Machu Picchu 2

Peru – Der Süden: Ein Reisebericht von Heike und Thomas Schittko

1. Tag: Ankunft in Lima
Wir haben die Nacht in einem Hotel in Hannover verbracht. Bereits um 4 Uhr ist die Nacht zu Ende. Was heißt eigentlich Nacht. Ich konnte einfach nicht schlafen. Mit dem Taxi geht es um 4.45 Uhr zum Flughafen Hannover. Wir checken mit dem Handy ein. Gegen 8.00 Uhr kommen wir in Amsterdam Shiphol an. Dort müssen wir uns nun noch 4,5 Stunden die Zeit vertreiben. Wir gehen erstmal shoppen. Heike kauft sich eine Creme, wenn das noch hilft und ich einen Powerakku fürs Handy. Dann lümmeln wir noch eine Weile bei Starbucks herum. Gegen 13 Uhr starten wir zu unserem Flug nach Lima. Voraussichtlich wird er 12,5 Stunden dauern. Nun sitzen wir im Flugzeug. Ich würde gern schlafen, nicke auch immer wieder ein. Doch die freundlichen Stewardessen bringen ständig etwas zu essen oder zu trinken. So werde ich vom Schlafen abgehalten. Nun habe ich vor gehabt, mir im Flieger eine Uhr zu kaufen, aber Heike verwehrt mir das mit ihrer charmanten Art und das geht so. Sie sagt nur mit eindringlichen Worten: „Lass mich doch einfach nur in Ruhe und mach was du willst!“ und dazu ein Gesicht, also lass ich es lieber. So ist auch mehr Geld für Heike, um sich im Urlaub ein neues Tuch anzuschaffen. Im letzten Urlaub waren es nur drei neue Tücher. Das ist wie Schuhe kaufen. Nein, aber Spaß beiseite, ich brauch nicht wirklich eine Uhr. Nach 12,5 Stunden Flug kommen wir gegen 18.30 Uhr in Lima an. Es sind ca. 18 Grad. Nachdem wir unsere Visa problemlos erhalten, gehen wir zur Gepäckausgabe. Hier stehen wir ziemlich lange bis wir endlich unsere Koffer erhalten. Diese wiegen zum ersten Mal jeweils unter 20 Kg. Am Ausgang wartet ein kleiner älterer Peruaner auf uns. Er bringt uns mit einem großen Fordbus ins Hotel. Seine Fahrweise ist grenzwertig. Wir haben ja während der beiden letzten Reisen schon chaotischen Verkehr kennengelernt, aber er fährt noch schlimmer. Er springt in jede kleine Lücke, die für uns teilweise nicht zu sehen ist und wechselt andauernd die Spuren. Vorfahrt und Geschwindigkeitsbegrenzungen existieren für ihn nicht. Wenigstens beachtet er die Ampeln. Unterwegs sehen wir überall Polizei. Auf Blaulicht steht die Polizei. Am Pazifikstrand kommen wir an einem Vergnügungspark vorbei. Dort sind tausende von Menschen. Die Polizei hat mächtig zu tun, um die Fahrzeuge in den Griff zu bekommen. Uns fällt auf, dass die Polizisten, die den Verkehr regeln, fast alles Frauen sind. Nach ca. einer halber Stunde kommen wir im Hotel an. Es liegt im Viertel Miraflores. Wir checken ein und bekommen ein Zimmer im 6.Stock. Der Fahrstuhl hat aber nur 4 beschriftete Knöpfe. Also drücken wir zwei der unbeschrifteten und kommen im 5.Stock an. Die letzte Etage müssen wir zu Fuß hoch. Als wir das Zimmer öffnen, sehen wir ein nicht gemachtes Bett. Das kann nicht sein. Also zurück zur Rezeption und wir bekommen mit einer Entschuldigung ein anderes Zimmer. Wir wollen nur noch ins Bett. Es ist 21.00 Uhr und nach deutscher Zeit 4 Uhr. Da ich die vorhergehende Nacht nicht geschlafen habe, bin ich seit Samstag 7.00 Uhr wach, also fast 48 Stunden. Zum geöffneten Fenster dringt  Straßenlärm und Dieselgeruch herein, aber das stört uns momentan kaum. In der Nacht wird es ziemlich kalt.

2. Tag: Lima
Um 6.00 Uhr bin ich wach. Ich schaue bei Whatsapp nach und sehe dass Julia online ist. Wir schreiben uns die neuesten Nachrichten. Danach versuche ich den Safe zu verschließen. Nach mehreren Versuchen gelingt es mir auch, aber so, dass ihn auch nicht mehr auf bekomme. Also gehen wir erstmal frühstücken. Das Frühstück ist o.k. Dann gehe ich zur Rezeption und lass mir mit dem Safe helfen. Nachdem ein Angestellter ihn geöffnet hat, zeigt er mir wie es geht. Allerdings stand dies so nicht auf der Erläuterung, auch wenn diese in Englisch abgefasst war. Heike und ich skypen noch kurz mit Julia und dann machen wir uns auf in die Stadt. Überall steht Polizei und Security. Es ist also auch hier im nobleren Viertel nicht ganz ohne. Wir gehen durch zwei Parkanlagen, in eine Kirche und weiter zum Pazifik. Der Himmel ist bewölkt und es ist so 20 Grad warm. Dieses Wetter ist für Lima typisch, vormittags bewölkt und nachmittags sonnig.

Lima

In der Stadt ist es wieder sehr laut. Vor allen fahren viele Busse, die bald auseinander fliegen und unheimlich stinken. So ist mir selbst in Nepal der Gestank nicht auf den Sender gegangen. Unterwegs kommen uns einige junge Mädchen entgegen, die schon Stiefel tragen und eine hat sogar dicke Handschuhe an. Was uns auch auffällt, dass viele Leute hier joggen und dies entlang der stark befahrenen Straßen. Naja, das muss man mögen.
Der Stadtteil Miraflores ist ein wohlhabender Stadtbezirk und hat daher viele Kulturzentren, Theater, Kinos und Kunstmuseen. Hier haben sich die meisten internationalen Hotels angesiedelt, wie etwa das Hilton oder das Ritz. Durch den Wohlstand des Stadtbezirks befinden sich einige der namenhaftesten Schulen in Miraflores, so das Markham College, die Deutsche Schule Alexander von Humboldt, die Pestalozzi- und die Carmelitas-Schule. Auch gibt es in Miraflores sehr gepflegte Parkanlagen, wie den Parque Kennedy. Der Parque Kennedy ist das alte Zentrum von Miraflores. An seiner Begrenzung befindet sich die alte Kirche Virgen Milagrosa und das Rathaus. In dem Park finden sich viele Straßenkünstler und fliegende Händler. Wir gehen weiter zum Pazifik und schauen auf den kilometerlangen Strand von Miraflores von oben. Da jedoch die Sonne nicht scheint, sind auch kaum Menschen dort. Hin und wieder kommt ein Paraglider. Nach der Strandbesichtigung gehen wir wieder zurück in die Stadt. Dort holen wir uns in einem Mercado für die morgen anstehende Busfahrt ein paar Brötchen und Käse. Für den heutigen Mittag nehmen wir uns ein Pollo (Brathuhn) mit. Im Hotel verzehren wir das Hühnchen und liegen wohl genährt auf dem Bett. Da wir noch ein paar Stunden Zeit bis zur unserer Stadtführung haben, ruhen wir uns einfach aus.

Lima Centro

Am Nachmittag holt uns Arabella zu einer Stadtbesichtigung ab. Sie ist 48 Jahre alt, sieht aber älter aus, sie ist ledig und blond: Sie hat Deutsch studiert, arbeitet als Stadtführerin, Krankenschwester und zudem singt sie auch noch. Zunächst fahren wir zu einem heiligen Ort. Die Pyramiden von Huaca Pucllana, das einzige prähispanische Gebäude in Miraflores. Die Tempelanlage aus dem 6. Jahrhundert nach Christus umfasst etwa 15 Hektar. Sie wird seit 1983 restauriert. Arabella sagt uns, dass diese Pyramide als Whaka – Whaka bezeichnet wird. Es ist eine Pyramide, die aus Millionen von luftgetrockneten Lehmziegeln erbaut wurde. Es ist schon erstaunlich, dass diese trotz der langen Zeit noch so gut erhalten ist. Leider besichtigen wir die Pyramide nur von unten. Dann geht es in die Altstadt. Dort besichtigen wir den Hauptplatz Plaza San Martin und Plaza Mayor. Um beide Plätze befinden sich repräsentative Gebäude im kolonialen Stil. Die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Plaza San Martin erwachte in den vergangenen Jahren zum Leben, nachdem die Stadt endlich ihren Park restauriert und die sie umgebende kunstvolle, französisch beeinflusste Architektur aufpoliert hat. Besonders schön ist der Platz abends, wenn er beleuchtet wird. Er wurde nach dem Befreier Perus Jose de San Martin benannt, der hoch zu Ross in der Platzmitte thront. Wer sich ihm nähert, entdeckt am Sockel auch die oft übersehene Statue der Madre Patria, Perus symbolische Mutter. Diese Figur wurde von Spanien in Auftrag gegeben. Eigentlich sollte man der Frau eine Flammenkrone auf das Haupt setzen, allerdings hat das Wort für Flamme (llama) im Spanischen eine doppelte Bedeutung, die braven Handwerker dachten sich also nichts Böses, als sie die Dame mit einem hübschen kleinen Lama krönten. An der nordwestlichen Platzseite befindet sich das staatliche Gran Hotel Bolivar aus den 1920er-Jahren. Das 1920 errichtete Haus an der Plaza San Martin war in seiner Blütezeit eines der luxuriösesten Hotels Lateinamerikas. Hier übernachteten Prominente wie Clark Gable, Mick Jagger und Robert Kennedy. Heute wirkt es nicht mehr ganz so glamourös, besitzt aber immer noch die außergewöhnliche Raffinesse einer Grand Dame (als gutes Beispiel dafür dient die funkelnde Buntglaskuppel in der Lobby). Im Foyer steht ein alter Ford. Die gesamte Inneneinrichtung stammt noch aus der Errichterzeit. Es liegen sogar noch die Bücher mit den Hotelpreisen von früher aus. Nebenan sind zwei Aufzüge, die komplett vergoldet sind. Durch seine zentrale Lage ist dieses Hotel sehr beliebt. Wer diese Art von Retro-Athmospäre liebt, sollte diese Unterkunft ansteuern. Auf uns wirkt es ein wenig altbacken und dunkel.
PLAZA DE ARMAS
Dies ist Limas Entstehungsort. Die Plaza de Armas auch Plaza Mayor genannt, war nicht nur das Herz der von Francisco Pizarro im 16. Jh. errichteten Siedlung, sondern auch das Zentrum des ausgedehnten spanischen Imperiums. Leider ist kein einziges Gebäude original erhalten. Doch in der Mitte des Platzes erhebt sich eines der ältesten Denkmäler dieser Zeit: ein eindrucksvoller Bronzebrunnen von 1650. Den Platz umgeben einige wichtige öffentliche Gebäude: Im Osten liegt der Palacio Arzobispal (Erzbischöflicher Palast), der 1924 im Kolonialstil errichtet wurde und einen der schönsten maurischen Balkone der Stadt hat. Im Nordosten befindet sich der lange Palacio de Gobierno, ein großartiger, barocker Bau aus dem Jahr 1937, in dem der peruanische Präsident residiert. Davor steht ein hübsch uniformierter Palastwächter (der an die französische Fremdenlegion von 1900 erinnert). Wachwechsel ist täglich um 12 Uhr mittags eine Zeremonie im langsamen Gänsemarsch zum grandiosen Sound einer Blaskapelle, die El Condor Pasa als Militärmarsch spielt.

Lima Slums

Wir fahren weiter in ein Kloster. Vom Auto aus sehen wir die Slums von Lima, welche am Hang eines Berges liegen. Von weitem sieht die Bebauung mit ihren dicht aneinander und übereinander stehenden kleinen bunten Häusern, die sich an den Berg schmiegen, sogar schön aus. Aber das ist nur von weitem so. In solch einem Slum leben sie auf engsten Raum. Es gibt keine Kanalisation und keine Straßen. Dazu kommen noch die Vermüllung und andere Umweltprobleme. Der Slum existiert schon seit 25 Jahren. Wir besuchen nun die Kirche Iglesia de San Fransisco. Sie ist bekannt für ihre mit Knochen gefüllten Katakomben (sie enthalten ca. 70 000 Gräber) sowie ihre bemerkenswerte Bibliothek. Hier kann man 25 000 antike Texte einsehen, einige stammen aus der Zeit vor der spanischen Eroberung. Doch das barocke Gebäude birgt noch viele weitere Sehenswürdigkeiten: Am spektakulärsten ist die geometrische Kuppel im maurischen Stil über der Haupttreppe, die 1625 (restauriert 1969) aus nicaraguanischer Zeder geschnitzt wurde. Wir gehen durch die Katakomben und sehen rechts und links des Weges Gräber, in denen die Gebeine nicht nur einer Person liegen, sondern von hunderten Menschen. In einem großen runden Grab sind hunderte von Schädeln und Knochen sortiert angeordnet.
Nach der Besichtigung werden wir ins Hotel zurück gebracht, bevor wir gegen 20 Uhr einen Folkloreabend im Hotel Hilton besuchen. Arabella organisiert uns einen Platz direkt neben der Bühne. Bevor die Veranstaltung beginnt, können wir uns ausgiebig am Buffet bedienen. Es gibt typisch peruanische Speisen, Kartoffelgerichte, Lammfleisch, Bohnen, Mais, Fisch usw. Kartoffelgerichte gibt es in Peru in grenzenloser Hülle und Fülle, aber am markantesten ist ein farbenfroher Salat mit viel Gemüse, Meeresfrüchten und Hühnchenfleisch. Ebenfalls typisch peruanisches Essen ist Ceviche. Ceviche besteht aus rohen Fisch bzw. Meeresfrüchten in Limettensaft mit Zwiebeln, Chilis und etwas Koriander. Das probieren wir natürlich auch. Es schmeckt gut. Als Getränk bekommen wir jeder einen Pisco Sour. Dieser köstliche Cocktail aus lokalem Branntwein, frischem Limettensaft, Zucker und einem Spritzer Magenbitter gilt als Perus Nationalgetränk. Er schmeckt ein wenig sauer. Man könnte denken er ist harmlos, hat es aber in sich. Nun beginnt die Show. Es treten Frauen und Männer in farbenprächtigen Kostümen auf.

Lima Tanzshow

Sie zeigen typisch peruanische Tänze aus der Inkakultur aber auch solche mit kubanischem oder brasilianischem Ursprung. Die Frauen schwingen ihre Röcke beinah hüfthoch. Dazu spielt eine Combo Livemusik. Später treten zwei junge Männer auf, sie halten grosse Scheren in den Händen. Sie machen beim Tanzen teilweise unglaubliche Sprünge. Unter anderem springt einer der beiden rückwärts auf den Rücken macht eine Körperwelle und springt wieder auf. Das Ganze findet auf einem gefliesten Boden statt. Am Ende der Show holen die Tänzer noch einige Zuschauer zum Tanzen auf die Bühne. Ich muss sagen, die haben sich alle nicht schlecht angestellt. Ganz zum Schluss kann man sich noch mit den Tänzern fotografieren lassen, was ich auch tue. Dann geht es mit dem Fahrer zurück ins Hotel. Am nächsten Tag heißt es früh aufstehen.

3. Tag: Ica und Huacachina
Heute stehen wir um 5 Uhr auf. Da wir erst gegen 23.30 Uhr ins Bett gekommen sind, fällt das schon schwer. Frühstück bekommen wir auch nicht so früh. Um 6 Uhr werden wir mit dem Auto zum Busbahnhof gebracht. Kurz vor dem Busbahnhof steht eine Prostituierte mit weit geöffneter Bluse, so dass die gesamte Brust zu sehen ist. Ich bin so verdutzt, dass ich gar nicht gleich weiß, was da für eine Frau steht. Am Bahnhof angekommen, holen wir am Schalter unsere Tickets.

Cruz del Sur Ticket

Danach müssen wir unsere Koffer abgeben. Sie werden wie am Flughafen gewogen. Dann heißt es warten. Vor dem Einsteigen müssen unsere Pässe und die Tickets vorzeigen. Danach wird das Handgepäck und jede Person mit einem Metalldetektor überprüft. Das ist aber noch nicht das Ende der Sicherheitsvorkehrungen. Im Bus kommt noch ein Mitarbeiter und nimmt jede Person mit einem Camcorder auf. Danach werden wir noch aufgefordert uns anzuschnallen. Der Grund für diese Sicherheitsvorkehrungen sind die bereits stattgefundenen Überfälle auf solche Überlandbusse. So weiß das Busunternehmen welche Personen im Bus gesessen haben. Gestern hatten wir einen Unfall in der Innenstadt von Lima beobachtet. Zunächst hat man nur lautstark diskutierende Männer gesehen. Dann rannte der eine plötzlich davon. Eine Frau war verletzt und blutete im Gesicht. Sie war als Insasse eines Taxis von dem Unfall betroffen. Da vermutlich der Taxifahrer keine Lizenz hat, macht er sich aus dem Staub und lässt sogar das Auto einfach stehen. Dann fährt der Bus mit einer halben Stunde Verspätung los. Unterwegs wird nicht mehr gehalten. Wir fahren jetzt schon über eine Stunde durch eine trostlose Landschaft, die nur aus Sandhügeln besteht. Ab und zu tauchen ein paar Siedlungen auf. Es sind ärmliche Häuser aus Stein und Blech, teilweise ohne Fenster. Teilweise wird die Wüste aufgeforstet. Bis jetzt stehen aber nur sehr kleine Bäume. Überall liegt Unrat herum. Die Straße, die wie fahren ist ein Teilstück der legendären Panamericana. Rechts der Straße taucht immer mal wieder der Atlantik auf. Auf der Fahrt bekommen wir ein Sandwich, Inkacola und Kaffee. Na, das nenn ich mal Service. Inkacola schmeckt allerdings wie Waldmeister mit Kaugummigeschmack, also scheußlich. Wir kommen gegen 13 Uhr nach ca. 5 Stunden Fahrt in Ica an. Nachdem wir unsere Koffer wieder bekommen, werden wir von Miguel abgeholt und ins Hotel gebracht. Wir haben aber das Problem, dass wir nicht wissen, wie es am nächsten Tag mit unserem Gepäck gehen soll. Daher rufe ich in der Agentur an und frage nach. Da ich nicht alles in Englisch verstehe, ruft uns jemand uns von der Agentur 10 Minuten später zurück und sagt Heike auf Deutsch, wie wir es machen sollen. Dann haben wir das erste mal Zeit für uns. Wir schauen uns den kleinen Ort Häuserzeile von Hotels und Restaurants und von bis zu 100 m hohen Sanddünen umgeben ist.

Huacachina

Anschließend gehen wir im Hotelpool schwimmen. Gegen vier Uhr gönnen wir uns eine Buggifahrt, damit wir die Dünen nicht selber hochklettern müssen. Wir wissen eigentlich nicht so richtig, was uns da erwartet. Nach kurzer Zeit ist das aber auch geklärt. Mit einem Affenzahn geht es die Dünen hoch und dann teilweise so steil wieder herunter, dass man mit dem Hintern abhebt und zudem denkt das Auto überschlage sich. Es ist wie Achterbahn fahren. Die jungen Leute freuen sich darüber. Wir sind die Senioren und sind das nicht so gewöhnt. Aber trotzdem macht es Spaß. Dann halten wir und es werden Sandboards ausgepackt. Nach einer kurzen Einweisung kann man damit die Dünen herunter surfen. Nach kurzem Überlegen, entscheide ich mich auch dafür. Allerdings natürlich nur auf dem Bauch liegend.

Huacachina Sandboarding

Und schon sause ich mit dem Board den Hang hinunter. Es macht zwar Spaß, aber das Hochlaufen ist so anstrengend, dass ich keine Luft mehr bekomme und ich mich ganz schön schwindlig fühle. Daher fahre ich zum Abschluss insgesamt 3 Dünen hintereinander herunter und lasse mich dort von unserem Buggi abholen. Zum Schluss genießen wir noch den Sonnenuntergang. Als wir im Hotel sind, gehen wir noch Abendessen. Wir essen erstmal eine Vorspeise. Heike Avocados gefüllt mit Thunfisch und ich gelbe peruanische Kartoffelmasse ebenfalls mit Thunfisch gefüllt. Einfach lecker. Als Hauptgericht essen wir Dorade, die mit einer Ei-Masse und Passionsfrucht umgeben ist. Dazu gibt es geröstete Kartoffeln und eine Passionsfruchtsoße. Auch das schmeckt super. Danach gehen wir zu Bett. Wir sind todmüde.

4. Tag: Islas Ballestas
Morgens um 6 Uhr klingelt der Wecker. Wir waschen uns und packen unsere Sachen. Anschließend gehen wir frühstücken. Kurz nachdem wir mit dem Frühstück begonnen haben, taucht plötzlich Miguel auf und sagt uns, dass unsere Abfahrtszeit eigentlich schon 6.30 Uhr war. Bei uns in der Reisebeschreibung steht jedoch 7.45 Uhr. Was heißt das? Frühstück beenden und Koffer aus dem Zimmer holen und zum Auto eilen. Wir fahren mit eine Gruppe junger Leute zum Pazifik. Die Fahrt dauert so ca. 1 Stunde. In Paracas angekommen, holt uns ein Reiseleiter namens Joel ab. Er ist einen Kopf kleiner als ich und ziemlich umtriebig. Er sagt uns, dass wir unsere Koffer im Auto lassen können und dass unser Boot bereits auf uns wartet. Das heißt, wir sollen uns beeilen. Wir rennen also zum Hafen und dort steht schon ein voll besetztes Boot, in dem noch zwei Plätze frei sind. Wir bekommen Schwimmwesten und dann legt das Boot ab. Es ist ein Schnellboot mit zwei starken Außenbordmotoren, dennoch dauert die Fahrt zu der Insel Ballestas ca. eine Stunde. Auf der nahe liegenden Halbinsel sehen wir eine große Felszeichnung, der Candelabro de Paracas (Der Kerzenleuchter von Paracas), der den Nazca-Linien ähnelt, aber bedeutend jünger ist. Er diente wahrscheinlich Seefahrern als Orientierungszeichen zur Navigation. Es ist aber nicht das Bild eines Kerzenleuchters sondern es handelt sich um einen Kaktus. Dann geht es zur Islas Ballestas. Sie ist Teil des Nationalreservates Paracas, das am 25. September 1975 gegründet wurde und eine Gesamtfläche von 335.000 Hektar hat. Das Reservat soll die reichen Vorkommen an Mähnenrobben, Blaufußtölpeln, Pelikanen, Pinguinen und anderen Meeressäugern und Seevögeln schützen. Berühmtes Wahrzeichen war bis August 2007 die Felsformation der Kathedrale von Paracas, die beim Erdbeben in Peru 2007 zerstört wurde. Der Himmel ist noch stark bewölkt und durch den Fahrtwind wird es ziemlich kalt. Neben uns sitzt ein Pärchen in kurzen Hosen. Sie friert total, so dass ich sie frage, ob sie sich mit meiner Jacke die Beine zu decken möchte. Sie nimmt die Jacke dankend an. An der Insel angekommen, ist es windgeschützt und teilweise kommt die Sonne heraus. Auf den Felshängen der Insel sitzen tausenden von Vögeln, vor allem Blaufußtölpel. Wir können viele Tiere aus nächster Nähe sehen. Ich kann ein paar schöne Fotos von Humboldt- Pinguinen, Pelikanen und Mähnenrobben machen. Die Robben lassen sich gar nicht aus der Ruhe bringen. Sie liegen auf den Felsen und genießen ein Sonnenbad. Manche Robben haben dabei ein Gesicht, wie wir es von unserer Katze kennen.

Islas Ballestas Lobo

Nachdem wir alles gesehen haben, geht es wieder zurück nach Paracas. Dort angekommen setzten wir uns in eine Gaststätte. Wir bestellen uns ein Sandwich mit Geflügel und Cocatee. Der Tee schmeckt wie Kräutertee und schmeckt mit Zucker gar nicht schlecht. Vor der Gaststätte spielen zwei Männer peruanische Musik. Wir genießen diese Atmosphäre. Wir zahlen und machen uns auf den Weg zum Auto. Auf dem Parkplatz werden wir schon erwartet. Wir fahren mit einem Kleinbus in das Nationalreservat Paracas. Das Gebiet des Nationalreservates ist eine Wüste. Diese war ehemals der Meeresboden. Dies kann man ohne großes Suchen sofort erkennen. Überall liegen Muscheln, Fossilien herum. Kratzt man den Sand nur einen Zentimeter weg, kommt weißes Salz zum Vorschein. Das Reservat grenzt direkt an den Pazifik. Das Farbspiel der Sandwüste und des blauen Pazifik ist grandios. Zum Abschluss fahren wir noch in eine am Pazifik liegende Gaststätte. Hier gesellt sich ein Schweizer namens Peter an unseren Tisch. Er ist sehr nett und reist allein. Wir werden ihn zum Ende unseres Urlaubs auf dem Flughafen wieder treffen. Wir genießen das Essen und die Sonne. Nachdem Essen besuchen wir noch ein Museum im Reservat und dann geht es zurück nach Paracas zum Parkplatz. Dort angekommen, steht jedoch weder Joel noch unser Auto. Wir fragen in einem Reisebüro nach Joel. Uns wird erklärt wir sollen die Straße hinunter laufen und nach einem Büro mit Delphinen schauen. Unterwegs kommt ein Auto vorbei und hupt. Wir ignorieren es natürlich. Der Fahrer lässt aber nicht locker und dreht um. Wir lassen uns aber nicht auf ihn ein. Dann verschwindet er endlich, kommt aber kurze Zeit später mit einem Beifahrer, also mit Joel zurück. Na, wie sollten wir denn das wissen. Wir gehen in sein Büro und werden kurze Zeit später zum Busbahnhof gebracht. Der Busbahnhof ist ein aus Bambus bestehendes Gebäude mit Imbiss, Gepäckaufgabe und Sanitärräumen.

Paracas Busstation

Hier verbringen wir so ca. 2 Stunden bis endlich unser Bus aus Lima eintrifft. Zwischenzeitlich kommen immer wieder neue Trekkingtouristen hinzu, vorwiegend junge Leute. Irgendwann kommt auch ein junges Pärchen. Er scheint ganz normal, sie aber benimmt sich sehr „etepetete“. Pflege ist das allerwichtigste. Also Handcreme auftragen und danach Creme für die Lippen, alles aus einem Beauticase. Dann natürlich noch ein tolles Lächeln dazu. Als der Bus kommt stellen sich die beiden gleich mal ganz vorne, neben die in der Reihe stehenden Personen, an. Aber die resolute Frau vom Buspersonal gibt ihnen unmissverständlich zu verstehen, hier steht man in einer Reihe, also nach hinten. Dann geht es mit dem Bus ab nach Nazca. Die Fahrt dauert ca. 4 Stunden. Dieses Mal bekommen wir aber weder zu Trinken noch zu Essen. Am Busbahnhof von Nazca erwartet uns Orlando. Er ist sehr nett und spricht auch gut Deutsch. Er bringt uns zu unserem Hotel in der Stadt. Da es schon wieder sehr spät ist, gehen wir zu Bett.

5. Tag: Nazca
Morgens um 8 Uhr frühstücken wir gemütlich, bevor wir um 9 Uhr von Orlando abgeholt werden. Heute geht es zu den berühmten Nazcalinien. Wir fahren dazu ca. 30 Km aus dem Ort und halten an einem kleinen Berghügel. Von oben können wir die erste Linien gut erkennen. Einige verlaufen geradlinig bis zu einer Bergkette. Die Nazca-Linien sind riesige Scharrbilder (Geoglyphen) in der Wüste bei Nazca und Palpa. Benannt sind die Linien, die Wüste und die Kultur nach der unweit der Ebene liegenden Stadt Nazca. Die Nazca-Ebene zeigt auf einer Fläche von 500 km2 schnurgerade, bis zu 20 km lange Linien, Dreiecke und trapezförmige Flächen sowie Figuren mit einer Größe von zehn bis mehreren hundert Metern, z. B. Abbilder von Menschen, Affen, Vögeln und Walen. Oft sind die figurbildenden Linien nur wenige Zentimeter tief. Durch die enorme Größe sind sie nur aus großer Entfernung zu erkennen, zum Beispiel aus Flugzeugen. Weiter geht es mit dem Auto bis zu einem an der Panamericana stehenden Aussichtsturm.

Nazca Torre Mirador

Hier können wir neben Linien und Trapezen, einen Baum und eine Hand sehen. Unten am Turm stehen auch mehrere schwer bepackte Fahrräder. Es stellt sich heraus, es sind drei deutsche Radfahrer. Die beiden Männer und eine Frau haben sich zufällig getroffen. Einer von ihnen möchte so ca. 6 Wochen und der andere bis nach Feuerland fahren. Hut ab. Für uns wäre dies nichts. Entlang der Panamericana gibt es ja noch einen Radweg, dafür ist es aber Wüste, sehr heiß und teilweise sehr windig. Die Straße geht größtenteils nur geradeaus, was sehr eintönig ist. Aber in den Städten mit dem chaotischen Verkehr, wo bleibt man da als Fahrradfahrer? Auch ist es ein Problem, Geld zu holen oder etwas einzukaufen, wer bleibt dann beim Rad? Man kann doch nicht jedes Mal alles abschnallen. Naja, das ist nicht unser Problem.
Anhand archäologischer Vergleiche der Bilder in der Pampa mit Motiven auf Keramiken der Nazca-Periode wurde angenommen, dass die Geoglyphen während der Zeit der Nazca-Kultur entstanden sind, die zeitlich zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr. anzusiedeln ist. Heute weiß man, dass die ältesten Figuren bereits etwa zwischen 800 v. Chr. und 200 v. Chr. in der Zeit der Paracas-Periode entstanden sind. Gerade ihrer unbekannten Entstehung wegen wurden verschiedene Theorien über diese Linien entwickelt. Toribio Mejia Xesspe, der sich 1927 als Erster wissenschaftlich mit den Bildern beschäftigte, interpretierte sie als „große Artefakte der Inkazeremonien“ und deutete die Linien als religiöszeremonielle Straßen. Weltweit bekannt wurden sie nach 1949 durch die Arbeit der Deutschen Maria Reiche, die sich, seit sie zum ersten Mal 1941 die Linien studierte, bis zu ihrem Lebensende 1998 unermüdlich für Schutz und Erhalt dieser Wüstenfiguren einsetzte und sich um deren Interpretation bemühte. Viele der Figuren sind durch Fuß- und Autospuren zerstört worden. Erst durch die Initiative Reiches ergriff die peruanische Regierung Maßnahmen, um eine weitere Zerstörung zu verhindern. Auf Maria Reiches Betreiben hin wurden die Geoglyphen 1994 von der UNESCO als „Linien und Bodenzeichnungen von Nazca und Pampa de Jumana“ zum Weltkulturerbe erklärt. Reiches ursprünglicher Ansatz, einen riesigen aufgezeichneten Kalender in den Figuren zu sehen, wird heute nur noch bedingt geteilt. Immer noch ist vieles ungeklärt, jedoch wird eine Mischung aus agrikultureller, astronomischer und religiöser Bedeutung der Linien angenommen. So gibt es deutliche Zusammenhänge zwischen den Richtungen mancher Linien und Sonnenwendepunkten. Von den Tierfiguren wird angenommen, dass sie als rituelle Pfade bei Zeremonien dienten und dass auf ihnen Opfergaben hinterlegt wurden. Durch Forschungen stellte sich heraus, dass das Gebiet trotz der harschen klimatischen Bedingungen ab ca. 1500 v. Chr. bis zum Kontakt mit Spanien (1532) durchgehend besiedelt war. Geoglyphen wurden erstmals in der Paracas-Zeit zwischen 800 und 200 v. Chr. angelegt, ihren Höhepunkt erreichten sie in der frühen und mittleren Nazca-Zeit zwischen 0 und 450. Die Nazca-Zeit endete um 600, danach wurden auch keine Geoglyphen mehr errichtet. Auf der Hochfläche wurden nicht nur Siedlungsbauten gefunden, sondern auch Gräber und kleine Steingebäude unmittelbar an den Linien, in denen Opfergaben niedergelegt worden waren. Die Ausgräber bezeichnen sie als Tempel. Außerdem wurden Pfostenlöcher gefunden, die als Sichtmarken interpretiert werden.

Nazca Linien

Tempel, Linienfiguren und Sichtmarken zusammen ergeben eine „Rituallandschaft“, die als heilige Plätze der Nazca- Bevölkerung interpretiert wird. Geomorphologische Untersuchungen ergaben, dass auf der Hochfläche seit der Paracas-Zeit eine starke Wüstenbildung stattfand, aber unregelmäßige Flut- und Hochwasserereignisse die Lehmziegelbauten der Bewohner schwer beschädigten. Da diese Klimaveränderung mit der Anlage der Geoglyphen zeitlich zusammenfällt und die Funde in den als Tempel angesprochenen Bauten in Zusammenhang mit Fruchtbarkeit stehen, wird angenommen, dass die Gesamtanlagen als materielle Hinterlassenschaft von Fruchtbarkeitsritualen anzusehen sind. Nachdem wir diese Figuren und Linien uns angesehen haben, fahren wir zu dem Museum. Maria Reiche wurde in Dresden im Mai 1903 geboren. Nach dem Besuch der Städtischen Studienanstalt für Mädchen in Dresden studierte sie Mathematik, Physik und Geographie an der Technischen Universität Dresden und schloss 1928 mit dem Staatsexamen ab. 1932 nahm sie eine Stelle als Hauslehrerin beim Deutschen Konsul in Cuzco, Peru, an. Vor Ablauf der Vertragszeit ging sie in die Hauptstadt Lima. Dort lebte sie von Gelegenheitsjobs, Sprachunterricht und Übersetzungen. Seit 1937 half sie am Nationalmuseum Lima, historische Stoffe zu restaurieren. 1939 hörte sie von dem US-amerikanischen Wissenschaftler Paul Kosok zum ersten Mal von den so genannten Nazca-Linien, die 1924 entdeckt worden waren. Er bat sie, einige Messungen für ihn zu machen. 1946 begann sie allein und ohne Unterstützung, die rätselhaften Zeichnungen im Wüstenboden bei Nazca zu untersuchen. Reiche war überzeugt: „…wenn es gelingt, alle Maße in Zeitangaben zu übersetzen, können wir in der Pampa lesen wie in einem riesigen Geschichtsbuch.“1960 traf Maria Reiche den 21-jährigen Juden Yonah Ibn Aharon. Er lebte in den USA und hatte Thora-Theologie studiert und in New York ein Komitee zum Schutz der Nazca-Linien gegründet. Zwischen 1962 und 1964 half er auf der Pampa. Er brachte zahllose Ideen in Reiches Arbeit ein, unter anderem entwickelte er ein Karteisystem, in das die Linien mit ihren Messpunkten und Eigenarten eingetragen wurden. Mit 52 Jahren ließ sich Maria Reiche außerhalb der Kanzel auf den Kufen eines Helikopters festbinden, um bessere Luftaufnahmen von den Riesenbildern machen zu können. Die Großaufnahmen machten sie weltbekannt. Bis in die 1960er Jahre hatte Maria Reiche ein Gebiet von rund 150 Quadratkilometern zu Fuß vermessen. Dabei lebte sie spartanisch in einer kleinen Hütte am Rande der Pampa Colorada oder gemeinsam mit ihrer Freundin und Partnerin Amy Meredith in einem Haus in Lima. Selbst der Rollstuhl hinderte sie nicht, ihre Studien bis ins hohe Alter fortzuführen. Anfang der 70er Jahre wurden die Nazca-Linien zu einer Touristenattraktion. Maria Reiche engagierte sich für den Schutz und den Erhalt der Zeichnungen und bewirkte 1994 die Aufnahme der Linien und Bodenzeichnungen von Nazca und Pampa de Jumana in die UNESCO-Liste des Welterbes. Maria Reiche hat etwa 50 Figuren und 1000 Linien in der Pampa von Nazca entdeckt und vermessen und war eine Avantgardistin der Wissenschaft. Sie hat nie geheiratet. Sie erhielt das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, den Orden der Weisen der Inka und die höchste Auszeichnung der Republik Peru, den Sonnenorden, den Ehrendoktortitel der Peruanischen San- Marcos-Universität (unter anderem, insgesamt erhielt sie fünf Ehrendoktorwürden) und als 90-Jährige in Anerkennung ihrer Leistungen für das Land die peruanische Staatsbürgerschaft. Am 6. Juni 1998 starb Maria Reiche 95-jährig. Die Trauerfeier fand am 10. Juni 1998 im Nationalmuseum Lima statt. Sie wurde in Nazca begraben, wo sie über 25 Jahre in einer Hütte ohne Wasser und Strom gelebt hatte und wo sich heute ein Museum befindet. Über 40 Jahre lang hat Maria Reiche das Geheimnis der Linien und Bodenzeichnungen in Peru studiert. Auf dem Gelände des Museums sind neben dem Grab von Maria Reiche, ihr spartanisch eingerichtete Hütte und ihr VW-Bus zu sehen. Sie muss wirklich von den Linien besessen gewesen sein, anders hätte man ein solch entbehrungsreiches Leben nicht führen können.
Nach der Besichtigung geht es zurück nach Nazca. Schon von weiten kann man einen weißen Berg erkennen, der die anderen dunkleren Berge überragt. Es ist der Cerro Blanco, eine riesige Sanddüne, mit 2.078 m, die höchste der Welt. Eigentlich ist damit die Tour für heute schon beendet. Da es aber noch nicht einmal Mittag ist, fragen wir Orlando, ob wir uns noch etwas ansehen können. Er schlägt uns vor ein sehr altes Kanalsystem und eine archäologische Ausgrabungsstätte zu besichtigen. Da es eine zusätzliche Leistung ist, möchte er dafür 70 Sol (25 Euro). Wir sagen zu und machen uns mit dem Auto auf den Weg.

Cantayo Nazca

Das Kanalsystem befindet sich in Cantayo. Dort angekommen, sehen wir zunächst einen in Steinen eingefassten Kanal, in dem in ca. 2 Meter Tiefe Wasser läuft. Der Kanal führt unterirdisch zu einem Wartungsloch. Dieses Loch ist ebenfalls mit Steinwänden umgrenzt, die trichter- bzw. spiralförmig bis zum Grund verlaufen. Man kann dadurch bequem von oben beginnend kreisförmig nach unten laufen und gelangt dort bis an den Kanalgrund, also an das Wasser. Insgesamt befinden sich hier 15 solcher Wartungslöcher, durch die Personen von einem Loch zum anderem kriechen können, um den Kanal zu säubern. Dabei hat der Kanal nur eine Breite und Höhe von max. 70 cm und die Überdeckungshöhe beträgt ca. 6 m. Da darf man nicht an Platzangst leiden. Die Wartungslöcher haben oben einen Durchmesser von bis zu 20 Meter. Dass die Wände der Wartungslöcher bzw. des Kanals nur aus aufgestapelten Steinen, also ohne Bindemittel, bestehen, hat seinen Grund. Dadurch kann auch Grundwasser durch die Wände in den Kanal gelangen. Das alte aus den Bergen gespeiste hoch entwickelte und speziell an die örtlichen Gegebenheiten angepasste Bewässerungssystem (puquios) der Inkas in Nazca ist auch heute noch in Betrieb. Acht Kanäle führen in den Ort und versorgen ihn mit Trinkwasser. Bei der Besichtigung sehen wir zwei Studentinnen, die den Abstand der Wartungslöcher ausmessen.

Cantao Studenten

Allerdings tun sie dies nicht mit einem Bandmaß oder Zollstock, sondern mit einem Computernetzkabel. Dies ist 3 m lang, aber nur, wenn man es straff hält. Wir und sie müssen über die ungewöhnliche Meßmethode lachen. Übrigens sehen wir hier auch zum ersten Mal einen Kolibri. Ein Foto gelingt mir aber nicht, er ist einfach zu flink. Ein wenig später sehe ich einen knallroten Vogel, es ist ein Kardinalsvogel. Nun fahren wir mit Orlando zu einer archäologischen Ausgrabungsstätte. Sie besteht aus Lehmbauten und ist wahrscheinlich noch viel größer, als jetzt zu sehen ist. Anschließend geht es mit dem Auto zurück zum Hotel. Orlando sagt uns, dass er uns um 14.30 Uhr im Hotel abholt und uns zum Busbahnhof bringen wird. Das wiederholt er noch mehrmals. Da wir noch ca. 3 Stunden Zeit haben, machen wir uns auf den Weg ins Stadtzentrum. Wir schauen uns einige Verkaufsstände an und gehen danach in eine Gaststätte. Dort sitzen wir in der oberen Etage und schauen auf die Straße herunter. Hier können wir das rege Treiben der Menschen gut beobachten. Einige Kinder kommen in Uniformen gekleidet aus der Schule. Die Mädchen tragen rote Röcke, weiße Blusen und haben rote Schleifen im Haar. An kleinen fahrbaren Imbisswagen sitzen Einheimische auf Hockern und essen zu Mittag. Das machen wir jetzt auch. Heike bestellt sich Fisch und ich Ziege, dazu trinke ich ein eisgekühltes Bier. Kurze Zeit später bekommen wir unser Essen. Neben köstlichem und wirklich zartem Ziegenfleisch ist Reis und Paprika auf dem Teller. Das Essen ist sehr lecker. Als ich allerdings die Paprikascheibe im Ganzen in den Mund stecke und zerkaue, merke ich, dass dies eine Chilischeibe ist. Naja, es brennt höllisch, aber da muss ich jetzt durch. Nach dem Essen gehen wir wieder zurück in das Hotel. Wir packen unsere Sachen und gehen mit den Koffer zur Rezeption. Dort warten wir auf der Couch sitzend auf Orlando. Wir hatten uns ja mit ihm für 14.30 Uhr verabredet. Da es nur 5 Minuten zum Busbahnhof sind und der Bus erst um 15.00 Uhr abfährt, haben wir noch genügend Zeit. Es ist nun kurz nach halb, aber Orlando ist noch nicht da. Wir bleiben aber optimistisch. Nun ist es schon 10 nach halb. Langsam werden wir unruhig. Wir wissen weder genau wo der Bahnhof ist, noch haben wir unsere Bustickets und wir wissen noch nicht einmal wie wir Orlando erreichen können. Jetzt ist es schon 14.45 Uhr. Wir fragen die Frau an der Rezeption, ob sie Orlando kenne. Sie kennt ihn zwar, weiß aber seine Telefonnummer nicht. Sie versucht diese aber über Ihren Freund heraus zu bekommen. Jetzt sind es nur noch 10 Minuten bis 15 Uhr. Wir können nicht mehr warten. Wenn der Bus ohne uns abfährt, kommt unsere ganze Reise ins Wanken. Also machen wir uns auf die Socken. Wir müssen schon rennen, um noch rechtzeitig zum Bahnhof zu kommen. An einer Kreuzung laufen wir noch versehentlich in falsche Richtung, aber bemerken es noch rechtzeitig und drehen um. Wir schaffen es noch gerade so. Als wir am Bahnhof ankommen, steht dort Orlando. Er entschuldigt sich bei uns, sagt dass er im Hotel war, aber er hat uns dort nicht mehr angetroffen. Ja, wie denn auch. Nun erfahren wir von ihm, dass der Bus erst um 15.45 Uhr abfährt. Das wusste nur er aber wir nicht. Ich sage ihm, dass wir dies nicht so lustig finden, er hätte uns einfach rechtzeitig Bescheid sagen müssen. Hauptsache ist natürlich, dass wir unseren Bus noch bekommen. Nun sitzen wir im fast eine Stunde in einem überhitztem Wartezimmer. Aber nach ca. 1 Stunde trifft der Bus ein und wir machen uns auf eine ca. zehnstündige Fahrt. das Prozedere ist wieder das Gleiche, Pässe, Tickets vorzeigen und Rucksäcke scannen lassen. Dann noch ein Foto und hinein in den Bus. Wir haben wieder zwei Plätze in der oberen Etage. Nun sitzen wir für mindestens 10 Stunden im Bus. Wir fahren stundenlang durch Wüstenlandschaft. Hin und wieder taucht der Pazifik auf, aber an der Landschaft ändert sich bis zur Dunkelheit nichts. Versorgt werden wir mit einem warmen Essen und später einem Snack. Getränke bekommen wir auch. Zusätzlich läuft ein Film in spanischer Sprache mit englischen Untertiteln. Natürlich können wir nicht alles verstehen, aber der Film ist auch von den Bildern her gut zu verstehen. Es geht um einen Tsunami in Thailand. Er ist sehr realistisch und zugleich sehr emotional. Der Bus fährt die ganze Strecke ohne zu halten durch. Dies ist eine Sicherheitsmaßnahme, die Überfälle vermeiden soll. Erst gegen 1.30 Uhr kommen wir endlich in Arequipa an. Am Busbahnhof holen wir unsere Koffer. Wir werden von einem Fahrer abgeholt und ins Hotel gebracht. Das Hotel liegt in einem noblen Viertel. Es ist sehr modern, aber auch mit einer hohen Mauer umgeben, worauf noch ein Stacheldraht, welcher unter Strom steht, verläuft. Die Tür ist mit einer Gegensprechanlage abgesichert. Das macht schon klar, welche Kriminalität hier vorherrscht. Aber jetzt heißt es für uns nur noch ins Bett zu kommen. Alles ist super modern. Wir haben jeder ein Riesenbett. Mittlerweile ist es schon halb 3 Uhr. Nach einigen Stunden Schlaf stehen wir um 8.30 Uhr auf und gehen zum Frühstück.

6. Tag: Arequipa
9 Uhr morgens gehen wir zum Frühstück. Wir werden von den Besitzern sehr freundlich empfangen. Sie betreiben gemeinsam das „Beausejour Boutique Hotel“, dass gleichzeitig ihr Wohnhaus ist.

Beausejour Boutique Hotel AQP

Sie ist Peruanerin heißt Veronica und er ist Franzose mit Namen Gerard. Sie sprechen beide kein Wort Englisch, dafür aber Spanisch und Französisch. Obwohl beide unsere Sprache kaum verstehen, reden sie trotzdem. Irgendwie bekommt man dann schon mit, was sie meint. Nachdem Frühstück werden wir zu einer Stadtbesichtigung abgeholt. Die Stadtführerin heißt Maria ist 34 Jahre und spricht auch wieder sehr gut Deutsch. Wir sehen uns den Hauptplatz und die Kathedrale an. Die Gebäude bestehen aus weißem Tuffstein, der aus dieser Gegend stammt. Arequipa ist deshalb auch als „Weiße Stadt“ bekannt. Leider wurde die Stadt schon mehrfach von Erdbeben stark beschädigt. Das letzte Erdbeben war im Jahr 2007. Bei diesem Erdbeben stürzten die beiden Türme der Kathedrale ein. Sie sind aber wieder aufgebaut. Ein paar Tage nachdem wir Arequipa verlassen hatten, kommt es wieder zu einem Erbeben der Stärke 6,9. Gott sei Dank mussten wir dies nicht miterleben. Arequipa ist für uns die schönste Stadt unserer Perureise. Sie hat tolle Gebäude, schöne Plätze und im Hintergrund leuchtet der schneebedeckte Gipfel des ca. 6000 m hohen Vulkans Misti. Arequipa selbst liegt auf 2300 m Höhe. Insgesamt liegen 3 Vulkane in der Nähe der Stadt. Einer von ihnen ist noch aktiv. Der letzte Ausbruch war vor 500 Jahren.

Arequipa

Nach der Besichtigung der Kathedrale schauen wir uns die Markthalle an. Hier ist ein reges Treiben, neben dem großen Angebot an Obst und Gemüse, sind es vor allem, sehr viel verschiedene Arten an Kartoffeln. Am Ausgang holen wir uns ein kleines Päckchen Coca-Blätter. Es kostet nicht viel. Dann trinken wir noch einen Cafe und Maria erzählt uns wie schwer das Leben hier ist. Sie hat eine hat 3 jährige Tochter. Allein der Kindergarten kostet 300 Dollar im Monat. Sie verdient aber nur ca. 800 Dollar. Zudem kann man sich nicht aussuchen, ob man sein Kind in den Kindergarten geben will oder nicht, Kinder ab einem Alter von 3 Jahren müssen in den Kindergarten. Schulgeld ist in Peru auch zu zahlen. Deutsche Schulen verlangen ein Aufnahmegeld in Höhe von ca. 3000 Dollar und ein monatliches Schulgeld von etwa 300 Dollar und mehr. Staatliche Schulen sind sehr schlecht. Die Lehrer verdienen hier nur ca. 400 Dollar im Monat. Sie erzählt uns auch von der steigenden Kriminalität in den letzten Jahren hier. Daher ist auch eine so genannte Touristenpolizei unterwegs, die für mehr Sicherheit sorgen soll. Wenn man ein Taxi bestellt sollte man dies nur über die Touristenpolizei oder über ein Restaurant tun, um sicher zu gehen, dass man heil ankommt. Anderenfalls läuft man Gefahr nicht da anzukommen, wo man hin will. Die Taxifahrer überfallen die Touristen oder erpressen Lösegeld. Nun bringt uns Maria zum Jesuitenkloster Santa Catalina. „Santa Catalina ist eine autarke Stadt mit über 20.000 m2 Fläche in Arequipa. Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Anlage von der Außenwelt isoliert. Erst nach einer Renovierung wurde das Kloster im Jahr 1970 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither zählt Santa Catalina zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im Süden Perus. Durch die fast 400 Jahre dauernde Abgeschlossenheit hat sich ein komplettes Städtchen mit maurischer Architektur erhalten. Über Südspanien kam die marokkanische Bauweise nach Peru. Die Gassen im Kloster sind nach spanischen Städten benannt. Ursprünglich war das Kloster ein Internat für die Töchter reicher spanischer Familien. Die zweite Tochter der Familie wurde bereits im Kindesalter an das Kloster abgetreten. Die Novizinnen mussten zunächst eine Probezeit durchlaufen und sich durch eine Prüfung für die Aufnahme bewähren. Als Mitgift hatten die Neueingetretenen dem Kloster Goldmünzen zu überreichen. Santa Catalina hat bis zu 150 Nonnen und 300 Bedienstete beherbergt. Die Dienstmädchen wuschen die Wäsche der Nonnen und erledigten für sie den Einkauf. Die Nonnen durften das Kloster nicht verlassen und auch kein Besucher von draußen durfte sie zu Gesicht bekommen. Bei besonderen Anlässen war eine kurze Unterhaltung durch ein hölzernes Gitter möglich. Die wenigen heute noch im Kloster lebenden Nonnen wohnen in einem Seitenflügel der Anlage. Die anderen Bereiche können besichtigt werden, der Rundgang ist durch Pfeile auf dem Weg markiert.“ (Quelle Wikipedia). Wir bekommen eine private Führung durch eine Frau namens Veronika. Sie spricht so perfekt und akzentfrei Deutsch, dass wir denken, sie ist in Deutschland aufgewachsen. Innerhalb der Klostermauern sehen wir wieder mal einen Kolibri. Sie sagt, dass sie diese Vögel gern beobachtet, weil sie so frech sein. Veronika zeigt uns die Wohnbereiche der Nonnen. Sie sind im Gegensatz zu anderen Klöstern sehr komfortabel ausgestattet. Sie haben auch eigene Küchen. Die Gebäude sind fast ausschließlich rot angestrichen und leuchten in der Sonne. Auf einem Platz steht ein prunkvoller Brunnen. Die Führung dauert so ca. 1 Stunde. Nach der Führung verabschieden wir uns und laufen noch ein wenig durch die Stadt. Anschließend gehen wir zu Fuß zum Hotel und ruhen uns ein wenig aus. Die Betreiber des Hotels haben uns für den Abend ein Platz im Zickzack bestellt. Das Zickzack ist ein angesagtes Restaurant. Gegen 18 Uhr werden wir mit einem Taxi zum Restaurant gebracht. Das Restaurant verläuft über zwei Etagen. Wir haben ein Platz in der oberen Etage direkt am Fenster und können auf eine Kirche und einen Park schauen.

Zick Zack Arequipa

Wir bestellen uns Alpakalfleisch, Fisch und Wein. Wir bekommen das Fleisch auf einem heißen Stein serviert. Vorher hängt uns die Bedienung noch einen großen Papierlatz um den Hals. Dazu gibt es verschiedene Dipps. Alles schmeckt sehr gut.

7. Tag: Chivay
Heute starten wir mit einem Kleinbus von Arequipa nach Chivay, einer kleinen Stadt in den Bergen. Im Bus sitzen schon mehrere Personen. Ein Pärchen aus Holland, eine ältere Engländerin, die sehr gut deutsch spricht und zwei jüngere, lesbische Engländerinnen. Unser Guide heißt Alex. Wir fahren zunächst eine ganze Weile durch die Stadt. Am Stadtrand ist eine große Siedlung mit einfachen Häusern entstanden. Alex erzählt uns, dass hier arme Leute leben, die aus dem Umland nach Arequipa gekommen sind. Sie dachten, dass sie in Arequipa Arbeit finden. Es kommen nach wie vor immer mehr Menschen. Da es in dieser Siedlung keine Trinkwasser- und Abwasserleitungen gibt, werden die Probleme immer größer. Die Regierung tut aber nicht viel, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Weiter erzählt Alex, dass es nicht ungefährlich ist in Arequipa zu leben. Es gibt Erdbeben und Vulkanausbrüche. Er hat aber davor keine Angst, denn er hat einen Hubschrauber. Das ist natürlich Galgenhumor. Kurz bevor wir die Stadt verlassen, halten wir noch einmal kurz. Hier können wir den Misti, dessen Kuppe mit Schnee bedeckt ist, sehen und fotografieren. Dann fahren wir etliche Stunden bis wir an einer kleinen Kneipe einen Stopp einlegen. Wir sind jetzt auf ca. 4000 m Höhe. Wir holen uns einen Tripeltee, der aus drei verschiedenen Kräutern besteht. Natürlich sind auch Coca Blätter darin. Der Tee schmeckt sehr gut. Mir ist aber auf Grund der Höhe ein wenig schwindlig. Der Tee soll da helfen. Hinter dem Lokal steht eine Herde Alpakas. Es sind alles Tiere mit weißem Fell. Sie schauen mich neugierig an. Da ihnen der Wind in Gesicht bläst, sehen sie zudem sehr lustig aus. Dann geht es aber gleich weiter. Zwischendurch sehen wir die viel zierlicheren Artverwandten der Alpakas. Es sind Vikunjas. Es ist streng verboten diese Tiere zu jagen. Wer ein solches Tier tötet, bekommt eine Gefängnisstrafe. Diese Tiere haben auch viel weniger Fell, das man verwerten könnte. Vor ein paar Wochen ist es in dieser Gegend plötzlich zu einem Wintereinbruch gekommen. Es ist unheimlich viel Schnee gefallen und die Temperaturen sind in drastisch gesunken. Weder Mensch noch Tier waren darauf eingestellt. So sind leider tausende Tiere gestorben. Nach dem kurzen Stopp geht es wieder weiter, bis wir den höchsten Punkt unserer Fahrt erreichen. Jetzt sind wir auf 4910 m Höhe. Selbst hier stehen einige Frauen mit ihrer Ware, um Geschäfte mit den Touristen zu machen. Wir müssen aber erstmal aufs Klo. Ein paar Meter bergauf, steht eine kleine Hütte aus Steinen mit einem Strohdach. Das ist das Klohäuschen. Eine Tür zum Verschließen gibt es nicht, dafür aber ein Loch im Boden, aber immerhin. Beim Bergaufgehen zum Klo wird mir total schwindlig. Man merkt deutlich diese Höhe. Ich mache noch paar Fotos von der Landschaft. Wir befinden uns auf einer Art Hochebene, die aus Steinen mit spärlichem Bewuchs besteht. Im Hintergrund sind Bergketten mit schneebedeckten Bergen zu sehen. Es geht aber schon wieder weiter. Im Auto erklärt uns Alex, wie man Coca-Blätter kaut. Man nimmt bis zu 15 Blätter, die man fein säuberlich übereinander legt und dann in der Mitte zusammen faltet. Dann kaut man diese bis nichts mehr übrig bleibt, Diese Blätter sollen gegen die Müdigkeit wirken und auch die Höhenprobleme verringern, also vor allem gegen Kopfschmerzen helfen. Irgendwann gegen Mittag sehen wir von oben den Ort Chivay. Zunächst werden wir aber erstmal in den Nachbarort gebracht. Dort nehmen wir unser Mittagessen ein. Dann können wir uns noch ein wenig ausruhen. Heike legt sich in eine Hängematte und ich versuche Kontakt mit einem Alpaka aufzunehmen. Das findet aber meine Neugier nicht gut. Es fängt an mit den Zähnen zu knirschen und hohe Laute von sich zu geben. Ich verstehe und ziehe mich im letzten Moment zurück. Es setzt nämlich an zum Spucken. Ein Holländer hat da weniger Glück, er bekommt also eine Sprühladung ab.

Chivay Alpaca

Gegen 13 Uhr treffen wir uns, vorher muss ich aber noch das Essen bezahlen. Sie nehmen aber keine Dollar und ich habe nicht genug Soles. Mir hilft aber Alex aus. Dann machen wir uns auf eine kleine Wanderung. Wir sind auf ca. 3600 m Höhe. Hier macht gerade mir jeder Schritt bergauf zu schaffen. Es fehlt mir die Luft und es wird mir schwindlig. Es ist schon nicht gut, gleich aus dem Stand in der Höhe zu wandern. Wir gehen ca. eine halbe Stunde bergauf, dann genießen wir auf einem Plateau die Aussicht und die Sonne. Nach einer Stunde sind wir wieder zurück. Wir werden kurz ins Hotel gebracht, bevor es zu einer Thermalquelle geht. Leider ist das Thermalbad kein reines Naturbad, das heiße Wasser schon, aber das Becken ist künstlich angelegt. Das Wasser ist schön heiß, wie in der Badewanne. Der hohe Schwefelgehalt des Wassers hilft gegen Hautkrankheiten, stinkt aber wie verfaulte Eier. Nach einer Stunde Baden geht es zurück zum Hotel. Nun müssen wir nochmals in die Stadt, um Alex unsere Schulden zurückzahlen zu können. Es ist mittlerweile Abend. Nachdem wir Geld abgehoben haben, gehen wir zu Fuß zurück ins Hotel. Jetzt noch schnell zu Abend essen und dann nur noch ins Bett. Wir haben beide ziemlich starke Kopfschmerzen. Dennoch bestelle ich mir ein Bier, unvernünftig, aber wenn’s schmeckt. Als Vorspeise bestellen wir uns eine Quinoasuppe. Das ist eine Suppe aus Inkagetreide. Die Suppe ist zu vergleichen mit unserer Grießsuppe. Dann noch ein Fleischgericht, also mal wieder Alpaka und ab ins Bett. Morgen geht es wieder früh los.

8. Tag: Colca Canyon
Bereits gegen 7 Uhr machen wir uns mit dem Kleinbus auf den Weg zum Colca Canyon. Dieser Canyon ist mit einer Tiefe von 1200 m einer der tiefsten der Welt. Wir wollen das Cruz del Condor (Kreuz des Kondors) besuchen. Hier lebt der Kondor, ein aasfressender Vogel, der mit einer Flügelspannweite bis zu 3 m, der größte Vogel der Welt ist. Der Kondor ist bis zu 1,3 m groß und kann 13 kg Gewicht auf die Waage bringen. Der Kondor nutzt die erste schwache Morgenthermik um zwischen acht und zehn Uhr ruhig am Canyonrand zu kreisen. Der Weg zum Cruz del Condor führt über eine Schotterstraße, die immer wieder durch Erdrutsche infolge von starken Regenfällen beeinträchtigt sind. Gegen 8 Uhr kommen wir an und wir sehen schon vom Parkplatz die Kondore kreisen. Mir gelingen aus nächster Nähe ein paar gute Fotos. Allerdings muss ich sagen, dass es nur 10 Fotos von 150 sind.

Kondor

Es ist gar nicht so leicht, diese Vögel mit dem Objektiv einzufangen. Sie sind zwar nicht schnell, so sieht es zu mindestens aus, aber wenn man sie heran zoomt, sind sie auch schnell wieder aus dem Bild verschwunden. Punkt 9 Uhr sind alle wieder verschwunden. Am Aussichtspunkt haben einige Frauen in traditioneller Kleidung ihre Stände aufgebaut. Sie verkaufen vor allem Strickwaren und Schmuck. Eine Frau hat auch Fotos vom Kondor. Da kommt ein Tourist an ihren Stand und fotografiert mit seinem teuren Fotoapparat diese Fotos ab. Also dreister geht es nicht mehr. Gegen 9.45 Uhr heißt es Abfahrt in Richtung Puno. Dafür werden wir den ganzen Tag brauchen. Zwischendurch haben wir immer wieder tolle Ausblicke auf den Canyon oder die Vulkane. Zunächst fahren wir jedoch erstmal nach Chivay zurück. Zwischendurch machen wir noch einen kurzen Halt in einem kleinen Ort. Auf dem Hauptplatz des Ortes steht eine schöne weiße Kirche. Daneben befinden sich ein paar Läden und es sind Stände aufgebaut. Jeder versucht hier irgendwie zu Geld zu kommen. Also werden die Touristen hier ausgekippt. Zwei Mädchen in traditionellen Trachten haben ein Reh ähnliches Tier bei sich. Ein paar Männer haben jeder einen Adler an einer Leine und eine Frau hat ein Alpaka dabei. Sie alle wollen, dass man mit ihren Tieren für wenig Geld ein Foto macht. Ich entscheide mich dafür mal einen Adler auf den Arm zu nehmen. Ich ziehe mir aber lieber noch eine Jacke an, damit ich die Krallen des Adlers nicht auf der nackten Haut spüre. Vorher muss ich aber noch warten bis ich an der Reihe bin. Eine Holländerin im fortgeschrittenen Alter wird jedoch einfach nicht fertig. Sie will das Foto noch in der einen oder anderen Position, dann muss sie noch mit mehreren Kameras abgelichtet werden und zwei Männer bemühen sich um sie. Ich werde langsam unruhig, denn wir müssen auch gleich wieder weiter. Nun wird sie aber doch noch fertig und ich kann den Adler auf den Arm nehmen. Heike schießt schnell ein Foto. Dann setzt mir aber der Besitzer des Tieres einen alten Hut auf und setzt mir den Kollegen auf den Kopf. Dann zieht er an der Leine, mit der der Adler an einem Bein festgebunden ist. Dadurch breitet der Adler beide Flügel aus. Nun müssen wir wieder weiter. Allerdings gibt es ein kleines Problem. Heikes Fleecejacke ist weg. Wir suchen noch schnell den Platz ab, können die Jacke aber nicht finden. Das ist natürlich ärgerlich, aber die Jacke war nicht so teuer, dass man dies nicht verschmerzen könnte und eine weitere Fleecejacke hat Heike noch mit im Koffer. Also steigen wir unverrichteter Dinge ins Auto ein. In diesem Moment merke ich, Mensch ich habe doch Heike Jacke an. Alles lacht im Auto. Ich hatte mir Heikes Jacke geben lassen, damit ich den Adler auf den Arm setzen lassen kann. So nun geht es aber nach Chivay. Dort angekommen, nehmen wir unser Mittagessen ein. In einer lokalen Gaststätte ist ein Buffet aufgebaut. Wir werden allerdings nicht gefragt, ob wir überhaupt essen wollen. Sicherlich bekommen die Guides Prozente. Es schmeckt aber alles wie immer sehr lecker. Wir unterhalten uns beim Mittagessen mit den beiden Holländern. Sie ist Krankenschwester und was er für einen Beruf hat, wissen wir nicht mehr. Sie sind sehr freundlich und haben ihren gesamten Urlaub also so ca. 6 Wochen für Südamerika eingeplant. Sie wollen noch nach Bolivien und dann wieder zurück nach Peru. Ihr Budget ist eng begrenzt. Aber sie sagen, wenn sie es jetzt nicht machen, dann wird es später mit Kind viel schwieriger. Auf der Fahrt nach Puno halten wir nur zweimal, um kurz die Beine zu vertreten und austreten zu gehen. Vor dem einen WC spielt das Kind der Klofrau. Es sitzt auf dem Boden und steckt sich die mit Erde verschmutzte Hand in den Mund, in der anderen Hand hat es einen Gummihandschuh.

Kind im Colca

Auf dem Foto sieht man ja nicht, wo das Kind eigentlich sitzt. Bei der zweiten Rast ist wieder eine Klofrau da. Man bezahlt, darf aufs Klo, aber spülen geht nicht. Das macht dann die Klofrau mit einem Eimer Wasser. Das ist Service, oder? Dann geht es wieder weiter. Wir fahren an einem großen See mit tief blauem Wasser vorbei. Von weitem sieht man Flamingos im Wasser stehen. Dann verlassen wir die Gebirgslandschaft und fahren durch eine größere Stadt mit Namen Juliaca. Sie hat ca. 210.000 Einwohner und ist nicht besonders schön. Sie liegt jedoch auch noch auf 3.825 m Höhe. Nun sind es nur noch so 20 Kilometer. Gegen 17 Uhr kommen wir in Puno an und werden ins Hotel gebracht. Da wir völlig erschöpft sind, wollen wir nicht mehr in die Stadt essen gehen. So nehmen wir unser Essen im Hotel ein. Allerdings dauert die Zubereitung ziemlich lang und es schmeckt auch nicht so besonders. Aber egal, Hauptsache wir sind satt.

9. Tag: Puno
Heute können wir uns ein wenig ausruhen. Wir haben einen freien Tag in Puno. Wir stehen gegen 8 Uhr auf, gehen frühstücken und anschließend die Stadt besichtigen. Die Stadt Puno mit ca. 120.000 Einwohnern liegt auf 3.827 m Höhe direkt am Titicaca-See. Durch diesen See wird das kalte, halbtrockene Klima der Stadt maßgeblich beeinflusst. Die jährlichen Durchschnittstemperaturen liegen zwischen 14 °C und 3 °C. Wir haben gelesen, dass Puno eine hässliche und dreckige Stadt sein soll. Das können wir jedoch nicht bestätigen. Puno hat einen gewissen Charme. Die Menschen sind dafür bekannt, dass sie keine Feier auslassen. Wir machen uns vom Hotel auf dem Weg zum Denkmal des Inkakönigs. Dieses Denkmal liegt auf einen Berg. Es ist zwar nicht weit, wir müssen aber erstmal die steile Straße hinauf. Mir macht die trockene und dünne Luft zu schaffen. Kopfschmerzen sind angesagt. Der Ausblick über die Stadt und den Titicacasee entschädigt aber.

Puno Titicacasee

Durch den Ausblick wissen wir auch gleich wie wir zum See laufen können. Wir machen uns also auf den Weg zum Hafen. Nach ca. einer halben Stunde kommen wir am Hafen an. Wir sehen auf einer ehemaligen Insel ein neu erbautes modernes Hotel, was nicht in die Gegend passt. Wir setzen uns kurz an den See. Es ist ca. 20 Grad warm und die Sonne scheint über das blaue Wasser. Da jedoch nicht viel zu sehen ist, machen wir uns auf den Rückweg. In der Nähe des Bahnhofs bahnt sich ein Fest an. Wir sehen viele Kinder in Uniformen, Trachten oder Alpakakleidung. Zunächst ist es wie bei uns, die Bonzen beweihräuchern sich. Dann kommen aber die Kinder dran. Als die Nationalhymne Perus ertönt, legen alle auch die Kinder die rechte Hand ans Herz und singen laut mit. Wir haben Gelegenheit die Kinder zu fotografieren. Eine Kindergartengruppe in blauer Kleidung begrüßt uns mit “Buenos Dias”. Die Kindergärtnerin erzählt ihnen, dass wir aus Deutschland kommen. Wir denken aber nicht, dass sie wissen wo das ist. Nachdem wir uns satt gesehen haben, machen wir uns mit einem Tuc-Tuc nochmals auf dem Weg zu Hafen. Heike möchte unbedingt den Kunsthandwerkermarkt besuchen. Wir zahlen für die Fahrt nur 4 Sol (so ca. 1 Euro). Der Kunsthandwerkermarkt entpuppt sich als Nepp. Es sind Stände in aneinandergereihten Zelten. Da es erst 13 Uhr ist, sind wir fast die einzigen Besucher. Dennoch kaufen wir ein paar schöne Dinge. Ein Paar Ohrringe für Julia und ein Bild. Der Verkäufer sieht aus wie ein Indianer. Zurück fahren wir wieder mit einem Tuc-Tuc. In der Fußgängerzone setzen wir uns in ein Lokal und bestellen uns Alpaka-Kebab. Das schmeckt wirklich gut. Gestärkt schlendern wir weiter durch die Stadt, den Plaza de Armas mit der Kathedrale und anderen Plätzen. Wir kaufen uns in einem Kunstgewerbeladen ein Alpaka aus Holz, dann tauschen wir noch unsere Dollar in einer Wechselstube, da die Peruaner diese nicht gerne nehmen. Am Abend machen wir uns noch einmal auf die Strümpfe. Wir wollen in ein im Reiseführer empfohlenes Lokal „La Casona“. Vorher kommen wir noch an einem Platz vorbei, wo Musik zu hören ist und viele Menschen im Kreis stehen. Was wir dort sehen, hätten wir nicht erwartet. Zwei junge Männer haben sich aufreizende Frauenkleidung angezogen und spielen irgendetwas Erotisches vor. Das Lokal La Casona ist sehr traditionell eingerichtet und beinhaltet zudem eine Sammlung von ca. 100 alten eisernen Bügeleisen. Wir bestellen uns wieder einmal Alpakafleisch und als Vorspeise frittierte Röllchen mit Käsefüllung. Bevor wir unser Essen bekommen, stellt uns der Kellner eine kleine Schüssel mit gerösteten und gesalzenen Maiskörnern auf den Tisch. Die schmecken ganz gut. Das Essen ist vorzüglich, aber viel zu viel. Danach gehen wir mit vollem Bauch ins Hotel und ins Bett. Gute Nacht.

10. Tag: Titicaca See
Heute geht auf eine Bootstour auf dem Titicaca-See. Wir werden um 6.50 Uhr von unserer Reiseleiterin Miriam abgeholt. Wir fahren mit einem Kleinbus zum Hafen und steigen dort in ein Privatboot. Wir sind die einzigen Gäste auf dem Boot, so können wir die Fahrt richtig genießen. Der Kapitän hat allerdings ein paar Startschwierigkeiten. Er rennt immer wieder zum Motorraum, aber nach mehreren Versuchen klappt es dann auch. Wir fahren zunächst zu den nahe liegenden schwimmenden Dörfern. Diese liegen auf einer Wurzelschicht der Binsen, auf den mehrere Schichten Binsen aufgestapelt sind. Die ganze Insel ist mit vier Ankern am Grund des Sees festgemacht. Wir sehen diese schwimmenden Dörfer schon von weitem.

Uros Inseln

Auf den einzelnen Inseln wohnen jeweils ein oder mehrere Familien. Jede Insel hat einen Präsidenten für jeweils ein Jahr. Es sollen ca. 2000 Einwohner auf den Inseln wohnen. Vor den Inseln sehen wir fast immer ein Papyrosboot stehen, welches meist noch eine erhöhte Aussichtsplattform hat. Wir steuern eine dieser Inseln an und werden von 4 Frauen in ihren bunten Trachten begrüßt. Sie tragen bis zu vier Röcke übereinander, aber haben fast alle keine Schuhe an. Wir treten von unserem Boot auf die Insel. Es ist, als ob man auf Schaumstoff läuft. Uns begrüßt der Präsident der Insel, Raul. Er trägt einen Hut und darunter eine typisch bunte Inkamütze. Er ist richtig lustig. Er erklärt uns wie man eine solche Insel baut. Er erzählt uns auch, wenn es Meinungsverschiedenheiten zwischen den Inselbewohnern gibt, dass dann die Insel mit einer Säge zerteilt wird und der abgeteilte bei anderen Inseln anfragen kann, ob sie ihn aufnehmen. Der Inselboden muss immer wieder erneuert, maximal hält dieser ein viertel Jahr, manchmal bloß eine Woche. Neben dem Präsidenten sitzen mehrere Frauen, die alle sticken, eine von ihnen hat ein kleines 7 Monate altes Baby, auf Quechua „Wawa“, auf dem Schoß.

Uros Baby

Er heißt Joseph und ist sehr niedlich. In einer Lagerhütte spielen zwei Mädchen miteinander. Raul erzählt, dass hier die Frauen stricken und sticken. Die Männer gehen Fischfangen und bauen die Hütten und den Boden. Sie produzieren aber auch aus dem Gras kleine Papyrosboote. Gefangen werden so ca. 5 cm lange Fische, die getrocknet werden und sich so bis zu 3 Monate halten. Er sagt auch, dass sie keine Probleme mit den Zähnen haben, da sich ausschließlich von den eigenen gefangenen oder geernteten Tieren oder Pflanzen ernähren. Nach seinen Erklärungen werden wir von 3 Frauen in eine Hütte gebeten. Dort zeigen sie uns wie sie leben. Die Hütten bestehen ausschließlich aus den Binsen, im Dach ist eine Plastikschicht zum Schutz vor Regen eingearbeitet. Da jede Insel einen Sonnenkollektor von der Regierung gespendet bekommen hat, haben sie in der Hütte eine Lampe und einen Minifernseher. Sie fragen uns nach unseren Namen und dann wollen sie natürlich ihre selbst gefertigten Produkte verkaufen und führen uns alles vor. Unter anderem fertigen sie Tischdecken, Kissenbezüge, bemalte Kürbisse, Steinfiguren, Produkte aus dem Gras, zum Beispiel ein Windspiel. Wir können natürlich nicht bei jeder dieser Frauen etwas kaufen, aber wir erwerben einen Kissenbezug mit der Paccha Mama, ein Windspiel, eine Inkafigur aus Stein und einen Kürbis. Dann machen wir noch eine kleine Bootsfahrt mit einem Papyrosboot. Vorher werden wir noch von den Frauen mit 3 kleinen Liedern in Aymara, Quechua und in Deutsch verabschiedet. Letzteres war „Alle meine Entchen“. Naja, dass ist sicherlich ehrenwert aber dennoch kitschig. Wir steigen in das Papyrosboot und mit uns auch ein kleines Mädchen von dieser Insel. Sie kuschelt sich an Heike heran und lässt sich streicheln. Ich krabble sie an ihren Zehen und so taut sie total auf. Danach klettert sie auf mein Schoß und ich mache ein wenig Spaß mit ihr. Heike nimmt dies als Video auf. Als sie dies sieht, ist sie fasziniert. Wir werden auf einer mehr für touristische Zwecke ausgerichtete Insel ausgekippt. Dort gibt es sogar eine Bar. Die Inseln verfügen aber auch über alle notwendigen Einrichtungen, wie eine Schule, ein Kindergarten und eine Medizinstation, die einmal pro Woche von einem Arzt mit dem Ruderboot besucht wird. Wir besteigen wieder unser Boot und machen uns jetzt auf eine 2,5 stündige Weiterfahrt zu der Insel Tanquile. Wir befinden uns auf dem Titicacasee auf einer Höhe von 3840m. Nach ca. 2 Stunden Fahrt erreichen wir die Ausgangsbucht des Sees. Wir erblicken die Insel Tanquile und direkt dahinter die schneebedeckten Berge Boliviens mit einer Höhe von über 6000 m. Der Name des Titicacasee bedeutet grauer Puma. Die Landkarte des Sees sieht aus wie ein springender Puma. Seine Wassertemperatur beträgt ca. 9 Grad. Also zum Baden ist das ungeeignet. Wir haben wieder einen Sonnentag, windgeschützt haben wir auf dem Boot eine Temperatur von ca. 25 Grad, kommt allerdings der Wind dazu, ist es spürbar kälter. Wir legen an einem Hafen der Insel an und müssen nunmehr eine Stunde langsam den Berg bis zum Hauptplatz der Insel hinauf. Es geht gleich wieder steil bergauf. Die Höhe macht mir wieder zu schaffen. Es fehlt einem sofort die Luft. Die Ausblicke vom Weg auf den Titicacasee und die dahinter liegenden Berge entschädigen dafür. Wir kommen an einem Grundstück vorbei, wo mehrere Männer gerade ein Haus bauen. Sie benutzen sonnengetrocknete Lehmziegel und mischen Lehm mit Wasser als Mörtel. Das Wasser müssen sie vom Meer selber nach oben tragen. Danach kommen wir an einem alten Mann vorbei, der auf einer Steinmauer sitzt und strickt. Für die strickenden Männer ist diese Insel bekannt. Alle Jungen ab 8 Jahre lernen das Stricken. Sie sind später so perfekt, dass sie mit so feinem Garn stricken, dass die Mütze aussieht wie gewebt. Außerdem können sie die Muster auch ohne hinschauen und im Laufen stricken. Das feine Garn für die Mützen machen die Frauen. Es kommen uns auch Frauen entgegen, die beim Laufen in der einen Hand die Wolle und in der anderen eine Spindel haben, die wie ein Jo-Jo hoch und runter tanzt. Unterwegs bekommen wir immer schöne Ausblicke auf den See und die schneebedeckten Berge Boliviens und Perus. Miriam pflückt am Wegesrand eine Minze, damit wir, vor allem aber ich, besser Luft bekommen. Immerhin liegt der Hauptplatz auf 4000 m Höhe. Dieses Kraut kann man einfach kauen und tatsächlich es hat so viel ätherischen Öle, dass man besser atmen und laufen kann. Wir laufen übrigens gleich am Beginn durch einen Torbogen, der ohne Mörtel errichtet wurde. Diese Bögen hat hier eigentlich fast jede Stadt als Begrüßung ihrer Gäste. Nach einer Stunde kommen wir am Hauptplatz an. Hier stehen ein Rathaus, eine Kirche, eine Verkaufshalle und Wohnhäuser. In der Verkaufshalle bieten die Einwohner typische Waren ihrer Insel an, vor allem Strick- und Webware. Sie verkaufen diese Produkte als Kooperative, daß heißt 80 Prozent des Verkaufspreises erhält der Hersteller und 20 Prozent die Kooperative. Gute Idee, so haben alle etwas davon. Wir haben allerdings auf den Uroinseln so viel gekauft, dass wir kaum noch Geld haben. Anschließend gehen wir bei einer einheimischen Familie Mittagessen. Wir sitzen auf einer spartanisch eingerichteten Dachterrasse und genießen die Sonne. Zu essen bekommen wir eine Gemüsesuppe aus Inkagetreide. Danach bekommen wir Forellenfilet mit Reis und Pommes. Wo eigentlich die Küche in diesem Haus ist, ist unklar und möchten wir auch nicht wirklich wissen. Es schmeckt aber alles sehr lecker. Zum Abschluss bekommen wir noch einen Eierkuchen und Tee aus der vorher erwähnten Minze. Nach dem Essen erklärt uns Miriam die Bedeutung der Mützen und der Tragweise. Die Mützen haben mit ihren Farben und Tragweise alle eine Bedeutung. Die Mädchen habe eine rot braune Mütze. Die Jungen haben eine rot weiße Mütze und bedeutet sie sind ledig. Je nachdem wie sie ihre Bommel tragen, rechts oder links, suchen sie eine Freundin und leben mit dieser zusammen oder sie wollen in Ruhe gelassen werden. Wenn sie zusammenleben wollen und heiraten machen beide zusammen einen Gürtel, der so 10 cm breit ist und aus Schafwolle und Frauenhaar gewebt. Dazu muss die Frau auch Haare lassen. Wenn sie den Gürtel fertig haben, dann werden sie spätestens in einem Jahr heiraten. Wenn dies feststeht müssen sie natürlich Geld sparen und die Frau beginnt einen weiteren Gürtel aus feiner Wolle zu weben. In dem Gürtel sind dann Symbole für die Liebe, für ein gemeinsames Haus usw. eingewebt. Diesen Gürtel bekommt der Mann erst bei der Hochzeit zusehen. Dann wird der erste Gürtel aus Schafwolle und Menschenhaar mit dem zweiten Gürtel verbunden. Man trägt diesen Gürtel um den Lenden zu schützen, vor allem bei schwerer Arbeit, die den Rücken belastet. Die Präsidenten der 6 Inseldörfer tragen eine bunte gestrickte Mütze und darüber einen dunklen Lederhut. Nach dem Essen geht es wieder hinunter zum Hafen. Es sind ca. 500 Stufen. Unten angekommen fahren wir wieder mit dem Boot zurück nach Puno. Unterwegs erzählt uns Miriam wie es in Peru zugeht, insbesondere in der Politik. Das Hauptproblem ist die Korruption. Der jetzige Präsident hat viel versprochen, aber nichts davon eingehalten. Er handelt sehr willkürlich, setzt eine Regelung für die Rentenversicherung in Kraft und sagt, dass alle bis zu einem Stichtag einen gewissen Prozentsatz ihres verdienten Geldes an die Stadt abzuführen haben. Ein paar Tage später kippt er das Gesetz wieder. Alle die Personen, die bereits bezahlt haben, bekommen ihr Geld aber nicht zurück. Das kann ja nun wahrlich nicht sein. Aber so ist das hier. Was uns immer wieder wundert, alle Peruaner mit denen wir gesprochen haben, kennen Frau Merkel. Zurück im Hafen werden wir noch zum Hotel gebracht. Wir gehen nur noch Geld abheben und lecker Essen, wieder ins La Casona, und anschließend ins Bett.

Quechua-Sprache
Quechua oder Quechua-Indianer ist eine Sammelbezeichnung für die Angehörigen der Ethnien, deren Muttersprache das Quechua ist.

Quechua

Die Eigenbezeichnung der Menschen, die Quechua sprechen, lautet Runakuna („Menschen“). Die Sprecher der Quechua-Sprache, insgesamt ca. 9 bis 14 Millionen in Peru, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Chile und Argentinien, haben bisher keine oder kaum eine gemeinsame Identität entwickelt. Die verschiedenen Quechua-Varianten unterscheiden sich zum Teil so stark, dass keine gegenseitige Verständigung möglich ist. Zu beachten ist, dass Quechua nicht nur von den Inkas gesprochen wurde, sondern z. T. auch von langjährigen Feinden des Inkareiches, so z. B. den Huanca (Wanka- Quechua). Das Quechua wurde von einigen dieser Völker, so den Wanka, bereits vor den Inkas in Cuzco gesprochen, während andere Völker, insbesondere in Bolivien, aber auch in Ecuador, die Quechua-Sprache erst in der Inkazeit oder sogar erst danach übernahmen. In Peru wurde Quechua unter der Militärregierung Juan Velasco Alvarados 1969 zur zweiten Amtssprache erklärt. Wichtige Elemente der materiellen Kultur bei fast allen Quechua-Ethnien sind zudem etliche traditionelle Handwerke: Hierzu gehört die aus der Inkazeit bzw. davor tradierte Weberei mit Baumwolle, Wolle (von Lamas, Alpakas, Guanakos, Vikunjas) und einer Vielfalt natürlicher Farbstoffe, bei der zahlreiche Webmuster zur Anwendung kommen. Der Hausbau findet meist mit, an der warmen Luft getrockneten, Lehmziegeln (ti- ka bzw. spanisch adobe) oder mit Zweigen und Lehmmörtel statt, während die Dächer aus Stroh, Schilf bzw. Punagras (ichu) gedeckt werden. Die Auflösung der traditionellen Wirtschaftsweisen, regional z. B. durch Bergbau und darauf folgende Proletarisierung, hat in der Regel zu einem Verlust der ethnischen Identität wie auch der Quechua- Sprache geführt. Dies gilt ebenso bei der dauerhaften Abwanderung in die Großstädte (insbesondere Lima). Bis in die Gegenwart wurden Quechua Opfer politischer Konflikte und ethnischer Verfolgung. Im Bürgerkrieg in Peru in den 1980er Jahren zwischen Staatsmacht und Sendero Luminoso waren etwa drei Viertel der rund 70.000 Todesopfer Quechua-Indianer, während die Verantwortlichen in den Kriegsparteien ausnahmslos Weiße und Mestizen waren. Ethnische Diskriminierung spielt auch auf parlamentarischer Ebene noch heute eine Rolle: Als am 25. Juli 2006 die neu gewählten peruanischen Abgeordneten Hilaria Supa Huaman und Maria Sumire ihren Eid auf Quechua ablegten – erstmals in der Geschichte Perus in einer indigenen Sprache – weigerten sich die peruanische Parlamentspräsidentin Martha Hildebrandt und das Präsidiumsmitglied Carlos Torres Caro hartnäckig, dies zu akzeptieren. Praktisch alle Quechua der Anden waren seit der Kolonialzeit nominell Katholiken; seit dem 20. Jahrhundert breiteten sich jedoch protestantische Kirchen aus. In vielen Gegenden leben Formen der traditionellen Religion weiter, vermischt mit christlichen Elementen (Synkretismus). Die Quechua-Ethnien teilen auch die traditionelle Religion mit den anderen andinen Völkern. Weithin im Andenraum überlebt insbesondere der Glaube an Mutter Erde (Pachamama), die Fruchtbarkeit schenkt und der deshalb regelmäßig Rauch- oder Trinkopfer dargebracht werden. Wichtig sind zudem die Berggeister (apu) sowie kleinere Lokalgottheiten (wak’a), welche besonders in Südperu noch verehrt werden (Quelle Wikipedia).

Quechua Frau

Quechua-Frau in Peru 2004

11. Tag: Zugfahrt nach Cuzco
Heute heißt es wieder zeitig aufstehen, denn es steht eine Zugfahrt mit dem Andean Explorer von Puno nach Cuzco auf dem Programm. Gegen 7.30 Uhr werden wir von Miriam abgeholt und zum Bahnhof gebracht. Dort müssen wir noch eine Weile im Warteraum zu bringen. Die Wartezeit wird aber von einer einheimischen Folkloregruppe überbrückt. Sie spielen die traditionelle Musik, natürlich auch mit einer Pan-Flöte. Im Warteraum ist sogar ein Gasheizer aufgestellt, wobei es gar nicht kalt ist. Dann werden die Türen zum Bahnsteig geöffnet, aber vorher müssen noch alle ihre Pässe vorzeigen.

Andean Explorer

Eine größere Gruppe Amerikaner muss dies aber nicht, sie werden durch gewinkt. Gerecht ist das nicht, denn es sind doch gerade die Amis, die Wert auf Sicherheitsvorkehrungen legen. Na, egal. Jeder Koffer wird mit einer Banderole versehen und man bekommt pro Koffer einen Beleg. Dann verschwinden diese in einem gesonderten Wagen. In das Abteil darf man nur wie im Flieger ein Handgepäck mitnehmen. Auf dem Bahnsteig werden die Personen entsprechend ihres Tickets in die Waggons verteilt. Jeder hat natürlich einen Sitzplatz. Wir sitzen zunächst im falschen Waggon, da das Zugpersonal uns nicht den richtigen Waggon zugewiesen hat. Das klärt sich aber schnell, als andere Leute Tickets für genau diese von uns eingenommen Plätze vorweisen. Bis dahin spielte sich noch eine „dramatische“ Szene ab. Eine deutsche Frau kann nicht direkt neben ihren Mann sitzen, sondern sie ist getrennt durch den Gang von ihm. Er nimmt dies gelassen, aber sie wird immer wütender. Nein, das lässt sie sich nicht gefallen. Wenn sich daran nichts ändert, wird sie sich beschweren und auch gleich eine E-Mail ans Reisebüro senden. Der Mann lächelt nur die ganze Zeit. Irgendwann hat sie sich dann doch wieder beruhigt.

Andean Explorer Zug

Der Zug „Inca Andean Explorer“ verkehrt zwischen Puno und Cuzco und verbindet somit zwei der bedeutendsten Städte in Peru. Die Streckenlänge beträgt 390 km. Der Explorer ist im vornehmen Stil der großen Pullman- Züge der 1920er Jahre ausgestattet. Dieser Zug wird fast ausschließlich von Touristen genutzt. Das erklärt sich schon allein mit dem Ticketpreis von 153 Dollar pro Person. Wir nehmen nun unsere richtigen Sitzplätze ein. Am Ende des Zuges befindet sich ein Panoramawagen mit Bar. Dieser Waggon hat große Fenster und am Heck ist er vollkommen offen. So kann man nicht nur gut rausschauen sondern auch gut fotografieren. Man muss natürlich einen Platz dafür finden. Am Anfang gelingt mir dies nicht. Vor allem treffe ich wieder die Dame, die sich mit dem Adler hat fotografieren lassen hat und dabei kein Ende fand. Nun geht das auch hier wieder los. Sie möchte ein Foto so und eins so. Gleich am Anfang der Zugfahrt fahren wir durch die Stadt Julicia. Direkt auf beiden Seiten der Gleise sind hunderte Verkaufsstände aneinander gereiht. Hier gibt es alles, Autoersatzteile, Möbel, Kleidung, DVD’s usw. Die Menschen an den Ständen winken uns teilweise zu, auch auf der weiteren Strecke winken immer wieder Kinder und auch Bauarbeiter. Das finde ich schon erstaunlich, da sie doch genau wissen, dass nur relativ zahlungskräftige Personen diesen Zug benutzen. Am Ortsausgang steht ebenfalls direkt neben den Gleisen ein Plumpsklo neben dem anderen. Wahrscheinlich sind das die Toiletten für jeden einzelnen Bauarbeiter und die Anwohner. An einem Fluss stehen die Leute und waschen ihre Autos im Wasser. Zunächst durchquert der Zug die sanften Ebenen des Altiplanos, den Lebensraum der Vikunjas und Alpakas. Wir werden während der Zugfahrt gut verköstigt. Es gibt ein Mittagessen mit 3 Gängen und später den Nachmittagstee. Außerdem gibt es auch noch eine musikalische Unterhaltung mit folkloristischen Liedern. Die Musiker werden von einer jungen gut aussehenden Tänzerin begleitet. Diese Dame fordert ihr Publikum zum Mitmachen auf. Dafür finden sich einige ältere Männer, die plötzlich wieder jung werden. Für uns ist dieses Programm nicht das Richtige. Es gibt zur musikalischen Unterhaltung auch noch für jeden einen Pisco Sour. Den nehme ich aber gerne zu mir. In unserem Waggon sitzen fast ausschließlich Amerikaner. Unter diesen ist auch ein älteres Geschwisterpaar. Die Ältere der beiden Frauen ist relativ schlank und die jüngere ein Pummelchen. Die beiden verhalten sich sehr eigenartig. Die Jüngere zieht sich erstmal um und kommt in Shorts zurück. Diese Kleidungswahl zaubert allen anderen Passagieren ein Lächeln aufs Gesicht. Die beiden reden sehr laut miteinander, so dass man alles mit bekommt. Dann werden die beiden mal kurze Zeit ruhiger. Dies ändert sich abrupt, als die jüngere plötzlich fast vom Sessel springt und ruft: „Mountain, Mountain!!“. Scheinbar hat sie die ganze Zeit mit offenen Augen gepennt, da wir schon seit einer Stunde an Bergen vorbei gefahren sind. Auch beim Essen sind die beiden kein Aushängeschild. Die Ältere isst nur mit der Gabel und nimmt ihrer jüngeren Schwester die Hälfte ihres Essens einfach vom Teller. So haben wir unser eigenes Kulturprogramm.
Die Fahrt führt weiter nach La Raya, dem höchsten Punkt der Strecke (4.321m). Dort wird die Fahrt unterbrochen. Kurz bevor wird diesen Punkt erreichen, muss der Zug eine viertel Stunde halten. Dieser Zwangsstopp ist notwendig, da die Strecke nur eingleisig ist. An der Ausweichstelle ist sie nur kurz zweigleisig. Sofort kommen Frauen an den Zug und versuchen Strickwaren an die Frau zu bringen. Auf dem Feld beobachte ich wie 2 Männer und eine Frau sehr schwere Feldarbeit verrichten.

Trabajadores

Sie haben den Wildwuchs ihrer Parzelle abgebrannt, stehen im beißenden Rauch und graben das harte Erdreich um. Das Ganze noch dazu auf ca. 4000 m Höhe. Dann kommt der Gegenzug und wir starten wieder. Am höchsten Punkt gibt es eine Möglichkeit auf einem extra eingerichteten Markt einheimische Produkte zu erwerben.

Mercado entre Puno y Cuzco

Der blaue Zug steht auf einem Hochplateau und ist umgeben von hohen schneebedeckten Bergen. Ich sehe wie manche Leute den Stopp nutzen, um die Diesellok unseres Zuges zu besteigen. Obwohl ich nicht gerade der typische Eisenbahnfan bin, möchte ich doch auch mal auf diese Lok steigen. Also renne ich auf 4.300 m Höhe an die Zugspitze und frage einen anderen Passagier, ob er mich fotografieren könne. So klettere ich die Leiter auf die Lok herauf und stehe vor der Kanzel des Lokführers des Andean Explorers. Auf dem Markt sind wieder Frauen und Kinder in ihren sehr aufwendig geschmückten Trachten. Ich frage wieder ein Kind und eine Frau mit Alpaka, ob ich sie für ein paar Sol fotografieren darf. Sie willigen ein. Nach ca. einer viertel Stunde geht es wieder weiter. Nach diesem Stopp dominieren die prächtigen Berge der Anden, durch die sich der Fluss Rio Huatanay schlängelt. Während ich Fotos im Panoramawagen mache, merke ich das einige Deutsch sprechen. Es stellt sich heraus, dass es eine Gruppe von Rentnern ist, die alle aus dem Raum der Altmark kommen. Sie machen mehrere solcher Reisen im Jahr. Na, dann müssen sie aber wirklich eine gute Rente haben. In unserem Waggon ist auch ein jüngerer Mann, der mit der Höhe arge Probleme hat. Er benötigt mehrfach Sauerstoff aus der Flasche. Darauf ist das Personal natürlich eingestellt. Was wir aber nicht verstehen können, dass sich dieser Mann dann auch noch eine Flasche Rotwein bestellt. Nach etwa 12 Stunden Fahrt erreichen wir gegen 20.30 Uhr Cuzco . Wir holen unsere beiden Koffer ab und warten außerhalb des Bahnhofsgebäudes, dass wir abgeholt werden. Erst nach ca. einer viertel Stunde kommt ein Tourkoordinator von Chaski Tours auf uns zu. Er heißt William, so ca. 30 Jahre alt und sehr freundlich. Auch er spricht sehr gut Deutsch. William und sein Fahrer bringen uns zu unserem Hotel in die Stadt. Am späten Abend gehen wir noch kurz in die Stadt und anschließend schlafen.

12. Tag: Cuzco
„Cuzco, auf Quechua Qusqu oder Qosqo, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region und der Provinz Cuzco im Zentrum des peruanischen Andenhochlandes. Sie liegt in 3.416 m Höhe und hat ca. 350.000 Einwohner. Sie ist Sitz des Erzbistums Cuzco und einer Universität. Die wechselvolle Geschichte als Hauptstadt des Inkareiches, die Sehenswürdigkeiten in der Umgebung und die Landschaft inmitten der Anden machen sie zum Anziehungspunkt vieler Touristen. Als Ausgangspunkt zu der Inkastadt Machu Picchu ist sie weltbekannt geworden. 1983 wurde sie in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen.

Cuzco

Der Sage nach wurde die Gegend in grauer Vorzeit von den Tampus, einem Volk der Quechua-Indianer, bewohnt. Sie sollen die ersten Menschen gewesen sein – älter seien nur die Götter. Um das Jahr 1200 herum gründete demnach der erste Inka Manco Capac, der Sohn der Sonne, mit seiner Schwester Mama Ocllo die Stadt. Das Wort Cuzco (Qusqu) entstammt dem Quechua und bedeutet „Nabel der Welt“. Pachacutec Yupanqui ließ in der Umgebung landwirtschaftliche Terrassen (InkaTerrasse) zum Anbau von Mais errichten, um damit die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Kanäle zu den Flüssen Saphi und Tullumayu, die durch die gesamte Stadt führten, versorgten die Einwohner mit frischem Wasser und hielten die Stadt sauber. Tupac Yupanqui übernahm 1471 als 10. Inka die Herrschaft des Reiches von seinem Vater. Unter seiner Führung errang das Inkareich die größte Ausdehnung. Durch Eroberungszüge konnte er das Gebiet zwischen Quito im heutigen Ecuador und Santiago in Chile dem Reich einverleiben. Hohe Würdenträger der unterlegenen Stämme wurden nach Cuzco berufen und mit wichtigen Verwaltungsfunktionen betraut. Dieser geschickte Schachzug sorgte nicht nur für innere Ruhe, sondern ließ Künstler, Denker und Wissenschaftler ansiedeln. Huayna Capac, der 11. Inka, übernahm 1493 das Reich. Er verlegte seinen Hauptsitz nach Quito und bemühte sich um eine weitere Expansion. Kurz vor seinem Tod (1525) teilte er das Reich zwischen seinen Söhnen Atahualpa und Huascar auf. Atahualpa erhielt die nördliche Region und residierte in Cajamarca, während Huascar den südlichen Teil mit Cuzco als Regierungssitz erhielt. Die folgenden Jahre waren geprägt vom ständigen Konflikt zwischen den beiden Brüdern. Obwohl Huascar von den Inkas geschätzt wurde, unterlagen seine Leute den kampferprobten Truppen aus dem nördlichen Territorium im Jahr 1532. Huascar wurde dabei gefangen genommen und hingerichtet. Atahualpa, nun der uneingeschränkte Herrscher über das gesamte Inkareich, blieb der Stadt fern, ließ aber blutige Rache an der Familie und den Anhängern seines Bruders nehmen. Am 16. November 1532 nahm Pizarro Atahualpa gefangen und marschierte gegen Cuzco. Er erreichte die Stadt am 15. November 1533, plünderte und brandschatzte die Stadt. Er ließ fast alles Gold und Silber einschmelzen und Tempel und Paläste abreißen. Nur wenige Mauern widerstanden den Verwüstungen. Die Steine wurden dann zum Bau der kolonialen Kirchen benutzt. Pizarro setzte Manco Capac II., den Halbbruder Huascars, als Marionettenherrscher auf den Thron. 1535 floh Manco Capac II aus seiner Gefangenschaft und organisierte einen groß angelegten Aufstand. Mit über 100.000 Mann marschierte er gegen Cuzco und belagerte die Stadt. Die Spanier wurden fast niedergerungen. Nur durch einen gewagten Ausfall und eine blutrünstige Schlacht bei Sacsayhuaman konnten sie in letzter Sekunde eine Wende herbei fuhren. Cuzco wurde dabei völlig zerstört. Pizarro zog sich noch im selben Jahr an die Pazifikküste zurück und gründete die Stadt Lima. Damit verlor Cuzco seine einstige Bedeutung und verkam zu einer unwichtigen Kolonialstadt. 1650 wurde Cuzco durch ein Erdbeben zerstört, doch die von den Inkas errichteten Grundmauern der Paläste und Tempel, die schon die Zerstörung durch die Spanier überstanden hatten, widerstanden dem Erdbeben. Zwei Aufstände der Indios (1780 und 1820) wurden blutig niedergeschlagen. 1692 wurde die Universität von Cuzco gegründet. Sie ist damit eine der ältesten Universitäten Perus. Als 1911 die auf einem Berg verborgene Stadt Machu Picchu entdeckt wurde, änderte sich die Bedeutung der Stadt. Cuzco wurde zu einem Zentrum des wieder entstandenen Interesses an der indianischen Vergangenheit. Gleichzeitig entwickelte sich Cuzco zum größten Touristenzentrum in Peru. Ein neuerliches Erdbeben im Jahr 1950 zerstörte die wieder aufgebauten Kirchen und Häuser. Cuzco wurde zu 90 % zerstört. Die erhalten gebliebenen Inka-Ruinen und die Innenstadt mit ihren Kolonialbauten wurden 1983 durch die UNESCO zum Welterbe erklärt.“ (Quelle Wikipedia). Heute starten wir von unserem Hotel zu einer City- und Umgebungstour von Cuzco. Nach dem guten Frühstück werden wir von Carlos abholt. Leider ist das Wetter heute nicht so gut. Es fängt immer wieder an zu regnen. Carlos ist gerade mal 28 Jahre alt und macht seine Sache sehr gut. Zunächst besuchen wird den Sonnentempel. Vom Sonnentempel (Coricancha) sind nur noch seine Grundmauern vorhanden. Die Spanier haben diesen Tempel abgebrochen und die Kirche Santa Domingo auf dessen Mauern errichtet. Außer den Grundmauern sind im Inneren der Kirche nur noch ein paar schräge Mauern mit trapezförmigen Nischen und ein 20- eckiger Stein zu sehen. Diese Mauern sind ohne Mörtel erbaut. Die Steine liegen so plan verbaut, dass in ihre Fugen noch nicht einmal ein Blatt Papier passt. Neben den Mauern liegen ein paar einzelne Steine, die fast wie Legosteine aussehen. Danach besichtigen wir den Hauptplatz mit der Kathedrale. Dort findet gerade eine Demonstration von Lehrern statt. Demonstrationen gibt es in Peru sehr häufig. Dies liegt vor allem an der alltäglichen Korruption. Die Kathedrale wurde ebenfalls von den Spaniern auf den Grundmauern des Palastes des 8. Inka Viracocha in den Jahren von 1560 bis 1654 erbaut. Sie hat eine reiche Ausstattung. Da die Spanier aber nicht genug eigene Künstler hatten, die Gemälde oder Figuren schaffen konnten, haben Sie auch Inkas für die Erschaffung derartiger Kunstwerke verpflichtet. Diese haben dann versucht, ihre Inkakultur mit der spanischen zu verbinden. Dies zeigt sich z.B. an der Madonnenfigur, die wie ein Berg erscheint. Die Kirche La Merced besichtigen wir zwar nicht, soll aber dennoch erwähnt werden. Diese Klosterkirche wurde zwischen 1540 und 1600 errichtet. Darin befindet sich die 22 kg schwere, goldene Monstranz, die mit 1.518 Diamanten, über 600 Perlen und unzähligen Rubinen, Smaragden und anderen Edelsteinen verziert ist. Nach der Besichtigung der beiden Kirchen fahren wir den Berg hinauf an den Ortsrand der Stadt. Dort schauen wir uns die Bergfestung Sacsayhuaman mit ihren riesigen, beeindruckenden Mauern an.

Saqsayhuaman

Von hier aus hat man auch einen herrlichen Blick über die gesamte Stadt Cuzco, dazu dürfte es aber nicht regnen. Wir haben nicht so gute Sicht. „Die Ruine der Inkafestung Sacsayhuaman ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten aus der Inkazeit. Wahrscheinlich sollte diese Anlage den am meisten gefährdeten Zugang zur Stadt schützen. Tatsächlich verschanzten sich während der spanischen Eroberung Hunderte von Kriegern hinter ihren Mauern. Die Anlage wurde dabei teilweise zerstört, später auch noch von Erdbeben heimgesucht, so dass heute nur noch etwa ein Drittel von ihr erhalten ist. Sacsayhuaman sollte aber auch repräsentativen Zwecken dienen und die Macht und Leistungsfähigkeit der Inkas demonstrieren. Gegen eine Deutung als Verteidigungsanlage sprechen indessen Bauformen, die am ehesten auf Heiligtümer hinweisen, wie Nischenplätze, kreisförmige Arenen von etwa 100 m Durchmesser und ausgebaute Treppen in einzeln stehenden Felsblöcken. Der Name Sacsayhuaman stammt aus dem Quechua und ist im Laufe der Zeit verschiedentlich gedeutet worden, etwa als „zufriedener Falke“, wohl weil man von hier aus die ganze Stadt überblicken kann; oder auch als “gesprenkelter Kopf”, da diese Stätte, aus der Luft gesehen, die Form eines Pumakopfes hat, wobei die Straßenzüge des alten Cuzco dessen Körper bilden. Als Erbauer der Stätte gelten die Inka Pachacutec Yupanqui und Tupac Yupanqui. Während der 70-jährigen Bauzeit in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sollen 20.000 Indios daran gearbeitet haben. Die wichtigste „Verteidigungslinie“ besteht aus drei zyklopischen, terrassenförmig übereinander gebauten Zickzackmauern. Sie sind 600 m lang. Die untere Mauer ist 9 m, die mittlere 10 m und die obere 5 m hoch. Zum Bau der Mauer wurden riesige Steine von den 20 km entfernten Steinbrüchen heran transportiert und dann bearbeitet, bis sie fugenlos aneinander passten. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Ungeklärt ist, wie die Inka die Steine transportiert haben, da sie weder Rad noch Rolle kannten. Für die Bearbeitung verwendeten sie spezielle Steinwerkzeuge, denen selbst harter Granit nicht standhielt. Oben sind die Überreste von zwei viereckigen Türmen und einem runden Turm, dem Muya Marca, zu sehen. Sie sind durch unterirdische Gänge miteinander verbunden. Die Terrassen sind von Kanälen zur Wasserversorgung und zur Ableitung von Regenwasser durchzogen. Hinter den Wällen liegt ein großer Platz, auf dem auch heute noch jährlich am 24. Juni das Sonnenfest (Inti Raymi) gefeiert wird, das auch der Präsident besucht. Im hinteren Teil der Anlage befindet sich ein kreisrunder Platz, vertieft angelegt und gestützt durch einen mannshohen Mauerring. Daneben befinden sich ein kurzer schmaler Tunnel, der nur von einer einzelnen Person passiert werden kann, sowie verschiedene Mauerreste und eine natürliche „Rutschbahn“ im Felsen.“ (Quelle Wikipedia). Zum Abschluss unserer heutigen Besichtigungstour besuchen wir noch Kenko, ein Inka-Heiligtum der Erdgöttin Pacha Mama. Es ist ein Festplatz mit einem riesigen, zerklüfteten Kalkstein. Eine glatte Spalte führt ins Innere des Felsens, wo vermutlich Tote für einen Mumienkult aufbereitet wurden. Auf dem Gipfel befindet sich ein Stein zur Beobachtung der Sonnenwende. Eine schlangenförmige Rinne soll bei religiösen Ritualen für Trank- und Blutopfer verwendet worden sein. Es regnet leider schon wieder, aber unsere Tour ist ohnehin für heute beendet. Carlos bringt uns zurück ins Hotel. Da wir aber gerne in einem einheimischen Lokal etwas zu Mittag essen wollen, bringt er uns in ein Lokal unweit des Hotels. Er erklärt uns noch ausgiebig, was es hier alles zu essen gibt. Wir wählen einen Eintopf mit Hühnerfleisch und ein halbes Meerschweinchen.

Cuy

Dazu eine Cola und ein Bier. Carlos bestellt dies für uns und verabschiedet sich dann. Das Lokal befindet sich in einem Hinterhof und ist fast voll mit Einheimischen besetzt. Wir sind die einzigen Touristen. Dann bekomme ich erstmal mein Bier. Es ist eine 1,1 Liter Flasche, die größer als mein Unterarm ist. Dann kommt unser Essen. Beides schmeckt sehr gut. Meerschwein schmeckt ein wenig wie Kaninchen. Dazu gibt es gebratene Nudeln, eine große Kartoffel und Dipp. Obwohl an einem Meerschwein nicht all zu viel Fleisch ist, ist es aber dennoch ausreichend. Vor allem ist das Fleisch sehr zart. Das Bier schaffe ich allerdings nicht. Während des Essens kommen drei ältere Peruaner herein und spielen ein paar Lieder. Danach sammeln sie mit einem Teller Geld. Wir sind von dem einfachen Lokal sehr angetan und werden es noch mehrfach aufsuchen. Am Nachmittag laufen wir noch einmal ins Zentrum der Stadt, den Plaza de Armas und gehen eine steile Gasse den Berg hinauf. Dort sind viele Geschäfte, in denen man Kunsthandwerk erwerben kann. Wir kaufen uns ein Bild mit einem peruanischen Motiv, eine Gasse mit Häusern, peruanischen Frauen und Alpakas. Wir besuchen dann auch noch einen Kunstgewerbemarkt, wo es Produkte aus Holz, Stein und auch aus Kürbis gibt. Natürlich gibt es auch Produkte aus Alpakawolle. Wir kaufen aber zunächst noch nichts. Wir gehen anschließend durch eine lange Gasse. Dort steht ein Junge mit einem Alpaka. Ich frage ihn, ob ich ihn für ein wenig Geld fotografieren könne. Er willigt ein. Nach dem Foto springt plötzlich noch ein zweiter Junge ins Bild und hält die Hand auf. Das ist schon frech, dennoch gebe ich beiden etwas. Abends gehen wir nur noch in eine Bar und essen gefüllte Teigtaschen. Dann geht es zurück ins Hotel und ins Bett.

13. Tag: “Heilige Tal” der Inka
Heute unternehmen wir eine Tour in das „Heilige Tal“ der Inka. Wir fahren durch eine prächtige Gebirgslandschaft. Zunächst halten wir an einer Manufaktur, in der Lama- bzw. Alpakawolle verarbeitet wird. Wir gehen zusammen mit Carlos durch ein Tiergehege und können uns die niedlich wirkenden Tiere aus nächster Nähe anschauen und sie auch füttern und streicheln. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, daß Lamas von Kamelen abstammen und das es mehrere Lama- bzw. Kamelarten gibt.

Lamas

Wir kommen an einem Stand vorbei, in denen in Glaskästen die in Peru angebauten Kartoffel und Maissorten ausgestellt sind. Ich glaube es gibt so ca. 80 verschiedene Kartoffelsorten. Auch beim Mais gibt es Sorten, deren Maiskörner die mehrfache Größe wie die deutschen Sorten haben. Dann gehen wir noch in den Laden und kaufen für Heike einen aus Babyalpaka-Wolle hergestellten Pullover und für Julia Handschuhe. Carlos musste inzwischen längere Zeit auf uns warten, bis wir mal wieder aus dem Laden kommen. Aber damit hat er kein Problem. Wir fahren mit dem Kleinbus weiter. An einem Aussichtspunkt halten wir kurz und können auf den Fluss Urubamba schauen. Sofort kommen ein paar einheimische Frauen und wollen uns etwas verkaufen. Sie hat auch einen Folienschlauch, in denen die verschiedenen Mais-, Bohnen- und Getreidekörner eingeschweißt sind. Es ist erstaunlich wie viel verschiedenen Maissorten es gibt. Diesen Schlauch nehme ich mit. Kurz danach erreichen wir die Bergfestung Pisac. Sie liegt im Valle Sagrado (Heiliges Tal der Inka) am Rio Urubamba. Von oben haben wir einen herrlichen Blick über die gesamte Anlage. Es sind so ca. 50 Terrassenebenen. Nach der Besichtigung dieser Anlage fahren wir direkt in den Ort Pisac. „Pisac ist eine Stadt, und frühere Bergfeste der Inka, liegt etwa 33 Kilometer von Cuzco entfernt. Der Stadtkern Pisacs besteht aus zwei Teilen. Die eigentliche Stadt ist der eine Teil, der andere ist der heilige Bezirk. Eine lange Treppe führt hier von den Häusern zum höchsten Plateau hinauf. Dort, in der Mitte des Tempelbereichs, liegt der Intihuatana, ein mächtiger Felsbrocken, von dem die Inka glaubten, an ihm sei die Sonne angebunden.“ (Quelle Wikipedia). In Pisac besuchen wir einen farbenfrohen Indiomarkt. Wir gehen in einen Innenhof, wo sich ein riesiger Backofen befindet. Ein Mann steht mit einer ca. 4 m langen Stange davor und schiebt das Essen in den Ofen bzw. holt es heraus. Er zieht ein Blech heraus auf dem sich zwei gebackene Meerschweine und gefüllte Teigtaschen befinden. Wir gönnen uns jeder eine mit Fleisch gefüllte Teigtasche. Sie schmecken vorzüglich. Die Meerschweinchen sehen auf dem Blech aus, als ob sie lachen. Nachdem wir uns gestärkt haben, gehen wir in einen Schmuckladen. Dort zeigt man uns wie die Edelsteine geschliffen werden und zum Beispiel in einen Ring eingepasst werden. Die Geräte, die sie dafür verwenden, muten mittelalterlich an. Dennoch sind die Produkte in einer für uns tollen Qualität. Wir nehmen für Julia Ohrringe, mit dem Motiv der Pacha Mama (Mutter Erde) mit. Wir schlendern danach weiter an vielen Ständen mit Kunstgewerbe vorbei. Ich kann mich nicht zurück halten und gehe zu einem Händler. Als ich eine altertümlich wirkende steinerne Maske in die Hand nehme, sagt er mir sofort den Preis – 80 Sol (ca. 26 Euro). Ich sage, dass ich diese Maske nicht kaufen will. Er fragt mich darauf, was ich den für die Maske geben würde. Ich sage kess, 50 Sol. Er gibt mir darauf die Hand und das Geschäft ist gemacht. Nach dem Besuch des Marktes fahren wir nach Ollantaytambo. Bevor wir Ollantaytambo erreichen, fahren wir durch Urubamba. An der Straße fallen uns immer wieder Gebäude auf, an denen an einer mehrere Meter langen Holzstange eine blaue oder rosafarbene Plastiktüte an der Spitze befestigt ist.

Chicheria

Das ist eine Chicheria – hier gibt es Chicha Maisbier. „Chicha ist ein bierartiges, alkoholisches Getränk, das schon von den Inkas getrunken wurde und im Allgemeinen durch Fermentation verschiedener Pflanzen durch Speichel gewonnen wird, daher auch der gelegentliche Name – Spuckebier. Die Wortherkunft ist nicht völlig geklärt. Es soll sich wohl vom Wort chichab ableiten, einem Wort der Sprache der Kuna, das „Mais“ bedeutet. Nach anderen Quellen kommt Chicha vom Nahuatl-Wort chichiatl, was so viel wie „fermentiertes Wasser“ bedeutet. Die Bezeichnung Chicha wurde von den Spaniern für alle fermentierten Getränke verwendet, welche sie in Amerika antrafen, auch wenn für die Zubereitung jeweils unterschiedliche lokal verfügbare Zutaten verwendet wurden. Im Inkareich wurde Chicha aus Mais, vor allem aus gekeimtem Mais Jora oder Winapu, aber auch aus Quinua, Oca und Molle hergestellt. Auf Quechua heißt das Getränk Aqha. Es wurden aus Maismehl gebackene Fladen von den Frauen durchgekaut, also mit viel Speichel durchtränkt. Die Stärke wird durch im Speichel vorhandene Enzyme schnell in Zucker verwandelt, dessen Lösung dann leicht in Gärung übergeht. Der Alkoholgehalt von Chicha reicht von 1 bis 6 % Vol., je nachdem ob das Getränk zum täglichen Verzehr während der Arbeit oder für Feste wie das Inti Raymi hergestellt wurde. Die Shuar und andere indigene Völker des Amazonastieflandes stellen traditionell eine Form von Chicha aus Yuca (Maniok) oder den Früchten der Pfirsichpalme (Chonta) her. Beide Rohstoffe werden weich gekocht und anschließend zerstampft, bevor Teile der Masse (meist von einer Frau) gekaut und wieder in den Topf gegeben werden. Danach kommt Wasser hinzu, während die Fruchtmasse mit den Händen ausgewrungen und „gesiebt“ wird. Zum Schluss wird das Getränk zur Fermentation mindestens einen Tag stehen gelassen. Traditionell wird die Chicha in einem ausgehöhlten Flaschenkürbis aufbewahrt. Eine alkoholfreie Variante ist Chicha morada. Dafür wird violetter Mais ausgekocht und kalt, mit Zucker und Limettensaft verfeinert, als Limonade getrunken.“ (Quelle Wikipedia). Hier wird das Chicha sehr gern mit Erdbeersaft vermischt und in großen Gläsern (1 Liter) ausgeschenkt. Es sieht aus wie ein Joghurtgetränk. Wir kosten aus kleinen Schnapsgläsern dieses Bier. Es schmeckt gut, aber man merkt schon kurze Zeit später, daß dieses Bier im Magen weiter arbeitet. Europäer können dieses Bier also nicht trinken, man würde dann vom Klo nicht mehr herunter kommen. Vor der Kneipe steht ein kleiner Tisch auf dem ein Spiel installiert ist. Es handelt sich um Wurfspiel.

 

Wurfspiel

Man bekommt ein paar schwere Spielmünzen und muss mit diesen bestimmte Öffnungen treffen. Die Münzen gelangen dann, je nachdem welche Öffnung man getroffen hat, in bestimmte Fächer des Tisches. Je nach Schwierigkeit haben die Fächer eine andere Punktzahl. Die schwierigste Öffnung und somit die höchste zu erreichende Punktzahl ist der Mund eines Frosches. Carlos, der Fahrer, Heike und ich spielen zweimal dieses Spiel. Verlierer bin ich, wie immer. Gewinner ist Heike. Jetzt geht es aber weiter nach Ollantaytambo. Dort fasziniert die lebendige, alte Inkastadt und die einem Amphitheater gleichende Festung. „Ollantaytambo (dt. Speicher meines Gottes) ist eine Stadt im südlichen Teil von Peru (Provinz Urubamba, Region Cuzco) und liegt etwa 60 km nordwestlich von Cuzco und 21 km von Urubamba entfernt. Die Stadt liegt in einer Höhe von 2792 Metern am Fluss Urubamba. Nach einer Legende soll ihr Gott Viracocha die Inka angeleitet haben, die Stadt zu bauen. „Ollantaytambo ist das einzige verbliebene Beispiel für Stadtplanung aus der InkaZeit.

Ollantaytambo

Die Gebäude und Inka-Terrassen sowie die engen Gassen der Stadt befinden sich noch in ihrem ursprünglichen Zustand. Die geraden und engen Straßen bilden 15 quadratische Blocks (canchas), die je einen Eingang zum zentralen Innenhof besitzen, der von Häusern umgeben ist. Einige vornehme Häuser bestehen aus perfekt gearbeiteten Inka-Mauern aus dunkelrosafarbenem Stein. Die Inka bauten in Ollantaytambo Verwaltungs-, Landwirtschafts-, Militär-, und religiöse Einrichtungen. Auf der dem Berg zugewandten Seite von Ollantaytambo befindet sich ein imposanter Inka-Komplex, der, auf Grund seiner außerordentlich starken Mauern, landläufig fortaleza (dt. Bollwerk oder Festung) genannt wird. Tatsächlich war dieser Komplex strategisch günstig gelegen, um das Heilige Tal der Inka zu dominieren. Hier zog sich auch Manco Capac II. nach dem Fall Cuzcos an die Konquistadoren zurück, um seine verbliebenen Soldaten zu sammeln.“ (Quelle Wikipedia). Wir steigen die nicht enden wollenden Terrassen der Festung hinauf. Es sind Mauern, die wieder in nicht nachvollziehbarer Präzision fast fugenlos aneinander und aufeinander gesetzt wurden. Die Steine wurden aus einem Steinbruch aus ca. 8 km Entfernung geholt. Wie die Inkas diese Steine hierher transportiert haben und vor allem den Berg hinauf geschafft haben, ist nicht klar. Man hat mal einen Versuch gestartet einen größeren tonnenschweren Stein der Anlage mit 200 Personen zu transportieren. Die Leute haben diesen nur wenige Zentimeter bewegen können. Wir schauen uns die senkrecht aufgestellten und aneinander gereihten Monolithen an.

Monolithen

Sie sind so ca. 4 m hoch und 1 m breit. Damit bei einem Erdbeben diese Monolithen nicht zerstört werden können, haben die Inkas zwischen diesen jeweils ca. 10 cm starke Steinscheiben angeordnet. Diese sollen im Falle starker Beben als Puffer zerbrechen und damit die Monolithen schützen. Wir sehen in der Anlage auch mehrere Steinhäuser, denen die Dacheindeckung fehlt. Diese dienten als Speicher für z.B. Getreide und Kartoffeln. Auf der der Anlage gegenüberliegenden Felswand ist deutlich ein Inkafigur zu erkennen, die vom Bauch bis zum Gesicht reicht. Nun fahren wir wieder nach Urubamba zurück und werden zu unserem Hotel gebracht. Es liegt an einem Berghang und von der man das schöne Andenpanorama sehen kann. Unser heutiges Hotel ist eher eine Bungalowanlage. Wir können auf der Terrasse noch die Sonne genießen und Vögel beobachten. Hier sind auch wieder Kolibris zu entdecken. Wir können zum ersten Mal draußen in der Natur die Ruhe genießen und ein wenig entspannen. So schön die Anlage auch ist, das Restaurant und dessen Personal sind nicht so toll. Das Personal ist langsam, teilweise unsicher und auch nicht umsichtig. Das ist schade.

Hotel Heiliges Tal

14. Tag: Von Ollantaytambo nach Aguas Calientes
Am Morgen werden wir erst gegen 11 Uhr von einem Fahrer abgeholt und zum Bahnhof von Ollantaytambo gebracht. Wir haben noch genügend Zeit, einen Cafe zu trinken und das Treiben vor dem Bahnhof zu beobachten. Kurz vor 12 Uhr gehen wir zum Bahnhof. Der Warteraum ist im Freien und besteht aus einer Holzkonstruktion mit Blechdach, hat aber sogar Wifi. Im Hintergrund sind die schneebedeckten Berge zu sehen. Wir können gegen 12.30 Uhr in den Zug einsteigen.

Zug nach Aguas Calientes

Unser Waggon hat ein Glasdach, um besser heraus schauen zu können. Allerdings wird es durch die Sonneneinstrahlung auch ziemlich heiß. Die Zugfahrt führt über eine Strecke von ca. 42 km entlang des Urubambaflusses bis nach Aguas Calientes. Sie kostet pro Person 48 Dollar und dauert ca. 2 Stunden. Um 13 Uhr startet die Zugfahrt. Wir haben immer wieder tolle Ausblicke auf das Andengebirge und sehen auch Inkaterrassen und Hängebrücken. Man gelangt übrigens nur mit dem Zug oder zu Fuß nach Aguas Calientes. Wir erreichen gegen 15 Uhr den Ort Aguas Calientes. Wir werden zu Fuß von einem Hotelangestellten zu unserem Hotel gebracht. Dies liegt ca. 1 km vom Bahnhof entfernt, am Ortsende direkt an der Straße nach Machu Picchu. „Aguas Calientes ist ein Ort mit etwa 2.000 Einwohnern und liegt im Urubambatal auf 2.090 Metern Höhe. Aguas Calientes liegt etwa 1,5 Kilometer von Machu Picchu entfernt und ist Ausgangspunkt für die Besichtigung dieses Unesco-Weltkulturerbes. Der Ort ist von Steilwänden aus Fels und Nebelwald umgeben und ist nur über eine Schmalspurbahn von Cuzco aus erreichbar, eine Straßenverbindung gibt es nicht. In Aguas Calientes ist für Touristen Endstation dieses Teils der Peruanischen Südbahn (Ferrocarril del Sur), die Gleise führen jedoch weiter bis nach Quillabamba. Im Jahr 1913 wurde mit dem Bau der 914 Millimeter-Bahn begonnen, erst 15 Jahre später waren die Schienen bis Aguas Calientes gelegt. Thermalquellen oberhalb des Ortes waren Namensgeber für Aguas Calientes.“ (Quelle Wikipedia). Nachdem wir eingecheckt haben, gehen wir in den Ort, um etwas zu essen.

Aguas Calientes

Allerdings dauert es eine ganze Weile bis wir endlich in einer Gaststätte sitzen und tatsächlich unser Essen bestellen können. Heike hat mal wieder so das eine oder andere Problem mit den Lokalen, so dass wir insgesamt 3 Lokale anlaufen müssen. Aber dann klappt es und schmeckt auch. Nachdem wir uns den Bauch vollgeschlagen haben, machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. In einem Laden kaufen wir noch eine Umhängetasche, da man nicht viel zur Besichtigung von Machu Picchu mitnehmen darf. Gegen 18 Uhr sollen wir unseren Guide für die Besichtigungstour unseres nächsten Tages treffen. Wir sitzen nun schon eine halbe Stunde in der Lobby des Hotels, aber der Guide kommt nicht. Ich werde ziemlich unruhig. So vergeht eine Stunde, ohne dass der Guide erscheint. Ich gehe daher zur Rezeption des Hotels und frage die Dame, ob sie denn unseren Tourkoordinator in Cuzco anrufen könne. Dies macht sie auch. William ruft uns kurze Zeit später zurück und klärt alles. Dann kommt gegen 19.30 Uhr ein englisch sprechender Guide und teilt uns mit, dass unser Guide im Zug feststeckt und nicht rechtzeitig kommen kann. Daher bekommen wir morgen einen anderen Guide mit Namen Ruben. Dieser spricht auch Deutsch. Das ist schön. Nun ist doch alles wieder in Ordnung. Wir verabschieden uns von dem Guide und gehen nochmals in den Ort um etwas zu essen. Wir finden ein schönes Lokal und nehmen Platz. Wir bestellen uns zwei Fleischgerichte, ich natürlich Alpaka und Heike gönnt sich noch einen halben Liter Mangosaft. Es schmeckt fantastisch. Die Preise sind hier allerdings um einiges höher als in Cuzco, ist aber auch klar. Alles muss mit dem Zug hierher gebracht werden. Da keine Autos im Ort fahren, gibt es Lastenträger die die Waren zum Hotel schleppen. Während des Essens kommt noch eine Folkloreband, die bekannte Lieder spielen, z.B. El Condor Pasa. Es ist ein sehr schöner Abend. Ich kaufe mir eine CD von dieser Band. Dann gehen wir zurück ins Hotel und ins Bett.

15. Tag: Machu Picchu
Heute geht es wieder früh raus. Wir müssen schon 4.45 Uhr aufstehen und nehmen unser Frühstück um 5.00 Uhr ein. Nach dem Frühstück werden wir um 6.00 Uhr von unserem neuen Guide abgeholt. Er heißt Ruben, ist älter als wir, zu mindestens sieht er so aus und war mehrere Jahre in Deutschland. Unter anderem in Halle, Berlin, Potsdam. Er hat auch einige Jahre in einem griechischen Lokal gearbeitet. Er spricht neben spanisch, quechua, deutsch, englisch und ein wenig griechisch. Wir gehen gemeinsam zur Busstation. Er muss sich allerdings noch ein Busticket kaufen, was auch solange dauert, dass wir mindestens 4 Busse abfahren lassen müssen.

Fahrt nach MaPi

Dann geht es aber los. Wir fahren enge Serpentinen 450 Höhenmeter teilweise nah am Abgrund den Berg hinauf. Wenn uns Busse entgegen kommen, muss einer der Busse erstmal rückwärts um Kurven fahren, um eine breitere Stelle zum Ausweichen zu haben. Nach etwa einer halben Stunde kommen wir am Eingang zu Machu Picchu an. Es sind noch nicht so viele Menschen da, aber das wird sich noch dramatisch an diesem Tag ändern. Ruben erzählt uns, daß er nicht Katholik sondern Schamane ist. Das finde ich gut. Machu Picchu wurde um 1450 von den Inkas erbaut. Es besteht aus Steinen des hier anstehenden Gebirges, welches durch Vulkanausbrüche vorhanden war. Es musste also nicht wie sonst üblich aus umliegenden Steinbrüchen herangetragen werden. Die Steine mussten allerdings bearbeitet werden. Dies geschah mit dem ebenfalls hier zu findenden festen Gestein Hämatit. In dieser Inkastadt lebten nur ca. 400 Einwohner und zwar Adlige, Priester und ihre Familien. Diese Inkastadt wurde erst Ende des 19. Jahrhundert gefunden. Die Spanier haben diese Gott sei dank nicht entdeckt, anderenfalls wäre sie dem Erdboden gleich gemacht worden und sicherlich eine Kirche errichtet worden. Warum wurde diese Stadt nicht gefunden. Die Inkas haben diese Stadt verlassen, weil Sie an Geldfieber litten und zugleich den Zugang vor Cuzco zerstört hatten.

Machu Picchu

Zudem war diese Stadt total zu gewuchert. Erst 1890 entdeckte der deutsche Augusto Berns diese Inkastadt. Es war also nicht wie überall behauptet der amerikanische Archäologe Bingham der diese Stadt entdeckt haben soll. Berns war ein Holzhändler, der in Peru Geschäfte machen wollte. Irgendwann teilten ihm Einheimische mit, dass oben im Gebirge eine alte Inkastadt liegen soll. Diese fand er dann auch. Die Stadt Aguas Calientes schloss mit dem Deutschen einen Vertrag mit ihm, mit Gewinnbeteiligung an allen Funden. Er verriet keinem Menschen, wo diese Stadt lag und brachte das Gold nach Deutschland. Erst im Jahre 1911 fand dann der Amerikaner diese Stadt, da er im Staatsarchiv von Lima den Vertrag mit einem Lageplan fand, der die Lage dieser Stadt zeigte. Er musste also nur noch die Stadt suchen. Er aber erntete den Ruhm, diese Stadt entdeckt zu haben. Eigentlich heißt diese Stadt auch nicht Machu Picchu, sondern Inka llaccta Jachta zu Deutsch Inka Stadt. Sie liegt eingebettet auf 2.430 m Höhe zwischen den beiden Bergen Machu Orcco (ausgesprochen Matschu Och-ro, übersetzt: alter Berg) und Huayna Orcco 2.701 m (ausgesprochen Weina Och-ro, übersetzt: junger Berg). Der junge Berg kann bestiegen werden, hierzu muss man aber absolut schwindelfrei sein und muss sich rechtzeitig anmelden, da max. 400 Personen pro Tag hinauf dürfen. Ebenfalls am Eingang des Machu Picchu liegt ein Luxushotel. Hier bezahlt man für eine Übernachtung 1000 Dollar (ohne Sauerstoff). Daß es dort überhaupt ein Hotel gibt ist schlimm, aber noch schlimmer ist, dass diese Hotelkette keine Steuern bezahlen muss. Personen, die nicht zu Fuß über den Inkatrail Machu Picchu erreichen wollen, müssen einen Zug benutzen, die in dem Ort Aguas Calientes endet. Diesen Ort erreicht man also nicht mit dem Auto. Die Zugfahrt von Ollantaytambo aus kostet hin und zurück 96 Dollar pro Person. Die Busfahrt von Aguas Calientes zum Eingang von Machu Picchu und zurück 36 Dollar.

Eintrittskarte MaPi

Der Eintritt beträgt stolze 128 Dollar. Somit muss man pro Person ohne Übernachtung von Ollantaytambo aus mit Kosten von 287 Dollar rechnen. Da ca. 2000 Besucher pro Tag Machu Picchu besuchen, haben Sie allein mit dem Eintritt Einnahmen von ca. 256.000 Dollar pro Tag. Pro Monat sind das 7, 7 Millionen, wobei davon nicht viel vor Ort bleibt. Viel Geld fließt nach Lima. Wir besichtigen gemeinsam mit Ruben die gesamte Anlage. Toll dabei ist, dass wir ein super Wetter haben. Die Stadt besteht aus unterschiedlich genutzten Bereichen. „Erbaut wurde die Stadt einer Theorie zufolge um 1450 auf Befehl des Inka-Herrschers Pachacutec Yupanqui, der von 1438 bis 1471 regierte. Er schuf die Grundlagen für die Ausdehnung des mächtigen Inkareiches und führte den Kult um den Sonnengott Inti ein.

Machu Picchu 2

Die Stadt umfasste 216 steinerne Bauten, die auf Terrassen gelegen und mit einem System von Treppen verbunden waren. Die meisten Terrassen sind mit ihren in die Mauern eingebauten kleinen Wasserablauföffnungen und etwa 3.000 Stufen ebenso bis heute erhalten wie die Kanalverbindung von der außerhalb der Stadtanlage befindlichen Wasserquelle zu den kaskadenförmig gestaffelten Brunnenbecken und die Außenmauern der Tempel und zum Teil mehrgeschossigen Wohnbauten; voll funktionsfähig und gegebenenfalls in den letzten Jahren nach und nach in inkatypischer Bauweise rekonstruiert worden. Die Forschung geht heute davon aus, dass die Stadt in ihrer Hochblüte bis zu 1.000 Menschen beherbergen und versorgen konnte. Die Anlage, deren ursprünglicher Name unbekannt ist, wurde nach einem der nahe gelegenen Berggipfel benannt, zwischen denen die Ruinenstadt liegt. Teile der Stadt und die für die Landwirtschaft genutzten Terrassen liegen am Fuße des „alten Gipfels“. Hinter ihrem anderen Ende ragt der „junge Gipfel“ (Huayna Picchu) zuckerhutförmig in den Himmel, auf dem sich ebenfalls eine kleine Anlage befindet, die von der Stadt über einen kleinen Bergpfad erreichbar war und ist. Im Südosten liegen circa 15 Kilometer entfernt im Urubambatal in unmittelbarer Flussnähe die Ruinen der Inkastadt Llactapata. Beide Siedlungen sind noch immer mit einem Inka-Pfad verbunden. Über den Sinn und Zweck dieser Stadt wurden verschiedene Theorien entwickelt. Tatsächlich existieren über sie keine Überlieferungen beziehungsweise wissenschaftliche Aufzeichnungen, weshalb auf der Grundlage archäologischer Funde nur mehr oder weniger begründete Vermutungen angestellt werden können. In der Stadtanlage wurden bei ihrer frühen Erforschung über 50 Grabstätten mit mehr als 100 Skeletten gefunden, die man zunächst zu mehr als 80 Prozent als weiblich einordnete. Neuere Untersuchungen hingegen haben eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter gezeigt. Aufgrund dieser Entdeckung entstand die Theorie von einer königlich-religiösen Zufluchtsstätte der Inkas, in der sich neben dem Regenten nicht nur die Jungfrauen der Sonne sondern, auch bei Abwesenheit des Königs und seines Trosses, immer andere verschieden geschlechtliche Bedienstete aufhielten. Da die Anlage schon nach dem Ausbrechen eines Bürgerkrieges im Inkareich unter Huayna Capac nicht mehr von einem Inkakönig aufgesucht worden sein soll, hätten die dort lebenden Bediensteten die nunmehr nutzlos gewordene Stadtanlage später aufgegeben. Nach einer weiteren Theorie wird angenommen, zu Zeiten der spanischen Eroberung habe sich Machu Picchu noch im Bau befunden. Demzufolge seien die Bauarbeiten infolge der Eroberung des Inkareiches durch die Spanier nicht fortgesetzt, die Anlage verlassen wurden und dann bei den Inkas in Vergessenheit geraten. Der archäologische Befund kann die Annahme einer noch in der Erbauung befindlichen Stadt jedoch nicht bestätigen. Er zeugt von einer weitestgehend ausgebauten und einst voll funktionsfähigen Stadt, in der auch über längere Zeit Menschen lebten. Sie besitzt beispielsweise eine noch heute voll funktionsfähige Wasserversorgung und eine aufwendige Regenwasserableitungsstruktur, die, von sichtbaren Ablauflöchern in den Terrassenwänden abgesehen, zumeist im Terrassenunterboden verborgen liegt.“ (Quelle Wikipedia).

Regenwassersystem

Obwohl heute Sonntag ist und an diesem Tag die Eintrittspreise für Einheimische reduziert sind, verlaufen sich die Personen auf der riesigen Anlage. Als wir zur Inkabrücke wollen und einen schmalen Weg zurückgehen müssen, kommen uns so viele Leute entgegen, dass wir ca. 5 Minuten warten müssen. Es ist sehr beeindruckend, was die Inkakultur für grandiose Bauwerke hervorgebracht hat. Traurig ist natürlich, wie damit heute umgegangen wird. Natürlich wollten wir diese Stätte auch sehen, aber vernünftiger wäre es, die Anzahl der Touristen tatsächlich auf max. 2000 zu begrenzen. Die Regierung möchte in zwei Schichten (Tag und Nacht) bis zu 8000 Personen hinein lassen, das wäre aber das sichere Ende. Nach der Besichtigung der eigentlichen Anlage machen wir uns noch auf den Weg zu einer alten Inkabrücke. Am Eingang des Pfades muss man sich mit Namen, Nationalität und Alter in ein Buch einschreiben und auf dem Rückweg wieder austragen. Das finden wir gut, denn so kann man feststellen ob Personen noch fehlen und ggf. ein Problem haben. Der Pfad führt an einem Steilhang entlang und man hat einen guten Blick auf den Urubambafluss. Nach einer viertel Stunde erreichen wir die Brücke, diese klebt regelrecht an einer Steilwand und ist eine steinerne Brücke. Man darf sie aber nicht betreten. Wir machen uns wieder auf den Rückweg und entscheiden uns, das Areal zu verlassen. Am Ausgang strömen uns so viele Menschen entgegen, dass wir fast über den Haufen gelaufen werden. Wir holen uns noch am Ausgang einen Stempel von Machu Picchu, der in unseren Pass kommt. Nun fahren wir mit dem Bus wieder in den Ort Aguas Calientes zurück. Gegen 11 Uhr sind wir wieder im Ort.

Heike in Aguas Calientes

Auf dem Markplatz erfahren wir über das Internet, dass Frau Merkel die Bundestagswahl gewonnen hat. Danach gehen wir noch einmal in das Lokal des gestrigen Abends. Es scheint die Sonne und wir sitzen draußen. Wir genießen das Essen, die Sonne und die einheimische Musik, die wieder von den umher ziehenden Folkorebands gespielt wird. Bis zur Abfahrt des Zuges zurück nach Cuzco haben wir noch viel Zeit. Wir gehen zunächst ins Hotel zurück und holen unsere Rucksäcke ab. Dann setzen wir uns auf eine Bank direkt neben den Urubambafluss. Heike liest in ihrem Kindle. Kurz nachdem wir auf der Bank sitzen, juckt es mich fürchterlich an den Beinen. Ich sage zu Heike, dass hier irgendwelche kleinen Viecher in der Luft sind, die mich stechen. Erst tut Heike dies ab, aber dann merkt sie es auch. Wir suchen uns immer wieder neue Stellen zum Hinsetzen, aber letztendlich sind diese Viecher überall. Also gehen wir in das Bahnhofsgebäude und vertreiben uns dort die restliche Zeit. Gott sei Dank ohne diese Viecher. Im Internet erfahren wir, dass es sich um Sandfliegen handelt. Ich habe mind. 30 Stiche pro Bein und das ist bei Heike nicht anders. Gegen 16.15 Uhr können wir in unseren Zug, der uns zurück nach Poroy, einen Vorort von Cuzco, bringt.

Zugticket nach Poroy

Der Zug fährt um 16:45 Uhr von Aguas Calientes ab und wird für die ca. 92 km lange Strecke 4 Stunden benötigen. Die Fahrt kostet pro Person 63 Dollar. Unterwegs erhalten wir kalte und heiße Getränke serviert. Während der Zugfahrt haben wir bis Ollantaytambo die gleichen Ausblicke wie auf der Hinfahrt und den Rest können wir auf Grund der einsetzenden Dunkelheit nicht sehen. Gegen 20.30 Uhr erreichen wir Poroy und werden von unserem Fahrer ins Hotel in Cuzco gebracht.

16. Tag: Abflug in den Amazonas
Nach dem Frühstück werden wir von William zum Flughafen gebracht. Wir checken ein und warten nun auf unseren Flieger der uns nach Porto Moldanado ins Amazonasgebiet bringen soll. Das Flugzeug soll 9.25 Uhr starten. Wir haben aber noch über eine Stunde Zeit. Neben uns sitzen 3 ältere Frauen und ein Mann, die vermutlich aus Thailand kommen. Alle fummeln sie auf ihren Handys oder Tablet-PC’s herum. Die eine Frau ist total herausgeputzt und sicherlich auch schon das eine oder andere Mal beim Schönheitschirurgen gewesen. Obwohl wir nichts verstehen, kann man eindeutig mitbekommen, dass sie den anderen beiden Frauen, die ganze Zeit Tipps für die Verschönerung ihres Gesichtes gibt. Den Mann interessiert dies alles nicht. Nun müsste der Flug bald aufgerufen werden, aber es passiert erstmal nichts. Als es inzwischen 11.30 Uhr ist, kommt eine Lautsprecherdurchsage in spanischer und dann in englischer Sprache, dass alle Flugzeuge momentan nicht starten können. Der Grund dafür ist, dass ein defektes Flugzeug auf der Landebahn steht und somit die Startbahn blockiert. Kurze Zeit später kommt die Nachricht, dass die Flüge heute alle gecancelt werden. Na toll. Wir wissen überhaupt nicht so richtig, was wir jetzt tun müssen. Zunächst versuche ich William über ein Münztelefon am Flughafen zu erreichen. Gott sei Dank funktioniert dies und er sagt uns, dass er auf den Flughafen kommen wird um uns zu helfen. Zukünftig werden wir uns eine landeseigene SIM-Karte besorgen, dann wird es im Notfall leichter zu telefonieren. Ich gehe zur Gepäckausgabe und Heike stellt sich am Checkin-Schalter an. So, nun ist auch bei uns mal was richtig schief gegangen. Allerdings ergeht es vielen Passagieren so. Kurze Zeit später kommt William und stellt sich zusammen mit uns am Schalter an. Er will klären, ob es einen anderen Flug oder eine Entschädigung gibt. Während der Wartezeit telefoniert William ständig. Das hätten wir allein nicht gekonnt und sprachlich erst recht nicht. Wir erfahren, dass selbst am nächsten Tag kein Flieger ins Amazonasgebiet fliegt. William bietet uns daher an, uns mit einem Auto nach Puerto Maldonado bringen zu lassen. Die Fahrtzeit beträgt allerdings 6-8 Stunden. Dann würden wir so gegen 20 Uhr dort ankommen. Als ich ihn frage, ob dann überhaupt noch ein Boot fährt, daß zu unserer Lodge bringt, verneint er dies. Also müssten wir dann noch in Puerto Moldanado übernachten und könnten erst am nächsten Morgen zur Lodge mit dem Boot gelangen. Allerdings könnten wir dann auch nicht mehr an unserem regulären Tagesprogramm teilnehmen. Geplant war in den Dschungel zu fahren / laufen und dort in einem Zelt zu übernachten, um am nächsten Tag die Papageien aus nächster Nähe zu beobachten. Wir sind ziemlich fertig, resignieren und entscheiden uns in Cuzco zu bleiben. Nun brauchen wir aber für den 26.September noch einen Flug von Cuzco nach Lima. Der Flughafenmitarbeiter gibt uns daraufhin einen Flug der schon gegen 11 Uhr in Lima ankommt, obwohl es noch einige Flüge gibt, die zu einem späteren Zeitpunkt starten und auch nicht ausgebucht sind. Nun muss man dazu wissen, dass unserer Heimflug von Lima nach Amsterdam erst gegen 20.15 Uhr startet. Das heißt wir müssten 9 Stunden auf dem Flughafen in Lima rum hängen. Der Mitarbeiter lässt aber überhaupt nicht mit sich reden. William sagt das ist eben Südamerika. Der Mitarbeiter wollte einfach nicht oder wir hätten ihm vielleicht ein paar Scheine rüber schieben müssen. Ich hätte diesem Kaugummi kauenden Macho ein paar in die Fresse hauen können. Nun können wir noch zwei Tage in Cuzco verbringen. Ich kann es einfach nicht fassen, was passiert ist. Unsere Stimmung wird noch dadurch getrübt, dass während unseres Aufenthaltes im Flughafen die ganze Zeit die Sonne geschienen hat und als wir unser Hotel erreichen, fängt es an zu regnen. Der Aufenthalt im Amazonas war mit 3 tägigem Programm und Vollverpflegung und zudem mit der teuerste Teil unserer Reise. Das ist uns flöten gegangen. Ob wir irgendwie unser Geld zurück bekommen, ist dabei noch fraglich. Schuld an der ganzen Misere ist das Flugunternehmen “Star”, wir wären mit der Fluggesellschaft “LAN” geflogen. Nun müssen wir das erstmal verarbeiten, es gibt schon viel Schlimmeres, aber traurig sind wir schon. Es ist in diesem Urlaub, schon 3 mal etwas schief gegangen, aber letztendlich ging es immer wieder gut aus und wir haben keine gesundheitlichen Probleme. Entscheidender ist doch, überhaupt so eine Reise machen zu können, jedoch kann man dies trotzdem nicht so einfach ausblenden. Wäre so etwas gleich am Anfang des Urlaubs passiert, wäre es viel schlimmer gewesen. Es hätte auch viel schlimmer kommen können, wie z.B. der zeitgleiche Taifun in Mexiko. Also uns geht es gut und wir haben außer den Amazonas alle Highlights erlebt. Nazcalinien, Wüste, Pazifik, Machu Picchu usw. Dafür haben wir extrem juckende Stiche an den Beinen. Wir gehen daher in eine Apotheke und holen uns eine Kortisonsalbe. Mit dem Juckreiz haben wir noch Tage zu tun. Da es ständig regnet, besuchen wir die Markthalle.

Markthalle

Hier gibt es Kleidung, Küchenartikel, Kunstgewerbe, Blumen, Fleisch, Gemüse und Obst. In der Halle gibt es an dem einem Ende unzählige kleine Garküchen. Dort sitzen die Einheimischen und können für wenig Geld ein warmes Essen einnehmen. In einem Gang sitzen vier kleine Mädchen und spielen miteinander. Ich schleiche mich heran uns sage Buenos Dias. Alle gucken sofort zu mir und sagen mit einem Lächeln Buenos Dias Senior. An den Fleischständen gibt es Trockenfleisch, Fett aus Eimern, ganze Kuhköpfe usw. – alles was wir nicht brauchen. Abends wollen wir wieder in das einheimische Lokal in der Nähe unseres Hotels gehen, aber leider hat es schon zu. So gehen wir in ein angesagtes Touristenrestaurant. Dort möchte ich noch einmal Meerschweinchen essen. Es ist doppelt so teuer wie in dem einheimischen Lokal, ist aber so zäh, das ich das Fleisch nicht abschneiden kann. Auch nachdem es nochmals in der Küche zerteilt wurde, ist das Fleisch zäh und einfach kein Gaumenschmaus. Das ist halt der Unterschied. Teuer heißt nicht gleich gut.

17. Tag: Zurück in Cuzco
Heute können wir unseren Tag selbst gestalten. Wir entscheiden uns den Berg hinauf zum Christo Blanco zu laufen. Das Treppensteigen ist aber auf einer Höhe von 3400 m sehr anstrengend. Den Christo Blanko erreichen wir zwar nicht, aber wir haben wir eine herrliche Aussicht über die gesamte Stadt. Da die Sonne scheint, ist dies umso schöner. Wir gehen den schmalen Pfad am Berg weiter und kommen plötzlich an der Inkafestung Sacsayhuaman heraus und sind gleichzeitig an den Einlasskontrollen vorbei. Auch wenn wir hier bereits schon einmal waren, schauen wir uns die Anlage noch einmal an, denn heute scheint die Sonne. Nach der Besichtigung gehen wir den Berg hinunter in die Stadt. Mir kommen immer wieder Schulkinder entgegen, die sich über meine kurzen Hosen wundern und lachen. Es sind mehr als 20 Grad, also keineswegs zu kalt für kurze Hosen. Hier ist aber bereits Winter, da tragen die Einheimischen schon Wintersachen. Am Nachmittag setze ich mich auf den Plaza de Armas und schreibe mit dem Laptop das erlebte auf. Gleichzeitig kann ich ausgiebig, die vielen Menschen beobachten, Heike schlendert durch die Geschäfte und holt für Ottos Freundin zwei aus Alpakawolle gestrickte Babymützen. Darüber ist sie sehr glücklich. Sie sehen auch ganz niedlich aus. Am nächsten Tag hat uns William nochmals eine Tour in die Umgebung von Cuzco zusammengestellt, damit wir eine kleine Entschädigung für den Entfall unseres Amazonasbesuches bekommen.

18. Tag: Tour in die Umgebung von Cuzco
Heute starten wir um 9 Uhr mit Ruben und einer deutschen Praktikantin Aileen zu einer Tour in die Umgebung von Cuzco.

Cuzco Umgebung

Kurz nachdem wir die Stadt verlassen haben, sind wir umgeben von einer schönen Berglandschaft. Als wir eine kleine Siedlung durchqueren, läuft plötzlich ein Hund auf die Straße. Unser Fahrer versucht noch abzubremsen, dann knallt es aber auch schon unter dem Bodenblech. Der Hund liegt tot auf der Straße. Das ist schlimm, lässt sich aber leider nicht ändern. Wir fahren nach Chinchero. Chinchero ist eine kleine Stadt etwa 30 Kilometer nordwestlich von Cuzco in Richtung Urubamba in den peruanischen Anden in einer Höhe von 3.760 Metern über dem Meeresspiegel. Die Stadt war Sommersitz der Inkas, der 10. Inka Tupac Yupanqui soll hier seinen Lieblingsaufenthaltsplatz gehabt haben. In der Kirche aus der Kolonialzeit, deren Fundamente aus der Inkazeit stammen, wird die Messe bis heute in der Indiosprache Quechua gehalten. Am Hang unterhalb der Plaza de Armas sind ebenfalls noch viele Mauern aus der Inkazeit vorhanden. Wir besichtigen im Ort eine kleine Manufaktur. Hier wird uns gezeigt, wie die Alpakawolle mit Naturprodukten gefärbt werden. Unter anderem wird dies mit Rinde, Wurzeln und Läusen. Immer sonntags findet in Chinchero ein farbenprächtiger Indiomarkt statt. Hier werden Textilien und Kunsthandwerk gehandelt. Obst, Gemüse und Süßkartoffeln in allen Variationen aus heimischer landwirtschaftlicher Produktion sind hier erhältlich.“ (Quelle Wikipedia). Zum Zeitpunkt unserer Besichtigung ist leider kein Markttag. Aber es ist ein strahlend blauer Himmel über der Kirche und im Hintergrund sind schneebedeckte Berge zu sehen. Wir fahren weiter nach Moray.

Moray

Die Inka-Anlage Moray ist eine Anlage, bestehend aus mehreren Terrassen in verschiedenen Höhen. Sie wurde in drei größeren natürlichen Dolinen verschiedener Tiefe errichtet. Die mit über 70 Metern tiefste Doline, deren unterste 28 Meter mit Terrassen versehen sind, heißt Qechuyoq. Die ersten sieben Terrassen, die ungefähr 15 Meter überspannen, sind konzentrisch angeordnet. Die achte Terrasse bricht in nordwestlicher Richtung aus dem Schema aus und verbreitert hier die Anbaufläche auf der siebten Terrasse. Die restlichen Terrassen folgen dem Verlauf der achten. Bis auf in der größten Senke sind die Anlagen konzentrisch und kreisförmig. Bis vor 50 Jahren wurden auf dem Gelände Kartoffeln und Gerste angebaut. Durch die Terrassierung und die Anordnung im Rund ergibt sich eine Überlagerung des Makroklimas mit etlichen, für jede Terrasse verschiedenen Mikroklimaten. Möglicherweise diente Moray den Inka als Agrarversuchsfeld zum Studium des Einflusses dieser Mikroklimate auf den Pflanzenwuchs. Moray ist in ein Kalkstein-Plateau eingebettet, das ungefähr 3.500 Meter über dem Meeresspiegel, 32 km nordwestlich von Cuzco, erhöht über dem Tal Valle Sagrado des Rio Urubamba liegt. Im Südwesten der Anlage liegt der 4.100 Meter hohe Berg Waynunmarka. Aus einer wasserführenden Schicht des Waynunmarka speiste sich bis vor 50 Jahren auch die Wasserversorgung der Anlage. Bis heute ist das Bewässerungssystem der Anlage klar zu erkennen. Das Wasser trat am südlichen Ende der Anlage ein und wird über ein ausgeklügeltes Kanalsystem, das auch ein Aquädukt umfasst, in die verschiedenen Teile geleitet. Das Kanalsystem verteilt das Wasser in Stufen. Die Hauptkanäle, die sogenannten Paqcha, leiten das Wasser bis zum höchsten Punkt einer jeden Terrasse. Von dort aus verteilen weitere Kanäle das Wasser bis zur tiefsten Stelle einer jeden Terrasse im Norden. Weitere Kanäle versuchen den unerwünschten Wasserverlust möglichst zu eliminieren.“ (Quelle Wikipedia). Wir schauen uns zunächst die Terrassentrichter von oben an. Dann gehen wir in erst einmal auf den Grund einer dieser Trichter hinunter. Dort will Ruben mit uns eine kleine Zeremonie machen. Als wir unten angekommen sind, sagt Ruben wir sollen uns im Kreis aufstellen und an den Händen anfassen. Dann sagt er, dass wir auf sein Kommando laut singen sollen und zwar: viermal ein langes A, und mit jedem A die Tonlage erhöhen und beim letzten A den Ton lang anhalten. Wir machen dies so und plötzlich tritt beim letzten A eine Resonanz ein, die vom Trichterrand auf die Ohren zurück kommt, es ist wie ein Brummen. Vom oberen Trichterrand schauen Leute hinab und applaudieren uns. Dann gehen wir in den größten Trichter, der zugleich der Tiefste ist. Es ist wieder sehr beeindruckend, welchen Aufwand die Inkas hier betrieben haben. Dann müssen wir die 70 m Höhenunterschied bergan laufen. Ich gehe ziemlich schnell bergauf. Oben brauch ich mehr als 1 Minute um wieder normal atmen zu können. Die Bergkulisse mit den schneebedeckten Bergen ist grandios. Oben ist in der Nähe des Parkplatzes eine kleine Koppel, auf der ein paar Esel stehen.

Esel

Mir gelingt ein schönes Panoramabild mit einem Esel im Vordergrund und den Bergen im Hintergrund. Dann machen wir uns wieder weiter auf den Weg zu den Salinen von Maras. Nach einer Kehre taucht plötzlich aus dem Nichts diese riesige Salinenfläche auf. Das ganze Bergumland ist braun und darin eingebettet liegen hunderte aneinandergereihte Salzpfannen, die weiß leuchten. Wir halten kurz an einem Aussichtspunkt und schauen uns die Salinen an. Es weht ein starker Wind. Dann fahren wir zu den Salinen hinab und gehen zu Fuß am Rand der Salinen den Berg bis zum Fluss Urubamba hinab. Eingangs der Salinen kaufen wir ein paar Tütchen mit diesem Salz. Dann gehen wir entlang der Salinen. Es ist schon eigenartig, dass hier im Gebirge eine Salzquelle austritt. „Die Salinen von Maras liegen im Hochland der peruanischen Anden auf über 3000 Höhenmetern. Sie bilden ein weit verzweigtes Salzlabyrinth, errichtet von Menschenhand. Tausende terrassenförmig angelegte Becken fangen das warme Salzwasser des Berges auf. Während das Wasser in der Sonne verdunstet, bleibt an den Rändern und am Wannenboden eine kostbare weiße Kruste zurück: das Maras-Salz.

Salinas Maras

Noch heute gewinnen die Nachfahren der Inkas auf diese traditionelle Weise ihr “Weißes Gold” der Anden. Bereits zur Zeit der Inkas dienten die Salinen von Maras als ergiebige Salzquelle. Im 16. Jahrhundert plünderten die spanischen Eroberer die Silber- und Salzvorkommen Perus. Heute ist Maras ein armes Bergdorf, dessen Bewohner die Salinen eigenständig bewirtschaften. Jede Bauernfamilie besitzt zwischen fünf und zehn Terrassenbecken, die sich an die steilen Andenhänge heften. Die meisten Bauern haben sich zu einer Kollektive zusammengeschlossen, doch wirklich ausreichend Geld verdient hier niemand. Das große Geschäft mit dem Salz machen andere: Exporteure, die das “Weiße Gold der Anden” zu hohen Preisen in die Industrieländer liefern. Seit einigen Jahren findet das Anden-Salz in Europa und Amerika immer mehr Liebhaber. Die Salinen von Maras stellen die höchste Salzfarm der Welt dar. Die Arbeit der Salineros ist hart. Von morgens vier Uhr bis zum Sonnenuntergang sind sie mit dem Abbau des Salzes beschäftigt. In den Wintermonaten liegen die Salinen brach. Der Transport mit Lkw bis zum Meer bei Lima benötigt 20 Stunden.“ (Quelle Geo.de). Nach ca. einer halben Stunde kommen wir am Fluss Urubamba an. Der Fluss hat scheinbar klares Wasser. Jedoch täuscht dies darüber hinweg, dass durch die massive Einleitung von Abwasser im Fluss kein Fisch mehr lebt. Dann überqueren wir den Fluss über eine Hängebrücke. Diese ist sehr marode und darf von Autos nicht mehr befahren werden. Am anderen Ende der Brücke wartet unser Fahrer auf uns. und bringt uns wieder zurück ins Hotel. Wir haben auf der Rückfahrt noch einmal schöne Ausblicke auf die fantastische Bergwelt der Anden. Zurück im Hotel gehen wir noch einmal in das einheimische Lokal und ich bestelle mir zum Abschluss noch einmal ein halbes Meerschweinchen. Den Kellner lobe ich und sage ihm, dass es hier sehr gut schmeckt und das wir schon 3 mal in dem Lokal essen waren. Darüber und über ein gutes Trinkgeld freut er sich sehr. Ich will mir auf der Toilette noch die Hände waschen. Die Toilette ist nur mit einer Plastikplane vom Lokal abgetrennt und man hat auch nur kaltes Wasser. Also das Fett bekomme ich so nicht von den Händen. Aber egal, Hauptsache es hat geschmeckt und wir haben keine Probleme mit dem Essen bekommen. Morgen heißt es Abschied nehmen von Peru. Wir treffen gegen Abend noch einmal William. William teilt uns mit, dass wir morgen früh bereits gegen 6 Uhr vom Hotel zum Flughafen müssen, obwohl unser Flieger erst 10.50 Uhr startet. Jedoch ist morgen ein großer Streik in Peru geplant und wir können nicht riskieren, dass wir auf Grund blockierter Straßen nicht mehr zum Flughafen kommen. Na prima, noch mehr Wartezeiten. Aber es ist schon besser so. William hat uns außerdem für den morgigen Tag noch eine Besichtigung eines Museums in Lima organisiert, damit wir nicht so lange im Flughafen von Lima mit warten verbringen müssen. Wir gehen noch ein letztes Mal in die Stadt in eine Bar. Dort sind fast ausschließlich junge Leute. Die meisten reden nicht miteinander sondern spielen auf ihrem Handy. Dann gehen wir zurück ins Hotel, packen noch die restlichen Sachen und legen uns schlafen.

19. Tag: Rückflug nach Lima
Wir stehen bereits 5 Uhr auf, waschen uns und packen unsere letzten Sachen ein. Dann setzen wir uns in die Lobby des Hotels. Dort sitzen bereits zwei Pärchen. Wie sich schnell herausstellt, sind es Deutsche, die jetzt in den Amazonas wollen. Die haben es gut, bei uns hat es ja leider nicht geklappt. Der eine Mann hat eine komplette Safari-Kolonialkleidung mit Hut an. Völlig unpraktisch, aber er findet sich wahrscheinlich schick. Naja wieder etwas zum Schmunzeln. Wir starten gegen 6 Uhr zum Flughafen. Tatsächlich ist schon einiges auf den Straßen los. Die ersten sammeln sich zum Streik. Die Polizei ist auch schon vor Ort. Es war also richtig von William, so zeitig los zu fahren. Im Flughafen checken wir ein und gehen dann in ein Café. An unserem Tisch sitzt eine jüngere Amerikanerin. Sie räumt sofort ihre Sache vom Stuhl und macht für uns Platz. Wir trinken Café und essen etwas dazu. Wir vertreiben uns die Zeit bis zum Abflug. Pünktlich gegen 9.30 Uhr startet der Flieger in Richtung Lima. Um 11 Uhr landen wir. Kurze Zeit später holen wir unsere Koffer von der Gepäckausgabe ab und gehen in Richtung Ausgang. Dort steht bereits ein Fahrer mit unserem Namensschild. Wir verstauen unsere Sachen im Auto und werden zum Museum gebracht. Dort werden wir von Isabella in Empfang genommen. Das Museum heißt Museo Larco. „Das Museum befindet sich in einem prächtigen Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das auf einer präkolumbischen Pyramide errichtet wurde. Es gibt in chronologischer Reihenfolge einen interessanten Überblick über 3.000 Jahre präkolumbianische Geschichte.

Museo Larco

In weißen, hohen Galerieräumen wird dem Besucher eine edle Kollektion an Gold und Silber und eine der meist betuchtesten Sammlungen der erotischen Keramiken aus der Mochica-Zeit präsentiert. Das Museum bietet eine breite Abdeckung an Kulturen, Materialien und Themen und verfügt über einzigartige Artefakte, die häufig in anderen Museen weltweit zu sehen sind. Eine weitere Besonderheit des Larco Museums ist das Café del Museo. Inmitten eines einzigartigen Ambientes werden dem Besucher peruanische Spezialitäten des berühmten peruanischen Starkochs Gaston Acurio Jaramillo, Inhaber der exzellenten Restaurants Astrid & Gaston, serviert. (Quelle: peruline.de). Wir schauen uns das Museum zusammen mit Isabella an und sie erklärt uns die wichtigsten Exponate. Dann haben wir noch Gelegenheit den Museumsshop zu besuchen. Dort kaufe ich mir eine Nachbildung einer Inkaskulptur. Dann gehen wir ins Museums-Café und essen zu Mittag. Das Essen ist wirklich lecker. Als ich bezahle, kommt der Kellner nicht mehr mit dem Wechselgeld zurück. Da es aber wirklich zu viel für ein Trinkgeld ist, spreche ich ihn an und er gibt mir Geld zurück. Ein Versuch seinerseits war es ja wert, das Geld einfach zu behalten. Um 14.30 Uhr steigen wir wieder ins Auto und sind gegen 15.30 Uhr zurück im Flughafen. Jetzt müssen wir noch warten, dass wir einchecken können. Als wir uns anstellen können, stehen wir ziemlich weit hinten in der Schlange. Da kommt aber ein Flughafenmitarbeiter mit einem Tablet-PC und fragt ob wir online eingecheckt haben. Als wir das bejahen, können wir uns ganz vorn an die Spitze der Schlange stellen und sind im Nu eingecheckt. In der Wartezone gehen wir in ein Cafe. Dort sitzen wir mit einer Peruanerin zusammen, die in die Schweiz ausgewandert ist. Nachdem Besuch des Cafes sehen wir eine Massagezone. Wir lassen uns eine halbe Stunde massieren. Die Massage tut uns wirklich gut. So vergeht die Zeit bis zum Abflug doch relativ schnell. Wir steigen in den Flieger. Ich habe einen Platz mit viel Beinfreiheit vor einer Bordwand zur Küche und Heike sitzt schräg hinter mir. Sie kann die Beine auch ausstrecken, da in meiner Reihe nur 2 Sitzplätze sind und dahinter drei. Neben mir nimmt ein Peruaner Platz, der schon vor Jahren nach Deutschland ausgewandert ist. Ihm gefällt es gut in Deutschland, aber er muss wenigstens einmal im Jahr nach Peru zu seiner Familie. Die meiste Zeit des Fluges schlafen wir und wir kommen am 27.September um 15.45 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Amsterdam an. Dort haben wir nur eine Stunde Aufenthalt. Auch dieser Flug startet pünktlich, so dass wir um 17.45 Uhr in Hannover landen. Jetzt holen wir nur schnell unsere Koffer von der Gepäckausgabe und sitzen schon gegen 18 Uhr im Zug Richtung Halberstadt. Um 21.30 Uhr treffen wir nach 18 Stunden Reisezeit zu Hause ein.

 

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