Viertels im Stadtteil Thamel. Als ich mir den Stadtplan anschaue, fragt uns ein junger Nepalese, ob er uns helfen könne und wo wir hin wollen. Als wir ihm antworten, dass wir nach Thamel wollen, sagt er uns, wir könnten mit ihm gemeinsam dorthin gehen, da er auch in die gleiche Richtung muss. Auf dem Weg fragt er uns, wo wir herkommen und wie lange wir bleiben. Als wir in Thamel ankommen, verbschiedet er sich freundlich und winkt uns noch einmal zu. Wir schlendern erst einmal eine lange Straße hinunter und kommen an unzähligen Souvenirläden mit Kunsthandwerk vorbei. Das Angebot reicht von Messingfiguren, über Lampions, Bücher, Mandalas, Schals, Decken, Gebetsmühlen usw. An fast jedem Laden sprechen uns die Verkäufer an, dazu kommen noch die Rikscha Fahrer und fliegende

Händler. Es ist ein absolutes Gewusel von Fußgängern, Rikschas, Motorrädern und auch Autos. Man muss immer wieder mal nach hinten schauen, damit man nicht umgefahren wird. Ich sehe einen ersten Sadhu und fotografiere ihn. Sofort kommt er forsch auf mich zu und will dafür Geld haben. Ich bin so verdutzt und gebe ihm ca. 1 Euro, was ihm scheinbar noch nicht einmal genug ist. So meine Lektion habe ich aber gelernt. Nochmal soll mir dies nicht passieren.

Nachdem wir uns an den Läden satt gesehen haben, versuchen wir eines der im Reiseführer empfohlenen Restaurants zu finden. Es ist aber gar nicht so einfach, denn die Stadtpläne sind scheinbar nicht maßstäblich und die Straßennamen vor Ort schlecht zu finden. Nachdem wir nun die Straße auf und ab gelaufen sind, haben wir es schon aufgegeben das Lokal zu finden. Aber wieder einmal werden wir von einer jungen Frau, die aber keine Asiatin ist, angesprochen, ob sie uns helfen könne. Sie erklärt uns den Weg und nach dem wir dann noch einen Polizisten fragen, finden wir das Restaurant doch noch. Es ist ein arabisches Lokal. Es gibt keine Stühle nur Matten und niedrige Tische. Es ist richtig gemütlich. Wir bestellen uns Fladenbrot, Salat, verschiedene Vorspeisen und ich noch ein philippinisches Bier. Das Essen schmeckt sehr gut. Natürlich haben wir die Vorsätze, nur gekochtes zu Essen gleich mal ignoriert, aber es geht dennoch alles gut. Im Restaurant ist WLAN frei nutzbar, aber ich habe weder Handy noch Laptop dabei. So ein Mist, denn im unserem Hotel ist Internet absolut zu teuer. Ein wenig ärgere ich mich.

03 05

2. Tag: Besichtigung in und um Kathmandu काठमाांडौ

Heute werden wir von unserem Guide um 9.00 Uhr abgeholt. Komischerweise bin ich schon um 5.30 Uhr wach, nach deutscher Zeit 1.45 Uhr. Auf dem Programm steht der Besuch der Stupa von Swoyambhunath, die Besichtigung des Dubar Squares in Kathmandu und der Besuch der alten Königsstadt Patan. Der Stupa von Swoyambhunath liegt ca. 3 km westlich vom Zentrum Kathmandu´s und ist der bedeutendste buddhistische Stupa im Kathmandu Tal. Er geht auf das 5.Jahrhundert zurück. Von dem Stupa hat man einen guten Blick über das Tal. Als wir ankommen, müssen wir erst

einmal eine steile und lange Treppe den Berg hinauf laufen, genau gesagt sind es 365 Stufen. Die Treppe wird flankiert von bunten Figuren und Manisteinen (Steine mit heiligen Texten oder traditionellen Gebetsformeln). Am Fuß der Treppe befindet sich eine Steinplatte mit den Fußabdrücken Buddhas. Beim Hinaufsteigen begegnen wir immer wieder kleinen Affen. Daher wird der Stupa Swayambhunath auch von den Touristen „Affentempel“ genannt.

Einst war das ganze Tal von Kathmandu ein großer See. Eines Tages entdeckten Sadhus eine Lotosblüte auf der Oberfläche des Sees. Über Jahrhunderte pilgerten Gläubige an die Ufer des Sees und verehrten die Lotosblüte als Symbol Gottes. Eines Tages stieg eine leuchtende Flamme aus dem Lotoskelch, Swayambhunath entstand oder besser gesagt erschuf sich selbst – so sagt es sein Name: Der aus sich selbst erstandene Gott.

Oben angekommen, schauen uns zwei große Augen, die auf dem unteren Teil des Stupa Turmes angebracht sind, an. Diese Augenpaare sind auf allen vier Seiten des Turmes zu finden. Darüber befindet sich eine vergoldete Spitze. Dieser Stupa besteht aus einer Halbkugel auf der sich ein vergoldeter Turm befindet. Um den unteren Teil der Halbkugel sind kleine Gebetsmühlen angebracht, die durch die Gläubigen bei ihrem Meditationsgang mit der Hand in Drehung gebracht werden. Der Stupa wird immer im Uhrzeigersinn umkreist. Von unten bis zur Turmspitze sind Seile mit bunten Gebetsfahnen gespannt. Sie bewegen sich im Wind. Die Augen Buddhas wachen über die Gläubigen.

Wir besichtigen den Stupa ausgiebig. Auf dem Gelände befinden sich noch weitere kleinere Stupas in völlig anderer Ausbildung, kleine Tempel, und zwei große Buddha Figuren. Der eine kleinere vergoldete Tempel wird rege von Einheimischen besucht. Es sind vorwiegend Frauen mit ihren Kindern, die dort vor allem um Gesundheit für ihre Familien bitten.

Auf einer zweiten Treppe, die zu einer benachbarten Meditationsanlage führt, stehen Mönche mit silbernen Behältnissen, in denen sie Spenden sammeln. Ich lege einem Mönch auch eine Spende hinein und frage ihn, ob ich ein Foto machen darf. Was er natürlich bejaht.

Nach der Besichtigung machen wir uns auf den Weg zum Durbar Square in Kathmandu. Dies ist ein alter Stadtteil von Kathmandu aus dem 17. Jahrhundert. Auf dem Platz befinden sich etliche hinduistische und buddhistische Tempel. Die Tempel haben verschiedene Baustiele. Pagoden mit pyramidenförmig aufeinandergesetzten Dächern, Hier werden zwei oder drei, im Extremfall bis zu fünf Pyramiden auf ein quadratisches Erdgeschoss zu Türmen mit überhängenden Dächern aufeinandergestapelt. Typisch ist die Verwendung von Holz für die oberen Stockwerke und Backsteinziegeln für den Unterbau. Die Dachunterseiten und Säulen sind aufwendig verziert. Andere Tempel bestehen nur aus Stein und sehen aus wie kleine Paläste. Die Vielzahl der noch erhaltenen Tempel ist sehr beeindruckend. Wir kommen uns vor wie im Mittelalter. Einer der hinduistischen Tempel (Pagodenform) hat 5 Etagen und ist ca. 30m hoch.

Vor einem der Tempel sitzt eine Gruppe von Frauen, die gemeinsam Lieder singen. Auf dem Platz befindet sich auch der alte Königspalast. Wir können zwei der 35 Innenhöfe des Palastes besichtigen. Die Palastgebäude haben wunderschöne Holzschnitzereien und aufwendig gearbeitete Holzfenster.

Nun geht es zum Gebäude des Kumari Chow. Durch den Eingang gelangen wir in einen Hof, der vor allen vier Seiten durch das Gebäude umschlossen ist. Das Gebäude besteht aus roten Ziegeln und hat aufwendig gearbeitete Holzfenster und Verzierungen. Der Hof ist nicht groß, hat vielleicht eine Größe von 10 m x 10m. In dem Gebäude lebt die Kumari eine Mädchengöttin. Jeder kennt und verehrt sie. Das Mädchen das auserwählt wird, die aktuelle Kumari zu sein, führt von da an ein klösterliches Leben. Die Auswahl wird unter hunderten von 3-5 jährigen Mädchen getroffen. Die müssen 32 Punkte erfüllen, wenn sie alle Punkte haben, dann werden diese in einen Kreis gesetzt und wer keine Angst zeigt muss dann aus mehreren Dingen das herausfinden was der vorigen Kumari gehört hat. Das Mädchen, das es schafft wird zur neuen Kumari erkoren. Dann bleibt sie solange die Kumari, bis ihre Menstruation zum ersten Mal eintritt oder sie sonst  irgendwie Blut verliert. Ab dann gilt sie als unrein und geht sozusagen in Pension, welche vom Staat gezahlt wird.

Der Kumari-Kult vermischt Hinduismus und Buddhismus. Die Herkunft dieses Kultes ist nicht sicher. Einerseits wird die Existenz der Mädchengöttin auf die Zeit der Malla-Dynastie zurückgeführt. Damals, vor etwa 400 Jahren, soll sich einer der Malla-Herrscher der Göttin Taleju, der Hausgöttin des jeweiligen Hindu-Königs, beim Würfelspiel in eindeutiger Absicht genähert haben. Diese sei daraufhin erzürnt aufgesprungen und habe beim Verlassen des Palastes geschworen, künftig nur noch in Gestalt eines jungfräulichen Wesens aus der Shakya-Kaste zu erscheinen, jener Kaste, der einst auch der historische Buddha entstammte (hiervon leitet sich die Bezeichnung „Buddha Shakyamuni“ ab; sie bedeutet: der Weise aus dem Geschlecht der Shakya). Fortan erscheint die Göttin Taleju immer in der Gestalt eines kleinen buddhistischen Mädchens. Da aber nach nepalesischer Definition mit dem Beginn der Pubertät ein Mädchen aufhört, ein jungfräuliches Wesen zu sein, wird zu diesem Zeitpunkt die Kumari von einem anderen Mädchen abgelöst. Es soll insgesamt 12 Kumaris in Nepal geben, doch ist die populärste die von Kathmandu. Obwohl die Kumari nunmehr auch mit ihren Eltern zusammen in dem Gebäude wohnt, ist dies nicht unbedingt die schönste Kindheit. Vor allem haben es die Kumaris anschließend schwer in ein normales Leben zurück zu kehren, auch damit einem Ehemann zu finden, denn man sagt ihnen nach, dass ihre Männer bereits in frühen Jahren sterben.

Nach dem Besuch des Dubar Square gehen wir in eine der vielen Gaststätten. Wir sitzen auf einer Dachterrasse, von der wir den Königsplast und das Treiben auf dem Marktplatz beobachten. Auf dem Marktplatz sind drei parallel angeordnete lange Reihen mit Verkaufsständen. Hier werden allerlei nepalesische Artikel angeboten. Verkauft wird fast nur an Touristen.

Nachdem wir ein Mittagessen eingenommen haben, geht es mit dem Auto nach Patan. Patan liegt etwa 5 km südöstlich von Kathmandu. Man nannte es auch Lalitpur, was wiederum die Stadt der Schönheit bedeutet. Patan ist eine der alten Königsstädte der Newars und hat eine lange buddhistische Geschichte. Die Altstadt ist noch weitgehend erhalten. Auch hier stehen wieder viele Tempel, deren Schönheit insbesondere die der Schnitzereien und Verzierungen überwältigend ist. Patan ist aber auch besonders bekannt für seine Handwerkskunst in der Metallverarbeitung. Hier findet man unzählige Geschäfte, die handgefertigte Figuren verkaufen.

Daher entscheiden wir uns dafür, hier eine Messingfigur vom Hindugott Shiva zu kaufen. Dumm dabei ist nur, dass in Patan vorwiegend buddhistische Figuren gefertigt werden. Wir benötigen daher mehr als eine halbe Stunde, eine solche Figur zu finden. Aber ein Händler hat dann doch im letzten Winkel seines Hauses eine solche Figur (Preis: 4500 Rupien = ca. 45 Euro).

Am Nachmittag sind wir wieder im Hotel und gehen in ein gleich in der Nähe befindliches Café, welches wie in Europa sehr trendig eingerichtet ist. Dort schmeckt auch der Kaffee wie zu Hause. Abends machen wir uns auf den Weg nach Thamel. Dabei kommen wir an einem großen Grundstück vorbei, welches mit einer hohen Mauer und Stacheldraht umschlossen ist und große Stahltore mit zusätzlichen Fahrbarrieren hat. Es ist an mehreren Stellen bewacht und man darf keinesfalls fotografieren. Wir denken es ist ein Gefängnis, aber es stellt sich heraus, es ist nur die amerikanische Botschaft. Die müssen also ganz schön Angst haben.

Nun ein paar Worte zu Kathmandu. Wie diese einzigartige, chaotische und zugleich kulturträchtige Stadt mit ihren tausend Gesichtern treffend charakterisieren. Als Relikt aus dem Mittelalter, eine Müllhalde, ein Verkehrsproblem, eine Touristenabzocke, heilige Stadt. Jedes dieser Schlagworte ist auf Nepals weltoffene Metropole anwendbar. Dennoch haben sich unsere Bedenken, dass wir Bronchitis oder Durchfall bekommen, dass überall Müll rum liegt, dass es nach Fäkalien riecht, nicht bestätigt. Mittlerweile gibt es eine Art Müllabfuhr, die Straßen an denen die Touristengeschäfte liegen sind alle gefegt und sauber. Unser Hotel ist absolut in Ordnung. Natürlich ist dies nicht überall so, aber ein Anfang.

In einem hoteleigenen Laden kaufen wir abends noch ein Kleid für Heike und ein Hemd für mich, beides aus Baumwolle. Nichts Besonderes, nur so für zu Hause zum Relaxen. Beides kostet nur umgerechnet 15 Euro. Der Verkäufer erzählt uns dass er schon mal in Hannover war, zur Dekotex-Messe. Er freut sich mit uns über seine Deutschlandreisen zu erzählen.

04 06

3. Tag: Kathmandu/Shankhu/Nagarkot + 1.Wanderung

Heute steht die erste Wanderung an und wir werden für die nächsten Tage nur aus 2 Rucksäcken leben müssen. Die Koffer sollen im Hotel in Kathmandu zurück bleiben. Zunächst fahren wir mit dem Auto eine halbe Stunde bis nach Shankhu. Der Ort liegt im Osten von Kathmandu auf 1700 m Höhe und ist der Ausgangspunkt für eine 3 stündige Wanderung nach Nagarkot (2300 m). Die schöne Wanderung führt vorbei an nepalesischen Dörfern und soll einen grandiosen Blick auf die Gipfel des westlichen Himalayas eröffnen. Wie z.B. auch auf den Mt. Everest (Sagarmatha), aber nur bei absolut gutem Wetter. Ganz besonders schön soll auch der Sonnenuntergang in Nagarkot sein.

In Sankhu angekommen besichtigen wir einen Hindutempel. Auf dem Grundstück des Tempels leben auch ein paar Nepalesen, die gerade Essen kochen. Neben dem Wohnhaus befindet sich noch ein Stall für die Kühe. Vor dem Wohnhaus sitzen 3 Nepalesen und machen Musik. Der eine Nepalese ist so ca. 25 Jahre alt, hat lange schwarze Haare und trägt eine dunkle Sonnenbrille.

Die Musik klingt sehr schön. Vor allem der Gesang dieses jungen Nepalesen. Er spielt eine Art Schifferklavier, welches auf dem Boden steht und einen Blasebalg hat. Ich bleibe stehen und der junge Nepalese fragt mich auf Englisch, ob ich mit machen möchte, was ich natürlich ablehne. Begleitet wird er von einer Handtrommel. Wir lauschen ein wenig der Musik und dem Gesang. Nach Besuch des Tempels geht es nun auf unsere erste Wanderung. Es geht gleich von Anfang an bergauf. Die Sonne gibt sich auch die Ehre, so dass wir richtig in Schwitzen kommen. Wir kommen immer wieder an Bergdörfern und Reisfeldern vorbei. Dort können wir den Bewohnern bei der täglichen Arbeit zu sehen. Die Menschen tragen hier selbst bei der Arbeit bunte Gewänder. Viele Leute grüßen uns freundlich. Die Reisfelder liegen hier auf nichtendenden terrassenförmig aufsteigenden Berghängen und leuchten prächtig in verschiedenen Tönen, mal grün, gelb, goldig oder bräunlich. Das ganze wird verstärkt durch die Sonne. Ich muss immer wieder Fotos davon machen.

Bei der Wanderung treffen wir eine alte Frau, die mir in ihrer Sprache irgendetwas sagt, wovon ich natürlich kein Wort verstehe. Sie trägt einen Korb auf dem Rücken und hat eine Sichel in der Hand. Sie zeigt mir ihre Hand und deutet auf eine Verletzung an ihrem Finger. Ich frage unseren Guide, was sie zu mir gesagt hat. Sie hat sich mit der Sichel den Finger verletzt. Die Verletzung will nicht so richtig heilen. Wir entscheiden uns daraufhin aus unsrem Rucksack unser kleines Medizinpäckchen raus zu kramen. Heike verarztet die Frau mit Betaisodona und einem Pflaster. Ich gebe ihr noch etwas Geld. Sie bedankt sich mehrfach mit zusammen gefalteten Händen und murmelt etwas vor sich hin.

Unterwegs treffen wir auch auf einen 16 jährigen Jungen, der in den Nachbardörfern kaputte Gaskocher reparieren möchte. Er hat diesen Job in Indien innerhalb von 3 Monaten gelernt. Er hat nichts weiter dabei als einen Rucksack, an dem außen noch ein paar Ersatzteile hängen. Als Schuhe trägt er übrigens nur Flipflops. Er wird jetzt eine ganze Woche in den Nachbardörfern unterwegs sein, bevor er wieder in sein Heimatdorf zurückkehrt. Mir fällt auf, dass er lackierte Fingernägel hat. Irgendwann gehen wir getrennte Wege. Die Wanderung zieht sich immer mehr in die Länge. Insgesamt sind wir 3,5 Stunden unterwegs und bis auf die Haut nass geschwitzt. Aber dann erreichen wir endlich Nargakot, ein Ort auf einem 2300m hohen Bergrücken. Der Ort besteht fast nur aus Hotels, Imbissbuden und Souvenirständen.

Unser Hotel, das Fort Resort, liegt fast am Ende des Ortes und macht einen gepflegten Eindruck. Der Garten ist mit viel Liebe angelegt, verläuft über mehrere Ebenen und überall stehen bepflanzte Blumentöpfe. Wir schätzen mind. 500 Stück. Manche dieser Töpfe sind als Elefanten ausgebildet. Nachdem wir uns an der Rezeption angemeldet haben, wollen wir nur noch raus aus den nass geschwitzten Klamotten. Wir gehen auf unser Zimmer im 3.Stock, jedoch gibt es weder Strom noch warmes Wasser. Dieser Luxus ist uns erst ab 18 Uhr vergönnt. Also kalt duschen ist angesagt. Dann trinken wir erst mal Kaffee, essen Schokokuchen und zum Abschluss Reispudding. Reispudding ist heißer Milchreis mit Zimt, Nelken, Kokosnusstücken, Kardamom und getrockneten Früchten. Es schmeckt zwar wie Weihnachten, trotzdem genießen wir diesen Pudding. Übrigens werden wir diesen Pudding noch öfter zu uns nehmen.

Gegen 17.30 Uhr reist eine Gruppe von ca. 30 Chinesen an, es wird ziemlich laut. Obwohl diese Gruppe die letzte ist, die an diesem Tag anreist, sind sie die ersten zum Abendbrot. Es gibt ein Buffet. Alles schmeckt gut. Wir sitzen zusammen mit unsrem Guide am Tisch und bekommen seine nepalesische Esskultur zu spüren. Er ist zwar mit Messer und Gabel, aber er schmatzt sehr laut, was zur normalen Esskultur in seinem Land gehört. Ich muss, obwohl es nicht gerade ein angenehmes Geräusch ist, mir dennoch das Lachen verkneifen.

Am nächsten Tag sagt unser Guide, dass wir um 5.30 Uhr geweckt werden, damit wir die Möglichkeit haben eventuell das Himalaya Gebirge zu sehen. Dies liegt in ca. 50 km Entfernung. Wir liegen schon im Bett, als wir eine SMS von Seba bekommen. In der SMS steht, dass er gerade bei Skype angemeldet ist. Also stehen wir nochmal auf und gehen in die Rezeption, da wir nur Zugang zum Internet haben, sogar kostenlos. Wir unterhalten uns über Skype eine halbe Stunden mit Julia und Seba, bevor wir wiederum zur Bett gehen. Im Bett liegend dauert es noch eine ganze Weile, bis mal wirklich Ruhe einkehrt. Die Chinesen rennen durchs Treppenhaus, knallen die Türen und unterhalten sich lautstark. Ich kann einfach nicht schlafen.

Irgendwann schlafe ich dann doch, bevor ich gegen 2 Uhr wieder wach bin und bis 5.30 Uhr nicht wieder einschlafe.

07 08 09 10

4. Tag: Nagarkot / Nala/ Dhulikhel – 2.Wanderung

Ab halb fünf laufen die Chinesen durch das Treppenhaus und natürlich laut. Gegen 5.30 Uhr klopft es an der Tür. Ich ziehe mich an und gehe auf die Dachterrasse. Dort bin ich eingekreist von Chinesen. Ich finde noch irgendwo einen Platz für mich und meine Kamera. Der Himmel ist aber noch sehr bewölkt. Nach ca. einer halben Stunde erscheinen dann doch noch die ersten Bergriesen aus den Wolken, gigantisch, aber die Sicht ist nicht gerade besonders. Eine junge Chinesin, die nicht zu den Lautstarken gehört, spricht mich an und fragt, wo ich herkomme, was wir noch machen, was mir hier gefällt, ob ich schon mal in China war, wo ich gerne mal noch hin möchte in der Welt. Sie erzählt, dass sie in Pokhara Paragleiten war und dass ich dort auf jeden Fall die Berge zu sehen bekomme. Sie ist sehr nett. Sie macht noch ein Foto von mir, mit meiner Kamera und wünscht mir noch einen schönen Urlaub.

Heute unternehmen wir unsere zweite Wanderung. Von Nagarkot aus führt diese etwa 3 ½ stündige Wanderung nach Nala (1600 m). Von dort aus fahren wir dann mit dem Auto nach Dhulikhel. Gleich am Anfang der Wanderung sitzen zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, am Wegesrand. Sie tragen beide eine blaue Latzhose als Schuluniform. Das Mädchen hat zwei steil hochstehende Zöpfe und holt vermutlich gerade etwas zu essen aus ihrer Schultasche. Sie freut sich so darauf, sie strahlt über das ganze Gesicht. Ich muss unweigerlich an Heike denken, wenn sie Hunger hat und sich auf eine Leberwurstschnitte freut.

Die Wanderung sollte eigentlich nur bergab gehen, hat gestern unser Guide gesagt. Und nun geht es wieder bergauf und dies eine ganze Stunde lang. Als wir fast oben sind, machen wir gegenüber dem Eingang einer Militärstation eine Rast. Als wir wieder aufbrechen, kommen gerade vier Frauen, die mit Gras gefüllte Körbe auf Ihren Rücken tragen, aus dem Tor der Militärstation. Sie halten dort das Gras auf dem Gelände kurz und können so dieses Gras für ihre Tiere mitnehmen. Die Körbe sind so voll, dass man von hinten nur die Körbe und die Beine sehen kann. Damit laufen sie nun in Flipflops bergauf. Und wir jammern über das bisschen Last unserer Rucksäcke.

Obwohl es dann endlich bergab geht, ist die Wanderung dennoch anstrengend, denn sie führt über gepflasterte holprige Wege. Die Füße tun ein wenig weh. Auf dem weiteren Weg treffen wir auf eine Gruppe von Männern, die Teer für den Straßenbau flüssig macht. Dazu haben sie mehrere kleine Gruben ausgehoben, in denen Holzfeuer brennen. Über der einen Grube liegt eine Blechtonne, in die ein großes Loch aus der Wandung herausgeschnitten wurde. Hier wird der Teer verflüssigt. Daneben befinden sich 3 nebeneinander angeordnete Gruben, über die ein großes Blech liegt. In allen Gruben lodert ein Feuer. Auf dem Blech verteilen sie Teer und vermischen diesen mit grobem Splitt. Wenn alles schön durchgemischt ist, kommt diese Masse auf den Lkw und dann rasen diese mit einem Affenzahn den Berg zur Straßenbaustelle hinunter. Straßenbau nepalesisch – mit wenig klar kommen – wie in der DDR.

In einem Dorf steht ein kleines Mädchen unter dem Vordach des Wohnhauses. Sie trägt nur eine rosa Bluse und ein Armreif, sonst nichts, also auch keine Hose. Sie ist sehr niedlich. Vermutlich trägt sie nicht aus Armut keine Hose, sondern so vermeidet man, dass nichts in die Hose geht und die sicher wenig vorhandene Kleidung schmutzig wird.

Die Häuser in den Dörfern bestehen vorwiegend aus Lehm und haben Blechdächer. Unter den Vordächern hängt die Wäsche zwischen Maiskolben zum Trocknen. Unterhalb des Vordaches ist meist auch noch ein kleiner Stall integriert, in dem Ziegen, Schafe oder Kühe stehen. Vor den Häusern liegen oft auf ausgebreiteten Tüchern oder Säcken, Mais- und Reiskörner, Hirse, Senf, Bohnen, Chili zum Trocknen. Der Chili hat hier eine Form wie Cocktail-Tomaten. Hühner laufen über die Auslagen und picken sich Körner vom Reis und Mais weg. Die Reishalme werden in Bündeln getrocknet und auch als Eindeckung für die Dächer genommen. Die Stiele und leeren Kolben der Maispflanzen werden alle getrocknet und als Brennmaterial für den Ofen genutzt. Es ist zwar alles schön anzusehen, wenn diese bunten Auslagen in der Sonne erstrahlen, aber es ist harte und mühsame Arbeit. Ich sehe wie eine Frau mit einer normalen Holzlatte die Hirse drischt.

Wir treffen unterwegs auch immer wieder auf fröhliche Kinder. In einer Schule ist gerade Pause. Die Kinder kommen heraus, sehen uns und rufen alle durcheinander: „Namaste, would you make a picture?“ und vieles mehr. Manche Kinder warten regelrecht darauf, dass man sie fotografiert. So auch eine Gruppe von 4 Mädchen. Sie haben sich alle nebeneinander gestellt und warten auf mich. Es ist also überhaupt kein Problem die Kinder hier zu fotografieren. Sie freuen sich selbst dann, wenn sie das Bild noch nicht mal sehen. Natürlich gibt es auch einige, die um Geld betteln, aber das ist die Ausnahme.

Nach nunmehr 3 ½ Stunden kommen wir im Zielort an Nala an. Dennoch zieht sich der Ort noch so in die Länge, das wir bis zum Auto noch eine Stunde benötigen. Im Ort kommen wir an Feldern vorbei, auf denen gerade die Ernte stattfindet. Alles wird in reiner Handarbeit erledigt. Der Ort Nala ist kein schöner Ort, er erinnert uns mehr an die Zustände des Mittelalters. Manche Straßen sind eng und schmutzig, es laufen die Abwässer aus den Häusern und es stinkt. Trotzdem tragen die meisten Leute saubere und farbenfrohe Kleidung. Die Frauen und Mädchen sind geschminkt. Mir fällt eine junge Frau auf, die gemeinsam mit andern Frauen auf einer Treppe sitzt. Sie trägt ein gelbes Kleid und ist bildhübsch. Es ist immer wieder erstaunlich, dass die Menschen trotz ihrer Armut nicht unglücklich aussehen und ebenso, dass sie oft gut und farbenfroh gekleidet sind. Diese bunte Kleidung ist meist die Einzige, die sie besitzen. Daher tragen sie ja nicht nur in ihrer Freizeit, sondern genauso auf dem Feld. Durch diese farbenfrohe Kleidung bekommt die Feldarbeit für einen Außenstehenden ein viel harmloseres Bild, irgendwie romantisch malerisch – was sie natürlich unzweifelhaft nicht ist. Aber auch hier sieht man, dass sich die Leute gegenseitig helfen, was bei uns nicht mehr üblich ist.

Als wir endlich wieder im Auto sitzen, können wir uns ausruhen. Die Fahrt geht nach Dhulikel. Dhulikel war einst ein wichtiger Durchgangsort von Tibet in den Osten Nepals, wo auch viel Handel getrieben wurde, daher hat sich hier noch sehr viel von den alten Traditionen und der Handwerkskunst der Newars erhalten. Der Ort liegt eingebettet zwischen Hügeln und grünen Wäldern und mit Blick auf die Himalaya Kette. Allerdings was wir von dem Ort sehen, haut uns überhaupt nicht aus den Schuhen. Als wir den Ort erreichen, kommen wir an einem Stallgebäude vorbei, dort steht eine größere Ansammlung von Büffeln. Wie wir von unserem Guide erfahren, handelt es sich um eine Milchstation. Die Hauptstraße im Ort ist stark befahren. Auf beiden Seiten der Straße stehen aneinandergereiht größere Häuser, mit 2 bis 5 Etagen. Sie sind zwar fast alle neu, aber sehr steril. Vor den Häusern stehen Händler mit Ihren Ständen, es liegt viel Unrat herum. An einer Stelle stehen 10 chinesische Wasserbüffel, also die motorisierte Variante eines kleinen Traktors mit Hänger mit insgesamt 3 Rädern. Auf jedem Gefährt sitzt eine Person, vermutlich warten sie auf einen Auftrag etwas zu transportieren.

Unser Hotel liegt wirklich gut und hat ein gepflegtes Umfeld mit Pflanzen und Terrassen. Aus dem Zimmer können wir direkt auf die Bergwelt schauen und ab und zu schaut sogar ein 6000 er heraus. Das Hotelzimmer ist wirklich riesig. Es stehen insgesamt 3 Betten darin, Tische und Stühle und dennoch ist noch Platz. Allerdings riecht alles ziemlich muffig. Als ich einen Schrank öffne, worin sich noch weitere Decken befinden, haut es mich tatsächlich fast um. Aber das Bad „entschädigt“ für alles. Die müssen gewusst haben, dass wir die DDR-Einrichtungsstandards noch gut in Erinnerung haben. Hier sind sie originalgetreu nachgebildet. Aber wir haben heißes Wasser. Nach dem Duschen setzen wir uns in den Garten des Hotels und trinken Kaffee, der zu mindestens auf der Karte so bezeichnet wird. Anschließend essen wir noch Momos und Reispudding, die im Gegensatz zum Kaffee köstlich schmecken.

Zwischenfazit: Es ist sicherlich kein erholsamer Traumurlaub, man muss schon vom deutschen Standard viele Abstriche machen, aber nur so kann man die Welt kennenlernen. Andere sagen, so viel Geld ausgeben und in so einen Dreck zu fahren, aber für uns ist das Wichtigste, dass man andere Menschen, Kulturen und auch das einheimische Essen kennenlernt. Und es ist auch wie ein kleines Abenteuer, ohne dass wir dafür ein großes Risiko eingehen müssen. Wir brauchen keine spektakulären Erlebnisse, wie Rafting, Bungeespringen oder Paragleiten. Wir sind einfach an den Menschen interessiert. Der Kontakt mit den Menschen anderer Kulturen ist so spannend und bleibt uns im Herzen erhalten.

Abends gehen wir in der Hotelgaststätte gemeinsam mit Chhitish Abendbrot essen. Es gibt Buffet, was auch vollkommen ok. Ist. Dazu trinke ich ein nepalesisches Bier (Gurkha Beer 0,7 Liter Flasche).

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5. Tag: Dhulikhel/ Namabuddha + 3.Wanderung

Heute geht es auf unsere dritte Wanderung nach Namabuddha, wo wir einen Stupa und ein Kloster besichtigen wollen. Der Weg führt durch das ländliche Nepal und wir kommen ganz nah an Bauernhöfen und Wohnhäusern vorbei und können die traditionellen Anbaumethoden der ländlichen Bevölkerung sehen. Natürlich geht es gleich von Anfang an wieder bergauf. Aber nach dem ersten Anstieg kommt die Belohnung. Der Himmel gibt die Sicht auf Gipfel des Himalayas frei. Himalaya heißt:“ Platz wo der Schnee ist“. Eine Hündin hat mich auf dem Weg bis zu diesem Punkt die ganze Zeit begleitet. Aber dann ist sie plötzlich verschwunden.

Immer wieder sehen wir die gigantischen Berge in der Ferne, vor allem den spektakulären Fishtail (nepalesisch: Machhapuchhre). Der Berg heißt deshalb Fischschwanz, weil er zwei Spitzen wie ein Fischschwanz hat. Dieser Berg greift nicht nach den Wolken, sondern seine Spitze liegt eigentlich immer über ihnen. Mit seiner Höhe von 6993 m ist dies auch kein Wunder. Am Rande eines Dorfes wird gerade die Decke eines Hauses betoniert. Hier hilft man sich gegenseitig. In einem Mischer wird der Beton in so eine Art großen Blechteller geschüttet und über eine Menschenkette von Person zu Person auf die Decke gebracht. Bei unserer Wanderung treffen wir vier junge Männer. Sie studieren an der Universität in Dhulikel Elektroingenieurwesen. Derzeitig haben sie Semesterferien und nutzen den heutigen Tag, um das gleiche Kloster, wie wir, zu besuchen. Nach ca. 2 Stunden kommen wir an dem Kloster an, und denken dass wir das Ziel erreicht haben. Wir hören schon von weitem Musik aus dem Kloster. Als wir ankommen, möchte ich eigentlich dem Gesang lauschen, doch ein kleiner Hund, dem sie ein Zebramuster im Fell eingefärbt haben, weiß dies zu verhindern. Also mache ich kehrt, nichts mit traditioneller Musik. Nachdem wir dort den kleinen Stupa und eine große Gebetsmühle besichtigt haben, zeigt unser Guide auf einen steil ansteigenden Weg. Na, schön. Also ist dieses Kloster noch nicht unser Ziel. Ich sehe zu, dass ich den Anstieg so schnell wie möglich hinter mich bringe. Ich laufe daher den beiden anderen davon. Dabei komme ich ganz schön außer Puste. Fast oben angekommen, gabelt sich der Weg. Da Heike und unser Guide noch nicht mal in Sichtweite sind, entscheide ich mich nach links weiter zu laufen, natürlich wieder bergauf. Endlich oben, setze ich mich hin und warte auf die anderen beiden. Da es dauert und dauert, schaue ich mir schon mal das dort befindliche Kloster an. Aber selbst danach kommt niemand. Also gehe ich wieder den Berg runter bis zur Weggabelung. Dort sitzen zwei Nepalesen, die ich frage, ob sie eine Ausländerin mit einem Nepalesen gesehen haben. Die antworten mit ja und zeigen auf den rechts abzweigenden Weg, der ja wie zu erwarten, wieder mal bergauf führt. Ich gehe hinauf und komme klatschnass geschwitzt oben an, treffe aber auch die beiden dort sitzend. Gleich nebenan sitzen zwei Mönche auf einer Bank und lesen gemeinsam ihre Gebete aus einem Gebetsbuch. Obwohl es ein relativ monotoner Sprechgesang ist, klingt es trotzdem irgendwie schön. Das mag daran liegen, dass Ihre Stimmen wie aus dem Kehlkopf kommend klingen, also ziemlich tief. Nachdem die Mönche fertig sind, verlassen diese den Platz. Wir machen dies auch und zwar dorthin, wo ich natürlich schon war. Also bergab bis zur Gabelung und dann wieder bergauf. Strafe muss sein.

Auf der Treppe kommt uns eine Gruppe junger Studentinnen entgegen. Durch eine Bemerkung unseres Guides, die eigentlich anders gemeint war, kam bei mir und den Mädchen an, dass diese Mädchen alle meine Töchter sein könnten. Sie finden dies ganz amüsant und ich kann daraufhin sogar noch ein Foto von den Grazien machen. Wenn das mal nichts ist.

Auf der gegenüberliegenden Seite angekommen, besichtigen wir ein großes neu gebautes Kloster. Es ist das Tharo Tashi Yangste Monastery Namo Buddha, ein tibetanisch buddhistisches Kloster, welches erst am 5.Dezember 2008 offiziell eröffnet wurde. Um das Kloster von innen zu besichtigen, müssen wir uns unserer fast an den Füssen angeklebten Wanderschuhen entledigen. Im Meditationssaal befinden sich neben einer sehr großen Buddha Figur, hunderte von kleinen und großen Gebetsfahnen und am Eingang stehen zwei große Trommeln. Im Kloster sehen wir fast ausschließlich junge Männer und kleine Jungs, die als Novizen ihren Dienst tun. Auf einer kleinen mit Rasen versehenen Terrassenfläche spielen einige Novizen gerade Fußball. Einer von ihnen hat gelbe Gummihandschuhe an, trägt ein weißes Stirnband und eine Sonnenbrille. Er wirkt wie auf mich wie ein Clown. Naja warum sollen diese jungen Menschen nicht auch ein wenig Spaß haben dürfen. Wir gehen über die vielen Treppen wieder zu dem Eingangsbereich des ersten Klosters. Dort befinden sich auch mehrere einfache Gaststuben, in denen das Essen noch auf einfachste Weise zubereitet wird. Wir wollen dort dennoch zu Mittag essen. Wir bestellen für uns alle tibetische Nudelsuppe. Die Besitzerin bereitet hinter einem kleinen Tresen alles frisch zu. Es dauert zwar eine Weile, aber schmeckt sehr gut. Dazu trinken wir Massalatee. Nach dem Essen geht es mit dem Auto zurück nach Dhulikel. Die Straße ist eine einzige Buckelpiste. Wir brauchen eine ganze Stunde.

Abends machen wir uns auf den Weg in die Stadt, um Geld am Automaten abzuheben. Der Weg dahin ist jedoch nicht ganz ungefährlich. Einen Fußweg gibt es nicht, nur einen sehr schlecht begehbaren Trampelpfad. Außerdem wird es auch dunkel, was die Sache noch erschwert.  Manche Lkw müssen hier mit 100 durch den Ort fahren. Am Automaten benötigen wir ca. 10 Anläufe bis er endlich Geld ausspuckt. Also im Nachhinein steht fest, es geht nur die VISA-Card.

Uns begegnen unterwegs Jogger, die in den enormen Abgaswolken ihren Sport treiben. Es sind natürlich Touristen, die es nicht mal im Urlaub lassen können. Ob das noch gesund ist, daran haben wir so unsere Zweifel.

Gegen 19 Uhr geht es wieder zum gemeinsamen Abendessen mit unserem Guide. Nachdem ich wieder mal ein nepalesisches Bier, ich glaube sogar diesmal zwei Flaschen getrunken habe, Biersorte – Nepal Ice – Strong Beer 7 %, bestelle ich mir etwas zu Knabbern. Es nennt sich Sadeko badam – Erdnüsse mit Chili, Zwiebeln, Knoblauch, Ingwer, gelbem Massala und Zitronensaft – super lecker aber sehr scharf.

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6. Tag: Dhulikhel/ Bhaktapur/ Kathmandu

Von Dhulikhel geht es heute zurück nach Kathmandu via Bhaktapur, Pashupati und Boudhnath. Das hinduistische Bhaktapur – auch hier gibt es einen Durbar Square mit reich verzierten Pagoden. Eine Besonderheit sind die berühmten geschnitzten Pfauenfenster. Pashupatinath – Nepals wichtigster Tempel steht am Ufer des heiligen Bagmati Flusses. Pashupati ist der Herr der Tiere – eine Inkarnation des Gottes Vishnu. Der Tempel liegt an dem Fluss Bagmati, wo sich auch die Ghats (Verbrennungsstätten befinden) Boudhnath – im Osten dieser Stadt befindet sich die größte Stupa des Landes und eine der größten der Welt. Der Stupa von Bodnath ist das religiöse Zentrum der tibetischen Bevölkerung in Nepal.

Heute starten wir erst um 9 Uhr. Wir besichtigen zwischendurch noch eine neue Tempelanlage mit einer riesigen Shiva Statue. Die Anlage beherbergt auch eine Ayurveda-Klinik. Das Einzige, was wir hier erstaunlich finden, ist das wir von dieser Tempelanlage auf ein neu errichtetes Freizeitbad, mit Wasserrutschen und was sonst dazu gehört, sehen. So etwas hätten wir in Nepal nicht erwartet. Die Tempelanlage empfinden wir aber als relativ kitschig. Wir erreichen Bhaktapur. Ortseingangs sehen wir verfallene Häuser, Müll und Dreck. Die Innenstadt ist dagegen sauber und es befindet sich dort eine Vielzahl von reich verzierten Tempeln und alten Newarhäusern. In einem dieser Häuser wird noch das Papierhandwerk traditionell ausgeführt. Es wird handgeschöpftes Papier hergestellt, welches dann zum Bedrucken mit Bildern oder zu Herstellung von Büchern usw. benutzt wird. In dem Haus steigen wir bis unter das Dach. Es ist total verwinkelt, besteht fast nur aus Holz und hat mindestens fünf Etagen. Oben angekommen, stehen wir auf einer Dachterrasse und sehen über die Dächer von Bhaktapur. Fast jedes Haus hat hier eine Dachterrasse.

Es geht weiter zu Fuß auf den Töpfermarkt. Dort werden die Tongefäße nicht nur verkauft, sie werden auch direkt dort hergestellt. Die Krüge und Töpfe liegen auf dem gesamten Platz zum Verkauf. Direkt neben dem Platz befindet sich ein Ofen, der am Boden eine ganze Reihe von kleinen Öffnungen hat, in denen Feuer lodern. Direkt vor diesen Öffnungen werden die Tonkrüge aufgestellt, um sie dort durch die Hitze langsam zu brennen. Alle müssen mit anpacken. Ob Mann oder Frau, jung oder alt. Überall liegt Staub in der Luft. Danach besichtigen wir im Zentrum von Bhaktapur viele Tempel und den Königspalast. Es ist wieder beeindruckend welch große Zahl an Tempeln hier zu finden ist. In der Stadt sind auch viele Kunstgewerbeläden und wir entscheiden uns, hier ein paar uns wichtige Sachen zu kaufen. Zunächst erstehen wir zwei Aquarelle. Auf dem einen Bild ist der Stupa von Swayambhu in Kathmandu und auf dem anderen ein Tempel in Bhaktapur dargestellt. Beides haben wir besichtigt und haben somit auch eine gewisse Verbindung zu den Bildern. Danach besuchen wir ein weiteres Geschäft und kaufen Masalatee und Masalagewürz, nepalesischen Kaffee sowie einige CDs mit Meditationsmusik. Auf einer der CDs ist das bekannteste bzw. populärste Mantra „Oh mani padme hum“ mit darauf. Das heißt übersetzt „Oh du Kleinod in der Lotusblüte“. Man hört dieses Mantra fast an jeder Ecke. Zum Beispiel wird dieses Mantra beim Drehen der Gebetsmühlen aufgesagt bzw. gesungen.

Wir verlassen Bhaktapur und fahren nach Pashputninath, der heiligen Verbrennungsstätte der Hindus. Wir sind schon ein wenig aufgeregt, was uns dort erwartet. Immerhin werden hier alle Hindus unmittelbar nach ihrem Tod direkt am heiligen Fluss Bagmathi öffentlich verbrannt. Die Tradition verlangt, dass der jüngste Sohn das Feuer seines verstorbenen Elternteils entfacht. Dazu wird die in ein Tuch eingehüllte Leiche nach der Trauerprozession vom Hindutempel auf einer Tragbarre zum Fluss gebracht. Dort wird sie auf einen Holzstapel gelegt und angezündet. Nachdem alles verbrannt ist, wird die Asche in den Fluss gestreut. Das ist aus meiner Sicht ja nicht so schlimm, jedoch landet in dem Fluss auch alles andere, wie Essensreste, Müll, Kuhausscheidungen usw. Da todkranke Hindus meist noch vor ihrem Tod zu dem heiligen Ort gebracht werden, reinigen sie sich mit dem Wasser dieses Flusses vorher noch einmal und warten auf ihren Tod. Naja, ich glaube, wenn wir als Europäer auch nur einen kleinen Schluck dieses Wassers trinken würden, kann man anschließend auch auf den Tod warten. Es ist schon eine große Zumutung und eine Sünde an der Umwelt.

Unser Guide sagt, es gäbe Tage, da sind alle Verbrennungspodeste am Fluss in Betrieb, es gibt dort mindestens 20 Stück. Während wir da sind, sind jedoch nur zwei in Betrieb. Der Rauch ist beißend, aber es riecht wie ein Feuer halt riecht. In Pashputinath halten sich viele Sadhus auf. Sadhu heißt wörtlich: „Guter oder auch: Heiliger Mann“ ist im Hinduismus ein Oberbegriff für jene, die sich einem religiösen, teilweise streng asketischen Leben verschrieben haben, besonders bezeichnet es die Mönche der verschiedenen hinduistischen Orden.

Ein Sadhu, der das weltliche Leben völlig aufgegeben hat, asketisch lebt und sich in der vierten und damit letzten Phase des vedischen Ashrama-Systems befindet, ist ein Sannyasin, ein „Entsagender“. Es gibt aber auch Sadhus, die heiraten und Familien gründen, wie etwa die Baul, Angehörige einer mystischen Sekte im Osten von Indien. Andere Sadhus bilden Gemeinschaften in Ashrams oder leben in Wohnräumen, die mit Tempeln verbunden sind. Hier widmen sie sich dem spirituellen Leben, studieren und lehren die heiligen Schriften. Viele Sadhus beschäftigen sich neben spirituellen Aktivitäten auch mit philanthropischen sowie humanitären Aufgaben, besonders bekannt dafür sind etwa jene der Ramakrishna-Mission sowie die der Swaminarayan-Mission, beide in Indien sehr populär. Sie organisieren Hilfe für Arme und arrangieren Katastrophenhilfe. Manche umher wandernden, besonders asketischen Sadhus, die Sannyasins, begnügen sich auch mit irgendeinem Platz in der Nähe eines Tempels; andere leben in Höhlen oder sind völlig heimatlos auf ständiger Wanderschaft. Viele Sadhus rauchen Ganja (Marihuana) zum Zwecke der Meditation. Sannyas ist auch die letzte der vier Stufen eines idealen Hindu-Lebens, das der Dharma, die hinduistische Ethik, als wünschenswert vorsieht. Im letzten Abschnitt des Lebens ist es demnach angemessen, sich von allem Weltlichen zu lösen und sich heimatlos, von milden Gaben ernährend, der Suche nach Erlösung zu widmen. Viele Männer entscheiden sich jedoch schon in jungen Jahren zu einem Leben als Sadhu. Nach dem Entschluss zur Entsagung schließt sich der Suchende einem Guru an, der ihn in die spirituelle Lehre sowie in Techniken der Askese und Meditation einführt, und dem er als Schüler dient. Anschließend legt er ein persönliches Gelübde ab, das je nach den Vorschriften des jeweiligen Gurus verschiedene Anforderungen auferlegt. Das kann Heimatlosigkeit sein, Armut, sexuelle Enthaltsamkeit, Fasten sowie völlige Bedürfnislosigkeit. Nicht wenige Sadhus leben in völliger Nacktheit. Den hinduistischen Orden gehören völlig verschiedene Strömungen und zahllose Untergruppierungen an, die an ihre Sadhus auch unterschiedliche Forderungen stellen.

In Indien werden Sadhus meist sehr respektiert, da ihre Askese nicht nur als persönliche Aufgabe, sondern auch als stellvertretende Handlung für viele gesehen wird. Neben den Sadhus, die sich der spirituellen Entwicklung widmen, gibt es aber auch einige, die sich „verrückt“ gebärden, um ihre völlige Unabhängigkeit zu demonstrieren, oder die als extreme Askese bizarre Leistungen vollbringen: So haben Einzelne Weltrekorde aufgestellt, z. B. „17 Jahre stehen“ oder „einen Arm seit 25 Jahren in die Luft halten“. Nicht nur wir empfinden diese Sadhus mehr als faule Hindus, die durch ihr Aussehen, lange Bärte und Haare und angemalte Körper, Leute wie mich dazu animieren, sie zu fotografieren. Sobald sie dies sehen, verlangen Sie Geld dafür.

In den hier befindlichen Hindutempel dürfen wir nicht, dies ist nur Hindus erlaubt. Durch das Eingangsportal sieht man einen riesigen vergoldeten Bullen, allerdings nur von hinten, also den riesigen Hintern und die beiden goldenen Ei…Nun geht es weiter nach Bodnath. Bodnath (auch Boudha, Boudnath, Nepali: Bauddhanāth) ist ein Vorort im Nordosten von Kathmandu in Nepal. Bekannt ist Bodnath wegen des großen Stupa, der seit Jahrhunderten eines der bedeutendsten Ziele buddhistischer Pilger aus Nepal und den umliegenden Regionen des Himalayas ist. Die Gründung geht zurück auf das 5. Jahrhundert nach Christus. Mit einer Höhe von 36 m gehört der Stupa zu den größten seiner Art.

Buddhisten finden sich vor allem im Morgengrauen und zur Abenddämmerung bei dem Bauwerk ein, um es im Uhrzeigersinn zu umrunden (Kora). In Vollmondnächten (vgl. Vesakh-Fest) werden zigtausende Butterlämpchen auf den Terrassen, welche den Stupa im Grundriss einen Mandalas umgeben, entzündet. Einmal pro Jahr wird der halbkugelförmige Bau neu geweißt und zum Neujahrsfest Losar werden die safranfarbenen Bögen erneuert.

Wir gelangen von der Hauptstraße aus auf einer kleinen Stichstraße direkt zu dem Stupa. Hier schauen uns aus luftiger Höhe wieder die wachenden Augen des Buddhas an. Von unten bis zu der Spitze der Stupa sind wieder viele Gebetsfahnen gespannt, die im Wind wehen. Dazu hören wir den Gesang der Mönche. Dieser kommt aus einer hier ansässigen Schule mit den Namen „Wish-Fulfill-Worship-Center“, was so viel heißt wie Wunscherfüllung und Gebetszentrum. Dort lernen Novizen den Gesang der Mönche, insbesondere die Kehlkopfstimme. Bis in die achtziger Jahre stand der große Stupa von Bodnath in einem eigenen kleinen Dorf mitten zwischen Feldern. Mittlerweile staut sich der stinkende und lärmende Verkehr fast rund um die Uhr in der Hauptverkehrstrasse und die ganze Gegend ist dicht mit mehrstöckigen Häusern bebaut. Auch die Häuser im Ring um den Stupa werden regelmäßig aufgestockt. Der Stupa von Bodnath ist nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Auf drei Terrassen in Mandala Form erhebt sich die 15 m hohe große Kuppel. Mit dem Sockel hat man so 4 Ebenen welche die Erde symbolisieren die Kuppel symbolisiert das Wasser. Darüber erhebt sich der gemauerte Turm (Feuer) mit der Krone (Luft). Von Innen ist der Stupa nicht begehbar. Man weiß auch nicht, ob sich überhaupt irgendetwas in dem Stupa befindet. Rund um den großen Stupa von Bodnath befindet sich zwischen dem Stupa und dem Häuserring ein breiter Weg. Während in den Tagesstunden sich nur wenige Gläubige mit den Busladungen von Touristen den Platz teilen müssen, so dass genug Platz für einen Ring von Souvenirhändlern übrig bleibt, strömen kurz vor Sonnenuntergang immer mehr Menschen herbei. Bald ist es breiter Strom der sich im Uhrzeigersinn langsam um den Stupa wälzt. Manchmal sieht man auch Händler aus Tibet mit Jacken aus rohen Fellen, Sherpas und Tamang aus den Bergregionen. Viele der jungen Tibeterinnen kommen lieber in schicken Jeans und Bluse. Und alle laufen gemeinsam im gleichen Glauben um den Stupa. Viele haben eine Perlenkette dabei, und bei jedem “Om mani Padme hum” gleiten die Finger ein Perle weiter, manche drehen jede der Gebetsmühlen, die in die Wand des Sockels eingelassen sind oder Mann bzw. Frau halten dabei ein kleines Schwätzchen.

Nachdem wir selbst den Stupa einmal umrundet haben, kaufen wir in einem Geschäft 2 Gebetsmühlen, die man mit der Hand in Drehung bringt. Anschließend besuchen wir eine buddhistische Thangkaschule. Hier werden die zum Meditieren verwendeten Thangkas bzw. Mantras hergestellt.

Ein Thangka (tibetisch: thang ka) ist ein Rollbild des tantrischen Buddhismus. Es wird zur Meditation in Tempeln oder Hausaltären aufgehängt sowie bei Prozessionen mitgeführt. Dargestellt werden u.a. Buddhas, Schutzgottheiten, verschiedene Lamas, Asketen und Pandits in Szenen ihres Lebens in verschiedenen Inkarnationen, oder Symbole wie das Mandala. Thangkas werden nach genau definierten Vorschriften (in Bezug auf Körperformen, Kleidung und Haltung der Dargestellten) erstellt. Sie sind meist auf Leinen gemalt, seltener auf Seide (ganz selten auf Leder) und vor allem in Tibet verbreitet, teilweise in Nepal sowie in Indien, insbesondere in den Grenzgebieten zu Tibet. Früher waren sie auch außerhalb Tibets in China verbreitet. Das Wort Mandala bedeutet so viel wie Kreis und bezeichnet ein kreisförmiges oder quadratisches symbolisches Gebilde mit einem Zentrum, das ursprünglich im religiösen Kontext verwendet wurde. Mit dem Buddhismus fand das Mandala als Meditations-Objekt, von Indien und Tibet ausgehend, Verbreitung in ganz Ostasien. Im tibetischen Buddhismus zeigen Mandalas die Sicht von oben auf einen sogenannten Mandala-Palast (Kalachakra-Mandala), umgeben von einem sogenannten Reinen Land. In solch einem Palast werden verschiedene Buddhas oder ganze Versammlungen von Buddhas durch den Praktizierenden visualisiert. Mandalas sind also meist eine zweidimensionale Darstellung eines dreidimensionalen geistigen Objekts. Diese Mandalas werden dazu benutzt, die dreidimensionale Form optisch-geistig zu projizieren. Dies führt je nach Abstraktionsgrad des Mandalas zu vertiefter geistiger Konzentrationsfähigkeit. Die Ich-Anhaftung, im Buddhismus Ursache allen Leids, wird dabei vermindert, da geistig die Grenze zwischen Körper-Identifikation und Raumerfahrung überschritten wird. Elementar von Sandmandalas ist dabei das anschließende Wegwischen der in stunden-, manchmal auch wochenlanger Arbeit entstandenen Werke. Das soll die Vergänglichkeit des Lebens und das Ideal von Entbindung der materiellen Welt symbolisieren. Bedingt durch die zentrale Bedeutung der Vier Edlen Wahrheiten für den Buddhismus gehen fast alle tibetischen Mandalas von dieser Zahl Vier (oder dem Quadrat) aus und bilden dann zum Rand hin Vielfache davon (8, 16 usw.). Es handelt sich dabei um eine Zahlensymbolik mit zum Teil komplexer Bedeutung.

Nachdem wir uns in der Schule über die aufwendige Herstellung einen solchen Mandalas ein Bild gemacht haben, bin vor allem ich entschlossen, ein solches Mandala zu kaufen. Der Verkäufer zeigt uns mehrere Qualitätsstufen. Wir entscheiden uns für die viertbeste Qualität und erwerben ein ca. 50 x 50 cm großes Mandala, mit der Projektion eines Palastes bzw. eines Stupa. Es ist trotz dieser verminderten Qualitätsstufe noch unglaublich genau. Wir zahlen nach harten Verhandlungen, nein Spaß beiseite, nur einmal gehandelt, 250 Euro. Ich meine, dass ist dieses Mandala allemal wert. In Deutschland würde bei dem Aufwand ein Künstler mehrere Tausend verlangen. Er rollt das Mandala auf eine harte Pappröhre und umhüllt es mit einer Plastikfolie, so kann eigentlich nichts passieren. Ist es auch nicht, nun hängt es im Arbeitszimmer an der Wand und leuchtet uns in schönen warmen Farbtönen entgegen.

Heute haben wir aber wirklich viel eingekauft, daher beschließen wir uns auf die Dachterrasse eines Cafés zu setzen. Dort bestellen wir wieder die leckeren Momos und schauen auf die immer mehr werdenden Leute, vor allem auf die Tibeter. Man erkennt gerade die Frauen in ihren traditionellen Gewändern ziemlich leicht. Sie tragen nämlich über ihren Rock noch eine Art Schürze mit einem quergestreiften Muster. Von der Dachterrasse aus ist es ziemlich leicht, Fotos von den Besuchern des Stupa zu machen. Was ich natürlich auch tue.

Zum Schluss fahren wir wieder in das uns bekannte Hotel Shankar in Kathmandu. Gegen 18:30 Uhr klingelt plötzlich das Hoteltelefon. Wir bekommen die Nachricht, dass in der Lobby der Leiter vom hier ansässigen Reisebüro – Lukla mit uns sprechen möchte. Wir gehen in die Lobby und er empfängt uns zusammen mit seiner Tochter in einem grünen Sari. Er spricht sehr gut Deutsch, sie versteht vermutlich nichts von diesem Gespräch. Er fragt uns, ob wir mit der bisherigen Reise zufrieden sind und ob wir irgendwelche Probleme haben. Aber die haben wir nicht. Anschließend fragt er uns, ob wir den Himalaya Flug machen wollen. Da wir dies nach wie vor wollen, erklärt er uns den Ablauf, also 6 Uhr Abfahrt vom Hotel usw. Da er den Flug für uns klar machen will, geben wir ihm die 390 Dollar mit, ohne dass wir dafür eine Quittung erhalten. Mir ist dabei ein wenig mulmig, aber Heike hat damit kein Problem und vertraut ihm. Sie behält auch Recht. Er verabschiedet sich freundlich von uns und wir gehen wieder auf unser Zimmer. Heute haben wir keine Lust mehr in die Stadt zu laufen, also entscheiden wir uns im Hotelrestaurant zu essen. Im Kailash werden wir sehr zuvor kommend bedient. Zum Essen wählen wir Tandoori-Huhn und ein süßsaure Vorsuppe aus. Das Essen schmeckt vorzüglich, der Wein ist aber nicht so der Hit. Anschließend begeben wir uns zu Bett, denn es heißt mal wieder, morgens 5.30 Uhr aufstehen.

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7. Tag: Fahrt von Kathmandu nach Pokhara – 200 km/ 6 Stunden

Heute fahren wir nach Pokhara. Pokhara liegt auf 827 m in einem fruchtbaren Tal mit Flüssen und Seen. Bei gutem Wetter sieht man die Gipfel des Himalaya hier besonders gut (nur 50 km Entfernung). Das tropische Klima, die saubere Luft und die besondere Lage machen den Ort zum absoluten Touristenmagnet. Von Phokara aus kann man Wanderungen in die Umgebung unternehmen, Bootstouren und abends in eines der schönen Restaurants ausgehen.

Heute um 5.30 Uhr aufgestanden und 6.30 Uhr gefrühstückt. Danach sind wir um 7.00 Uhr von Kathmandu nach Phokara gestartet. Für die 200km Autofahrt muss man ca. 6 Stunden einplanen. Zunächst fahren wir durch das endlose und teilweise verwahrlost wirkende Kathmandu. Dann sind wir nach ca. 1 Stunde endlich aus dieser Stadt raus. Aber jetzt geht es etwa 15 km über eine sehr schlechte Straße. Die Geschwindigkeit beträgt größtenteils nur ca. 30 km/h. Danach wird es besser, wir erreichen eine richtig gut asphaltierte Straße. Hier können wir manchmal auch Hundert fahren. Dennoch kommen immer wieder viele Lkw und Busse, die die Fahrt immer wieder abbremsen oder mit ihren enormen schwarzen Abgasen die Luft verpesten. Die Lkw sind hier alle bunt dekoriert. Sie sind mit bunten Folien beklebt, selbst die Frontscheiben. Ohnehin sind die Front und Seitenscheiben viel kleiner als bei unsren LKW. Die Ladeflächen sind bemalt, an den Fahrzeugrahmen hängen Bändern, Radkappen und Wimpel herunter. Über die Motorhaube und das Führerhaus verlaufen meist bunte Bänder. An den Stoßstangen sind Beschriftungen, wie Speed King, Ganshi Express oder I see for you, zu finden. Die Fahrer haben meist die Tür beim Fahren geöffnet, so dass schlimmsten Falles auch rausfallen könnten. Überall sind Verzierungen aus Blechen angebracht. Auf uns wirken diese LKW wie Zirkuswagen. Auf den ohnehin hohen Ladeflächen sind auf dem Dach auch noch Waren aufgetürmt. Auf einigen LKW bzw. Bussen waren ganz oben sogar Ziegen angebunden oder es saßen Menschen drauf.

Nach etwa 2 Stunden kommen wir an einer über einem Fluss verlaufenden Hängebrücke an. Unser Fahrer macht dort erst mal Frühstück und wir laufen über die Brücke. Auf der Brücke kommen uns Schulkinder lächelnd entgegen und fragen: „Will you make a picture?“, was ich natürlich nicht ablehne. Die Landschaft und der Blick von der Hängebrücke sind sehr schön. Die Brücke ist die Lebensader nicht nur für Fußgänger, sondern für alles was in der Breite durch passt. So kommen auch immer wieder mal Mopeds oder Motorräder und einer rollt einen LKW-Reifen vor sich her. Nach kurzer Pause geht es dann weiter nach Phokara. Nach 6 Stunden Fahrt kommen wir im Hotel Temple Tree an. Es ist das bisher schönste Hotel und wird es auch bleiben. Die Zimmer liegen in zweigeschossigen Häusern mit Balkon. Das Hotel hat nicht viele Zimmer einen sehr grünen und gepflegten Garten, einen Swimmingpool und ein kleinen Fischteich. Die Zimmer sind sehr schön, modern und gemütlich eingerichtet. Das Bad ist moderner als bei uns zu Hause. Das Essen und der Café schmecken sehr gut. Rund herum alles bestens. Vom Hotel soll man auch einen Blick auf das Annapurna-Massiv haben.

Nachdem wir uns erfrischt haben, geht es mit unserem Guide zum hiesigen Phewasee. Dort warten Unmengen an Booten auf Touristen, um diese auf dem See und eine Insel zu bringen. Wir müssen allerdings im Gegensatz zu den Einheimischen eine Schwimmweste anziehen, obwohl wir schwimmen können. Auf der kleinen Insel steht ein kleiner Tempel. Wir treffen auf eine nepalesisches Paar mit einem kleinen Kind. Heike flirtet mit dem Kleinen. Er schaut sie mit seinen braunen Augen ganz groß an und hält aber auch mit seiner kleinen Hand ihre Hand. Er ist sehr niedlich, der kleine Mann. Dann geht es zurück auf den See. Teilweise regnet es, das ist aber auch das erste Mal. Über den Bergen, die den See umgeben, tauchen in der Ferne einzelnen Bergspitzen der Annapurnakette auf, aber mehr auch nicht. Nach der Bootsfahrt machen wir einen Spaziergang entlang des Sees. Dort steht ein kleiner blauer Anhänger mit großen luftbereiften Speichenrädern, wie beim Fahrrad. Er hat ein Dach und auf der Vorderseite eine Glasscheibe. Darin ist so eine Art Ladentheke, mit einer leeren Flasche Bier und auf dem Anhänger Steht: „Lake View Fast Food Center“ – Schnellrestaurant mit Seeaussicht. Man muss nur der Sache den richtigen Namen geben.

Am Abend machen wir uns dann nochmal auf die Strümpfe, um die Geschäftsmeile abzulaufen. Hier sind wirklich viele Geschäfte, auch Sportläden. Sie bieten hier alle Sportartikel, der uns bekannten Marken an, natürlich Imitate, aber dafür preiswert und teilweise trotzdem gut. Wir kaufen für Heike eine Trekkingbluse und für mich eine Trekkinghose. Zu guter Letzt, gehen wir in einem indischen Restaurant Essen und natürlich schmeckt alles sehr lecker. Da wir direkt am Eingang sitzen, sehen wir den vorbei laufenden Leuten zu. Es ist hier jede Nation vertreten und es fällt uns auf, dass viele aus der Hippieszene hier auftauchen. Nachdem wir im Hotel sind, fallen wir ins Bett und schlafen bis zum nächsten Morgen.

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8. Tag: Pokhara / 2-3 h Wanderung

Heute soll es wieder auf eine schöne Wanderung gehen. Das Ziel ist Naudana. Zunächst werden wir mit dem Auto ca. 20 bis 25 Minuten bis nach Sarangkot fahren. Der Ort liegt auf 1600 m auf einem Gebirgskamm zwischen dem Pokhara Tal im Süden und dem Himalaya Panorama im Norden. Von dort geht es dann 2-3 Stunden zu Fuß nach Naudana (1590 m) nach Naudana. Die Ausblicke von hier sollen überwältigend sein. Man hat einen Blick auf den Dhaulagiri, den Manaslu, die Annapurna Kette und den Machhapuchare (Fishtail). Zusammen ergeben das klassische Himalaya Panorama. Lässt man den Blick in südliche Richtung streifen so sieht man auf Phokara und den Phewa See.

Heute also mal wieder zeitig aufgestanden, aber nicht wegen der bevorstehenden Wanderung, sondern vom Balkon konnte man schon einige Berge der Annapurna-Kette sehen. Ich hab mich daher gleich angezogen und bin auf die Dachterrasse des Hotels. Dort blickte ich fasziniert auf die von der Sonne angeleuchteten Berge.

Mit einem Auto werden wir über Bergstraßen nach Sarangkot gebracht. Zwischendurch ergeben sich schon grandiose Aussichten auf den Machhapuchare. Als wir am Ausgangspunkt der heutigen Wanderung ankommen, kommt gleich ein junger Tibeter auf mich zu. Er lässt nicht locker und möchte uns seine traditionell gefertigten Gegenstände zeigen und verkaufen. Letztendlich schafft er es doch, wir kaufen eine aus Yak Horn gefertigte Kette für Heike. Seine Sachen sind alle sehr schön, bloß man kann natürlich nicht alles kaufen. Es geht erst mal steil bergauf, bis wir an einem Restaurant und einem leerstehenden Hoteldorf ankommen. Von dort haben wir einen spektakulären Blick auf die zuvor genannten Berge. Auf der Wanderung sehen wir diese immer wieder. Wir kommen in einigen Bergdörfern vorbei, in denen Frauen auf einfachste Art und Weise Wäsche waschen, Lasten tragen, Kinder in einem Dorfteich baden und die Haare waschen und sehen auch immer wieder Reis- und Hirsefelder. Fast gegen Ende der Wanderung kommen wir auf einer Bergkuppe an, auf der ein Kloster steht und sich viele tibetische Verkaufsstände und Gaststätten befinden. In einer dieser Gaststätten essen wir zu Mittag und was – Momos – na klar. Wir haben vom Lokal einen schönen Blick über den Phewasee, allerdings ist es ziemlich diesig. In der Luft kreisen bis zu zwanzig Gleitschirmflieger.

Nachdem Essen geht es über eine nicht enden wollende Treppe bis nach Naudana. Dort holt uns ein Auto wieder ab. Ehe wir aber ins Hotel kommen, zeigt uns Chhitisch noch einen Tempel, der gerade zu Feierlichkeiten mit Blumenketten geschmückt wird. Wir sehen dort auch ein junges Brautpaar in traditioneller Kleidung. Der Mann mit einem Topi (Kappe auf dem Kopf) und die Frau mit einem Sari und einem Schleier vor dem Gesicht. Sie wirken jedoch nicht gerade glücklich.

Dann zeigt er uns noch einen Fluss, der mitten in der Stadt aus einem Berg auftaucht und gleich nach einigen hundert Metern wieder verschwindet. Er führt sehr viel Wasser und liegt größtenteils unterirdisch unter der Stadt. Chhitisch möchte uns noch gerne mehr zeigen, aber wir wollen es nicht sehen, wir wollen uns nur noch ausruhen. Also fahren wir ins Hotel, duschen uns und gegen 16 Uhr haben wir uns eine Tiefenmassage gebucht. Zwei zierliche Frauen kneten uns 1 Stunde lang durch (40 Euro pro Person). Teilweise muss ich die Zähne zusammenbeißen, es tut schon manchmal arg weh. Zum Abschluss steht sie sogar auf meinen Rücken und sie reicht mir eine Hand, die ich festhalten soll, dann zieht sie kräftig. Also ich muss sagen, von allen bisherigen Massagen war das, trotz Schmerzen, die Massage, die die größte Entspannung für die Muskeln gebracht hat.  Nachdem ich ein wenig in der Stadt rumgelaufen bin, lösen sich alle Verspannungen von selbst.

Am Abend essen wir im Hotel. Es bedient uns ein junger Nepalese (21 Jahre) und er ist wie gewohnt sehr freundlich. Wir essen zum Abend das traditionelle DhalBat und dazu indischen Wein, der diesmal auch wirklich schmeckt. Dal Bhat (Hindi/Nepali: dālbhāt) ist ein einfaches, preisgünstiges Alltagsgericht der südasiatischen Küche. Es besteht in der Hauptsache aus Linsensuppe (dal), Reis (bhat) und Gemüse der Saison. Dal Bhat ist in allen Ländern Südasiens und besonders in Nepal verbreitet. Dieses Dhal bat ist jedoch für Touristen aufgepeppt, mit Fleisch und Jogurt und schmeckt  vorzüglich. Wir sind mehr als satt und fallen wie die dicken Maden ins Bett.

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9.  Tag: Pokhara / Chitwan – 262 km/ 5 h

Heute geht es mit dem Auto in den tropischen Royal Chitwan National Park. Der riesige Park ist die Heimat des bengalischen Königstigers und des indischen Nashorns. auf Grund der langen Autofahrt heißt es wieder einmal um 6.00 Uhr aufstehen. Zunächst geht es aber nicht gleich nach Chitwan, sondern der Guide hatte ja gestern sein von ihm verlängertes Kulturprogramm nicht komplett durchbekommen. Also dieses Mal möchte er uns etwas ganz anderes zeigen, nämlichen einen …. Tempel. Ach na so was. Der Tempel liegt aber in einer Höhle. Es geht hundert Stufen hinab. Die Luftfeuchtigkeit in der Höhle ist enorm. Unten angekommen, steht dort ein kleiner Tempel. Es führt auch ein Gang weiter, der in Verbindung mit einem unterirdisch verlaufenden Fluss steht. Dieser Fluss, der durch eine Schlucht mit gewaltigen Wassermassen führt, tritt an einer in der Stadt relativ versteckt liegenden Stelle nur kurz zu Tage und verschwindet dann wieder. Diesen Fluss mit seinen Wasserfällen besichtigen wir auch. Im Ort sehen wir noch einen Umzug, Männer spielen auf einer Art Holztrompete und die Frauen laufen bunt angezogen und geschmückt hinterher. Danach geht es nun los nach Chitwan. Die Fahrt dauert so ca. 5 Stunden. Der Nationalpark liegt an der Grenze zu Indien. Die Gegend ist flach, liegt auf 100m Meereshöhe und wird größtenteils von Bauern mit Reis bebaut. Das Hotel liegt in einem bewaldeten Abschnitt mit Blick auf den Fluss „Rapti“. Wir kommen gegen 13 Uhr im Hotel an. Die Zimmer liegen in einfach eingerichteten Bungalows. Nach dem Mittagessen gehen wir zum Fluss und sehen ein paar Einheimische die fischen oder etwas aus dem feuchten Umland des Flusses sammeln.

Am Nachmittag geht es zur Elefantenstation. Dort bekommen wir auf Englisch alles über den Elefanten und den Nationalpark zu hören. Unter anderem, dass die Schulterhöhe eines Elefanten mit Hilfe des Umfanges des Fußes bestimmt werden kann, und zwar beträgt die Schulterhöhe das Zweifache des Fußumfanges. Auch was ein Elefant so alles frisst und vor allem wie viel, nämlich 200kg pro Tag. Da müssen die Pfleger ganz schön was ranschaffen. Meist bekommen sie Elefantengras und in einem Bündel aus Bananen und Gras, Medikamente.

Danach geht es auf Ochsenkarren zu einem Tharudorf. Im subtropischen Tiefland des Terai, an der Grenze zu Indien haben sich die Tharu angesiedelt, eine Volksgruppe von zierlicher Gestalt und matriarchalischer Gesellschaftsform. Tharu-Frauen haben das Recht auf Scheidung, ein Recht, das wenige Frauen in Nepal haben. Die Tharu waren früher Jäger und Fischer in den ehemals immensen Sal Wäldern. Heute betätigen sie sich als Bauern. Sie sind gegen Malaria immun geworden. Ihr Baustil ist der Hitze des Terai angepasst. Die Häuser bestehen aus Holz, Bambus und Lehm, sind mit Elefantengras oder Ziegeln gedeckt und stehen oft auf Pfählen, zum Schutz vor Überschwemmungen, Insekten und Tieren.

Wir werden von zwei Frauen im Dorfgemeinschaftshaus empfangen. Jeder bekommt einen Roten Punkt auf die Stirn gemalt. Dann erklärt uns der hiesige Guide etwas über das Leben dieser Menschen. Da hinter mir, so 5 Kinder sitzen, fange ich an Grimassen zu ziehen und sie machen alle mit und freuen sich und ich habe die Gelegenheit sie dabei zu filmen. Nachdem ich ihnen dann mein Video zeige, hängen sie so auf mir darauf, dass man mich fast nicht mehr sehen kann und sie lachen und sind fröhlich. Danach sehen wir uns eine Hütte von innen an. Sie ist nur mit einem Regal, ein wenig Geschirr und einem kleinen Steinofen auf dem Boden ausgestattet. Darin spielt sich nun das ganze Leben ab. Aber erstaunlich ist, dass sie hinter diesem Haus einen Trog haben, in dem Kuhdung zu Gas vergoren wird und damit Strom erzeugt wird. Na dumm sind die hier nicht.

Ich gehe nochmal zum Gemeinschaftshaus und lege ein wenig Geld in die Spendenbox. Ein Mann eines belgischen Paares, dessen Frau eine Canon 7D um den Hals hängen hat, sagt, er müsse erst mal seinen Guide fragen, ob es sich das überhaupt lohne, etwas zu spenden. Natürlich sind es immer die Reichsten, die um keine Ausrede verlegen sind. Da ich mich über so ein Verhalten sehr ärgern kann, habe ich auch nicht unbedingt das Verlangen meinen Urlaub gemeinsam mit einer Gruppe zu verbringen. Nach Besichtigung des Dorfes wird uns noch ein Lichtbildvortrag über die Tiere und Pflanzen des Nationalparks gezeigt, dann geht es nur noch zum Abendbrot und ab ins Bett.

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10. Tag: Royal Chitwan National Park

Heute klopft es 5 Uhr an der Tür, wir müssen aufstehen, denn um 5.45 Uhr ist Treffpunkt in der Lodge. Nachdem wir einen Tee getrunken haben, geht es mit Autos zu den Elefanten. Über eine Art Hochsitz steigen immer 4 Personen in den Sitzkorb eines Elefanten und dann geht die Safari los. Leider ist das Wetter nicht so gut, sondern es ist ziemlich neblig. Dennoch sehen wir nach kurzer Zeit ein Nashorn im Fluss waten und danach noch eins, was im Wasser liegt und nur dessen Rücken und Kopf schaut raus. Dann geht es durch den Wald. Hier sehen wir mehrere Hirsche und ein Krokodil in einem Tümpel. Nach ca. 1 Stunde ist die Safari beendet und es geht zurück ins Hotel zum Frühstück. Gegen 10 Uhr haben die Elefanten Badestunde. Das Baden lieben die Elefanten. Wir haben die Möglichkeit an dem Bad mit teilzunehmen, was ich nach kurzem Überlegen auch mache. Der Elefant legt sich im Wasser kurz auf den Bauch und ich trete mit einem Fuß auf sein vorderes Knie und ziehe mich am Ohr nach oben und schon sitze ich auf seinen Rücken. Dann redet der Mahut immer wieder auf den Elefanten ein, der hält seinen Rüssel ins Wasser und dann schleudert er diesen nach oben in Richtung seines Rückens. Ich bekomme eine Ladung Wasser genau auf das Gesicht gespritzt. Es sind so ca. 6 bis 7 Liter, die man als Dusche abbekommt. Nachdem er dies 2mal wiederholt hat, kommt eine andere Person in diesen Genuss. Heike hat natürlich alles gefilmt.

Nachdem Mittagessen steigen wir in ein hölzernes Lang Boot (Kanu) und fahren so eine halbe Stunde flussabwärts. Hier sehen wir immer wieder verschiedene Vogelarten, Ibis, Marabu usw. Auch sonnt sich gerade ein Gavial (Brillenkaiman) am Flussufer. Nach kurzer Fahrt geht es dann zu Fuß zu einer Krokodilfarm. Hier werden aber die Krokodile nicht für gewerbliche Zwecke gezüchtet, sondern zu deren Erhaltung. Einige Becken stinken wie Jauchengruben, aber die Krokodile scheint dies nicht zu stören. Nach Besichtigung der Farm geht es nun zu Fuß so anderthalb Stunden durch den Dschungel. Wir bekommen noch eine kurze Einweisung, dass wir nicht sprechen sollen. Der Guide gibt uns Zeichen, wenn etwas zu sehen ist. Dann weist er uns noch auf die am Wegesrand lauernde Gefahr hin. Es handelt sich um Blutegel, die hier massenhaft auf uns warten. Man solle immer in der Mitte des Weges gehen und darauf achten, sich keine Egel einzufangen. Wir schauen den Wegesrand mal genauer an, und siehe da, Blutegel an Egel. Nun geht es aber los. Nach kurzer Zeit bekommt Heike immer wieder von unserem Guide gesagt, sie hätte ein Blutegel am Fuß. Und tatsächlich, das ganze wiederholt sich so 10mal, bei ihr. Bei mir kann ich allerdings keine solchen Schmarotzer feststellen.

Übrigens habe ich das Gefühl, dass wir außer Blutegel überhaupt kein Tier zu sehen bekommen. Doch dann zeigt der Guide auf etwas .Und wir sind erstaunt, in ca. 100m Entfernung grasen 3 Nashörner. Es ist schon beeindruckend diese gewaltigen Tiere so nah in freier Wildbahn zu sehen. Ein Stück weiter überholt uns eine Gruppe von 10 bis 15 Frauen, die alle ein großes Bündel Feuerholz auf dem Kopf tragen. Obwohl Sie Flipflops tragen und diese Last auf dem Kopf haben, sind sie unheimlich flink unterwegs. Kurz bevor wir wieder den Fluss erreichen, kommen wir noch an einem rieseigen Areal, welches mit Elefantengras bewachsen ist, vorbei. Dieses Gras ist so 3 bis 4 m hoch. Dann geht es mit dem Boot über den Fluss. Die Frauengruppe geht so durch den Fluss, das Wasser reicht ihnen in der Mitte des Flusses bis an die Hüfte.

Als wir das andere Ufer erreichen, warten dort schon einige Kinder aus dem Tharudorf. Ich nutze die Gelegenheit und begrüße sie mit Namaste. Sie grüßen alle zurück und warten was jetzt kommt. Ich frage jedes Kind nach den Namen und sie antworten alle sehr freundlich. Danach zeige ich ihnen die aufgenommen Fotos und Videos mit ihnen als Hauptdarsteller, worüber sie sich natürlich außerordentlich amüsieren. Die Sonne geht auch gerade unter und mir gelingen noch ein paar schöne Fotos, sogar eines mit einem niedlichen Mädchen und der untergehenden Sonne.

Im Bungalow gehen wir uns erst mal duschen. Nachdem ich meine Socken ausziehe, blutet es an beiden Füßen ziemlich stark. Der Grund, es haben sich an jedem Fuß jeweils ein Blutegel durch die Strümpfe an der Haut festgesaugt. Ich denke nur, dass gibt es doch nicht. Nachdem Duschen setzte ich mich mit einem Handtuch um den Bauch gewickelt eine halbe Stunde auf das Bett. Nachdem ich aber dann das Handtuch abnehme, hängt am Bauch ein schon ziemlich vollgesaugter Egel. Ich bekomme ihn zwar noch gut ab, aber ich kann ihn weder mit dem Fuß zerquetschen noch mit einer Nagelschere zerschneiden, also schmeiße ich ihn in die Toilette und was macht der Kerl, er kommt wieder hoch gekrochen. Irgendwann bekomme ich ihn dann doch soweit, dass er aufgibt. Das ist doch alles nicht wahr, denke ich, hier sollen Malariamücken sein und uns sticht nicht eine Mücke und dann kommen diese Egel daher und nehmen einem Blut ab, ohne mein Einverständnis. Ich habe noch zwei Wochen blutunterlaufene Stellen am Bein und Bauch, die noch dazu jucken.

Am Abend bekommen wir noch eine einstündige Tanzdarbietung der Tharufrauen zu sehen. Sie tragen weiße Gewänder, Ketten und anderen Schmuck und singen teilweise bei ihren Tänzen. Dazu spielen ein paar Männer mit Trommeln. In der Tanzgruppe ist auch ein kleines Mädchen, von ca. 8 Jahren dabei, die dies genauso gut hinbekommt, wie die Erwachsenen. Beim Betrachten der Tänze und der Kleidung könnte man denken, dass ganze ist hier ist nicht in Nepal, sondern in Afrika. Auf jeden Fall haben Sie dies sehr professionell vorgetragen und sie ernten großen Beifall. Auch fallen wieder Touristen auf, die sich noch vor Ende der letzten Darbietung aus dem Staub machen, um kein Trinkgeld geben zu müssen. Das ist einfach nur beschämend.

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11. Tag: Fahrt von Chitwan nach Kathmandu – 6 h

Heute steht die Rückfahrt nach Kathmandu an. Abfahrt ist 7.30 Uhr, also wieder 6 Uhr aufstehen, restliche Sachen packen und frühstücken. Insgesamt dauert die Fahrt 6 Stunden. Unterwegs bitte ich unseren Guide in einer der vielen an der Straße stehenden kleinen Hüttensiedlungen anzuhalten, damit ich mir diese ärmlichen Holzhütten mal näher anschauen kann. Jeder dieser Hütten hat an der Eingangsseite einen aus Stein und Lehm bestehenden Ofen, der mit Holz befeuert wird. Eine alte Frau bereitet gerade Essen zu. Sie hat kein Problem ihren Ofen zu zeigen und öffnet sogar die beiden auf dem Ofen befindlichen Töpfe. Es gibt gedämpften Reis mit einer Currysoße. Für Ihre Freundlichkeit, gebe ich ihr ein wenig Geld. Die Straße Richtung Kathmandu wird immer schlimmer, größtenteils fehlt der Asphalt und die Straße hat tiefe Rinnen. Die vielen Lkw, deren Abgase und der Staub, machen die Fahrt ziemlich unerträglich. Die Lkw sind alle extrem beladen. Auf den Bussen und LKW befinden sich auch öfters auf dem Dach noch Menschen ohne jegliche Sicherheit oder auch angebundene Ziegen.

Nach der Ankunft in Kathmandu checken wir zum dritten Mal in das Hotel Shanker ein. Dies ist jetzt aber das letzte Hotel in Nepal. Nachmittags gehen wir im Hotel Pool Baden. Hier trinken wir auch wirklich leckeren Café. Der sonst hier übliche Café sieht aus wie der Tee und schmeckt auch nicht viel anders. Anschließend essen wir wiedermal die wohlschmeckenden Momos. Abends besuchen wir das quirlige Thamel. Dort kaufen wir in Pilgrims Buchladen ein nepalesisches Kochbuch in englischer Sprache. Dann gehen wir in das unmittelbar an den Buchladen anschließende Restaurant und essen dort indisch, trinken Masalatee und Mango-Lassi. Alles zusammen für 12 EUR.

Auf dem Rückweg läuft die gesamte Strecke ein Hund mit. Er muss sich wie viele andere alleine durchschlagen. Die Menschen können noch betteln, er nicht. Die Hunde sehen jedoch eigenartiger Weise meistens nicht unterernährt aus und sind auch schön. Nun geht es schlafen.

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12. Tag: Kathmandu, Pharping

Heute starten wir mal erst gegen 8.30 Uhr. Welcher Luxus. Wir fahren nach Pharping, wo sich der Dakshinkali Tempel befindet. Er ist einer der wichtigsten in Nepal und ist der 6 armigen Göttin Kali gewidmet. Zweimal in der Woche werden dort Tiere geopfert. Da jedoch derzeitig ein mehrere Tage dauerndes Hindufest stattfindet, werden täglich Tieropfer gebracht. Wir geben unseren Guide zu verstehen, dass wir diese Opferungen nicht sehen möchten.

Kali (wörtlich: „Die Schwarze“) ist im Hinduismus eine bedeutende Göttin des Todes und der Zerstörung, aber auch der Erneuerung. Kali wird meistens schwarz, manchmal blau dargestellt. Sie hat mehrere Arme, meist vier oder zehn, und trägt eine Halskette aus Schädeln, einen Rock aus abgeschlagenen Armen, manchmal hängt ein totes Kind an ihrem Ohr. Die Attribute in ihren Händen können variieren. Meist hält sie einen abgeschlagenen Schädel, eine drohend erhobene Sichel und eine Blutschale. Auf der Stirn befindet sich das „Dritte Auge“ und ihre Zunge streckt sie weit heraus. Doch auf vielen Darstellungen ist ihre rechte Hand erhoben und zeigt die segnende und trostgebende Mudra (Handgeste). Kalis Bedeutung beschränkt sich nicht auf den Todesaspekt. Die Gläubigen sehen sie trotz ihrer schrecklichen Gestalt auch als Beschützerin der Menschen und göttliche Mutter, als Kalima, da ihre zerstörerische Wut sich nicht gegen die Menschen, sondern gegen Dämonen und Ungerechtigkeit richtet. In dieser furchterregenden Manifestation ist die Göttin zuständig für die Auflösung des Universums, die Sichel in der Hand deutet auf die Ernte, auf das Ende des Lebens. Kali ist auch „Kala“, die Zeit – und die Zeit vernichtet und verschlingt alles. Die Sichel ist ihren Anhängern aber nicht nur ein Symbol des Todes, sondern kann als Werkzeug der Erlösung verstanden werden. Sie durchschneidet Verwirrung, Unwissenheit und Bindungen und macht dadurch den Weg frei zur Erlösung. Damit gilt Kali auch als Zerstörerin der negativen Kräfte und Illusionen, die den Menschen daran hindern, Heil zu erlangen und den Geist zu befreien, um dem Kreislauf der Wiedergeburten, dem Samsara, zu entkommen. Als Göttin des Todes ist Kali also auch eine Göttin der Transformation, sie ist die Mutter, die das Leben gibt und sie ist es auch, die es wieder zurücknimmt. Im Shaktismus gilt sie als Manifestation des Höchsten und wird als gnadenreiche Mutter und Erlöserin verehrt.

Schon auf dem ca. 500m langen Weg zum Tempel steht auf beiden Seiten des Weges ein Verkaufsstand nachdem anderen. Hier wird alles angeboten, was mit dem Fest in Verbindung steht. Vor allem Blumenketten, Kokosnüsse, Gewürze und Opfertiere, wie Hähne und Ziegenböcke. Am Ende des Weges führen zwei sehr lange Treppen zum Tempel hinunter. Auf beiden Treppen stehen endlose Menschenschlangen, die der Göttin ihre Opfergaben bringen wollen. Schätzungsweise stehen dort ca. 1000 Leute. Die auf den Treppen anstehenden Personen haben vor allem Blumen und Kokosnüsse als Opfergaben dabei. Dagegen spricht ja auch nichts. Den zu opfernden Tieren wird allerdings direkt beim Erreichen des Tempels mit einem Messer der Kopf abgetrennt und das Blut der Göttin geopfert. Für uns war diese Zeremonie abstoßend. Jedoch sollte man dabei bedenken, dass in Deutschland jeden Tag ein Mehrfaches an Tieren geschlachtet wird und die Prozedur des Tötens nicht unbedingt besser ist. Außerdem kommen die Tiere in Deutschland fast ausschließlich aus einer der Massentierhaltung. Da haben die Tiere in Nepal vorher meist ein glücklicheres Leben. Die am Tempel getöteten Tiere werden dann vor Ort zubereitet oder nach Hause mitgenommen und verspeist. Wir waren dennoch froh, diesen Tempel wieder verlassen zu können.

Zurück im Hotel machen wir uns auf den Weg nach Thamel. Jetzt gehen uns der Lärm und die Abgase des Verkehrs allmählich auf die Nerven. Wir werden in Thamel übrigens 3-mal angesprochen, ob wir Haschisch kaufen wollen. Was wir merkwürdiger Weise, ohne vorher miteinander gesprochen zu haben, beide unabhängig voneinander ablehnen. In Pilgrims Bookshop lade ich meine Mails runter, da wir in dem sich anschließenden Restaurant bereits einmal gegessen hatten, war das Kennwort des WiFi Zuganges noch gespeichert. So konnte ich mir Bücher anschauen und gleichzeitig meine Mails checken.

Am Abend sind wir in einem Juwelierladen Heikes bestellte Kette abholen und da sich dort gleich ein chinesisches Lokal befand noch Essen gegangen. Das Essen war lecker, das Lokal aber ziemlich schmuddelig. Wir hatten aber keine Lust nochmal nach Thamel zu laufen und somit wieder Abgase und Lärm zu ertragen. Das Essen war gut und wir sind auch noch am Leben. Todmüde fallen wir ins Bett. Was wird uns morgen bei unserem gebuchten Everest Flug erwarten. Wir werden es sehen.

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 13. Tag: Kathmandu – Flug zum Mt. Everest

Heute wieder mal um 5 Uhr aufstehen. Mir ist etwas mulmig im Magen. Um 5.45 Uhr werden wir von einem Fahrer am Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Obwohl wir am Vortag eine schriftliche Nachricht vom Reisebüro erhalten haben, dass wir unsere Pässe mitnehmen sollen, werden wir von zwei Mitarbeitern des Hotels und dem Fahrer nochmals gefragt, ob wir unsere Pässe dabei haben. Nun geht es mit dem Auto zum Flughafen. Unterwegs sehen wir zum ersten Mal mehrere brennende Müllhaufen am Straßenrand. Wir kommen pünktlich an, werden durchgescheckt und stehen nun im Warteraum. Allerdings können wir an der Anzeigetafel unseren Flug Nummer 100 nicht sehen. Ich frage daher einen Mitarbeiter der Fluggesellschaft Buddha-Air, der mich beruhigt, wir werden dann aufgerufen.

Um 6.45 Uhr werden wir mit dem Bus zum Flugzeug gebracht. Mit uns fliegt eine Gruppe älterer Schweizer, deren Reiseführer jeden Schritt genauestens dokumentiert. Beim Einstieg wird jeder einzelne von ihm fotografiert und jedes Mal ein Kommentar, wie perfekt, super usw. abgegeben. Es dauert noch eine ganze Weile bis wir wirklich starten, aber um 7.30 Uhr geht es los. Das Flugzeug ist eine zweimotorige Propeller Maschine mit ca. 40 Sitzplätzen. Es werden jedoch nur Fensterplätze vergeben, so dass jeder Passagier optimale Sicht hat. Nach ein paar Minuten haben bereits ca. 4000m Flughöhe erreicht und wir sehen die ersten Berge des Himalayamassivs. Diese Berge sind zwischen 6000 und 7000m hoch. Das Wetter ist optimal, die Berge werden von der Sonne angestrahlt. Für den Flug wurde jedem Passagier ein Plan mit Darstellung der zu sehenden Berge übergeben. Außerdem erklärt die Stewardess jedem, welche Berge man gerade sieht. Da beim Hinflug nur die links im Flieger sitzenden Passagiere die Berge sehen können, werden die rechts sitzenden nacheinander ins Cockpit gebeten. Der Pilot ist bei uns eine Frau. Auch dort bekommt man vom Copiloten erklärt, welche Berge man sieht. Nach einer Viertelstunde erreichen wir den höchsten Berg der Welt, den Mount Everest. Der Berg ist eingesäumt von Nuptse und Lhotse. Beim Drehen des Flugzeugs neigt sich der Flieger so, dass man das ganze Ausmaß des Gebirges wahrnehmen kann. Es ist gigantisch. Von dem höchsten Berg der Welt können wir ein paar schöne Aufnahmen machen. Das sehen wir sicherlich nicht nochmal in unserem Leben. Der Flug mit einem Gesamtpreis von 390 Dollar hat sich gelohnt. Wichtig war vor allem, dass wir gut wieder gelandet sind, denn vor ca. 3 Wochen ist hier ein solches Flugzeug beim Starten abgestürzt. Ursache war ein Geier der in einen der Propeller kam. Alle 19 Insassen starben.

Es geht zurück ins Hotel und jetzt legen wir uns faul an den Pool um uns auszuruhen, denn morgen heißt es wieder um 5 Uhr aufstehen, um unseren Flug in den Oman anzutreten. Abends laufen wir noch nach Thamel und gehen im Darjeling Essen. Das Restaurant liegt im Hinterhof, also abseits der sehr belebten Straße. Der Garten ist sehr schön angelegt, hat Korbmöbel und alles ist sauber und ordentlich. Leider haben wir dieses Lokal zu spät aufgesucht, so dass wir nicht mehr die Gelegenheit haben, es nochmal zu besuchen. In den Bäumen hängen Lampions und die Atmosphäre ist sehr angenehm. Wir bestellen uns buthanesisches Essen. Heike hat eine Kartoffel-Käse-Pilze – Soße und ich ein Hühnchen-Pilze-Chili – Gericht. Jedes Gericht kostet so ca. 4 Euro. Alles schmeckt absolut lecker. Dazu trinken wir frisch gepressten Saft und zum Abschluss nehmen wir wieder einmal Reispudding. Wir mailen im Lokal nochmal kurz mit Julia, die uns daraufhin ein Bild mit ihrer neuen Frisur schickt. Da das Bild so 2 MB groß ist, dauert das bei der Verbindung im Restaurant eine halbe Stunde, ohne dass wir auch nur den Text der Mail lesen können. Da hätte Julia auch mal mitdenken können. Danach machen wir uns auf den Heimweg. Im Hotel angekommen, kauft sich Heike noch ein Kashmirtuch, das ist bei Heike ähnlich wie mit Schuhen, aber es ist sehr schön. Dann gehen wir zu Bett, unsere letzte Nacht in Nepal.

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14. Tag: Flug von Kathmandu nach Muscat

Heute wieder um 5 Uhr aufgestanden und 5.30 Uhr gefrühstückt. Danach 6 Uhr zum Airport gefahren. Nach dem Einchecken bekommen wir mitgeteilt, dass sich der Abflug auf Grund schlechten Wetters in Kathmandu um 2,5 Stunden verspätet. Das Wetter ist so gut oder schlecht wie immer, aber was können wir anderes machen. Letztendlich warten wir vom Eintreffen auf dem Flughafen bis zum Abflug 6 Stunden. Damit wir aber auch diese 6 Stunden gut verbringen, werden wir auf dem Airport insgesamt 8 mal kontrolliert: -am Haupteingang Passkontrolle, am Eingang zum Check in Passkontrolle, vor der Schlange zum Check in, Passkontrolle und Frage: Wohin wir wollen am Check in Passkontrolle,  Ausgabe der Tickets (übrigens jetzt ca. 8kg mehr Gepäck als beim Abflug in Deutschland), an der Rolltreppe zur oberen Etage – Pass- und Ticketkontrolle, an der Schlange zur Kontrolle Handgepäck- Gepäckkontrolle, mein Rucksack wird ausgepackt, Leibesvisitation, zum Warteraum des Flughafenbusses – Kontrolle Ticket und Pass, beim Einsteigen zum Bus, Leibesvisitation

Nepal erhält somit von uns den Security-Pokal. Danke NEPAL. Endlich in der Luft, bekommen wir oberhalb der Wolkendecke noch einmal die Bergwelt des Himalayas zu sehen. Es ist immer wieder ein beeindruckendes Panorama, woran ich mich nicht satt sehen kann.

Nameste bye Nepali42

15. Tag: Ankunft in Muscat طقسم (Oman)

Mit drei Stunden Verspätung in Muscat Airport angekommen. Es ist ca. 14 Uhr. Wir steigen aus und bekommen unser VISA ohne langes Warten. Es kostet nur 30 US-Dollar. Dann holen wir unsere Koffer von der Gepäckausgabe, am Automaten noch 200 Rial und gehen zum Ausgang des Flughafens. Dort soll uns eine Person vom hier ansässigen Reisebüro mit einem Schild Take Off Reisen und unsrem Namen in Empfang nehmen. Wir sehen aber niemand. Plötzlich kommt ein älterer Omani zum mir begrüßt mich mit: “Herzlich willkommen“ und fragt ob wir ein Taxi brauchen. Was ich verneine und ihm sage, wir werden vom Reisebüro abgeholt. Er sagt mir, dass da niemand käme. Wir gehen trotzdem wieder in den Flughafen. Doch es kommt tatsächlich niemand. Ich versuche mit meinem Handy dieses Reisebüro anzurufen. Ich bekomme aber einfach keine Verbindung hin. Heike macht sich daher auf den Weg zu Oman-Airlines um dort auf Grund der Verspätung eventuell Hilfe zu bekommen. Ein Mitarbeiter von Oman–Airlines ruft sogleich das Reisebüro an. Er teilt nach diesem Gespräch mit, wir sollen hier warten, wir werden abholt. Wir sollen uns ein wenig gedulden.

Gegen 16 Uhr kommt eine Omani im weißen Gewand und stellt sich uns vor, er heißt Ali. Er sagt uns etwas gereizt, dass er schon um 11 Uhr auf dem Flughafen 2 Stunden gewartet hat. Wir und er verstehen nicht, warum der Flug weder in Kathmandu noch in Muscat nicht als verspätet angezeigt wurde. Naja wir können es sowieso nicht ändern. Wir gehen aus dem Flughafen und steigen in einen fetten Toyota-Geländewagen ein. Ali bringt uns zum Hotel. Unterwegs erzählt er uns noch ein wenig von seinem Land und fährt auch extra so, dass wir noch ein bisschen mehr sehen können. So gewinnen wir schon erste Eindrücke von diesem Land.

Das Land besteht vorwiegend aus Stein (87 %) und ist absolut sauber. Die Straßen sind perfekt ausgebaut, im Straßenverkehr geht es zu, wie in Deutschland. Die Häuser sind fast alle weiß und nicht sehr hoch. Die Gebäude dürfen entsprechend den Vorgaben des Sultans nur 5 Stockwerke hoch sein, sagt Ali. Das ist auch gut so, finden wir. Denn, das unterscheidet den Oman vom Gegenteil Dubai. Der Oman hat sich somit seine traditionelle Architektur noch bewahrt. Ali sagt uns auch, dass der Sultan viel verändert hat. Vor ihm gab es keine Bildung, keine Straßen. Er erlaubt es aber auch nicht, dass die Rohstoffe, wie Minerale, aus den Bergen abgebaut werden. Vorerst reicht die Förderung von Erdöl. Erst wenn das alle ist, dann kann man darüber nachdenken. Um 17 Uhr kommen wir im Hotel an und checken ein. Es ist eine Riesenanlage mit einem langen Privatstrand. Zeitgleich kommt der Mietwagen im Hotel an. Es ist ein Nissan mit Automatikgetriebe. Nur bin ich noch nie mit Automatikwagen gefahren, hoffentlich geht das gut. Nachdem Heike die Sachen im Hotelzimmer ausgepackt hat, machen wir uns gleich auf den Weg und fahren in Richtung Muscat. Zunächst fahren wir noch das erste an der Straße ausgewiesene Dorf an. Dort angekommen setzen wir uns an den Strand und schauen aufs Meer, den Indischen Ozean. Ein paar Jugendliche spielen gerade Fußball. Doch dann ertönt der Ruf des Muezzin und alle verschwinden. Die Leute die wir sehen, grüßen fast alle. Wir fahren weiter, jetzt ist es schon dunkel (18 Uhr). Als wir einen großen Supermarkt sehen, entscheiden wir uns nicht weiter zu fahren und dort ein paar Dinge zum Essen zu kaufen. Wir haben nämlich beide keine Lust mehr, in ein Restaurant zu gehen, da wir ohnehin nicht wissen, ob wir hier das Richtige auf Anhieb finden. Der Supermarkt hat wie in Deutschland auch, alles was man braucht. Beim Schlendern durch die Regalreihen sehe ich sogar deutsch beschriftete Produkte. Selbst Russisch-Brot gibt es hier. Also für ein schmackhaftes Abendbrot reicht das Angebot hier aus. Wir kaufen uns einfach mehrere abgepackte Salate, Fladenbrot, eine 1,75 kg Kiste Datteln, Mandarinen usw. Danach fahren wir wieder ins Hotel und verspeisen unsere Salate. Anschließend geht es nur zu Bett, wir sind sehr müde. Morgen ist auch noch ein Tag.

16. Tag: Alt-Muscat

Die Hotelanlage Shangri-La Spa Resort besteht aus drei Hotels. Wir sind im 4 Sterne Hotel untergebracht. Das Zimmer befindet sich im Erdgeschoss mit Blick auf die Poolanlage. Das Bett ist sehr komfortabel, die Möbel sind hochwertig und das Bad hat eine Dusche und eine Badewanne. Alles ist luxuriös eingerichtet.

Im Internet lesen wir, was Shangri La eigentlich bedeutet: „Shangri-La“ ist ein sagenumwobener fiktiver Ort, der im weitesten Sinne im Himalaya, und zwar in Tibet, liegen soll. Der Begriff wurde durch den Schriftsteller James Hilton in die westliche Kulturgeschichte eingeführt. Sein 1933 erschienener Roman Lost Horizon (Der verlorene Horizont, deutsch auch als „Irgendwo in Tibet“ verlegt) beschreibt ein abgelegenes Lama-Kloster am Shangri-Gebirgspass im Himalaya. Die Klosterbewohner, zum großen Teil aus westlichen Ländern und westlichen Kulturkreisen stammend, leben in einer selbstgewählten Weltabgeschiedenheit und erreichen teilweise biblisches Alter. Ihre Lebensweise und ihr gewählter Tagesablauf sind eine Abkehr von der Hast der Zivilisation, ohne auf gewohnte Annehmlichkeiten völlig zu verzichten. Sie erwarten für die Menschheit ein apokalyptisches Ereignis und sehen sich selbst als letzte Bewahrer von Kultur und Wissen.“

Beim Frühstück merken wir, dass sich dieses Hotel bei weitem von 4 Sterne Hotels wie in Griechenland unterscheidet und dies nicht nur im viel höheren Preis. Hier ist Service groß geschrieben. Das Frühstücksbuffet ist riesig. Er gibt alles, was man sich überhaupt vorstellen kann. Wir lassen es uns gut gehen, denn das muss man einfach mal alles probiert haben. Es gibt: Müslis, Feigen, Datteln, Orangen, Äpfel, klein geschnittenes Obst wie Mango, Melone usw., mehrere Sorten Joghurt, Omelette mit Pilzen, Paprika, Spiegelei und gekochte Eier, verschiedene Sorten Brot und Brötchen, auch deutsches Brot, Salzstangen, Dips, selbstgemachte Pasten –super lecker, Nürnberger Würstchen, Fruchtsäfte aus Mango oder Limonen-Minze, Kaffee auch arabischen, Kuchen und Desserts in allen möglichen Varianten usw. usw. Das Frühstück ist einfach fantastisch. Wir können davon bis abends zehren. Beim Hinsetzen wird uns der Stuhl ran gerückt. Die Serviette wird immer wieder ordentlich zusammengelegt, wenn man nur mal kurz den Tisch verlässt. Wir werden immer wieder gefragt, ob sie noch etwas bringen können oder ob das Frühstück in Ordnung war.

Wir gehen zum Strand und legen uns auf die Liegen. Die Liegeplätze sind zum Großteil mit Sonnensegeln, die an den Palmen angebracht sind, überspannt. Da kann man es selbst bei diesen Temperaturen von ca. 32 Grad aushalten. Das Wasser im Meer hat übrigens 26 Grad. Beim Relaxen bringen die Hotelangestellten eine Kühlbox mit Wasser, reichen Melonenstücken und eisgekühlte Erfrischungstücher. Sie putzen sogar die Brille. Bloß baden und Austreten müssen wir noch alleine. Das Meer hat kaum Wellen und ist sehr sauber. Ich kann meine Schwimmbrille dieses Mal wirklich gut nutzen. Überall sind Fische, zwar nicht größer als 20 cm, aber farbenprächtig. Manche haben Zebrastreifen, andere haben einen blauen Rand und einen blaues Maul und andere sind quergestreift. Sie sind schön anzusehen. In den Randbereichen des Strandes sind große Steine als Begrenzung aufgetürmt, dort haften unter Wasser Seeigel daran und über Wasser sitzen Krabben darauf und verzehren das an den  Steinen haftende Plankton mit ihren Scheren. Auch die Vogelwelt lädt zur Beobachtung ein. Früh sehen wir eine Art Graureiher mit gelben Füßen, kleinere Vögel mit langem Schnabel, die sich irgendetwas aus dem Wasser picken. Hirtenstare gibt es hier in Hülle und Fülle. Die sind ziemlich frech, sie versuchen selbst vom Tisch der Gäste etwas Essbares zu erhaschen. Vor unsere Liege tauchen immer wieder ganz kleine Vögel auf, die nur so groß wie Kolibris sind. Sie holen sich aus dem Grün, verdorrtes Gras und bauen ein Nest in einer Palme. Es ist schon erstaunlich, welch lange Stängel sie fliegend auf die Palme bringen.

Ab und zu taucht ein Vogel auf, der blaue Flügel hat. Er ist sehr schön anzusehen. Ich gehe mehrmals hinter eine Absperrung, wo ich ungestört auf das Meer schauen kann. Dort kann ich dem Getümmel kleiner Fischschwärme zu sehen und dann kommt sie, eine Schildkröte, so ca. 20 bis 30 cm, groß. Sie taucht unter Wasser und paddelt mit ihren großen Füßen und nur ab und zu kommt sie kurz mit dem Kopf über Wasser um Luft zu schnappen. Das ist nur ein kurzer Moment, aber mir gelingen ein paar gute Fotos.

Am Nachmittag starten wir dann mit unserem Mietauto in Richtung Alt-Muscat. Muscat (Masqat) ist die Hauptstadt vom Sultanat Oman. Sie hat ca. 800.000 Einwohner. Dort steht unter anderem ein Palast des Sultans. Doch irgendwie will es uns nicht gelingen, den richtigen Weg zu finden. Immer wieder biegen wir falsch ab oder fahren Ehrenrunden. Doch dann schaffen wir es nach zwei Anläufen und wir landen in Alt-Muscat. Leider ist es jetzt aber schon ca. 17 Uhr und gegen 18 Uhr wird es dunkel. Also viel anschauen im Hellen ist nicht mehr. Doch der Ort ist nicht groß und die wichtigen Bauten können wir noch im Hellen ansehen. Der Palast des Sultans ist architektonisch gewöhnungsbedürftig und scheint auf den ersten Blick nicht in das Bild des Omans zu passen. Den Palast hat ein indischer Architekt entworfen, da sich auf dem Platz des Palastes ehemals ein indisches Viertel befand. Das Dach wird von 4 runden Säulen getragen, die in Richtung des Daches bogenförmig zusammenlaufen. Diese Bogenform ist für den Oman typisch. Die mittleren beiden Säulen sind goldfarben und die beiden äußeren blau. Die Säulen tragen ein Flachdach. Zwischen den Säulen befinden sich verzierte Fensterelemente. Nachts werden dieser Palast und auch alle weiteren öffentlichen Gebäude durch Lampen angestrahlt. Dieser Palast ist aber nur einer von 7 weiteren Palästen des Sultans. Man gönnt sich ja sonst nichts. Der Name des Sultans ist Qaboosh. Er hat keine Frau und keine Kinder.

Wir schauen uns noch im Ort um, und können noch Festungstürme auf den Felsen sehen, das Gebäude des Finanzministeriums und auch sehr schmuckvolle orientalische Laternen. Nach der Besichtigung machen wir uns mit dem Auto auf den Rückweg. Mit dem Fahren komme ich hier sehr gut zurecht, auch mit der AUTOMATIK; außer wenn ich rückwärtsfahre und dann auf die Bremse trete, dann sind unsere Köpfe meist vorne an der Scheibe.

Da wir heute unseren 20. Hochzeitstag haben, gehen wir abends in das am Hotelstrand befindliche Fischrestaurant essen. Wir finden auch noch einen Platz auf der Terrasse. Es ist eine schöne Atmosphäre. Auf den Tischen liegt immer eine riesige Muschel und es steht eine moderne Leuchte darauf. Wir werden platziert und natürlich wird der Stuhl zu Recht gerückt. Dann falten sie die Serviette zu einer Art Dreieck und legen sie uns auf den Schoß. Die Tischleuchten werden heller gestellt und dann bekommen wir die Speisekarte mit einer Leselampe. Wir entscheiden uns beide für eine Vorsuppe aus Fisch, eine mit Safran und eine mit Lemonengras. Als Hauptgericht bestellt sich Heike Lachs mit einer Kräuterschicht und ich King-Size-Fisch auf einer Bohnen-Kuskus Masse mit einem Pesto. Bevor jedoch die bestellten Speisen überhaupt serviert werden, bekommen wir noch Kleinigkeiten aus der Küche und zwar selbstgebackene Brötchen mit getrockneten Tomaten im Teig und dazu ein Basilikum Pesto. Danach bekommen wir noch eine kleine Fischpastete. Als Getränk bestellen wir uns Limonen-Mango-Juice, einfach Klasse.

Da ich die Lampen auf den Tischen sehr gut finde, schaue ich mal auf dem Boden dieser Lampe nach, ob ein Hinweis darauf ist, wo diese herkommen – aus Australien. Im Internet sehe ich aber dann, dass eine solche Lampe so schlappe 400 Euro kostet. Ich glaube wir werden zukünftig ohne eine derartige Lampe auf unserem Terrassentisch auskommen müssen. Dann bekommen wir die Fischsuppen serviert. Schon die sind optisch und geschmacklich ein Erlebnis. Vom Hauptgericht ganz zu schweigen. Heike hört gar nicht wieder auf zu schwärmen.

Zum Abschluss trinken wir noch eine Tasse omanischen Kaffee mit Kardamom. Dieser schmeckt gut, ist aber auch sehr stark. Das Essen und der Service waren perfekt und ließen keine Wünsche offen. So wird uns dieser Hochzeitstag auch in Erinnerung bleiben. Das Ganze hatte natürlich seinen Preis, aber wir mussten es ja nicht bezahlen – nur Zimmernummer und VISA-Card angeben.

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17. Tag: Mutrah

Heute gestalten wir unseren Tag ähnlich wie gestern, also ausgiebig frühstücken und dann an den Strand. Als wir an den Sonnenliegen gegen 9 Uhr ankommen, sind fast alle Liegen besetzt und das international. Also dort liegen englische Bücher und deutsche Zeitungen, Sonnenbrillen usw. das Verhältnis der Badegäste und der Bücher ist ungefähr 1 zu 10. Innerhalb der nächsten zwei Stunden verändert sich dieses Verhältnis dann zunehmend, dann sind die Gäste auf der Liege und das Buch über ihnen. Dieses Bestücken der Liegen mit den obligatorischen Objekten erinnert mich irgendwie an das Revierverhalten von Hunden. Das ist meine Liege, die gehört mir. Hier hätten wir dies wirklich nicht vermutet. Es ist ein Verhalten, dass sich weltweit durchgesetzt hat. Übrigens soll man sich auch als Ausländer den Gepflogenheiten anpassen, das heißt im Oman, das man nur am Strand Badesachen trägt und nicht zu viel Haut zeigt. Wir konnten diesen Respekt jedoch nur bei wenigen Leuten erkennen. Es gab genügend Erwachsene, die in Badeklamotten oder in Minishorts beim Frühstück ankamen. Eine Frau wurde dementsprechend aufgefordert, sich nochmal etwas anders anzuziehen. Jedoch hat das Personal zum Schluss aufgegeben, etwas dagegen zu tun.

Nachmittags machen wir uns wieder mit dem Auto auf den Weg. Dieses Mal besuchen wir in Muscat einen Souq (Markt). Der Souq besteht aus vielen teilweise schmalen Gassen, an denen Laden an Laden liegt. Das Ganze ist überdacht. Hier bekommt man alles, vom Parfüm, Schmuck, Kleidung, Kunstgegenstände, Haushaltartikel usw. Dazu liegt ein Geruch von Weihrauch in der Luft, da an vielen Stellen Weihrauchbrenner stehen. Beim Durchlaufen der Gassen spricht uns fast jeder Händler an, bei ihm etwas zu kaufen. Wir kaufen uns nur ein Bild von der Qaboosh Moschee, was wir uns zu Hause wieder an die Wand hängen können.

Anschließend suchen wir einen hiesigen kleinen Imbiss auf, da es hier die besten Sharwarma geben soll. Sharwarma ist gerolltes Fladenbrot mit Fleischfüllung. Hier sitzen nur Einheimische und jetzt auch wir. Ein älterer Omani begrüßt uns vom Nachbartisch mit „you are welcome“. Die anderen Touristen sitzen alle im benachbarten Restaurant, aber dafür ohne Omanis. Da die Shawarmas wirklich gut schmeckten, bestelle ich mir nacheinander noch mal 2 von den Dingern. Dazu trinken wir einen Limonen-Minze-Juice – lecker. Für 5 Shawarmas und 2 von den Säften nur 4,5 Rial (9 Euro), da kann man nicht meckern. Tanken mussten wir heute auch. Man bleibt dabei bei laufendem Motor im Fahrzeug sitzen, damit die Klimaanlage weiterlaufen kann. Für 30 Liter mussten wir gerade mal 12 Euro bezahlen. Ansonsten ist es aber nicht so billig hier, insbesondere die Übernachtungskosten sind alles andere als preiswert. Dennoch war die Entscheidung für 5 Tage Oman richtig. Nach dem anstrengenden Nepalurlaub, haben wir ein paar Tage Verwöhnprogramm genossen. Dennoch 14 Tage am Stück würden wir beide hier nicht aushalten. Es ist einfach zu heiß und zu kahl. Obwohl viel Grün angelegt und alles bestens unterhalten und sauber ist. Dennoch hat uns Nepal besser gefallen, vor allem die Natur, die Tempel und die Menschen. Die Menschen sind hier auch sehr nett und freundlich, also die Einheimischen und auch die Hotelangestellten. Letztere kommen fast ausnahmslos aus dem Ausland. Ich habe gestern auch zwei Familien angesprochen, ob ich ihr Kind fotografieren dürfte – das lehnen sie auch nicht ab, man muss aber den Mann fragen, wenn er dabei ist.

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18. Tag: Muscat

Der morgendliche Tagesablauf ist wieder wie an den beiden vorhergehenden Tagen, ausgiebig und lecker frühstücken, am Strand liegen und faulenzen. Am Nachmittag machen wir uns dann auf den Weg eine Moschee aufzusuchen.  Es ist die Große Sultan-Qabus-Moschee, die Hauptmoschee in Oman. Sie gilt als eines der wichtigsten Bauwerke des Landes und als eine der weltweit größten Moscheen. Der Gesamtkomplex wurde aus 300.000 Tonnen indischem Sandstein errichtet und überbaut insgesamt 4 ha. Er besteht aus einer großen Männergebetshalle, einer kleineren Frauengebetshalle, fünf Minaretten (sie symbolisieren die fünf Säulen des Islams), zwei großen Bogengängen (arabisch Riwaqs), einem islamischen Informationszentrum sowie einer Bibliothek.

Sultan Qabus beschloss 1992 den Bau einer omanischen Zentralmoschee. Ziel des Bauprojekts war die Errichtung der größten Freitagsmoschee in Oman und die Schaffung eines Zentrums zur Verbreitung der islamischen Religion, das der Förderung islamischer Literatur und Kultur dienen sollte. Im Frühjahr 1995 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Zunächst wurde der Baugrund der omanischen Bautradition entsprechend über Straßenniveau aufgeschüttet, um der Moschee einen erhabenen Platz zu sichern. Der eigentliche Bau dauerte sechs Jahre. Die Moschee konnte schließlich am 4. Mai 2001 feierlich durch Sultan Qabus eingeweiht werden, die seitdem seinen Namen trägt. Die Baukosten wurden ursprünglich mit 18 Mio. omanische Rial kalkuliert; dies entspricht 33 Mio. €. Allerdings werden die tatsächlichen Baukosten auf mindestens das Doppelte geschätzt. Man betritt die Moschee von Süden her durch einen hohen Bogen, auf dem auf der linken Seite in Arabisch „Große Moschee“ und auf der anderen Seite Texte aus dem Koran zu lesen sind. In der Sichtachse stehen zwei weitere hohe Bögen, die – zusammen mit den in der Pflasterung eingelassenen dunklen Marmorstreifen – perspektivisch auf das 91,5 m hohe Hauptminarett zulaufen. An den vier Ecken des Geländes erheben sich vier weitere Minarette mit jeweils 45 m Höhe. Neben dem Haupteingang existiert auch ein spezieller Eingang für Frauen, der allerdings nur während der Gebetszeiten geöffnet ist. Direkt nach dem Haupteingang befindet sich rechter Hand die dreigeschossige öffentliche Bibliothek mit rund 20.000 Bänden zu unterschiedlicher Fachrichtungen; zum Beispiel sind dort Bücher zum Islam, aber auch zu Naturwissenschaften zu finden. Auf der linken Seite befindet sich das Islamische Informationszentrum mit einer Veranstaltungshalle mit 300 Sitzplätzen. Hier werden jeden zweiten Sonntag Vorträge über den Islam in englischer Sprache angeboten. Nach den beiden Gebäuden verläuft die ersten Riwaq (Bogengang) quer in West-Ost-Richtung, an deren beiden Enden sich jeweils ein Minarett erhebt; die zweite Riwaq verläuft parallel dazu auf der Nordseite. In beiden Riwaqs befinden sich insgesamt zwölf verschiedene Nischen, die unterschiedlich in Marmor, Keramik oder als Mosaik ausgeführt sind. Auf Hinweistafeln finden sich Informationen über den verwendeten Baustil, der geographischen Region, in dem dieser Baustil entstanden bzw. überwiegend verwendet wurde und eine Zeitangabe, in welche Epoche dieser Baustil einzuordnen ist. Außerdem befinden sich in den Riwaqs die Waschräume für die Männer auf der linken und die der Frauen auf der rechten Seite. Sie dienen den rituellen Waschungen Wudu’ vor dem Gebet. Geht man weiter nordwärts durch den zweiten hohen Bogen gelangt man in einen quadratischen Vorhof. An der linken Seite des Vorhofes befinden sich die Eingangsportale zur Männergebetshalle. Geht man nach rechts, gelangt man zu einem Innenhof, dem sogenannten inneren Sahn, der für das Gebet im Freien vorgesehen ist. Daran schließt sich die Frauengebetshalle an. Die Freifläche rund um die Moschee wird äußerer Sahn genannt, der ebenfalls zusätzliche Gläubige während des Freitagsgebets aufnehmen kann. Der gepflasterte Außenbereich bietet insgesamt Platz für 8.000 Betende. Rechnet man zu den Gebethallen alle weiteren Innenhöfe und Wandelgänge hinzu, beträgt die Gesamtkapazität der Anlage 20.000 Gläubige. Die große Männergebetshalle ist quadratisch angelegt und misst im Außenmaß 74,4 m × 74,4 m. Sie bietet Raum für 6.500 Gläubige. Man kann die Halle durch eine der drei großen Eingangstüren betreten. Die Holztüren sind handgeschnitzt und reich verziert. Der darin verlegte 4293,45 m² große Gebetsteppich (70,50 m × 60,90 m) gilt als ein Meisterwerk iranischer Teppichknüpfkunst. Die Herstellung dieses handgeknüpften Teppichs führte an die Grenzen des technisch Machbaren. Für diese Größe existieren keine Knüpfstühle. Daher musste der Teppich in mehreren, musterkonformen Einzelteilen gefertigt werden. Sechshundert Knüpferinnen waren drei Jahre lang in jeweils zwei Schichten mit der Herstellung der Einzelteile beschäftigt. Dabei wurden insgesamt 1,7 Milliarden Knoten um die Baumwollkette geschlungen. Anschließend wurden die Einzelteile nach Maskat transportiert und vor Ort zusammengenäht. Dies nahm vier weitere Monate in Anspruch. Insgesamt wiegt der Teppich 22 Tonnen. Ein Preis wurde nicht bekannt gegeben, im Jahr 2000 aber auf etwa 5,5 Mio. Euro geschätzt. Die iranischen Designer entwarfen ein klassisches Muster, dessen Ornamentik von der Safawiden-Epoche inspiriert ist und zeigt klassische Motive Isfahans. Das Rundmedaillon liegt passgenau im Rund der Zentralkuppel, dessen Deckenfarben sich in den achtundzwanzig abgestimmten Pflanzentönen des Teppichkolorits wiederfinden. Nichtgläubige dürfen den Gebetsteppich nicht betreten. Daher – und zur Schonung des kostbaren Gewebes – ist während der Besichtigungszeiten auf dem Teppich ein blauer Läufer verlegt, den man nicht verlassen darf. Die reich mit Kalligrafien und Arabesken verzierte Holzdecke stellt das optische Gegenstück zum Teppich dar. Über dem Raum wölbt sich eine 50 m hohe Kuppel, in deren Mitte einer der größten Lüster der Welt hängt. Seine Grundkonstruktion besteht aus vergoldetem Metall. Er trägt 1.122 Lampen, ist reich mit Swarovski-Kristallen behängt und wiegt 8 Tonnen. Gefertigt wurde der Lüster von der Firma Faustig. Zur weiteren Beleuchtung sind daneben 11 weitere Kristalllüster aufgehängt worden.

Der Gebetssaal für Frauen kann 750 Gläubige aufnehmen und fällt vergleichsweise bescheiden aus. Da Männer während des Gebets im Frauengebetsraum nicht anwesend sein dürfen, wird das Freitagsgebet vom Hauptgebetsraum auf die Videoleinwand direkt in den Saal übertragen. Die beiden Säle haben nur die großen Uhren aus 14-karätigem Gold gemeinsam. Das Gebäude wird von sechs kleineren Kuppeln überkrönt. Zur Innenausstattung gehören auch neun vergoldete Kristallleuchter im ottomanischen Stil.

Als wir dort ankommen, suchen wir zunächst den Eingang. Aber wir haben Pech, heute besteht für Nichtmoslems keine Möglichkeit die Moschee zu besichtigen. Man sagt uns, dass wir diese morgen zwischen 8 und 11 Uhr besichtigen könnten. Von außen kann man natürlich die Moschee auch betrachten, aber es wäre schon schön gewesen, gerade den Teppich und den Lüster zu sehen. Unverrichteter Dinge machen wir uns auf und fahren ein großes Einkaufscenter an. Dort soll es auch gute Restaurants geben, wo man Essen aus aller Welt bekommt. Nachdem wir unser Auto im riesigen Parkhaus abgestellt haben, gehen wir in das Einkaufscenter. Obwohl die omanischen Frauen fast alle lange schwarze Gewänder tragen, gibt es hier High-Heels, Miniröcke und Dessous. Wir finden allerdings keine Restaurants, wo es arabische Gerichte gibt. Sondern so etwas Ähnliches wie Mc Donald, Starbucks und ein mexikanisches Restaurant. Also nicht das, was wir suchten. Also gehen wir in das mexikanische Restaurant. Dort begrüßt uns ein Ägypter mit seinem Vornamen und sagt er würde sich sehr freuen, wenn er uns bedienen dürfte. Das machen wir dann auch. Tatsächlich ist er sehr freundlich und fragt uns wo wir herkommen. Als er erfährt, dass wir aus Deutschland kommen, antwortet er: „From germany. I love germany! Und zeigt dabei beide Daumen hoch. Wir bestellen eine Pfanne mit Huhn, Rind und Krabben. Es schmeckt wirklich sehr gut. Anschließend fahren wir durch Muskat zurück und kommen in den Feierabendverkehr, also Stopp and Go ist angesagt. Im Hotelladen kauft sich Heike noch zwei sehr schöne Tücher und dann ist es auch schon wieder Zeit ins Bett zu gehen. Morgen ist unser letzter Urlaubstag im Oman.

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19. Tag: Muscat

Heute stehen wir mal zeitig auf und gehen schon vor 8 Uhr zum Frühstück. Dies fällt sogar dem Personal auf. Wir wollen heute auf den Fischmarkt und da müssen wir natürlich zeitig da sein. Also machen wir uns gleich nach dem Frühstück auf den Weg. Der Fischmarkt ist ein Gebäude, was auf drei Seiten offen ist und nur mit einem Blechdach überdacht ist. Auf Podesten sitzen die Händler, nur Männer, und preisen ihre Ware an. Das Angebot an Fisch ist enorm. Scheinbar gibt es hier noch genug Fisch. Hat man den Preis ausgehandelt, nehmen die Käufer den Fisch wie gekauft mit oder lassen ihn vor Ort ausnehmen und portionieren. Auf dem Fischmarkt kann ich ganz gute Fotos von den Menschen, fast nur Männer, machen.

Danach gehen wir noch auf den Gemüse- und Obstmarkt. Dort gibt es vor allem, Datteln, Bananen, Äpfel usw. Wir fahren zurück in Richtung Hotel und machen aber vorher noch einen Abstecher ins Hinterland. Unterwegs sehen wir eine Siedlung aus Blechhäusern, in denen die Ausländer wohnen, die hier arbeiten. Es ist schon sehr hart, hier zu arbeiten und zu leben. Einerseits ist es die Hitze, dann kommen sie teilweise 3 Jahre nicht nach Hause und dann noch mitten in der Steinwüste wohnen. Wir biegen jetzt von der asphaltierten Straße ab und wollen zu einem ausgeschilderten Wadi (Oase). Wir folgen jetzt einer Schotterstraße und sehen auf beiden Seiten der Straße nur hohe kahle Berge. Ab und zu, tauchen bepflanzte Stellen auf, hier werden Bananen angebaut. Unterwegs kommt uns ein Lkw entgegen, der Trinkwasser in die Dörfer transportiert. Nach ca. 5 km kommen wir in einem Dorf an. Auf dem Dorfplatz stehen ein paar Omanis. Über den Platz verläuft auch ein Wasserkanal. Ich steige aus dem Auto und unterhalte mich mit einem älteren Mann. Er sagt mir dass das Wasser aus den Bergen kommt. An einer Schule ca. 5 km von hier soll das Wasser entspringen. Wir fahren also dorthin, finden aber diese Stelle nicht. In einem anderen Dorf verladen gerade Omanis ein Rind auf einen Jeep. Auch diese Arbeit machen sie in ihren weißen Gewändern. In einem weiteren Dorf, kommen gerade 5 Mädchen vom Wasserkanal. Sie haben sich die Haare gewaschen. Ich steige aus und frage sie, ob ich ein Foto von ihnen machen darf. Sie stellen sich sofort hin und freuen sich genauso wie ich. Zum Abschied winken sie noch. Jetzt geht es zurück ins Hotel.

Die Liegen unter den Sonnensegeln sind schon alle belegt. Wir bekommen daher einen Platz unter einem Zeltpavillon. Das geht natürlich auch. Nun heißt es wieder ausruhen und baden. Ein Hotelangestellter fragt gerade, ob jemand eine Uhr vermisst. Und es stellt sich heraus, es ist meine. So komme ich mit ihm ins Gespräch. Er kommt aus Südindien und hat noch keine eigene Familie. Er ist schon ein Jahr hier und hat noch zwei Jahre vor sich. In dieser Zeit kommt er nicht nach Hause. Wenn seine 3 Jahre um sind, dann bleibt er wieder in Indien. Das ist schon hart. Ich rate ihm, er solle sich hier eine reiche Frau suchen, darüber lacht er natürlich. Da ich heute keine Lust mehr habe, mit dem Auto in die Stadt zu fahren, gehen wir im Hotelrestaurant zu Abend essen. Obwohl das Buffet ca. 50 Euro pro Person kostet, war das kein Fehler. Wir essen viele leckere Gerichte Seefrüchte, Gegrilltes, Salate, Kuchen, Desserts usw. Es schmeckt alles sehr gut. Wir können uns nach diesem Essen kaum noch bewegen. Abends geht es nur noch zu Bett, morgen geht es zurück nach Deutschland.

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Rückflug

Heute stehen wir wieder zeitig auf, da wir gegen 10 Uhr das Hotel verlassen werden. Vor dem Frühstück gehen wir noch einmal zum Abschied in den Indischen Ozean baden. Das Wasser ist selbst in diesen frühen Morgenstunden schon 26 Grad warm. Dann frühstücken wir und checken aus. Mit dem Auto machen wir uns auf den Weg zum Flughafen. Unterwegs können wir noch ein paar Fotos schießen. Leider ist genau heute der Nationalfeiertag, da hätte sich sicherlich das eine oder andere gute Fotomotiv ergeben. Wir sehen nämlich unterwegs Frauen die bunte Gewänder tragen. Gegen 11.00 Uhr kommen wir am Flughafen an. Wir stellen wie vereinbart den Mietwagen auf dem Parkplatz ab und ziehen einen Parkschein. Nun warten wir am Eingang des Flughafens auf den Autovermieter. Wieder ist es so, dass erst mal keiner kommt. Eine viertel Stunde zu spät, kommt er dann doch noch. Wir waren dafür eine Stunde zu früh. Naja egal, wir übergeben den Autoschlüssel und nun geht es mit dem Flieger nach Hause. Um ca. 20 Uhr stehen wir mit unseren Koffern im Frankfurter Flughafen und warten jetzt auf den Hotelshuttle. Es ist hier ca. 1 Grad kalt. Es fängt sogar an zu schneien. Da wir zunächst an dem falschen Ausgang gewartet haben und dies erst so nach 1 Stunde bemerken, müssen wir so 1,5 Stunden auf das Shuttle warten. So kommen wir erst gegen 22 Uhr im Hotel an. Dort haben wir jedoch eine Badewanne, so dass wir uns mit einem heißen Bad aufwärmen können. Am nächsten Tag geht es mit dem Zug zurück nach Halberstadt.

 Emails

2012/11/18 Thomas Schittko

Namaste Chhitish,

wir haben fast vergessen, Ihnen zu schreiben. Wir sind gut in Deutschland angekommen. Bei unserer Ankunft auf dem Flughafen hat es gerade ein wenig geschneit (Schnee).

Wir sind nun auch seit ein paar Wochen wieder auf Arbeit. Vielen Dank nochmal für Ihre gute Arbeit in Nepal. Wir haben dort viel sehen und lernen können, über den Hinduismus, die Kultur, die Menschen, die Tiere und die Berge.

Uns hat es gut in Ihrem Land gefallen, sogar besser als erwartet. Es hat ja auch alles gut geklappt und selbst die Bergwelt war uns gut gesonnen. Den Everest Flughaben wir ja zum Abschluss auch noch gemacht. Wie geht es Ihnen? Haben Sie die Führung der größeren Gruppe schon beendet?

Ich habe mal ein Bild von 3 Kirchen in unserer Stadt angefügt. Kirchen sind bei uns so eine Art Tempel. Sie sehen natürlich völlig anders aus, als in Nepal. Das andere Bild zeigt unseren Garten hinter unserem Haus. Wenn Sie ein Bild von Ihrer Familie oder so schicken würden, würden wir uns freuen.

Alles Gute wünscht Ihnen und Ihrer Familie Heike + Thomas Schittko

Antwort

Namaste Thomas,

Danke für Ihre Post. Ich bin so fröhlich, wenn ich die Gelegenheit bekommen habe, Ihre Post zu lesen. Ich bin so traurig für verschiebt erwidern Ihr Post. Ich hatte meinen langen Treck auf 28 November vervollständigt.

Nach Vervollständigung der nette Ausflug mit Ihnen, ich hatte zwei kurze Touren und einen langen Treck von 18 Tagen getan. Bei der Mitte-Zeit von Treck damit es ist nicht für mich möglich, berühren in wirft ein. Wenn ich habe von Treck zurückgesandt, und hat Ihre Post gelesen, dann erwidern Versuch zu Ihnen. Von nächste Woche mein College beginnt auch, und ich werde meine reguläre Arbeit verbinden wie ein Lehrer. Das Bild, das Sie in Post befestigt haben, ist so schöne, welche Mitteilung, Ihr hat mit Religion beeinflusst, und liebt mit Natur. Ich werde einiges Bild von meiner Familie bald schicken.

Bitte befördern Sie meinen Namaste zu Heike und liebe liebt zu Julia von Nepalese Onkel. Wieder danke für Sie und Heike. Alle Guten Wünsche Sie und Ihr Familie. Bitte Unterhalt in Berührung.

Tschüs.

Chhitish Chandra Dhakal.

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Hinweis: einige Textpassagen im Reisebericht stammen von Wikipedia

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