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Brasilienreise – Ein Reisebericht von Heike und Thomas Schittko


Hannover – 16.August

Heute haben wir Halberstadt verlassen und sind mit dem Zug nach Hannover gefahren. In Hannover angekommen, gehen wir auf dem Bahnhof in ein vietnamesisches Lokal. Dort bekommen wir wieder einmal sehr leckeres Essen, was auch nicht anders zu erwarten war. Dann fahren wir zum Flughafen und übernachten in einem Hotel auf dem Flughafen Gelände. Morgen in aller Frühe geht es weiter nach Amsterdam. Die Fernreise Nr. 5 kann beginnen. Mal sehen, was uns erwartet.
Im Fernsehen bringen Sie gerade einen Bericht, dass die Bevölkerung in vielen Städten Brasiliens erneut zu Tausenden auf die Straße gegangen ist und den Rücktritt der Präsidentin Rouseff fordert. Diese denkt aber gar nicht daran zurückzutreten. Sie ist nicht nur korrupt, sondern auch von sich überzeugt. Eine Kombination die gerade in Südamerika immer wieder auftritt.

Abflug und Ankunft in Salvador de Bahia – 17. August
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Heute klingelt der Wecker schon um 4:20 Uhr. Wir sind müde aber das Flugzeug wartet nicht. Der Flieger startet um 6:15 Uhr und wird in 1 Stunde Amsterdam erreichen. In Amsterdam haben wir ca. 3 Stunden Aufenthalt, dann geht es mit einer Boeing über den Atlantik. Die Flugzeit beträgt ca. 12 Stunden für 10079 km. Dann sind wir zwar in Brasilien, aber immer noch nicht am Ziel.
Wir verbringen also einen halben Tag im Flieger. Neben uns sitzen zwei ältere Holländer. Einer von ihnen trinkt während des Fluges 5 kleine Flaschen Wein. Naja wer das braucht. Gegen 17 Uhr Ortszeit (in Deutschland + 5 Stunden = 22 Uhr) kommen wir in Sao Paulo an. Jetzt haben wir 2,5 Stunden Aufenthalt. Diese verbringen wir mit Koffer abholen, Zoll passieren und erneutem Einchecken. Zum Schluss wird es sogar noch ein bisschen eng mit der Zeit, da das Abflug Gate erst einmal gar nicht so einfach zu finden ist und dieses wirklich extrem weit weg liegt.
Jetzt sitzen wir erneut im Flieger und sind nach 2 Stunden endlich in Salvador de Bahia. Nach dem Koffer abholen, gehen wir zum Ausgang und werden von Tilmann Guelberg, einem deutschen Reiseleiter, der seit 13 Jahren hier lebt, abgeholt. Wir fahren ca. 30 Minuten vom Flughafen zur Pousada. Diese liegt 5 Minuten von der historischen Innenstadt entfernt. Wir wollen jetzt nur noch ins Bett. Es ist inzwischen 23.20 Uhr als wir endlich im Bett liegen, also 4.20 Uhr deutscher Zeit.
Das Zimmer liegt im 2.Geschoss und ist sehr groß und mit alten Möbeln bestückt. Die Betten erinnern an Kolonialzeiten, sie sehen aber nicht nur so aus, sondern sind für Leute, zu denen wir nicht gehören. Entweder sehr hart oder hängen extrem durch. Das Bad ist auch sehr groß, aber mehr auch nicht. Der Duschkopf sieht aus wie ein Gießkannenkopf, in dem das Wasser elektrisch beheizt wird.
Das Teil hängt so an der Wand, als könnte es jederzeit abfallen bzw. dass man ein Stromschlag bekommen könnte.
Auch wenn in unserer Reisebeschreibung steht, dass diese Pousada sehr liebevoll geführt wird, können wir uns mit unserem Zimmer wenig anfreunden. Auf uns wirkt es nicht einladend, das Mobiliar wirkt wie aus dem Museum und dort sollte es auch hin. Das Zimmer ist zu dem sehr dunkel. Für 3 Übernachtungen wird es aber gehen. Das Frühstück ist okay und der Kaffee schmeckt.

Salvador de Bahia – 18. August
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Gegen 10 Uhr werden wir von unserem Guide Till abgeholt. Wir gehen zu Fuß in die Stadt. Kaum bin ich am ersten Platz angekommen, winkt mich ein im Auto sitzender Polizist zu sich und gibt mir zu verstehen, ich solle meine Kamera besser einstecken. Das geht schon gut los. Wir gehen eine steile Straße hinunter und dann gleich das Gegenstück wieder bergauf. Till erklärt uns, dass man hier bestimmte Straßen nicht benutzen sollte. Abends ist es auch besser, wenn man sich entweder mit dem Taxi in ein Lokal bringen lässt oder keine Wertsachen, wie eine Kamera mitnehmen sollte. In der historischen Altstadt angekommen, sehen wir viele bunte Häuser von denen jedes eine andere Farbe hat. Einige der Häuser stehen mit Ausrichtung zum Meer. Auf der Straßenseite sind diese sehr schmal, aber auf der Meerseite ziehen sich diese über mehrere Etagen den Berghang hinunter. Neben den bunten Häusern prägen auch viele Kirchen das Stadtbild.
In Salvador, die übrigens 3 Millionen Einwohner hat, leben die meisten Schwarzen innerhalb von Brasilien.
Am Hauptplatz tummeln sich Gebäude im kolonialen Stil, die alle eine andere Fassadenfarbe haben. Die Sonne setzt die Schönheit dieser Gebäude noch richtig in Szene. Vor einem Gebäude wurde ein Michel Jackson Video gedreht, als Ort wurde allerdings Rio angegeben, das vermarktet sich besser.
Vom Platz führt eine steile Kopfsteinpflasterstraße hinunter. Überall wuseln Leute rum, meist Schwarze mit bunten Klamotten und einige mit Rasta Locken.
In einem Klostergebäude, was wir teilweise auch besichtigen können, befindet sich heute ein Luxushotel, allerdings sagt Tilman, das dieses Hotel maximal 3 Sterne verdient hätte. Jedenfalls ist es dieses bestimmt um einiges besser als unsere Pousada.
Uns begegnen Männer mit Rasta Locken. Hübsche junge Frauen lassen sich in allen möglichen Posen fotografieren. Dann stehen auch immer wieder schwarze Frauen, in traditionellen Kleidern, die weit ausgestellt sind. Sie wollen von Touristen fotografiert werden, um damit Geld zu verdienen. Sie sehen wirklich schön aus. Man kann diese
Frauen aber auch in Geschäften antreffen, wo man diese kostenlos fotografieren kann. Sie werden von den Läden engagiert, in der Hoffnung, dass sie Kunden in den Laden bringen und diese etwas kaufen.
Leider fängt auf unserer Stadttour an zu regnen, es hört zwar immer wieder mal auf, aber zwischendurch regnet es auch sehr heftig. Wir können aber die Zeit nutzen, um uns ein Museum, das sich der traditionellen Ernährung angenommen hat, ein ehemaliges Krankenhaus mit einem riesigen Apothekerschrank und das Palastgebäude, ansehen.
Im Krankenhaus, befindet sich eine Sakristei. Im Dielenboden der Sakristei ist eine Falltür. Tilmann erklärt uns, dass in dem Raum unter der Falltür die kranken Frauen untergebracht waren. Der Raum hatte lediglich zwei Fenster und war somit dunkel und kaum belüftet. Die kranken Männer waren hingegen in einem komfortableren Gebäude mit genügend Fenstern untergebracht. Nach der Besichtigung gehen wir an einen Aussichtspunkt, von dem auf den Hafen schauen kann.
Die Ober und die Unterstadt haben einen Höhenunterschied von ca. 70m. Man kann die Unterstadt auf verschiedene Art zu Fuß erreichen. Entweder man nimmt lange Treppen in Kauf oder bequemer den Fahrstuhl oder die Standseilbahn. Da sich der Besuch des Marktgebäudes aber nicht so lohnen soll, bleiben wir oben.
Wir laufen weiter durch enge Straßen. Überall sind Bilder von Malern zu sehen, die die schwarze Kultur zum Inhalt haben. Die Bilder sind fast immer sehr farbenfroh.
Wir kaufen in einem Kunstgewerbeladen ein Bild, auf denen ein Gebäude der historischen Innenstadt dargestellt ist. Davor sitzt eine schwarze Frau in traditionellen Kleidern. Weiterhin erwerben wir noch eine Keramikfigur einer etwas dickeren schwarzen Frau, die einen Badeanzug trägt. Sie erinnert mich an Zille.
In der Altstadt sehen wir uns eine Kirche an, die sehr reichhaltig ausgestattet ist. Neben Deckenmalerei, Figuren aus Holz oder Marmor wurden Unmengen an Plattgold aufgetragen. In dieser Kirche sind aber auch Holzfiguren, die barbusige schwarze Frauen darstellen. Das dies in einer Katholischen Kirche zugelassen wurde ist erstaunlich. Diese Figuren wurden von den Sklaven, welche die Kirche erbauten, geschaffen.
Dann beschließen wir, dass wir am nächsten Tag einen Ausflug ins Hinterland machen wollen. Tilman organisiert uns diese Tour über ein Reisebüro. Er selbst bietet uns auch für den Nachmittag eine erweiterte Stadtbesichtigung an. Auch diese Tour nehmen wir in Anspruch.
Jetzt knurrt uns aber der Magen und wir steuern ein Lokal mit typischen lokalen Speisen an. Wir essen alle etwas Anderes und jedes ist echt gut. Es sind tolle Kreationen, bei denen man gar nicht so richtig weiß, was man da isst. Der Preis dafür ist völlig in Ordnung.
Danach geht es nochmal kurz zurück ins Hotel, bevor wir zur zweiten Tour starten. Es geht erst einmal raus aus der Stadt an einen wenig belebten Strand. Dort besuchen wir eine Schlosserwerkstatt, in dem ein über 70 Jahre alter Mann, den Laden schmeißt. Er ist Meister und sehr lustig. Ständig lacht er und bedankt sich, dass wir ihn besuchen. Die Werkstatt gleicht einer Rumpelkammer, aber er scheint damit klar zu kommen. Danach verlassen wir die Werkstatt und gehen in ein von außen runtergekommen wirkendes Haus. Darin ist eine Werkstatt eines Fliesenmalers. Er ist ein liebenswürdiger Mann mit einem fröhlichen Wesen. Sein Name ist Senior Prentice Carvalho. Er ist schon 75 Jahre alt und hat noch nie eine Brille tragen müssen. Jetzt plagt ihn aber der graue Star und er muss morgen zur OP. Sein Freund sagte ihm, er möchte ihm schnell noch eine Fliese bemalen, bevor er es nicht mehr kann. Beim Erzählen lacht auch er ständig. Die beiden älteren Herren sind mehr als lebensfroh, davon müssten wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden. Weiter geht es in eine Eisdiele. Hier gibt es 50 Sorten Eis. Man kann von jedem erst einmal eine Probe bekommen. Wir entscheiden uns für eine Kugel Umbu und eine Kugel einer Frucht aus dem Amazonas (Name vergessen). Schmeckt lecker, vielleicht ein wenig zu süß. Übrigens muss man schon vorher wissen wie viele Kugeln man essen -möchte, denn man bezahlt im Voraus. Eine Kugel kostet 7 Real also ca. 2 Euro. Dafür bekommt man aber einen ganzen Becher voll. So gestärkt geht es zu einer kleinen Festung. Ich höre schon Musik. Hinter einer Mauer stehen Jugendliche und spielen mit selbst gebastelten Instrumenten Musik. Als ich mit der Kamera vorbeikomme, lacht der dazu singende Mann und zeigt den Daumen nach oben.
Hier hat man einen schönen Ausblick auf das Meer, die gegenüberliegenden Hochhäuser und einen karibisch anmutenden Strandabschnitt.
Wir fahren weiter über die Unterstadt zum Leuchtturm. Unterwegs sehe ich im Hafen zwei Kräne mit der Aufschrift Kranbau Eberswalde. Die Kräne funktionieren auch noch. Also ganz so schlecht war die Ware Made in GDR nicht. Meist fehlte nur das richtige Design, aber das war hier nicht wichtig.
Am Leuchtturm angekommen, hat man einen schönen Blick auf das Meer und den Stadtteil, in dem die Besserverdienenden leben. Nach dieser Tour geht es zurück in die Pousada und dann schon 20 Uhr ins Bett, besser Barockbett aus dem 18.Jahrhundert. Wir finden diese Betten abscheulich, auch was deren Liegequalität angeht. Der Besitzer der Pousada ist aber darauf stolz. Er sollte dann doch aber selbst darin schlafen. Die Bettwäsche ist auch barock, so sieht sie jedenfalls aus. Man kommt sich in denen Betten so vor, als ob man in einem Sarg liegt. Das ist nicht unser Ding. Heike tut schon nach einen Tag der Rücken weh, da sie extrem im Bett durchhängt.

Ausflug ins Hinterland von Salvador – 19.August
Wir werden von Gisela Bandt, einen älteren Reiseleiterin von der Pousada gegen 8 Uhr abgeholt und fahren mit ihr so ca. 120 km ins Hinterland. Zunächst geht es an den nicht enden wollenden Favelas vorbei. Von den ca. 3,2 Millionen Einwohnern sollen ca. 2 Millionen in den Armenvierteln leben. Dann sind wir aus der Stadt raus und die Landschaft wird hüglig und grün. Hier wachsen Palmen und exotische Bäume. Auf den Grünflächen weiden Kühe und auf den anderen Freiflächen wird Kakao und Zuckerrohr angebaut. Wir machen unseren ersten Halt an einer Kirche auf einer Felsenklippe. Wir können zwar die Kirche nicht besichtigen, dafür aber auf die Allerheiligen Bucht. Diese Bucht ist nach der Hudson Bucht, die zweitgrößte Bucht der Welt. Alles ist grün bewaldet. Hier stand ursprünglich auch der atlantische Regenwald, der bis zu 450 km weit ins Landesinnere reichte. Leider hat der heute klimatisch so wichtige Regenwald nur 6 % seiner ursprünglichen Größe.
Im Ort sitzen Jugendliche auf einer Mauer und haben Vögel dabei, die in Vogelkäfigen sitzen. Gisela sagt, dass die Jugendlichen bei schönem Wetter auch mit ihren Käfigen spazieren gehen. Wir wollen dies kaum glauben, sehen dies aber später selbst.
Wir setzen unsere Fahrt fort. In dieser Gegend wird heute Erdgas gewonnen. Plötzlich tauchen im Grünland Gasfackeln oder Pumpen auf. Gisela erzählt uns, dass hier früher Kakao angebaut wurde. Die Kakaopflanzen brauchen immer Schatten, deshalb pflanzt man ihn vorwiegend da, wo Bäume stehen. Er ist aber auch sehr anfällig für Krankheiten. So passierte es auch einmal, dass alle Kakaopflanzen einer Erkrankung zum Opfer gefallen sind.
Dann passieren wir eine Stadt, die nach Giselas Meinung sehr hässlich ist und das stimmt. Dies hat aber seinen Grund. Die Strecke hat sie gewählt damit wir die danach folgende schöne Landschaft sehen zu können. Wir halten an einer Kirche auf einem Berg. Von dort haben wir einen fantastischen Ausblick auf die heilige Bucht. Dann geht es weiter zur Stadt Santa Amaro Da Purificao. Dort besuchen wir einen Markt, also man könnte auch sagen, wir gehen mit Gisela einkaufen. Es gibt alle möglichen denkbaren Früchte, Gemüsesorten, Fleisch, Fisch und auch Kautabak und Honig. Das Markttreiben ist bunt und laut. Zwischen den Einkaufenden laufen noch Träger mit Schubkarren. Diese bringen den Einkauf, wenn gewollt, bis nach Hause. Der Markt ist fest in der Hand von Schwarzen, man könnte denken, man ist in Afrika. Die Leute tragen oft sehr bunte Kleidung, die Mädchen haben bunte Zopfhalter im Haar und dann fallen uns immer wieder viele dicke Personen auf, die sich trotzdem in hautenge Kleidung quetschen.
Weiter geht es zum Ziel unserer Reise ins die Stadt Cachoeira. Dort angekommen, sehen wir viele bunte koloniale Häuser. Wir gehen aber erst einmal in einem ehemaligen Klostergebäude Mittagessen. Es gibt Fisch.
Gesättigt verlassen wir das Klostergebäude und besichtigen die Stadt zu Fuß. Einige der Häuser sind so weit verfallen, dass nur die Fassade steht. Es wurde aber begonnen, diese Häuser wieder zu sanieren. Der Ort ist trotz der noch vielen ruinösen Häuser sehr schön.
Wir kommen an einer Gaststätte vorbei, wo in einem offenstehenden Fenster eine Vogeltränke hängt. Ab und zu kommt dahin ein Kolibri geflogen, unglaublich und das mitten Im Ort.
Wir laufen am Fluss entlang und sehen schon von weitem eine Stahlbrücke. Diese war eigentlich für Afrika bestimmt, jedoch war die Brücke zu kurz gefertigt. So kam sie nach Brasilien und da die Bewohner des Ortes sich schon immer eine Brücke über den Fluss gewünscht hatten, bekamen sie jetzt endlich eine.
Auf der anderen Seite des Ortes steht die Manufaktur des Zigarrenherstellers Dannemann. In der Manufaktur sitzen so ca. 10 Frauen und arbeiten an kleinen Tischen sitzend. Sie suchen die passenden Tabakblätter und entsprechenden Qualitäten aus und drehen diese zu einer bestimmten Zigarrengröße. Alles muss stimmen, Qualität, Gewicht, Länge und Durchmesser. Stimmt etwas nicht wird die Zigarre nicht unter dem Namen Dannemann, sondern als Noname-Produkt, verkauft. Eine Frau macht zum Abschluss noch das Deckblatt und das Mundstück. Dann kommen die Zigarren in schöne hölzerne Kisten. Wir kaufen aber keine Zigarren, da wir keine Raucher sind. Obwohl die Holzkisten mir sehr gefallen. Was uns schon in Peru aufgefallen war, man sieht fast niemand in Brasilien rauchen. Das Rauchen ist nicht populär, was gut ist. Wir können aber bei Dannemann trotzdem etwas Gutes tun. Man kann hier kostenlos ein Baum adoptieren. Dannemann pflanzt dann in unseren Namen einen Baum zur Aufforstung des verlorenen atlantischen Regenwaldes. Also füllen wir jeder ein Formular aus. Am 13.11.2015 bekommen wir aus Brasilien Post. Im Brief ist eine Urkunde, die bestätigt, dass für jeden von uns ein Baum gepflanzt wurde.
Zum Abschluss trinken wir noch einen Espresso. Unser Fahrer flirtet mit den Frauen. Dann geht es zurück nach Salvador, wo wir gegen Abend wieder in unserer Pousada ankommen. Von unserem Zimmer hören wir Musik. Wir gehen auf den Hof und sehen, dass einige Jugendliche sich zum Einstudieren brasilianischer Tänze treffen. Es sind ausnahmslos schwarze Mädchen und Jungen. Einige von Ihnen machen die Musik und die anderen tanzen. Nach und nach kommen immer mehr dazu. Dann kommt auch noch der Chef der Tanztruppe. Er erinnert uns an Bruce Danerll. Sein Auftreten ist auch genauso. Er macht klare Ansagen, alle hören zu und keiner widerspricht.
Ich mache Fotos und ein paar Videos von den Tänzern. Auf einmal kommt der Chef auf mich zu und fragt ob ich Englisch spreche. Dann gibt er mir zu verstehen, dass ich gerne Fotos und Videos machen darf, aber sie keinesfalls kommerziell verwenden darf. Das hatte ich auch nicht vor. Später kommt noch eine kleine aber stimmkräftige Frau dazu, die die Musiker mit Gesang unterstützt. Nach einer Stunde zuschauen, gehen wir zu Bett, denn es heißt am nächsten morgen früh aufzustehen.

Salvador nach Manaus – 20.August
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Um 4 Uhr klingelt der Wecker und gegen 5 Uhr holt uns Tilman von der Pousada ab. Beim Einladen der Koffer bekommt er die Tür seines Autos nicht mehr zu. Das Schloss ist wahrscheinlich kaputt. So muss er die Tür mit einem Gurt an der Reling festbinden, damit der Koffer nicht aus dem Kofferraum fallen kann. Dann geht es aber los. Auf der Fahrt zum Flughafen sehen wir mehrere Rennradfahrer die entlang der Schnellstraße fahren. Im Dunkeln und bei dem Verkehr. Das muss man mögen. Am Flughafen geht das Einchecken dieses Mal sehr zügig. Nun versuchen wir wieder einmal an Geld zu gelangen. Wir suchen im Untergeschoss mehrere Automaten, aber keiner spuckt Geld aus. Langsam wird dies zu einem Problem. Wir müssen versuchen das Problem mit der Agentur zu klären, also wie wir an Geld gelangen. Hoffentlich gibt es dafür eine Lösung.
Jetzt sitzen wir im Flieger und warten auf den Abflug nach Brasilia. Dieses Mal fliegen wir mit der Fluggesellschaft TAM. Der Service ist hier ein wenig besser. In Anflug auf Brasilia sehen wir ein Häusermeer und die 3 Bogen Brücke. Nach der Landung, gehen wir zu einem Geldwechselbüro und können nach Auskunft des Mitarbeiters sogar Geld bei ihm abheben. Jetzt kommt bei uns echte Freude auf. Endlich kommen wir an Geld. Er tippt kurz in seinen Computer etwas ein und dann sagt er uns, dass es aber heute wegen eines Computerproblems leider nicht möglich ist. Sonst ginge es aber. Ja uns nützt dies nichts. Wir holen uns noch etwas zu Essen und dann geht es wieder zum Einchecken. Nun sitzen wir im Flieger nach Manaus. Die Flugzeit beträgt auch wieder ca. 2 Stunden. Die Landschaft wird immer grüner. Dazwischen ist überall Wasser zu sehen. Im Anflug auf Manaus ist der Rio Negro zu sehen. Er ist so breit, als ob es ein riesiger See wäre. Wir landen und werden von unserem Reiseleiter abgeholt. Als wir das Flughafengebäude verlassen trifft uns bald der Schlag. Es ist unheimlich heiß und feucht. Wir werden erst einmal ins Hotel gebracht und dann geht es gleich auf Stadttour. Zunächst versuchen wir wiederholt an Geld zu kommen. Unsere Visa Card wird aber nirgendwo akzeptiert.
Wir starten die Stadtbesicht-igung mit dem Besuch des Opernhauses. Dies wurde um die Jahrhundertwende errichtet. Die Bauzeit betrug ca. 13 Jahre. Das Gebäude wurde von reichen Kaut-schukhändlern bezahlt. Im Opernsaal sind über 4 Etagen Logen verteilt. Im Fußboden wurde eine Luftzufuhr vorgesehen, dadurch kann die Luft umlaufend zirkulieren und für gutes Raumklima sorgen.
Die Stadt Manaus ist durch den Anbau und Handel mit Kautschuk reich geworden. Hier war auch ein Deutscher zu Reichtum gekommen, sein Name war Waldemar Schulz. Er war nach 3 Jahren so reich geworden, dass er sich eine riesige Villa bauen konnte. Sein Reichtum hielt jedoch nicht lange an, da er sein Geld im Spielcasino verspielte und zum Schluss sogar seine Villa verkaufen musste. Dann geht es auf die lokalen Märkte. Hier werden vor allem Bananen angeboten. Unser Guide geht an einige Stände und gibt es Dinge zum Kosten. Zum Beispiel Maniokkuchen, frische Paranüsse und ein Getränk, was aussieht wie Erdöl. Die Paranüsse befinden sich in einer großen Nuss, die aussieht wie eine geschälte Kokosnuss. Darin sind so ca. 20 Nüsse. Die frischen Paranüsse schmecken ein bisschen nach Kokos.
Der Maniokkuchen besteht aus Maniok, Paranüssen, Butter und Kokos. Er schmeckt lecker, ist aber auch sehr gehaltvoll. Das schwarze Getränk schmeckt fruchtig, also anders als erwartet. Dann gehen wir zum Hafen. Im Hafen liegen einige Schiffe.
Einige dieser Schiffe werden gerade beladen. Die Schiffe erinnern uns an die Dampfer auf dem Mississippi.
Zurück im Hotel versuche ich über Western Union an Geld zu kommen. Western Union ist ein US-amerikanischer Anbieter für weltweiten Bargeldtransfer. Er bietet die Möglichkeit, schnell Geld rund um den Globus zu transferieren. Dazu muss man sich auf der Internetseite von Western Union anmelden und kann dann Online von seinem eigenen Konto Geld in das gewünschte Land überweisen. Das Geld kann man dann in bestimmten Banken, die mit Western Union kooperieren, abholen. Bei der Anmeldung muss man neben der Höhe des Geldbetrages den Grund für die Geldüberweisung, den Absender- und Empfängerdaten sowie das Zielland angeben. Nachdem ich alle Angaben gemacht habe, werde ich auf die Internetseite meiner Bank geleitet, und kann dort die Überweisung vornehmen. Da ich meinen TAN-Stick nicht mithabe, lasse ich mir den TAN auf mein Handy schicken. Selbst, dass klappt reibungslos. Nach der Überweisung bekomme ich noch eine Bestätigungsemail und eine Transfernummer. Allerdings wird mir darin mitgeteilt, dass sich Western Union vorbehält, sich telefonisch mit mir in Verbindung zu setzen, um sich davon zu überzeugen, ob alles seine Richtigkeit hat. Wir sind jetzt guter Dinge, dass die Überweisung funktioniert.
So machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Auf den Straßen der Innenstadt findet gerade eine lautstarke Demonstration statt. Wir gehe in Richtung Opernhaus. Auf dem Platz wird ein im Opernhaus stattfindendes Konzert auf großen Bildschirmen übertragen. Der Platz hat eine wellenförmige Pflasterung. Diese symbolisiert den Zusammenfluss von Rio Negro und Rio Solimoes.
Überall sitzen Menschen vor den Gaststätten und andere nutzen eine Art Bühne, um ihre Turnkünste zu präsentieren. Auch ein Geiger steht auf dem Platz und spielt unterstützt von einem tragbaren Verstärker klassische Musik.
Wir gehen aber in eine Fischgaststätte, die uns unser Guide empfohlen hat. Auf der Straße, nutzt eine auf uns nicht ganz „normal“ wirkende junge Frau, die Rotphasen der Ampel aus, und turnt mit Farbbändern in den Händen, vor den Fahrzeugen rum. Sie hofft, dass sie für ihre Vorführungen ein wenig Geld bekommt.
Wir sitzen in der Gaststätte, genießen den Fisch und ich ein kühles Bier, welches auf Grund des extrem warmen Wetters gleich wieder aus dem ganzen Körper läuft. Nachdem Essen holen wir in einem kleinen Laden noch ein paar Flaschen Mineralwasser und gehen zurück ins Hotel.
Im Hotelchecke ich meine Emails und sehe, dass Western Union den Überweisungsauftrag stor-niert hat. Sie hatten versucht, mich telefonisch zu erreichen. Dies ist Ihnen aber nicht gelungen. Dummerweise habe ich als erste Telefonnummer nicht meine Handynummer, sondern unsere Festnetznummer in Deutschland angegeben. So konnte man mich natürlich auch nicht erreichen. In der Email steht, ich sollte mich deshalb selber mit Western Union in Verbindung setzen. Da ich aber nur mit dem Handy anrufen kann und es sich bei der angegebenen Nummer von Western Union eine europäische Telefonnummer handelt, kann ein solches Telefonat richtig teuer werden. Nun ist jedoch in Europa tiefste Nacht, daher entscheide ich mich das Telefonat am nächsten Morgen zu führen.

Abfahrt ins Amazonasgebiet  – 21.August
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Gleich nach dem Aufstehen rufe ich mit meinem Handy die angegebene Telefonnummer von Western Union an. Erstmal mehrere Minuten Warteschleife, dann habe ich eine gebrochen Deutsch sprechende Frau am Apparat. Sie fragt mich, ob diese Überweisung tatsächlich richtig ist. Ich bestätige dies natürlich. Dann leitet diese Frau mich an eine weitere Person weiter. Diese stellt mir noch einmal dieselben Fragen. Wie ich heiße, wohin soll das Geld überweisen werden und warum. Dann sagt sie immer wieder, ob ich Schittko Schittko heiße. Ich verstehe diese Frage nicht so recht und sage Ja. Dann sagt die Dame, die Stornierung wird zurückgenommen und das Geld werde überwiesen. Nun muss es doch klappen, denke ich und beende aufgeregt aber zufrieden das Telefonat. Das Gespräch hat so ca. 20 Minuten gedauert und letztendlich ca. 65 Euro gekostet. Da kommt doch Freude auf. Aber man kann nicht alles mit Kreditkarte bezahlen, schon gar nicht Trinkgeld für den Guide. Ohne Geld da zu stehen, wäre ein viel größeres Problem, als diese 65 Euro auszugeben.

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Nachdem Frühstück werden wir zusammen mit einem anderen deutschen Ehepaar im Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht. Dort besteigen wir ein Schnellboot und fahren zum Zusammenfluss von Rio Negro und Amazonas. Man sieht deutlich die unterschiedliche Färbung des Flusswassers. Das Wasser des Rio Negro ist dunkelblau und der Amazonas braun. Beide Flüsse vermischen sich nicht und laufen über ca. 20 km Länge nebeneinander. Das sich die Flüsse nicht vermischen liegt an der unterschiedlichen Fließgeschwindigkeit, der Wassertemperatur und Dichte des Wassers.
Nach einer halben Stunde Bootsfahrt erreichen wir einen Hafen. Hier steigen wir in einen VW-Bus um. Der Bus hat so schlappe 60 Jahre auf dem Buckel, aber er läuft noch wie geschmiert. Es ist auch nicht der einzige VW-Bus. Solche Busse sehen wir mehrfach. Es geht über eine ziemlich endlos wirkende geradlinige Straße. Nach ca. 1,5 Stunden Fahrt steigen wir wieder in ein Boot um. Dieses hatte einen stärkeren Motor und es ging im rasanten Fahrstil durch den Regenwald bis zur Lodge, welche wir nach einer halben Stunde erreichen.Dort angekommen, können wir uns in unseren Bungalow noch eine Halbe stunde ausruhen, bevor es zum Mittagessen geht. Die Lodge ist nicht groß, es können hier schätzungsweise 30 Personen übernachten. Nach dem Essen können wir bis 15.30 Uhr ausruhen, dann soll es auf Erkundungstour gehen. Ich sehe vom Balkon aus einen Leguan. Er ist mit Schwanz ca. 1m groß. Als ich nach draußen gehe, verschwindet er ins Wasser. Ich kann ihn nicht mehr ausfindig machen und setze mich ans Ufer des Flusses. Nach einer Weile taucht er genau vor mir am Flussufer aus dem Wasser auf und schaut mich mit seinem Kopf aus ca. 2 m Entfernung an. Das nenne ich mal Zufall.
Um 15.30 Uhr starten wir zusammen mit dem anderen deutschen Ehepaar, Sonja und Volker aus der Nähe von Frankfurt, dem Guide Christoph und dem Kanuführer Hernaldo zu der Erkundungstour. Wir fahren auf dem Fluss kreuz und quer. Überall verästelt sich dieser Fluss, riesige Bäume ragen in den Himmel, dazwischen stehen Palmen, Bambus und viele andere Arten von Pflanzen. Die Landschaft spiegelt sich im Wasser. Es ist eine sehr beeindruckende Landschaft aus Flussarmen und Pflanzen. Es gibt aber auch sehr kahle Flächen, die die Einheimischen zum Anbau von Gemüse und Obst oder zur Tierhaltung gerodet haben. Nach einiger Zeit sehen wir die ersten Tiere bzw. Hernaldo sieht diese mit seinen Adleraugen und zeigt sie uns. Er macht auch alle möglichen Tierlaute nach, und kann somit die Tiere aus ihren Verstecken locken. Bei der Tour sehen wir ein Faultier, Affen, einen Ara, Eisvögel, Webervögel, Kraniche, Wasserhühner und einen Bussard. Den bringt Hernaldo mit dem Imitieren seines Vogellautes zum Antworten. Ganz zum Schluss als schon die Sonne untergeht, entdecken wir auch noch Flussdelfine. Man kann aber lediglich den Rücken kurz auftauchen sehen. Der Sonnenuntergang mit der roten Sonne, die sich im Fluss spiegelt, ist sehr schön. Verstärkt wird diese Atmosphäre noch durch die vielen Tiergeräusche, die man teilweise nicht zuordnen kann.
Insgesamt waren wir 3 Stunden unterwegs, wir hatten nicht geahnt wie weit wir wirklich von unserer Lodge entfernt waren. Für uns war es so, als wären wir im Kreis gefahren.
Gegen 19 Uhr essen wir zu Abend. Es gibt zu allen Mahlzeiten ein Buffet und zum Mittag- und Abendessen immer Fisch, Huhn, Rind, Spaghetti, Reis, Maniok, Gemüse und Obst. Alles schmeckt super. Den größten Fisch des Amazonas bekommen wir übrigens auch mal zu essen, er heißt Arapaima und kann über 2 Meter lang werden. Das größte bekannte Exemplar war 2,32 m lang und hatte ein Gewicht von 133 kg. Der Arapaima schmeckt ausgezeichnet, nicht nach Fisch sondern wie Hühnerfleisch.
Nach dem Abendbrot gehen wir schlafen. In der Nacht hören wir teilweise eigenartige Geräusche, wie ein tuckernder Bootsmotor oder ein laufendes Düsentriebwerk. Bei dem ersten Geräusch handelt es sich um eine große Kröte und beim zweiten um den Brüllaffen, der damit sagen will, hier bin ich der Chef. Er heißt ja auch nicht umsonst Brüllaffe.
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Turtle Lodge, 1.Tag – 22.August
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Es heißt mal wieder früh aufstehen. Wir fahren gegen 5.30 Uhr von der Lodge mit einem Kanu, um den Sonnenaufgang im Amazonas zu erleben. Hernaldo steuert einen Flussarm an, der so breit wie ein See ist und von dem man einen guten Blick auf die aufgehende Sonne hat. Nach ca. einer halben Stunde geht die knallrote Sonne über den Bäumen auf und die Sonne zaubert einen langen roten Streifen ins Wasser.
Nach dem schönen Sonnenaufgang geht es zurück zur Lodge, um erst einmal zu frühstücken. Bereits um 9 Uhr heißt es wieder ins Kanu steigen, aber dieses Mal fahren wir nur ein kurzes Stück. Hernaldo bringt uns ans Ufer und von dort geht es zu Fuß durch den Dschungel zurück zur Lodge. Es sind so ca. 5 km Weg. Obwohl es schattig ist, schwitzen wir alle sehr. Nach kurzer Zeit stachelt Hernaldo mit einem Stock in einem Erdloch herum und lockt eine Vogelspinne aus ihrem Versteck. Das macht er noch mehrere Male, bis er selbst mit seiner „Beute“ zufrieden ist. Diese Spinnen in freier Natur zu sehen, ist schon beeindruckend. Dann schlägt er mit der Machete eine kleine Kokosnussfrucht auf, in dieser befinden sich ein oder mehrere Kokoswürmer. Der Wurm ist so 2 bis 3 cm lang und hat einen Durchmesser von einem halben Zentimeter. Hernaldo fragt, wer von uns einmal so einen Wurm essen möchte. Niemand natürlich. Aber als Heike zu mir sagt, du machst das bitte nicht, war das die Aufforderung für mich. Also melde ich mich. Jetzt ist es aber nicht so, dass man den Wurm komplett essen soll, sondern nur drauf beißen und auslutschen. Das vereinfacht die Angelegenheit natürlich. Er schmeckt leicht nach Kokos also gar nicht schlimm.
Immer wieder kommen wir an riesigen Bäumen vorbei, die eine Höhe von 30m haben. Überall hängen Lianen herunter.
An einem Baum schlägt Hernaldo mit seiner Machete gegen den Baum, das klingt wie eine Trommel. Dieser baum wurde deshalb auch zur Verständigung mit Klopfgeräuschen über weite Strecken genutzt. Im Übrigen hat man in diesem Gebiet weder Internet noch Handyempfang. Das heißt, wenn man ein ernstes Problem hat, würde es Stunden dauern, um Hilfe zu bekommen.
Hernaldo zeigt uns zu guter Letzt, wie man aus Palmenblättern bestimmte Dinge flechten kann. Er flechtet zunächst einen Fächer und dann für jeden noch einen Kopfschmuck. Das Material ist auch frisch unheimlich stabil.
Dann kommen wir wieder in der Lodge an, die kleine Wanderung hat ganze 2 Stunden gedauert. Ich denke nur an Rüdiger Nehberg, der das Amazonasgebiet ohne jegliche Unterstützung, Essen und Trinken durchquert hat. Mir ist dies unerklärlich. Vor allem würde ich in der Nacht vor Angst kein Auge zu machen können.
Wir dagegen haben mitten in diesem Gebiet einen Bungalow mit Strom, Klimaanlage, Dusche und Betten und werden bestens versorgt.
Am Nachmittag geht es mit dem Kanu zum Angeln, Hernaldo steuert eine schattige Stelle im Urwald an, dort angekommen, bekommt jeder eine Angelschnur mit Haken und ein Stück Fleisch. Wir sollen damit Piranhas fangen. Es beißt jedoch nichts. Insgesamt wechselt Hernaldo vier Mal die Angelstelle. Dann muss es doch mal klappen. Wir werfen die Köder aus und endlich fängt Volker als Erster einen schwarzen Piranha. Er ist sehr stolz. Bei mir beißt es kurze Zeit später auch, aber der Fisch ist weg. Dann holt Hernaldo standesgemäß einen größeren Piranha aus dem Wasser und zum Schluss auch ich, natürlich ein kleineres Exemplar. Zum Essen wird es aber für uns vier reichen.

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Zum Abendbrot hat Hernaldo schon die Fische zubereiten lassen. Der Fisch schmeckt sehr gut und ist vor allem selbst geangelt. Ich hätte nie gedacht, nach alledem was man so über diese Fische gehört hat, dass ich einen solchen Fisch einmal selbst angeln werde. Dann bringt uns Hernaldo noch eine Überraschung. Es hat das Gebiss des Piranhas ausgekocht.
Nachdem Abendbrot geht es nochmal auf Tour. Dieses Mal will uns Hernaldo Kaimane zeigen. Diese sind nur nachtaktiv und tagsüber so gut wie nicht zu finden. Heike und Sonja wollen nicht mit, also gehe ich mit Volker allein auf Tour. Hernaldo fährt mit dem Kanu ziemlich flott über den Fluss, gleichzeitig leuchtet er mit der Taschenlampe die Ufer ab. Wie er in der Dunkelheit das Boot steuert und gleichzeitig sucht, ist schon nicht so einfach. Dann blitzen zwei Punkte auf, obwohl das Kanu mindestens 100 m vom Ufer entfernt ist. Hernaldo steuert an und greift ins Wasser. Plötzlich hat er zwei kleine Kaimane in der Hand. Sie sind noch nicht länger als 20 bis 30 cm. Das Ist natürlich für seine Ehre noch nicht ausreichend. Also sucht er weiter und dann wieder ein beherzter Griff ins Schilf und er hält einen ca. 50 bis 60 cm langen Kaiman in der Hand.
Wir können diesen Burschen auch beide Mal selbst in der Hand halten. Er fasst sich gar nicht schlecht an. Die Kaimane können ihre Augen mit zwei Klappen horizontal und vertikal verschließen und sich so vor Verletzung der Augen schützen. Hernaldo fasst dem Kaiman aufs Auge und schon ist dieses verschlossen. Nach diesem Erlebnis geht es zurück zur Lodge.

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Turtle Lodge, 2.Tag – 23.August
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Nachdem Frühstück fahren wir mit dem Kanu zu einer Plantage. Der Besitzer steht in der Tür des Hauses und lächelt. Als wir aus dem Boot steigen geht er erst einmal ins Haus und zieht sich um. Dann begrüßt alle mit einem Handschlag und wir machen uns auf seine Plantage zu besichtigen. Er zeigt uns seine Bäume und andere Pflanzen. Ein Baum hat am Stamm ganz lange Stacheln circa 20 cm lang. Er gibt uns einen Stachel in die Hand, und der ist wirklich spitz. Um das Land zu bewirtschaften, musste er viele Bäume roden. Er muss dies wohl gerade vor ein paar Tagen gemacht haben, denn aus manchen Baumstümpfen steigt noch Qualm auf. Die Arbeit ist sicherlich sehr hart, vor allem, weil es dazu noch sehr heiß ist. Er zeigt uns auch wie man Pflanzen vermehrt. Danach gehen wir zu seinem Haus. In einem Anbau hatte eine Maniokmühle. Als wir den Anbau betreten kommen zwei kleine Enten angelaufen. Sie stürzten sich mit dem Schnabel auf meine Beine und hacken hinein. Sie denken, dass sie was etwas zu fressen bekommen. Dann gehen wir in das Haus. Im Eingang steht ein Fernseher und eine Hängematte ist aufgespannt. Von dort aus geht es in die Küche. Wir setzen uns in die Küche und bekommen einen süßen kräftigen Kaffee. Die jüngste Tochter des Plantagenbesitzers kommt zu uns an den Tisch, legt ihre Arme auf den Tisch, stützt damit ihren Kopf ab und grinst uns über beide Ohren an. Sie hat überhaupt keine Berührungsängste.
Unser Guide erzählt uns, dass der Plantagenbesitzer 60 Jahre alt ist. Seine Frau ist 35 Jahre und er hat vier Kinder. Seine älteste Tochter ist 17 Jahre und schon verheiratet. Sie war schon mit zwölf Jahren schwanger, das ist auch der Grund dafür, dass sie so zeitig geheiratet hat. Die kleinste Tochter ist zehn Jahre alt.
Das Haus besteht nur aus Holz, hat in den Fensteröffnungen weder Scheiben noch einen Mückenschutz. Lediglich Fensterläden sind davor. Wie man bei der Hitze in dem Haus überhaupt schlafen kann ist uns rätselhaft.
Nachdem wir unseren Kaffee getrunken haben, verlassen wir das Haus. Ich gehe aber noch mal zu seiner jüngsten Tochter, und frage sie ob ich ein Foto machen kann. Sie nickt und bringt sich sofort in Position, wie ein kleines Mannequin.
Am Nachmittag besuchen wir mit dem Kanu noch einen weiteren Nebenfluss. Hernaldo zieht nochmal alle Register. Wir sehen noch einmal Affen und beobachten eine ganze Weile
die Gelbbürzel-Kassiken. Diese Vögel werden bis annähernd 30 cm groß. Christoph erzählt uns, dass dies Webervögel sein. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass dies nicht richtig ist. Webervögel bauen auch solche Nester, sind aber nur so groß wie Sperlinge. Das Federkleid der Kassiken ist schwarz-gelb. Ein bisschen sehen sie aus wie größere Wespen. Diese Vögel leben in Verbänden unterschiedlicher Größe. Sie bauen ihre Nester aus Palmenblättern, in Form einer aufgehängten Tasche. Die Nester gruppieren sich in Kolonien und sind in niederen Bäumen installiert, manchmal über dem Wasser – auf Ästen, die von Ameisen oder Wespen bewohnt werden. Der Vogel versteht es, eine Serie grundverschiedener Gesänge und Rufe hören zu lassen – er ist ein exzellenter Imitator anderer Vogelstimmen, eine Eigenschaft, die ihn sehr beliebt macht – leider auch für die Gefangenschaft.

Turtle Lodge, 3.Tag – 24.August
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Heute werden wir die Turtle-Lodge verlassen. Jedoch geht es am Morgen noch in eine einheimische Schule. Wir fahren mit dem Kanu ca. 1 Stunde bis zu der Schule, die unser Kanufahrer Hernaldo auch selbst als Kind besucht hat. Sie heißt „Escola Muncipal Jose Francisco Maia“. Es ist eine Grundschule. Sie besteht lediglich aus Holz und einem Blechdach.
Zunächst gehen wir in den Dorfladen. Der hat vor allem Getränke und Süßigkeiten für die Schüler, aber es stehen auch ein Paar Damenschuhe im Regal. Wir kaufen uns einen Becher Eis. Es schmeckt nicht besonders, ist aber kalt. Der Laden wird rege von den Schülern aufgesucht. Sie kaufen fast ausschließlich Eis. Vor dem Laden sitzt eine schwarze Katze, die ihre Hinterbeine nicht mehr benutzen kann. Sie zieht diese nur hinterher. Dennoch kommt sie damit klar und holt sich von uns mehrere ausgiebige Streicheleinheiten. Sie tut uns leid, aber immerhin hat man sie am Leben gelassen. Dann geht es in die Schule. Wir besuchen den Mathematikunterricht einer Klasse. In allen Klassenzimmer stehen die Fenster und Türen auf, Klimaanlagen gibt es nicht. Die Kinder können jederzeit den Raum verlassen, um sich Wasser an einem Automaten zu holen. In den Klassenzimmern ist es überall ziemlich laut. Die Lehrerin erzählt, dass sie täglich eine Früh und Spätschicht hat. Als Lehrerin verdient sie dennoch nicht viel, sie macht den Beruf aber gern.
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Nach dem Schulbesuch fahren wir mit dem Kanu an eine landschaftlich sehr schöne Wasserfläche, die mit Wasserspinat bewachsen ist. Im Hintergrund stehen große Bäume. Auf den Bäumen sitzen sehr große Vögel. Leider wissen wir nicht mehr ihren Namen. Sie sehen ein wenig wie große Truthähne aus und fliegen ein wenig unbeholfen. Es sollen hier die größten Vögel sein. Anschließend fahren wir zurück zur Lodge, wo wir noch Mittag essen und dann gegen 14 Uhr mit dem Boot abgeholt werden, um zurück nach Manaus zu reisen. Es ist die gleiche Tour wie auf der Hinfahrt, nur sind dieses Mal das Boot und der VW-Bus voll besetzt. Nach ca. 2,5 Stunden kommen wir im Hafen in Manaus an und werden mit einem großen klimatisierten Bus in unser Hotel gebracht. Wir nutzen abends nochmal die Gelegenheit in die Stadt zu gehen. Direkt auf dem Platz vor dem Opernhaus finden wir noch zwei Plätze und genießen den Abend, mit leckeren Fisch und anschließend einen Caiprinha. Dann gehen wir zurück ins Hotel und legen uns schlafen.
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Flug nach Foz do Iguaçu – 25.August
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Wieder müssen wir früh aufstehen, es ist 3.45 Uhr als der Wecker klingelt. Um 4.30 Uhr werden wir mit dem Auto abgeholt und zum Flughafen gebracht. Beim Einchecken reißt der Griff von einem unserer Koffer ab und bei der Sicherheitskontrolle findet das Personal eine Pinzette in unserem Rucksack. Die Pinzette büßen wir nun ein, sind aber daran auch selber Schuld. Es geht wieder mal gut los. Jetzt sitzen wir im Flugzeug, welches uns nach São Paulo bringt. Das ist eine Strecke von 2709 km und wird ca. 3,5 Stunden dauern. Von São Paulo fliegen wir dann 1 Stunde und 45 Minuten nach Foz do Iguaçu. In Sao Paulo angekommen, denken wir, dass wir auf dem Flughafen nach einer Bank schauen können. Jedoch können wir von unserem Terminal aus keine Bank erreichen. Also kommen wir heute wieder nicht am Geld.
In Foz de Iguaçu angekommen, werden wir von Elaine abgeholt und ins Hotel gebracht. Es ist ein luxuriöses Tagungshotel am Rande der Stadt. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Es ist heiß und der Weg bis ins Zentrum ziemlich lang. Endlich finden wir ein annehmbares Lokal. Dort essen wir zu Abend. Das Essen ist nicht besonders, aber das Bier schmeckt und ist kalt. Zurück geht es mit dem Taxi ins Hotel. Dort angekommen, zieht Regen auf und ein Gewitter. Es beginnt zu stürmen. Die Stühle am Swimmingpool fliegen durch die Gegend und landen im Pool. Heike schläft und bekommt von alledem nichts mit.

Die großen Wasserfälle Iguaçu – 26.August
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Früh um 8 Uhr werden wir von Elaine abgeholt. Wir fahren mit dem Auto über die Grenze nach Argentinien. Sie ist nur ein paar Kilometer von der Stadt entfernt. Am Grenzübergang werden wir nur von den argentinischen Grenzbeamten kontrolliert. Sie wollen die Pässe für die Ein- und Ausreise sehen. Dann sind wir schon in Argentinien. Elaine erzählt uns, dass sich Brasilianer und Argentinier nicht leiden können, deshalb war es auch besser das Deutschland die Fußball-WM gewonnen hat, auf keinen Fall hätte Argentinien gewinnen dürfen.
Elaine ist ungefähr so alt wie wir, also um die 50 Jahre, verheiratet und hat zwei Töchter. Die eine arbeitet in einer Bank und die andere ist Architektin. Als wir am Parkeingang ankommen, sind schon etliche Touristenbusse mit 17 Argentiniern da. Wir sollen uns beeilen, damit diese Gruppen nicht vor uns sind. Zunächst müssen wir ein Stück laufen und es kommt uns ein Nasenbär zur Begrüßung entgegen. Dann gelangen wir auf einen kleinen Bahnhof, auf dem wir in einen Zug einsteigen. Die Waggons sind überdacht aber ansonsten offen. Nach ein paar Minuten steigen wir wieder aus und gelangen über Metallstege zur Abbruchkante des Wasserfalls.
Es tost und spritzt. Hier schießen riesige Wassermassen über ca. 80m in die Tiefe. Das Fotografieren gestaltet sich durch das sprühende Wasser als nicht einfach, ich möchte ja keine verschwommenen Fotos. Ein Schirm hat aber kaum Zweck, weil der durch die starken Winde umklappt. Ich bin nach ein paar Fotos bereits klatschnass. Da es noch sehr bewölkt ist, sind die nassen Sachen am Körper ein wenig unangenehm. Elaine erzählt uns, dass es hier vor einem Jahr eine große Überschwemmung gegeben hat. Diese hat fast alles mit sich gerissen. Die Stege mussten alle erneuert werden. Erst im Dezember 2014 waren diese fertig. So konnten Besucher über Monate nicht die Fälle besichtigen. Das war vor allem für den Tourismus schlecht. Elaine erzählt uns auch, dass es in dieser Gegend auch mal bis zu null Grad sein können. Sie hat sogar schon minus 3 Grad erlebt. Da diese Temperatur nicht gewöhnlich ist, hat man auch kaum Sachen, die vor der Kälte schützen. Selbst an diesen Tag hatte sie Gäste, mit denen sie den Wasserfall besuchte. Da man dabei auch noch nass wird, ist es besonders unangenehm.
Wir gehen den gleichen Weg wieder zurück und steigen wieder in den Zug ein und fahren zurück zum Ausgangspunkt. Nachdem wir den Zug verlassen haben, müssen wir zu Fuß weiter. Am Wegesrand sitzen Affen auf den Bäumen. Sie sind die vielen Besucher bereits gewöhnt. Wir gehen Stegen zu mehreren Aussichtspunkten entlang des spektakulären Wasserfalls. Ich kann mich nicht satt sehen und mache sehr viele Aufnahmen davon. Man kann sich nicht vorstellen, welche Massen an Wasser sich dort runter stürzen.
Am Ausgangspunkt wieder angekommen, kaufen wir noch bei einem Indio eine kleine geschnitzte Figur eines Ameisenbären. Die laufen hier überall rum und sind durch das Füttern der Touristen zahm geworden. Man soll diese Tiere jedoch nicht füttern. Die Ameisenbären riechen ob ein Tourist etwas dabei hat und holen sich dies teilweise aus der Tasche. Es sind jedoch wilde Tiere und die haben auch Krallen, die tiefe Verletzungen zufügen könne Wir machen uns mit dem Auto zurück auf den Weg nach Foz der Iguaçu. In der Stadt wollen wir versuchen endlich an Geld zu kommen. Elaine steuert die Innenstadt an, wo mehrere Banken zu finden sind. Im Internet hatte ich recherchiert, welche Banken mit Western Union kooperieren. Ich versuche mein Glück in der ersten Bankfiliale. Ich muss zunächst durch eine Drehtür. Diese stoppt jedoch, ohne dass ich durchkomme. Das Sicherheitspersonal zeigt mir, ich muss wieder zurück, Mehr erfahre ich aber nicht. Ich sehe wie ein Kunde sein Handy in eine Klappe legt. Das mache ich auch und versuche es erneut, jedoch komme ich wiederum nicht durch. Jetzt verstehe ich, was das Problem ist, alle Gegenstände aus Metall muss ich ablegen. Jetzt funktioniert es. Dann bin ich im Bankgebäude. Der Sicherheitsmann zeigt auf einen Schalter. Ich gehe dorthin und erkläre der Dame ihr, dass ich mit Western Union Geld überwiesen habe, dann bekomme ich zur Antwort, ich müsse an den anderen Schalter. Dann das gleiche Prozedere an diesem Schalter und ich muss zum nächsten. Dort erklärt mir eine Frau, dass ich kurz warten solle. Ein Mann kommt auf mich zu und erklärt mit ein paar Worten in Englisch, dass sie diesen Transfer nicht mehr anbieten. Elaine stößt dazu und er erklärt ihr, dass wir zu einer anderen Bank müssen. Auf dem Weg zur Bank sehen wir eine Western Union Office. Nun wird es klappen, denke ich. Ich gehe an den Schalter und die Frau hinter der Scheibe erklärt, dass das Computersystem ausgefallen ist und sie somit kein Geld auszahlen könne. Also müssen wir zur nächsten Bank, Banco of Brazil. Dort angekommen, müssen wir an einem Schalter eine Nummer ziehen und alle Metallgegenstände und Handy in die Klappe legen und wir können durch die Drehtür. Im Bankgebäude müssen wir in die obere Etage, dort sitzen schon ca. 20 Personen, die vor uns dran sind. Immer wieder verschwindet eine Bankangestellte und kommt hin und wieder zurück an ihren Platz. Die Bankangestellten sind auch nicht gerade freundlich zu den Kunden. Es ist auch eine staatliche Bank. Kurz bevor wir dran sind, schaut eine Mitarbeiterin auf die Uhr, nimmt ihre Handtasche und geht in die Mittagspause. Dann werden wir aufgerufen. Die Mitarbeiterin benötigt meinen Pass und schaut diesen auf allen Seiten an. Ich verstehe das nicht, vor allem, warum sie nachschaut, wo ich schon überall war. Dann gebe ich ihr beide Ident-Nummern für das von mir und Sebastian überwiesene Geld. Sie teilt mir dann mit, dass sie mir nur das von Sebastian überwiesene Geld auszahlen kann. Bei dem von mir überwiesenen Geld, ist der Empfänger nicht mit meinem Namen identisch. Hier steht nämlich mein Nachname zweimal hintereinander, also Schittko Schittko. Ich werde bald wahnsinnig, ich kann es einfach nicht fassen. Vor allem weil ich mit meinem Handy von Brasilien aus mit Western Union telefonieren musste, damit sich diese von der Richtigkeit dieser Transaktion überzeugen konnten. Das Gespräch dauerte mit
Warteschleife ca. 20 Minuten, also ca. 60 Euro. Die Mitarbeiterin sprach nur gebrochen Deutsch und die Gesprächsqualität war ziemlich schlecht. Wahrscheinlich hat sie mich auch gefragt, ob der Nachname Schittko Schittko richtig ist. Ich habe dies aber nicht so verstanden. Mein Unverständnis nützt aber alles nichts, mein Geld bekomme ich deshalb nicht. Zumindest bekomme ich aber das Geld von Sebastian. Insgesamt waren wir ca. 1 Stunde in der Bank. Jetzt sollten wir aber diese Sache mit dem Geld so schnell wie möglich vergessen und uns nicht mehr ärgern. Dennoch brauche ich eine Weile um wieder runter zu kommen.
Jetzt gehen wir erst einmal Mittagessen. Elaine geht mit uns in eine Churrascaria. Eine Churrascaria ist ein traditionelles Restaurant aus Süd-Brasilien, in dem es vor allem gegrilltes Fleisch (Churrasco) gibt.
Dort kann man vom Buffet so viel essen, wie man möchte oder kann. Zudem kommen immer wieder Kellner mit Fleischspießen vorbei und fragen, ob man davon etwas haben möchte. Es sind so ca. 10 verschiedene Fleischarten. Am Buffet ist fast alles zu finden, was das Herz begehrt, Vorspeisen, Gemüse, Reis, Maniok, Kartoffeln, Fleisch, Obst und Nachspeisen. Das Ganze kostet mit einem Getränk 132 Real. Als wir das Lokal verlassen, vermisse ich meinen Fotoapparat. Elaine geht schnell zum Auto und findet ihn dort im Fußraum liegend. Das hätte jetzt noch gefehlt, dass der Apparat weg wäre. Es ist nicht unser Tag heute.
Nun geht es mit dem Auto zurück zu den Wasserfällen auf der brasilianischen Seite. Als wir an dem Hubschrauberflugplatz vorbeifahren, fragt uns Elaine, ob wir einen Flug über die Wasserfälle machen wollen. Wir entscheiden uns spontan dafür. Vom Bezahlen bis zum Einsteigen dauert es gerade mal 5 Minuten. Und schon sitzen wir im Hubschrauber.
Der Flug mit 10 Minuten Dauer kostet für 2 Personen 616 Real. Das ist nicht billig, aber dies machen wir auch nicht jeden Tag. Insgesamt passen 4 Passagiere in den Hubschrauber. Heike bekommt einen Platz als Copilot, ein Pärchen und ich nehmen hinten Platz und schon geht es los. Wir heben ab und fliegen zu den Fällen.
17Der Pilot macht keine akrobatischen Einlagen, außer dass er einmal eindrehen muss, damit jede Person den Wasserfall auf seiner Seite sehen kann. Es ist gigantisch, das Ausmaß der Fälle aus der Luft zu sehen. Wir bereuen es nicht, den Flug gemacht zu haben. Es war einfach ein schönes Erlebnis. Nach dem Flug kann man eine DVD erwerben, die das Besteigen des Hubschraubers zeigt, 250 Bilder vom Wasserfall enthält und man bekommt noch zwei Fotos, auf denen man vor dem Hubschrauber steht dazu. Das Ganze kostet 100 Real. Wir nehmen die DVD mit, da die Videos und Fotos aus dem Hubschrauber teilweise verschwommen oder verwackelt sind. Vermutlich durch die Vibrationen oder Luftverwirbelungen. Nach dem Flug geht es weiter zum Nationalpark Iguaçu.
Als Tourist mit Guide darf man mit dem Auto in den Park, alle anderen müssen in einen Bus umsteigen. Elaine bekommt ein GPS-Gerät, dass sie im Auto mit sich führen muss. Damit wird die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit überwacht. Es ist nämlich schon vorgekommen, dass ein Mitarbeiter in der Nacht auf Grund zu schnellen Fahrens einen Jaguar überfahren hat. Nun sitzt dieser Mitarbeiter für Jahre im Gefängnis. Jaguare kommen auch in Brasilien nur noch selten vor.

19Am Parkplatz des mitten im Nationalpark stehenden Hotels das Caratas steigen wir aus und gehen den in Serpentinen führenden Weg hinab. Überall fliegen Schmetterlinge herum. Ein blauer Schmetterling landet auf meinem Bein und bleibt dort erst einmal sitzen. So kann ich ein Foto von ihm machen. Auf Elaines Hand setzt sich auch ein Schmetterling mit dem Namen „Diaethria Clymena“, das sagt natürlich alles, oder? Es ist ein ganz spezieller Falter, der auf den Flügeln eine deutlich erkennbare „88“ als „Inschrift“ stehen hat. Was die Tierwelt so alles zu bieten hat. Ein weitere Falter, derselben Art, hat ein „08“ auf seinen Flügeln stehen. Das war wohl der Vorgänger. Nein, seine eine „8“ ist schlecht ausgebildet und sieht daher aus wie eine „0“. Alle anderen haben die Zahl „88“.
Immer wieder bieten sich fantastische Ausblicke auf die Fälle. Durch den Wechsel von Wolken und Sonne, verändert sich ständig die Ansicht. Sobald die Sonne auftaucht, wird durch das spritzende Wasser ein Regenbogen erzeugt.
An der untersten über lange Stege begehbaren Stelle des Wasserfalls steht man sozusagen in Mitten des Wasserfalls. Hier führt ein langer Steg über eine relative ebene Wasserfläche und man blickt auf eine von oben herabstürzende Wasserwand. Diese stürzt in das Becken, auf dem sich der Steg befindet. Am Ende des Wasserbeckens stürzt der Wasserfall noch einmal in die Tiefe. Am Ende des Steges hat man einen fantastischen Blick auf beinah den gesamten Wasserfall. Allerdings wird man schnell pitschnass. Ich kann hier einige Fotos machen, die ich zu Hause als Panorama zusammenfügen kann. Auf dem Panorama ist auch ein Regenbogen zu sehen.
Nun sind wir am Ende der Besichtigungstour angelangt. Wir stellen uns noch einmal vor die lange tosende Wasserwand und dann fahren wir mit einem Fahrstuhl zum Parkplatz zurück. Dort kaufen wir im Besucherzentrum ein paar Ansichtskarten und ein T-Shirt für mich. Elaine bringt uns mit dem Auto ins Hotel zurück. Wir fahren mit dem Taxi noch einmal in die Stadt. Dort schlendern wir ein wenig an den Geschäften entlang. An einer Eisdiele lassen wir uns frisches Mango-Eis zubereiten. Wir verstehen allerdings nicht, wie dieses Eis zubereitet wird. Der junge Mann holt aus einem Gefäß gelbes Pulver und mischt dies mit Milch an. Dann mixt der diese Masse, bis sie
eine feste Konsistenz hat. Diese dicke Masse knetet er mit einem Spachtel auf einer Metallplatte hin und her. Zum Schluss bekommen wir ein Becher dieser Masse, und es ist tatsächlich Eis mit frischen Mangostücken darin. Egal wie er das gemacht hat, es schmeckt super und das zählt. Im Hotel kaufen wir an einem Souvenirstand zwei Baiana-Figuren aus Ton. Heute gehen wir nicht mal mehr zu Abend essen. Wir haben mittags wohl etwas zu viel gegessen.

Abflug nach Rio de Janeiro – 27.August
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Heute werden wir gegen 10 Uhr von Elaine abgeholt und zum Flughafen gebracht. Wir haben noch genug Zeit: Der Flieger startet erst um 12.50 Uhr. Das Flugzeug ist aber noch nicht auf dem Flugplatz zu sehen. Es kommt von Rio und muss erst hier landen. Dann wird angezeigt, dass der Flug sich verzögert. Zum Schluss sind es ganze 2 Stunden Verspätung. Wir kommen erst gegen 17 Uhr in Rio an. Wir werden von einem älteren Reiseleiter Namens Liscio Hein abgeholt. Er ist seinem Alter entsprechend sehr ruhig und bedacht. Trotzdem kommt er in dem quirligen und chaotischen Verkehr in Rio gut zurecht. Er bringt uns ins Hotel und sagt uns, dass wir heute keine Besichtigung mehr vornehmen werden, sondern morgen erst gegen 12 Uhr starten werden. Das würde für die Besichtigung des Monte Christo und den Zuckerhut völlig ausreichen. Vielleicht ist morgen auch das Wetter besser.
Liscio erzählt uns auch, was man als Tourist beachten sollte. Es ist nicht gefährlich, wenn man auf der Copacabana am Abend spazieren oder Essen geht. Allerdings sollte man sein Geld und Kamera immer so am Körper haben, dass man diese nicht ohne weiteres stehlen kann. Man sollte überhaupt nur das Nötigste mitnehmen. Geht man aber in der Dämmerung oder nachts direkt am Wasser spazieren, dann kann es tatsächlich gefährlich werden. Die letzten Meter des Strandes fallen zum Wasser hin ab. So kann auch die Polizei von der Copacabana aus, nicht den Anfang des Meeres sehen. Ahnungslose Touristen werden hier schnell zum Opfer. Gauner wollen dann das Bargeld und Wertsachen. Gibt man ihnen die Sachen nicht oder man hat wirklich nichts dabei, werden diese aggressiv. Dann kann es schon vorkommen, dass man zusammengeschlagen wird. Also man sollte diese Regeln beachten, wenn man keine schlechten Erfahrungen machen möchte.Die Copacobana war früher nicht so wie sie heute erscheint. Das erste Hotel am Platz war das Copacabana Palace. Praktisch ging man aus der Tür des Hotels und stand direkt am Strand. Heute sind es einige hundert Meter bis zum Wasser. Zuerst kommt die Avenida Atlântica, eine sechsspurige Straße mit Bürgersteigen (ca. 50 m breit), dann der ca. 100m breite Strand und dann erst das Meer. Dieses Land wurde dem Meer abgerungen. Dazu wurden ganze Berge abgetragen und Sand aufgeschüttet.
„Die Copacabana ist 5,08 km² groß und weist momentan mit 34.000 Bewohnern pro km² die höchste Bevölkerungsdichte Rios auf. In dem 109 Straßen fassenden Stadtteil Copacabana leben ca. 300.000 Menschen. Die Copacabana umfasst 101 Straßenblöcke, 79 Straßen, sieben Seitenstraßen, vier Hänge und drei Favelas auf einer Fläche von 7,84 Quadratkilometern. Sie wird mit einem kontrastreichen “Schmelztiegel” verglichen, da hier ein starkes Rassen- und Klassengemisch vorherrscht, welches in der Welt einzigartig ist. “An der Copacabana zeigt sich die ethnische, kulturelle und soziale Vielfalt der brasilianischen Gesellschaft.” Im Gegensatz zum Nachbarviertel Ipanema, welches traditionell der Oberschicht zugerechnet wird, wird die Copacabana überwiegend von der Mittelschicht und gehobenen Mittelschicht bewohnt. Dieser Stadtteil hat mit den größten Anteil an Senioren und Rentnern in Rio de Janeiro. Die Copacabana besitzt drei U-Bahnstationen. Die Avenida Atlântica ist die Prachtstraße, welche sich direkt an den Strand, der Praia de Copacabana, anschließt. Ihr Bürgersteig besteht aus den berühmten, wellenlinienförmigen geschwungenen Mosaiken, welche charakteristisch für die Copacabana sind. Bekannte 4-Sterne-Hotels, die direkt an der Avenida Atlântica liegen, sind das Rio Palace, das 37-stöckige Meridien, das Othon Palace Hotel und das Copacabana Hotel Palace. An der Avenida Atlântica konzentriert sich die Touristenszene mit einer großen Anzahl von Straßencafés und Restaurants.“ (Quelle Wikipedia)
Wir kommen an unserem Hotel an und checken ein. Wir bekommen ein Zimmer mit seitlichen Blick auf die Copocabana. Nachdem wir unsere Sachen ins Zimmer gebracht haben, fahren wir mit dem Fahrstuhl in den 22.Stock. Dort befindet sich eine Dachterrasse mit Bar und kleinem Swimmingpool. Von dort soll man einen fantastischen Ausblick auf die gesamte Copacabana haben und den Monte Christo sehen können. Und so ist es auch. Das war der Grund, warum wir das ursprünglich vorgeschlagenen Hotel auf dieses ändern lassen haben. Hier kann in erster Reihe alles überblicken und somit schöne Tag- und Nachtaufnahmen machen. Noch dazu soll das Frühstück sehr gut sein. Das Hotel hat den Namen Porto Bay Rio Internacional Hotel.
Nachdem kurzen Beuch der Dachterrasse machen wir uns auf den Weg ein Lokal zum Abendessen zu finden. Wir entscheiden uns für eines der kleinen Lokale, die hier direkt zwischen Strand und Straße liegen. Wir bestellen Fleisch und Shrimps. Das Fleisch wir auf kleinen Gaskochern serviert und man kann diese nach Belieben selbst garen. Es schmeckt alles sehr gut und kostet auch nicht viel. Immer wieder kommen Straßenhändler mit Hüten, Strandtüchern, Süßigkeiten usw. und versuchen etwas zu verkaufen. Sie werden in den Lokalen geduldet. Dann kommen auch Straßenmusiker, die um ein Trinkgeld bitten. Wir machen uns nach dem Essen auf den Weg und trinken in der Bar unseres Hotels noch ein Caipirinha. Nach zwei 600 ml Flaschen Bier und einen Caipirinha bin ich schon ein wenig beschwipst. Als ich aus der Bar laufe, sehe ich eine Stufe, die mitten im Weg zum Fahrstuhl angeordnet ist, nicht. Ich stolpere und mir fällt die Kamera, die ich nur in der Hand gehalten habe, aus der Hand. Mir gelingt es aber, diese wieder aufzufangen. Man muss auch mal Glück haben.

Rio de Janeiro – 28.August
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Heute können wir ausschlafen. Wir starten zu unserer Tour erst 12 Uhr. Wir gehen zum Frühstück in den 5.Stock. Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen. Ein italienisch aussehender älterer Kellner schmeißt hier so gut wie alleine den Laden. Er begrüßt alle sehr freundlich, rückt einen den Stuhl zu Recht und gießt einem sofort das gewünschte Getränk ein. Er ist sehr umsichtig und schnell.
Nach dem Frühstück gehen wir an den Strand spazieren. Zunächst nehme ich dorthin weder Geld noch Fotoapparat mit. Nachdem ich jedoch merke, dass immer mehr Leute kommen, hole ich dann doch noch meine kleine Kamera. Wenn viele Leute da sind kann man hier auch baden gehen, allerdings ist das Wasser ziemlich kalt und die Wellen sind teilweise sehr hoch.
Gegen Mittag werden wir von unserem Guide abgeholt und fahren durch den trägen Stadtverkehr zum Zuckerhut. An der Talstation steigen wir in eine Zahnradbahn, die uns auf 700 m Höhe bringt. Die Bahnstrecke ist nur eingleisig und hat zwei Ausweichstellen. Dort begegnen sich die bergauf und bergab abfahrenden Wagen. Die Strecke führt durch einen Wald, der wie ein Dschungel bewachsen ist. Wir kommen an einer alten Kaffeeplantage vorbei, die aufgegeben wurde, aber Kaffeepflanzen sind immer noch vorhanden. Oben angekommen geht es über einen Fahrstuhl und zwei Rolltreppen nach ganz oben. Hier steht der 30m hohe und 28m breite (von Handspitze zu Handspitze) Christus. Dieser besteht aus Stahlbeton und ist innen hohl. Im Inneren befindet sich eine Treppe, über die man bis in die Hände und den Kopf gelangen kann, allerdings nur für Revisionszwecke. Eine kleine Kapelle befindet sich im Sockel der Christusfigur.
Von der Plattform hat man einen fantastischen Blick über große Teile Rios. Wir können den Zuckerhut, die Lagune, den riesigen Friedhof, die beiden Flugplätze, die Pferderennbahn und vieles mehr sehen. Aber erst einmal muss ich mich durch Massen von Selfie-Fanatikern kämpfen. Es ist nicht auszuhalten, wie viele Leute sich hier immer wieder selbst fotografieren und was diese dabei alles anstellen. Wir sehen einen Jugendlichen auf dessen T-Shirt der Spruch steht: „Make Sex Not Selfies“. Diesen Spruch finden wir gut.
Zurück geht es wieder mit der Bahn. Wir fahren mit dem Auto entlang einiger Strände in Richtung Zuckerhut. Liscio erzählt uns, dass es nicht allen in den Favelas lebenden Menschen schlecht geht. Sie bekommen den Strom vom Staat kostenlos. Wenn die Frau putzen geht und der Mann als Hausmeister arbeitet, haben sie schon ein relativ gutes Einkommen. Man kann die Favelas auch mit speziellen Guides besuchen. Uns fehlt jedoch die Zeit und der Mut dazu. Die Guides wissen genau, wenn etwas im Busch ist und dann wird eine Favela auch nicht besucht.
Wir kommen am Parkplatz an der Seilbahnstation zum Zuckerhut an. Liscio übergibt sein Auto an einen ihm bekannten Mann. Dieser parkt sein Auto gegen ein kleines Entgeld irgendwo in der Nähe. Wir fahren mit der Seilbahn zum Zuckerhut hinauf. In eine Gondel passen genau 60 Personen. Die Anzahl wird elektronisch überwacht. Zunächst fahren wir bis zur Mittelstation, dort steigen wir aus, laufen ein Stück und dann geht es
mit der zweiten Seilbahn hinauf zum Gipfel. „Der Zuckerhut, portugiesisch Pão de Açúcar („Zuckerbrot“), ist ein 395 Meter hoher, steilwandiger, durch schalenartige Abschuppung des groben Gneises im feuchtheißen Klima entstandener Glockenberg auf der Halbinsel Urca am westlichen Eingang zur Baia de Guanabara. Er gilt neben dem Corcovado mit seiner Christusstatue Cristo Redentor als das Wahrzeichen von Rio de Janeiro. Seinen Namen trägt er, da seine Form an einen Zuckerhut erinnert.“ (Quelle Wikipedia)
Vom Zuckerhut hat man wieder einen fantastischen Ausblick über fast die gesamte Stadt, wenn das Wetter mitspielt. Es ist zwar bewölkt, aber wir können alles gut sehen. Der Monte Christo verschwindet immer wieder in den Wolken und taucht danach wieder auf. Es wirkt ein bisschen mystisch. Nun müssen wir noch über eine Stunde auf den Sonnenuntergang warten. Neben uns steht ein junges Paar aus Dresden, die in Brasilien zu einer Hochzeit eingeladen waren und nun noch weiterreisen. Der Sonnenuntergang ist leider durch die Wolken nicht so wie wir ihn uns wünschen würden, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Nachdem die Sonne untergegangen ist, fahren wir wieder mit der Seilbahn den Berg hinunter. Auf dem Parkplatz sucht Liscio nach seinem Bekannten. Als er ihn gefunden hat, bringt der das Auto in 5 Minuten zurück. Alles eine Frage der Organisation. Liscio bringt uns zurück ins Hotel und verabschiedet sich von uns. Wir gehen noch im Hotel essen und dann ins Bett.

Fahrt von Rio nach Ilha Grande – 29.August
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Um 11 Uhr werden wir von unserem Hotel abgeholt. Wir sind erst einmal nur allein im Fahrzeug. Der Fahrer holt aber noch weitere Personen aus einem anderen Hotel ab. Es handelt sich um eine Reisegruppe, die neben Brasilien auch Bolivien besucht. Insgesamt ist die Gruppe so 4 Wochen unterwegs. Die Gruppe besteht fast nur aus jungen Leuten und einem älteren Deutschen. Der Guide dieser Gruppe sagt uns, dass die Fahrt so ca. 3 Stunden dauern wird.
Kurz nach der Abfahrt wird es im Auto ziemlich laut, alle erzählen durcheinander. Nach der Hälfte der Strecke halten wir an einer Gaststätte. Dort können wir die Toilette aufsuchen und natürlich etwas essen. An einem Buffet kann man sich alles Mögliche aussuchen, bezahlt wird hier nach Gewicht. Das Ganze schmeckt und ist nicht teuer.
Eigentlich soll der Aufenthalt nur eine viertel Stunde dauern, aber wie das nun mal bei einer Gruppe so ist, die meisten halten sich nicht daran. Die gesamte Gruppe hat sich während des Essens entschieden, Caipirinha zu trinken und nimmt sich auf die Fahrt weitere derartige Getränke mit. Jetzt wird es noch lauter, außerdem wollen die jungen Leute Musik hören und am besten Nirwana.
Nach ca. 3 Stunden Fahrt kommen wir im Ort Angra dos Reis an. Allerdings fährt die Fähre erst in anderthalb Stunden. Hier ist also Zeit genug für die Gruppe weitere Caipirinhas zu sich zu nehmen. Auf der Fähre, einem Schnellboot, fallen einige Personen dieser Gruppe ziemlich auf. Obwohl der Bootsführer selbst sehr jung ist, schaut er immer wieder nach diesen Personen und mahnt sie auch sich hinzusetzen. Das Schnellboot braucht ca. 1 Stunde für die Überfahrt. Von weitem sieht man schon einen imposanten Berg hinter der Hafenstadt Vila de Abraão. Dieser sieht aus wie ein Papagei, daher auch der Name „Pico do Papagaio” (Papageienspitze, 982 m).
„Die Ilha Grande (portugiesisch Große Insel) ist mit ihren 86 Stränden eine der bekanntesten Inseln Brasiliens. Sie gehört zur Stadt dos Reis im Westen des Bundesstaates Rio de Janeiro und liegt etwa 160 km westlich der Stadt Rio de Janeiro im Atlantik.
„Es gibt Fährverbindungen vom Hauptort Vila do Abraão zum Stadtzentrum von Angra dos Reis und nach Mangaratiba auf dem Festland. Die Fahrzeit beträgt jeweils ca. 75 Minuten zur ca. 25 km entfernt gelegenen Insel.
Der Nationalpark von Ilha Grande ist nur ein Teil (5.600 ha) der gesamten Insel (19.300 ha), die sich vor der Südküste des Bundesstaates Rio de Janeiro zwischen den Badeorten Mangaratiba und dos Reis befindet. Etwa die Hälfte des Parks (47 %) ist mit dichtem atlantischem Regenwald (Mata Atlântica) bewachsen. Auf der Ilha Grande finden sich zahlreiche Vertreter seltener Tiere, wie z. B. Brüllaffen, Papageien, Wasserschildkröten, Schlangenarten und der noch relativ wenig erforschte Guyana-Delfin. Die Ilha Grande ist Teil des Tamoios-Naturschutzgebietes und gliedert sich in den eigentlichen Staatspark, den Marine-Staatspark und das biologische Reservat Praia do Sul. Außerdem sind die Gewässer und Strände der Ilha Grande heute beliebte Ausflugs- und Urlauberziele.“ (Quelle Wikipedia)
Im Hafen angekommen, werden wir von Cecilia, einer Mitarbeiterin der Agentur Avant, in Empfang genommen. Sie bringt uns zu unserer Pousada, die ca. 10 Minuten vom Hafen entfernt ist. Cecilia ist eine junge hübsche Argentinierin, die hier auf der Insel seit ca. 4 Monaten arbeitet. Sie erzählt uns, dass wir nicht wie in unseren Reiseunterlagen angegeben, morgen zum Sonntag die Bootstour zur Blauen Lagune machen müssen. Ohnehin wäre es besser diese Tour in der Woche vorzunehmen, da dann auch weniger Leute auf der Insel sind. Die Pousada liegt ca. 200 m vom Strand entfernt und ist eingebettet von vielen Pflanzen. Vom Meer ist die Pousada so gut wie nicht zu sehen. Überall sind farbenprächtige Blüten, die Vögel zwitschern und Schmetterlinge kommen geflogen. Das Zimmer ist gemütlich eingerichtet und verfügt über einen Balkon, mit Blick auf das Meer. Auf dem Balkon ist auch eine Hängematte zum Relaxen.
Die Koffer bringt Gott sei Dank ein Träger mit einem luftbereiften Wagen. Trotzdem ist es eine ziemlich schwere Angelegenheit. Schön ist es aber, dass es hier keine Autos gibt, mit Ausnahme eines Krankenwagens und des Polizeimotorrades. Da es schon 17.30 Uhr ist, wird es schon dunkel. Wir beschließen kurz darauf in ein von Cecilia empfohlenes Restaurant zu gehen. Als Empfehlung hatte sie uns das Dom Mario und das Luna de Mar genannt, letzteres ist eine Fischgaststätte direkt am Meer. Wir gehen in das Dom Mario. Dort angekommen, erscheinen uns zunächst die Preise sehr hoch, aber dann stellt sich heraus, die Preise sind immer für 2 Personen angegeben. Wir bestellen als Vorspeise Palmenherzen mit getrockneten Tomaten und als Hauptgericht Fisch mit Passionsfruchtsauce. Der Koch kommt aus der Küche und freut sich, dass es uns schmeckt und zeigt dies mit seinem Daumen an.

Ilha Grande, 1.Tag – 30.August
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Nach dem Frühstück, welches übrigens sehr gut ist, machen wir uns auf dem Weg zum Strand. Wir wollen aber nicht weit laufen, also gehen wir zu dem nur eine viertel Stunde von unserer Pousada entfernt liegenden „Praia Preta“ (schwarzer Strand). Da es Sonntag ist wird der Strand ziemlich schnell voll. Hier gibt es auch keine Sonnenschirme, so muss man sich eine Stelle in Nähe eines Baumes suchen. Der Strand ist übersät mit großen Findlingen. Nach einer Stunde wird mir aber langweilig. So mache ich mich auf den Weg, zu einem in der Nähe liegenden Aquädukt. Nach ca. 10 Minuten Weg, bin ich schon am Ziel. Es wurde 1893 aus Steinen und Walöl errichtet. Es versorgte das ehemalige Lazarett mit dem Wasser der Abraão Quelle. Es besteht aus 26 Bögen, ist 11m hoch und hat eine Länge von 140 m.
Von dem Aquädukt führt ein Wanderweg weiter zu einem schönen Wasserfall. Leider weiß ich nicht genau, wie weit dieser entfernt liegt. Ich gehe aber einfach mal los. Es geht immer wieder hoch und runter. Vor mir laufen vier Einheimische, die sicher auch den Wasserfall besuchen wollen. Ich laufe immer schön hinterher. Nach einer halben Stunde machen sie eine Pause und ich frage sie, wie weit es noch bis zum Wasserfall ist. Sie antworten, dass es noch mindestens eine viertel Stunde dauern würde. Da ich aber auch wieder zurück muss, würde ich somit erst in über einer Stunde wieder am Strand zurück sein. Ich sage ihnen, dass meine Frau am Strand liegt und nicht weiß wo ich bin. Naja sie antworten, man könne noch eine viertel Stunde weiterlaufen und dann käme ein Strand, von dem man ein Boot mieten und damit zurückfahren könne. Ich habe aber kein Geld dabei. Mir ist es schon ein wenig peinlich, dass ich ohne Plan, Geld und etwas zu trinken, losgegangen bin. Typisch Tourist halt. Sie sagen, es wäre dann wirklich besser, wenn ich umdrehe. Das mache ich auch. Sie geben mir noch etwas zu trinken und wir verabschieden uns freundlich.
Ich mache mich auf den Weg zurück zu meiner Frau. Dort angekom-men, liegt Heike und „kämpft“ mit einigen Krabben. Die haben Löcher im Sand, kommen an die Ober-fläche und schauen nach etwas Essbaren. Teilweise kommen die Krabben nah heran. Sie sind sehr scheu. Da auch das Wasser immer mehr steigt und der Strand zunehmend kleiner wird, machen wir uns auf den Weg in die Pousada. Dort angekommen, merke ich erste Anzeichen von Darmproblemen. Mich hat es im Urlaub bisher nie erwischt nun bin ich doch mal dran. Ich bekomme sogar noch Schüttelfrost. Heute geht somit nichts mehr. Ich nehme Tabletten gegen Durchfall und hoffe, dass ich es schnell wieder in Griff bekomme.

Ilha Grande, 2.Tag – 31. August
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Meine Darmprobleme habe ich einiger Maßen in Griff. Gegen 10 Uhr machen wir uns in auf den Weg in den Ort. Wir gehen zur Agentur und sprechen mit Cecilia. Wir entscheiden uns für eine Bootstour mit einem kleinen Boot, auf das nur 12 Personen passen. Die Tour führt zu mehreren Stränden, insbesondere fahren wir auch zur Grünen Lagune. Zum Einsteigen auf das Boot müssen wir durchs Wasser. Zwar ist es am Boot das Wasser nur knietief, aber durch die Wellen, wird es auch manchmal tiefer. Ich gehe zum Boot und merke das eine Welle kommt. Ich drücke mit einer Hand den Rucksack auf den Rücken hoch, halte gleichzeitig auch den umgehängten Fotoapparat höher und dann passiert es. Mir fällt das in meiner anderen Hand gehaltene Handy ins Wasser. Durch den Wellengang bin stehe ich bis zur Hüfte im Wasser. Ich fange das Handy sofort einige Zentimeter unter der Wasseroberfläche wieder auf und steige ins Boot. Alles ist klatsch nass. Mein Handy flackert nur noch und geht nicht wieder an. Das war natürlich, meine eigene Schuld. Zwei junge Engländer, die mit aufs Boot kommen, haben Probleme, dass ihre Zigaretten nass geworden sind. Das ist ja auch viele schlimmer, als ein Handy unter Wasser zu setzen. Die beiden haben einen ganzen Beutel voller Dosenbier dabei. Einer von ihnen ist schon krebsrot. Sie haben aber wenigsten noch Sonnenmilch dabei, Lichtschutzfaktor 15. Hauptsache, dass Bier reicht. Trotzdem legen sich die beiden an den Stränden immer wieder in die Sonne. Auf dem Boot sind wir mit Abstand die Ältesten.
Wir kommen an herrlichen Stränden vorbei. Dann fahren wir zur Grünen Lagune. Dort können wir schnorcheln. Als unser Bootsführer Brotkrumen ins Wasser schmeißt tummeln sich so ca. 100 Fische an dieser Stelle und schlagen sich ums Fressen.
Gegen Mittag steuern wir einen Strand mit einer Gaststätte an. Das Essen dort bestellt unser Bootsführer schon per Handy im Voraus. Wir essen Shrimps, sehr lecker. Die beiden Engländer haben kein Mittagessen bestellt, sondern trinken Dosenbier und essen labberiges Toastbrot mit Käsescheiben. Danach hauen sie sich wieder in die Sonne. Der krebsrote Engländer hat sich übrigens noch an einem Strand die Fußsohle an etwas aufgeschnitten. Er zeigt es unserem Bootsführer seine Wunde, der nimmt dies aber nicht ernst. Sein Gesichtsausdruck sagt nur „Weichei“.
Ein von den Brasilianern auf dem Boot langt auch kräftig beim Bier zu, zum Schluss ist er mächtig angetrunken. Die beiden anderen Pärchen auf dem Boot sind ganz harmlos und benehmen sich gesittet. Die Insel Ilha Grande wird zunehmend von jungen Leuten besucht. Wir sind hier eher die Ausnahme. Vorwiegend sind es Backpacker aus der ganzen Welt.
Am Nachmittag kommen wir wieder am Hafen an. Wir gehen erstmal in die Posada. Es beginnt an zu regnen und zu stürmen. Als es dunkel wird, fällt auch der Strom aus. Aber das ist hier nichts Unnormales. Jeder hat ein Dieselaggregat, überall tuckern die Motoren.
Wir machen uns wieder auf den Weg in die Stadt, um zu Abend zu essen. Wir gehen in eine Grillgaststätte. Dort sind fast alle Tische besetzt. In der Gaststätte sitzen so ca. 50 Leute und nur eine Person ist älter als wir. Wir bestellen Kebab, der schmeckt auch wirklich gut. Man darf allerdings nicht darüber nachdenken, was die Hygiene betrifft. Neben der Küche befindet sich direkt die Toilette. Diese wird ständig frequentiert und die Türen bleiben beim Verlassen fast immer offen stehen. Die gleiche Toilette wird auch vom Personal genutzt. Die Person, die am Grill steht, hat Sachen an, die auch schon mehrere Tage an der Waschmaschine vorbeigegangen sind. Der Grill besteht übrigens aus einer längst durchtrennten alten Blechtonne, wobei ich nicht wissen möchte, wozu diese vorher genutzt wurde. Es ist aber alles gut gegangen. Nochmal hätte ich keinen Durchfall gebraucht.

Ilha Grande, 3.Tag – 01.September
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Nach dem heftigen Regengüssen hat sich das Wetter wieder verbessert. Es ist wieder angenehm warm und sonnig. So machen wir uns gegen 10 Uhr erneut auf den Weg in den Ort und buchen in der Agentur eine Bootsfahrt nach Lopes Mendes. Gegen 11 Uhr legt das Boot ab. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde, so haben wir genug Gelegenheit größere Teile der Insel zu sehen. Die Fahrt führt an schönen Stränden vorbei, an dicht bewachsenen Berghängen, aber auch an freiliegenden Felsklippen die mit langen daran angelehnten Kakteen bewachsen sind. Der Bootsführer hat in seiner Kabine die Musik auf volle Lautstärke und singt zu jedem Lied mit. Sein Hund läuft auf dem Boot frei herum und kommt ab und zu mal zum Streicheln vorbei.
Dann erreichen wir einen Strand Praia dos Pouso und werden dort abgesetzt. Um den Steg aus dem Boot zu erreichen, müssen wir über ein schmales Brett balancieren. Auf Grund des niedrigen Wasserstandes führt dieses Brett steil nach oben. Mit den Flipflops schaffe ich es kaum auf den Steg zu kommen, jedenfalls nicht ohne Hilfe des Bootsführers, der einen hochzieht. Von diesem Strand aus, müssen wir noch einmal eine Viertelstunde laufen, um unser Ziel Lopes Mendes zu erreichen. Auf den Weg dorthin, sehen wir wieder einen großen blauen Schmet-terling und einen kleinen Affen.
Dann erreichen wir den Strand Lopes Mendes.
„Der Strand von Lopes Mendes befindet sich im Südosten von Ilha Grande. Er gilt als einer der schönsten Strände des Landes. Der beinahe weiße Sandstrand erstreckt sich über knapp 2,5 km entlang der Atlantikküste. Da er dem offenen Ozean zugewandt ist, wird der Strand von Lopes Mendes von vergleichsweise kräftiger Brandung geprägt. Neben Badegästen zieht es deshalb vor allem Surfer an den Strand. Wie der Großteil der
Strände an der Südküste der Ilha Grande ist auch Lopes Mendes unbewohnt und wird zum Insel-inneren hin von einer dichten Vegetation umgeben.“ Quelle Wikipedia
Als wir dem Wald an den Strand kommen, bietet sich ein traumhafter Anblick. Ein langer breiter weißer Sandstrand, der auf der Landseite von intensiver Vegetation umgeben ist und an den sich das grün nach blau gefärbte Wasser des Atlantik anschließt. Aus dem Wasser ragen teilweise riesige Felsen.
Wir suchen uns einen Platz direkt am Waldrand, damit wir uns vor der starken Sonneneinstrahlung schützen können. Der Strand wird von zwei Bademeistern überwacht. Es gibt auch mehrere Stände, wo man sich etwas zu trinken kaufen kann. Toiletten sind aber nicht vorhanden.
Das Meerwasser ist nicht zu kalt und man muss schon etliche Meter weit ins Wasser laufen, bis dies bis zum Bauch reicht. Die Wellen sind jedoch teilweise schon so groß, dass man es mit der Angst zu tun bekommen kann. Nach einigen Stunden am Strand nimmt der Wind immer mehr an Fahrt auf. Innerhalb von wenigen Minuten ist das Strandtuch nur noch von Sand übersät. Daher entscheiden wir uns an den Praia dos Pousa zurück zu gehen, und zu schauen, ob wir eine Stunde früher mit dem Boot zurückfahren können. Hier angekommen, ist der wind nicht mehr so heftig, aber dieser Strand liegt auch auf der entgegengesetzten Seite der Insel. Wir können tatsächlich eine Stunde früher mit dem Boot zurück. Letztendlich war das die richtige Entscheidung. Der Bootsführer hat schon mächtig zu tun, gegen die großen Wellen anzukommen. Einige der Passagiere bekommen mehrmals eine Ladung Meerwasser ab. Zurück in Villa de Abraao gehen wir in eine Bäckerei und nehmen ein paar Happen zu uns. Dann gehen wir zurück in unsere Pousada.

Ilha Grande, 4.Tag – 02.September
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Heute ist es ziemlich kalt und trüb. Ist aber nicht schlimm, haben alles gesehen. Jetzt sitze ich gerade im überdachten Frühstückspavillon und es sind gerade wieder 3 Paare junge Leute angekommen. Der Frühstückpavillon besteht aus Holzstützen und einem mit Ziegeln gedeckten Dach. Im Pavillon ist auch eine mehrere Meter großer Fels mit überbaut. Um den Pavillon ist alles mit Pflanzen bewachsen. Die auf gehangenen Vogeltränken werden rege von Kolibris besucht.
Es klingt immer wie ein Hubschraubermotor, wenn diese Vögel dort im Fliegen trinken. Es ist aber schwierig diese Vögel zu fotografieren, sie sind einfach unwahrscheinlich schnell. Aber dann gelingt es mir endlich doch einmal.
Jeden Morgen kommen übrigens zwei Eichhörnchen, die die Früchte der Palme fressen. Sie holen sich jeweils eine kleine nussartige Frucht und knabbern zunächst die Schale von der Frucht ab, dabei drehen sie die Frucht in den Vorderpfoten. Es sieht niedlich aber auch lustig aus, wie sie die Nüsse drehen und bearbeiten.
Auch sehen wir einen grünen Papageien, der sich an den Früchten bedient. Ab und zu tauchen auch zwei Affen auf.

Ilha Grande, 5.Tag – 03.September
Heute ist unser letzter Tag auf Ilha Grande. Das Wetter ist wieder besser. Es scheint zwar nur ab und zu die Sonne, es regnet aber nicht. Nachdem Frühstück spazieren wir am Strand entlang zum Praia Preta. Als wir an dem Schulgebäude vorbeikommen, wird gerade ein Umzug zelebriert. Ein Spielmannszug, der fast nur aus Trommlern besteht, spielt Musik und die Schüler marschieren in den Ort. Wir schauen dem Treiben eine ganze Weile zu. Dann gehen wir zum Strand und ruhen uns aus. Allerdings zum Baden lädt das Wetter heute nicht ein. Wir vertrödeln den Tag und abends gehen wir in eine Strandbar essen. Wir bestellen Shrimps und bekommen die leckersten Shrimps, die wir in unserem Urlaub zu uns genommen haben. Dazu trinken wir Caipirinha mit Maracuja. Der schmeckt uns besser als das Original mit Limetten. Wir sitzen nur einige Meter von Strand entfernt. Das Wellenschlagen des Meeres verstärkt das Urlaubsgefühl noch mehr. Ein Musiker spielt dazu brasilianische Musik auf der Gitarre. So klingt der Tag aus.

Rückfahrt nach Rio de Janeiro – 04.September
Heute heißt es Abschied nehmen von der Insel. Zum Frühstück begrüßen uns noch einmal ein Kolibri, ein Admiralsvogel und ein großer blauer Schmetterling. Nachdem Frühstück packen wir die Koffer und gehen noch einmal für eine Stunde an den Strand. Um 12.30 Uhr werden die Koffer von einem Mann mit Wagen zum Hafen gebracht und wir können somit ohne Ballast zum Hafen spazieren. Mit dem Schnellboot mit übrigens 600 PS geht es zurück nach. Cecilia bringt uns die Tickets und verabschiedet sich sehr freundlich von uns. Da das Wetter nicht so toll ist, fällt es a sind fast alles Schuh- und Taschenläden. Ansonsten gibt es gefühlt 60 Prozent Restaurants, leider aber fast alle mit Fastfood. Dann gibt es noch Läden mit Nahrungsergänzungsmitteln. Da stehen im Schaufenster 20 Liter Gebinde mit solchen Mitteln. Das ist einfach nicht normal.
In den Schuh- und Taschenläden bedienen anders als bei uns, größtenteils Männer. Heike kauft sich eine schöne grüne Ledertasche. Da wir aber keine Gaststätte finden, die unserem Geschmack entspricht fahren wir wieder ins Hotel zurück.
Dort machen uns auf den Weg zur Copacabana, um etwas zum Essen. Wir suchen wieder eine der kleinen Gaststätten am Strand auf. In der Gaststätte sitzen schon ziemlich viele Leute, wir finden nur einen Platz auf Barhockern und einem kleinen Tisch. In der Gaststätte spielt ein Musiker auf einer Gitarre und singt dazu. Das macht er auch wirklich sehr gut. Wir beistellen uns Shrimps und frittierte Rippchen. Als wir Rippchen Essen steht plötzlich ein Mann an unserem Tisch und deutet auf das Essen. Heike gibt ihm ein Rippchen, als der Mann sich aber dann auf einen Stuhl setzt, wird er vom Personal aus der Gaststätte geschmissen.
Nachdem wir gegessen haben, bestellen uns wieder einmal Caipirinha mit Maracuja. Schmeckt lecker. Dann gehen wir zurück ins Hotel.
Bisher wissen wir jedoch nicht, wann wir am nächsten Tag zum Flughafen abgeholt werden. Aber wir gehen davon aus, dass wir dies noch erfahren werden. Es hat ja auch bisher alles geklappt.

Letzter Tag in Rio und Rückflug nach Amsterdam – 05.September
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Am letzten Tag in Brasilien stehen wir um 8 Uhr auf. Ich sehe beim Online-Einchecken, dass wir ein Upgrade auf unsere Sitzplätze bekommen können. Da der Aufpreis zur Business Class extrem reduziert wurde, buchen wir kurzer Hand um. Wir fragen in der Rezeption nach, ob wir später auschecken können. Leider ist das Hotel total ausgebucht. Wir können aber unsere Koffer im Hotel deponieren. Jetzt gehen wir frühstücken. Nachdem Frühstück finden wir eine Nachricht von Liscio in unserem Zimmer. Auf einem Zettel steht, wann wir zum Flughafen abgeholt werden.
Da wir noch genügend Zeit bis zum Abflug haben, fragen wir an der Rezeption, wie man in das Künstlerviertel Lapa kommt und ob es da ungefährlich ist. Der Mitarbeiter namens Sascha, ein Deutscher, rät uns aber vom Besuch des Künstlerviertels ab. Dies sei nur in der Nacht interessant. Wir sollten besser das Centro Historico und das Cafe Colombo besuchen, das würde sich lohnen.
Der Portier besorgt an Stelle eines Taxis ein Privatauto, angeblich wäre es ein guter Preis für 40 Real ins Centrum zu kommen. Das machen wir dann auch. Auf der Rückfahrt stellen wir allerdings fest, dass wir für die Fahrt in einem Taxi nur 25 Real bezahlen müssen. Das ist ein wenig ärgerlich, aber nicht zu ändern.
Im Centrum angekommen, stehen wir auf einen großen Platz mit einem Theatergebäude. Überall säumen Hochhäuser die Straßen, da zwischen stehen aber auch immer wieder alte Gebäude mit bunten Fassaden. Die in den Gebäuden befind-lichen Läden sind meist Schuh-, Schmuck- und Bekleidungsgeschäfte. Wir schlendern durch die Straßen und kaufen ein paar Sachen ein. Dann kommen wir zum Café Colombo. Das Café ist schon an den sich vor dem Café ansammelnden Menschen zu erkennen. Das Café ist bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Inneren stehen an den Wänden Glasvitrinen, die bis zur Decke reichen. Diese sind mit Glas verschlossen. In den Regalen sind vorwiegend Gläser und Tassen ausgestellt. Kronleuchter verstärken den luxuriösen Eindruck.
Wir möchten uns aber bei dem Getümmel nicht ins Café setzen und kaufen nur ein paar Tafeln Schokolade. Vor dem Cafe steht ein Pärchen, der Mann spielt Geige und die Frau singt dazu. Sie singt wie eine Opernsängerin.

1Wir gehen weiter und sehen schon von Weiten ein großes pyramidenförmiges Betongebäude, welches von außen nicht gerade schön aussieht. Wir wissen aber, dass es eine Kirche sein soll, ihr Name ist Catedral Metropolitana Sao Sebas-tiao. Im Inneren der Kirche verlaufen 4 bis zur Gebäudekuppel angeord-nete Fensterbänder mit roten und blauen Ornamentglas. In der Kuppel ist Kreuz aus weißen Glas zu sehen. In die Kirche sollen 5000 Personen passen. Der Innenraum beinhaltet aber keine großen Einbauten, sondern ist für die Bestuhlung vorbehalten.
Wir fahren zurück ins Hotel und gehen zu dem hier stattfindenden Beach Volleyball World Tour. Dieses Event kann man zu unserem Erstaunen kostenfrei besuchen. Wir können jedoch nur eine halbe Stunde bleiben, da nun doch unser Urlaub seinem Ende entgegengeht. Zurück im Hotel werden wir von einem Fahre gegen 16 Uhr abgeholt und zum Flughafen gebracht.
Dort verbringen wir die Zeit mit Warten. Als wir dann in der Business Class unsere Sitzplätze einnehmen können, sind wir sehr froh, dass wir mit wenig Geld diese Plätze ergattern können. So macht es den langen Flug viel erträglicher. Wir können den größten Teil des Fluges im Liegen verbringen und dabei vergeht die Zeit, wie im Flug. Unser Brasilien-Urlaub ist mit dem Flug auch beendet.
Es war wieder einmal ein sehr erlebnisreicher und spannender Urlaub. Besonders haben uns der Aufenthalt im Amazonasgebiet und der Besuch des spektakulären Wasserfalls gefallen. Hoffentlich wird das Amazonasgebiet noch lange erhalten, den auch spielt der Profit gegenüber dem Erhalt des Regenwaldes eine nicht unbeachtliche Rolle. Das Problem an Geld zu kommen, hätten wir uns natürlich gerne erspart. Dieses Problem hatten wir wohl unterschätzt. Brasilien ist aber immer eine Reise wert. Dabei hat Brasilien noch viel mehr zu bieten, als dass was wir während dieser Reise sehen konnten. Da ist noch das etwa in der Mitte des Landes liegende große Ökosystem namens Pantanal, die größte Überschwemmungsebene der Welt. Dieses Gebiet wird wegen seines Reichtums an Vögeln und kleinen Säugetieren auch als „Arche Noah Südamerikas“ bezeichnet. Hier sind mehr als 600 Vogelarten und 350 Fischarten, Tapire, Kaimane und Jaguare zu finden. Im Norden des Landes gibt es noch die „Lencois Maranhenses“, das sind helle Dünen aus feinem Sand in der Art einer Wüste die sich über 30 Kilometer langziehen und durchsetzt sind von Lagunen aus schillernd blauem und kristallklarem Wasser. Und nicht zuletzt ist da auch noch die Stadt Diamantina, ein bedeutendes Kunst- und Handelszentrum, dessen historisches Zentrum, die UNESCO 1999 zum Weltkulturerbe ernannte. Das ist aber längst noch nicht alles. Es wäre somit eine zweite Reise wert.
Den Brasilianern, denen wir begegnet sind, waren sehr freundlich. Wer aber glaubt, dass es den typischen Brasilianer gibt, kann sich gerne davon überzeugen, dass dies nicht so ist.
„Vom Charakter her sind die Brasilianer bekannt für ihre Gelassenheit, ihre Lebenslust und ihre leidenschaftliche Art. In Brasilien sind die Menschen sehr offen, kommunikativ und gastfreundlich. Oft sieht man die Menschen lachend und freundlich trotz erheblicher sozialer Unterschiede und Schwierigkeiten. Die Brasilianer scheinen das Leben leicht und optimistisch zu nehmen. Ausdrücke wie „es geht nicht“ oder „zack-zack“ gehören nicht zum brasilianischen Wortschatz. Die kleinen Sachen des Lebens werden genossen, wie Wochenendtreffen mit der Familie und Freunden, sowie Fußballspiele und Volksfeste. Damit sind wir bei den größten Leidenschaften der Brasilianer, für die allein sich das Leben lohnt.
Die Brasilianer sind Menschen aller Hautfarben von ganz schwarz bis ganz weiß und dennoch eine recht homogene Gemeinschaft. Das ist das Ergebnis der schrittweisen Besiedlung durch weiße Europäer und der Verschleppung von Schwarzafrikanern als Sklaven in das Land. So wurde Brasilien zu einem Schmelztiegel afrikanischer, europäischer und indianischer Völker. Einige Eigenschaften prägen die unterschiedlichen Regionen des Landes. So sieht man im Amazonasgebiet überwiegend indianisch aussehende Menschen. Im Nordosten (besonders im Bundesland Bahia) eher schwarze und dunkle Hautfarben wegen des afrikanischen Erbes der Sklavereizeiten und im Süden, aufgrund der europäischen Aussiedlung, viele Hellhäutige. Im Südosten, besonders in der Großstadt Sao Paulo ist außerdem die asiatische Ausprägung stark vertreten. Besonders aus Japan sind hierher viele Menschen eingewandert, was in der Stadt ein berühmtes japanisches Viertel entstehen ließ. „http://www.gateway-brazil.de/brasilien/infos/bevoelkerung.html

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