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Namibia von „Süd nach Nord“


 Namibia 2017, Gruppenreise „Süd nach Nord“ 15.06 – 6.07.2017
Bloggeintrag von Beate und Jurek (61 J., reisend in der ganzen Welt)

Im Juni 2017 sind wir nach Namibia gereist. Zum erstem mal haben wir Äquator überschritten, zum erstem mal waren wir in Afrika. Wir haben schon oft gehört „Afrika liebt man oder man hasst es“. Nun… wir gehören jetzt zu den Liebenden.
Das Land hat uns total begeistert und das Kontinent für weitere Erkundungen neugierig gemacht.  Da stehen schon paar weitere Ziele vor…
Wir haben die Rundreise „Süd nach Nord“ gemacht – drei Wochen. Unsere Gruppe war sehr klein, 4 Personen, mein Mann und drei Damen. Wir mussten zwar eine Zuzahlung leisten, doch Take Off war kulant und hat sie niedriger gehalten, als von lokalem Anbieter gefordert. Und die zwei anderen Damen waren auch bereit den höheren Preis in Kauf zu nehmen.
Gott sei Dank!
Die anfänglichen Bedenken und Unsicherheit „wie-wird-es-klappen-mit-so-wenig-Leuten?“ waren ganz unnötig. Es war toll, unproblematisch, harmonisch und total unkompliziert.
Und was haben wir gelacht!!!
Unser Guide Claus Goldbeck – ein schweizerischer Namibier- hat sich als ein wahres Goldstück erwiesen. Mit Sachinformationen sowie Fachwissen über die Natur, Blumen, Tiere, Vögel hat er uns immer interessant sein Land nahegebracht. Er hat uns auch stets die Abläufe in der afrikanischen Naturwelt erklärt, konnte Tierspuren deuten und sogar Stimmen nachmachen. Mit Adleraugen hast er selbst vom weiten im Gestrüpp einen Vogel oder Tier entdeckt. Faszinierend. Da mussten wir schon ganz genau nachschauen. Auf elf, auf zwei – war uns immer behilflich.
Nach dem Tagesprogramm hat er weiter mit uns Zeit verbracht und so ist schnell das Gefühl einer ganz tollen 5-fer Gruppe entstanden.

Mit der Afrika-Reise sind wir paradoxerweise der afrikanischen Hitze in Deutschland entgangen. Bei uns waren bis 38 Grad. Und in Namibia war afrikanischer Winter, der mit 20-25 Grad am Tag sehr angenehm war. Morgens haben wir aber auch 4 und 6 Grad gehabt. Oj…
Dazu haben wir die trockene Luft genossen. Kein Schwitzen, immer trockene Haut – das kennen wir zu Hause nicht, wo in der Schwüle alles immer pappig ist.
Ok, Augentropfen und Nasensalbe waren auch mal nötig.
Der namibische Himmel ist anders als unser. Er ist so nahe (und doch so weit), strahlend blau und wolkenlos. Obwohl… Claus hat mit seinem Adlerblick sogar drei und vier Wolken entdeckt. “Schau mal da, auf drei Uhr, und auf vier…“ Ooo… ja ich sehe sie, und daneben ist auch eine. Doch bis man das vierte zarte Gebilde gefunden hat, hat sich das erste schon wieder aufgelöst. Also doch – wolkenlos. Nur abends haben wir paar Mal wunderschöne Sonnenuntergänge mit Abendrot und tollen Wolken gesehen. Und die Farbe der auf- und untergehenden Sonne ist so intensiv, dass wir einige Fotos korrigieren mussten, weil der Ton für einen „Fremdgucker“ befremdlich wäre.
Die Luft ist so klar, dass wir jeden Abend die Milchstraße gesehen haben und manchmal war es allein von den Sternen sogar recht hell (in den Camps und Lodges wurde nachts oft Licht ausgeschaltet). Wir haben schnell das Kreuz des Südens gefunden – wie bei uns der Große Wagen.
Nach dem Sonnenuntergang wird es schnell in ca 30 Minuten dunkel (und kühl). Da muss man schon achten, dass man von allen Spaziergängen, Fahrten zeitig ankommt und in Sicherheit ist.
Denn in Dunkelheit möchte man keinem Tier begegnen oder einen Unfall mit Warzenschwein riskieren.
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Namibia. Ein Land der unendlichen Weiten… Es ist unvorstellbar, wie weit die Welt ist. Man muss es erleben, es ist sonst schwer zu erzählen – rundum schauen und nichts als flache Steinwüste oder Savanne zu sehen. Leer, scheinbar ohne Leben…
Gerade Wege, die nirgendwo am Horizont enden wollen… Eine Stunde lang im Krater (ca. 60 km Durchmesser) zu fahren… Oder viel länger entlang der roten Wüste… Stundenlang fahrend auf gleiche Landschaft zu schauen… Und dann wieder hinter einer Erhöhung oder einem Berg breitet sich plötzlich völlig anderes Bild.

Die namibischen Wege sind ok. Es gibt 5000 km Teerstraßen und 37000 km Schotterpisten. Der Schotter ist fest und mit 70-80 Stundenkilometer gut befahrbar. Aber er staubt! Spätestens nach einer Stunde Fahrt haben wir erste Staubgeister durch alle Ritze in das Businnere still reinkriechen gesehen. Nicht so still war gleich danach folgendes Knirschen zwischen den Zähnen. Ab da hat man sich schon auf das spätere Spülen mit lokalem Bier gefreut. Wenn es nicht gereicht hat, konnte man noch ACC-akut auflösen (ging auch mit Wasser, haha) als Vorsorge gegen Staublunge.

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Autos hat man nicht viele unterwegs gesehen. Eine Stunde völlig allein in der Welt der geraden Wege in die Unendlichkeit war normal. Da möchte man keine Panne haben. Einen Mitbenutzer der Straße hat man schon vom Weiten an der Staubwolke erkannt. Diese hat uns fürs -zig Meter vollkommen die Sicht genommen. Aber was soll`s? In der Milch nur gerade halten.
Nach jedem Reiseabschnitt waren die Koffer total und dick verstaubt. Vorinformiert von Take Off haben wir vorbeugend große Plastiksäcke mitgenommen, die ich immer über die Koffer gezogen habe. So ein Kondom war eine gute Lösung.
Alle paar Tage musste man das Schloss der Schiebetür an einer Tankstelle durchpusten, sonst ging sie wegen zugestaubtem Mechanismus nicht mehr auf.
An den Staub im Auto hat man sich gewöhnt, irgendwann hat auch der Schmutz (trotz Reinigungsbemühungen von Claus) nicht mehr gestört.
Und die ständigen Steinschläge am Busunterboden haben wir auch irgendwann nicht mehr wahrgenommen. Eben Afrika – anders als zu Hause…

Die Lodges waren fast alle an sich schon ein Erlebnis.
Kalahari Anib Lodge – unsere erste Begegnung mit Namibia. Gleich nach Ankunft sind wir mit Safariauto in den privaten Wildpark und zum Sundowner gefahren. Dabei haben wir schon erste Giraffe, Kudu und Strauße gesehen. Dann im roten Sand und Strahlen der untergehenden Sonne den ersten Abend gefeiert. Es war so toll und eindrucksvoll.
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Hier haben wir ersten Eindruck von der namibischen Küche bekommen – und den wohl zartesten Steak (vom Oryx) gegessen, aber so was von butterweich!!

Canyon Village am Fish River (2 Ü)– wie in einem Western, eingelagert im Halbkreis der Berge. Gebäude stehen angebaut an den Felsen, um die erst die Innenausstattung gebaut wurde.  Dort durften wir schon bei Ankunft einem Skorpion begegnen. Wow. Jetzt wissen wir: ein Skorpionstich ist zwar nicht tödlich, aber sehr schmerzhaft. Ok, braucht man nicht im Urlaub, also haben wir immer Schuhe nachgeschaut.
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Nachmittags haben wir einen wunderschönen Spaziergang zu einer Felsformation gemacht. Wir sind raufgeklettert, fotografiert, sind entlang der Wasserfährte der Tiere gegangen. Claus hat uns Spuren gezeigt, erklärt, z.B. von Bergzebras, die wir dann auch vom Weiten gehört haben.

Klein Aus Vista Desert Hors (2 Ü) – große Häuschen, mit Sicht auf den Sonnenuntergang. Haha, auf den Betten waren Wärmflaschen, die wir sogar benutzt haben für mollig warme Füße in Afrika. Und morgens bei… 4 Grad sind wir ganz schnell zum Frühstück gelaufen…
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Von da sind wir nach Lüderitz (Sperrgebiet) und zu den wilden Wüstenpferden gefahren. Diese haben wir zwar nicht an der Tränke getroffen, aber paar Kilometer weiter. Zwei von der Sorte, die aber gar nicht so wild waren und wegen Apfel uns sogar halb ins Auto reingegangen sind.
Die Diamantenstadt Kolmannskuppe ist nur in einem kleinen Teil für Touristen zugänglich. Man darf nichts vom Boden/Sand aufheben oder etwas in die IMG_1813Tasche stecken – die Kameras sehen alles. Denn der Sand wird immer vom Wind umwälzt und es ist nicht ausgeschlossen, dass mal irgendwo ein Diamantchen erscheinen könnte. Liegen lassen!  Nach der Führung durch Museum kann man auch paar Häuser selbst betreten – ok… auf eigene Verantwortung. Aber die Neugier gewinnt.
Lüderitz – eine kleine Stadt mitten im sandigen Nichts. Sand, rauer Wind, hügelige Lage und viele deutsche Namen. Aber da möchte man nicht wohnen.

Hammerstein Lodge bietet einen begleiteten AusfluIMG_2295g in eigene Gehegen mit Wildkatzen. Die Leoparden haben wir durch Zaun gesehen, aber zu den Wüstenluchsen und zu dem Gepard durften wir rein.

Wir sollten keine Angst haben, auch wenn er „ganz nahe“ kommt, aber nicht Anfassen. Ja, er hat uns um die Beine geschmust und geschnurrt und ich habe die Vibration von den Beinen bis zum Kopf gespürt und mich dabei am Fotoapparat festgehalten. So nahe waren wir einer wilden Mietze noch nie.
Hier habe ich Kudulasagne gegessen und sie hat … einfach nach Lasagne geschmeckt. Das Personal hat uns nach dem Abendessen eine Tanz- und Gesang Vorstellung geboten. Schön.

Namib Desert Lodge – vor unseren Häuschen hatten wir Sicht auf versteinerte Dünnen der Urnamib. In aufgehenden Sonne war es gewaltig.

Aufenthalt in Swakopmund ist schwach ausgefallen, obwohl wir dort zwei Nächte waren. Schon das Hotel war uninteressant. Zimmer waren sogar schön, aber absolut unpersönlich. Außer der Türmatte mit Namen „Plaza Hotel Swakopmund“ haben wir keinen einzigen afrikanischen Akzent gefunden. Das Personal war gelangweilt und unaufmerksam und eine Ecke mit Flaschen – wohl als Bar gedacht – vermittelte den Charme eines Bahnhofskiosks.
Nur: rein ins Zimmer, schlafen und weiter.
Leider waren wir am Wochenende in der Stadt. Nachmittags an Freitag angekommen, nach kleinem Spaziergang mit Sonnenuntergang (dann wurde schon dunkel und kalt), haben wir wunderbar gegessen: Kudusteak und Trüffel. Das hat Claus paar Tage vorher schon auf unseren Wunsch bestellt. Es war herrlich!
Am Samstag war der Katamaran Ausflug in die Walvis Bay. Tolles Erlebnis, mit rosa Pelikanen, vieeeelen Seehunden, Kormoranen und leckeren Austern.IMG_3748IMG_3366

Nach der Rückkehr noch eine Mineraliengalerie. Und um 14 Uhr waren schon alle Geschäfte zu (obwohl 16 Uhr ausgehängt war). „Wegen Reichtum geschlossen“? Schade, das haben wir sehr bedauert. Wir haben paar Sachen gesehen oder im Kopf gehabt… Wir hätten paar Scheinchen dagelassen. Später konnten wir nur noch paar kleine Geschenke in einer Lodge und auf einem afrikanischen Markt kaufen.

Twyfelfontein County Hotel – halbe Welt in einem Krater, 60 km Durchmesser. Hier haben wir eine Wanderung in die Berge zur Felsgravierungen gemacht. Die 5000-jährige Zeichen in den Felsen waren eine Art „Informationstaffeln“ mit Hinweisen über Tiere und Geschehen gewesen.
Die sehr schöne Logde gedeckt mit Reet, Häuschen mit Blick auf die Ebene mit Chance, dass Elefanten vorbeigehen. Für uns wollten sie zwar nicht gehen, doch morgens war frische Sch… zu sehen.
Das Personal war etwas überfordert, beim Essen wusste man nicht wo man stehen sollte, Bewegung war Mangelware und die bestellten Biere zu richtigen Häusern zuzuschreiben war eine recht große (fast unüberwindbare) Aufgabe, die unserer Hilfe bedurfte. Aber Essen war lecker und hier wurde sogar das Krokodil angeboten.

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Unweit ist ein Damaradorf – ein „lebendes Museum“ zu sehen, wo die frühere, traditionelle Lebensweise der Damara den Touristen gezeigt wird. Interessant.

Opuwo County Hotel – die Zufahrt führt durch unschönes Gebiet, mit viel Schmutz und Pampas. „Am Ende ist es hier so schön, dass wir gar nicht weg wollen“ – war unsere Hoffnung. Doch auf dem Berg, hinter dem Tor eröffnet sich eine andere Welt. Schöne Anlage mit weitem Blick auf das Tal – genossen von uns von der Terrasse bei Bierchen.
Gute Küche und Personal flott und sehr aufmerksam. Und ein toller Sonnenuntergang!

Epupa Camp (2 Ü) – das war wohl das geilste von alles. Grenzliegend zu Angola, am Kunene Fluss. Direkt am Wasser stehen Zelte, mit Holzbetten und angebautem Bad. Die Mauer davon ist ca 180 hoch und von oben können einen Affen beim Pipi beobachten. Seitlich sind Abstände zum Zelt, dass alles Mögliche ins Bad reinspazieren und – kriechen kann. Nachts haben wir immer erst durch kleines Loch mit Taschenlampe das Bad ausgeleuchtet, bevor wir reingegangen sind. Licht war da, aber sonst keine Steckdose.
Wir haben die Wandstoffe (Eingang, Fenster) hochgezogen und nur hinter Netzen geschlafen – das rauschende Wasser war laut, die Sterne haben alles beleuchtet. Unvergesslich!
DSC02846 IMG_5039 DSC02705Im Fluss waren Krokodile, „gestern ein 4 Meter großer gesehen“, aber uns zeigte sich nur ein kleiner ca. 1 Meter.
Zum Essen wurde getrommelt – was die 7-8 „hauseigenen“ Affen als persönliche Einladung betrachtet haben. Unser Essen wurde dann dienstlich mit Schleuder verteidigt. Das Personal hat uns den Tisch liebevoll und romantisch am Wasser vorbereitet. Alle waren sehr aufmerksam und entgegenkommend. Sogar Wäscheservice war kostenlos. Da wurde zwar was vom Fluss gesprochen, aber uns war egal, wo sie das waschen, solange es sauber und nicht vom Krokodilen neu ajour gemustert wird.
Man kann zu Fuß zu den Fällen gehen. Es wurde eine Geführte Wanderung entlang (runter) am Wasserfall angeboten, aber das haben wir leider nicht mitbekommen. Schade. Wir sind einmal auf den Berg aufgefahren und einmal um den Wasserfall bisschen gelaufen – tolle Bilder gemacht und den eigentlichen Sonnenuntergang von der Lodge genossen. Am Wasser mit den vielen Makalani Palmen – zauberhaft.
Besonderes Erlebnis war ein Besuch im Himba-Dorf. Vor Ort waren nur Frauen und Kinder, Männer waren mit Vieh unterwegs. Alle Frauen sind mit einer Öl-Ocra-Pomade rot angeschmiert (Sonnen- und Insektenschutz), vom Kopf, über Kleidung, Schmuck bis zu Füssen. Sogar bei Begrüßung „Moro“ mit Handdruck wurden unsere Hände rot gefärbt. Wir durften in die Hütte gehen – da haben sich alle Himbas kaputtgelacht, weil wir Probleme hatten uns durch den kleinen Eingang so tief zu bücken. Alle Fragen und spätere Geschenke gingen über die Dorfälteste, eine sehr sympathische und lustige Frau.
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Oppi Koppi Restcamp – große Häuschen, viel Platz, aber nichts zum Ablegen und aufhängen, am Bett Brettchen von gefühlten 10 cm² und kein Licht. Einziges Licht war eine Deckenfunzel. Sonst habe ich Magenprobleme gehabt und eigentlich war mir alles egal. Aber Jurek hat abends ein Stachelschwein gesehen. Auch gut.

Etosha Park. Wir sind in drei Tagen über 450 km gefahren. Drei Übernachtungen in Etosha Safari Lodge und Mokuti Etosha Lodge.
Safari Lodge liegt auf einem Berg, Häuschen sind rechts und links angereiht wie Perlen, sehr langläufig, aber schön. Es hat eine weite Aussicht über Etosha und Terrasse für Sundowner. Nachts haben wir Löwen brüllen gehört und morgens hat Claus neben unseren Häusern Giraffenspuren entdeckt. Wow… stell dir vor, du machst die Tür auf, und da stehen nur Beine… In Safari Lodge war auch ein (unvergessen-) gut riechender (und gut aussehender) Kellner. Wir – die drei Damen – wären bereit zu Trinkerinnen zu werden, nur damit er wieder an unseren Tisch kommt . Jurek und Claus haben es mit Geduld ertragen. Haha.
Mokuti Lodge – schöne Anlage, mit eigenen Warzenschweinen und Blessböcken freilaufend. Weitläufig und unsere Zimmer waren ziemlich letzte. Morgens graste ein Böckchen vor dem Zimmer – wie schön. Essen können wir kaum beurteilen, da eine Gruppe von 5 dunkelhäutigen Jugendlichen das Buffet regelrecht belagert und nicht nachvollziehbar die Teller gefüllt hat. Für die anderen Gäste sind Reste geblieben. Ok. Wir haben Kleinigkeiten gegessen und haben den Raum verlassen. Mit Getränken war die Bedienung total überfordert und hat sie nicht korrekt auf die Zimmer gebucht. Es gab nur ein Durcheinander. Doch das alles war unwichtig, denn in den drei Tagen haben wir tierischen Wahnsinn erlebt!!
Etosha. Am ersten Tag sind wir ca. 180 km mit Bus gefahren. Dabei schon erstes Zebra irgendwo, halb in Sträuchern gesehen. Jurek hat nicht genug Zeit gehabt es zu fotografieren. Claus: „Du wirst noch so viele sehen, dass sie dir langweilig werden.“ Das konnten wir uns noch gar nicht vorstellen. Folgend kamen noch gut 50 Giraffen, viele Springböcke, vier Elefanten am Wasserloch und noch einiges mehr. Am nächsten Tag haben wir für den ganzen Tag optional offenen Safariwagen genommen und ca. 120 km gemacht. Was uns da die afrikanische Natur geboten hat, war gigantisch. Da jetzt Trockenzeit war, mussten die Tiere lange Wanderungen zum Wasser vornehmen und waren so beim Wasser leicht anzutreffen und gut sichtbar. Tausende Springböcke, sogar bei Morgengymnastik hop-hop-hop. Weitere Tausende Zebras, vorbeigehend am Auto, mit saugendem Kleinen auf dem Weg, keifend, spielend, Wir haben nur Zebrastreifen gesehen… Dazu Gnus, Oryx, Kudu, Schakale.
Gefiedert:  Perlhühner, Trappen, Riesentrappen, Sekretär, Strauße, Tukane…
Giraffen schritten stolz vor und um uns. Sie haben auch Kämpfe ausgetragen – mit den Hälsen, WUM! Das haben wir früher nur im TV gesehen.
An einem Wasserloch waren 90-100 Elefanten. Was für ein Bild!! Es war ergreifend. Man hat keine Angst gehabt, doch als hier einer im Vorbeigehen uns länger angeschaut hat, da dachte ich nur: Geh du nur weiter, bitte, wir tun dir nichts, lass du uns auch ganz. An anderer Wasserstelle war es still und fast leer… Claus hat uns darauf aufmerksam gemacht: „Schaut gut hin, da ist was, die Tiere sind unsicher… Da!! Da ist eine Löwin!“ Ja, im Schatten der Solaranlage (Pumpanlage für das Wasser) lag eine Löwin und beobachtete das Gelände.
An anderer Stelle lag ein Löwe im Gras, aufgedunsen und reglos, alle Viere von sich „Der ist tot“. Alle Tiere sind auch ruhig unweit von ihm zum Wasser gegangen, haben ihn gar nicht beachtet. „Ooo! Der ist nicht tot! Er hat die Pfote bewegt“. Jaaaa… er war vollgefressen und wird da wohl noch lange liegen. Die Tiere wissen das, satter Löwe ist keine Gefahr.
IMG_6613 DSC03265 DSC03471Nächsten Tag – wieder mit Bus – weitere 170 km, Richtung Osten. Dabei haben wir 4-5 Meter von uns eine Löwin gesehen, die ihr frisch erlegtes Zebra in Gebüsch gezogen hat. Sie hat uns angeschaut „Mein Zebra!“ Ja, ja, gut, kannst behalten… Claus: „Schaut wie schwer sie atmet, sie muss sich erst erholen. Aber Löwin jagt nie allein, sie bewacht die Beute, aber die anderen müssen in der Nähe sein. Schaut rundum“ Recht hatte er. Schnell haben wir paar Meter weiter im Gras noch drei Köpfe entdeckt.
Und Claus hat Recht gehabt: am Ende wollten wir keine Zebras mehr fotografieren. Und keine Springböcke… Warzenschweine und Gnus auch nicht, und Elefanten brauchten wir auch nicht… Wir waren glatt gesättigt. Das kann nur einer verstehen, der das erlebt hat.
Ooo!. Ein Nashorn!! – der hat uns noch bewegt, da klickten wieder die Fotos heiß.

Otjiwa Lodge – klein, mit eigener Futterstelle für Tiere. Die familien-Häuser waren groß, mit 3 Zimmern und Küche. Nach einem leckeren Essen haben wir uns an Feuerstelle draußen, mit Wein, gesetzt. Es war so toll… da zu sitzen, der Urlaub fast schon zu Ende, im Rücken die Futterstelle mit wilden Tieren…
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Und nachts haben wir wieder Löwengebrüll gehört.
Es wurden Safarifahrten im eigenen Wildpark angeboten – wir haben eine zum Sonnenaufgang, schon um 6:30, vor dem Frühstück, gemacht. Und dabei 3 Nashörner getroffen. Was für ein Erlebnis, die Nashörner in den Strahlen der aufgehenden Sonne, wie unrealistisch!
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Zuletzt Übernachtung in Immanuel Wilderness Lodge – 20 km von Windhoek. Wir waren die einzigen Gäste. Nachmittags sind wir nach Windhoek gefahren, so konnten wir etwas von der Stadt sehen, denn bei Ankunft war wenig Zeit dafür und folgend mussten wir schon früh am Flughafen sein. Ha! Wir haben zum Abschluss vom namibischen Urlaub gut deutsch gegessen: im deutschen Restaurant, Fleischkäse mit Spiegelei und Erdinger dazu. Hmmm.
Abends, in der Lodge, wurde uns ein Menu vom Feinsten serviert, ein butterweiches Steak vom Oryx und 1x fleischlos: Käsespätzle aus Straußenei.
Danach haben wir alles mit Claus beendet: Gästebuch, Beurteilung, offene Rechnungen beglichen, Strecke auf der Landkarte nachvollzieht… Und Edle Brände des Hauses probiert.

Nun… letzter Abend. Morgen gehen unsere Wege auseinander. Aber SCHÖN WAR ES!!!!

Und noch paar Tierchen und Eindrücke…
Irgendwo unterwegs haben wir bei einer Farm angehalten (Claus Vorschlag) und mit Safariauto kurz in private Gehegen zum Füttern gefahren sind. Da waren Leoparden (wir hätten zu denen auch reingehen können) – herrlich! und Hyänen – wow, zwischen diese Zähne möchte man nicht geraten.
Eine dicke Spinne haben wir im Zelt am Epupa über dem Bett entdeckt. Doch auf dieser Seite vom Zelt endet meine Tierliebe für bestimmte Lebewesen und Jurek hat sie treffend „erklatscht“, danach fiel sie eingerollt zwischen unsere Betten und wir haben nur gehofft, dass sie ganz tot war und nicht nur ein bisschen… Dort haben wir auch schöne bunte Eidechsen gesehen, die Agane.
Überall haben wir unzählige Webervogelnester gesehen. Die riesigen Kolonien des Siedlerwebervogels, ein Wunder, das die Bäume sie halten, denn nass wiegt sie bis 1 Tonne. Oder die zerrupften (ich nannte sie unordentlich) Einzelnester des Mahaliwebers – kein Wunder, dass die Damen wählerisch sind.
Erste und letzte Tiere, die wir in Namibia gesehen haben waren Paviane an der Straße um Windhoek. Sie liefen über den Weg, saßen auf den Zäunen. Der Bobachter wirkte wie aufgespießt auf den Zaunpfosten – gut alles im Blick und für uns lustig.
In manchen Lodges lagen in der Schwelle lange Sandsäcke – als Schutz vor ungebetenen Gästen. Ok, wir sind in winterlichen Afrika, hier kann schon mal was wärmesuchend reinkriechen… Also immer Augen auf und wachsam sein.

Die namibische Natur hat noch so viel mehr zu bieten: Baobab Bäume, bis 1500 Jahre alt. Faszinierende Köcherbäume. Sowie ganzer versteinerter Wald – Baumstämme, die mit Gletscher vor ca. 250 Millionen Jahren von Zentralafrika angeschwemmt wurden und mit der Zeit zu Steinen wurden.
Riesige Termitenbauten (nur 1/5 ist oberirdisch, wenn der sichtbare Bau weit über 2-3 Meter reicht, dann kann man sich die wahre Größe nur vorstellen).
Welwitschia – ein Wüstennaturwunder – die Pflanze lebt bis 2000 Jahre allein von Luftfeuchtigkeit, entwickelt nur 2 Hauptblätter. Sie braucht allein zum Keimen 20 Jahre – lohnt sich nicht anzupflanzen…
Fish River – größter Canyon in Afrika, zweitgrößter auf der Welt. Er erreicht 500 Meter Tiefe und 160 km Länge. Man kann ihn nur entlang vom Rand zu sehen. Wanderungen runter sind nur nach strengen Vorschriften möglich, nur mit Anmeldung, Führung, Arztattest und dauern bis 6 Tage. Gut… Vom oberen Rand war auch schön und riesig.
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Unvergessliches Erlebnis ist die Wüste Namib – älteste Wüste der Welt. Wir waren noch nie in der Wüste – umso intensiver haben wir sie erlebt. Mit einem Allradauto sind wir in Sossusvlei tiefer reingefahren, haben dann teilweise die Düne Big Mama bestiegen (für empfohlene Düne 45 hat die Zeit und Kraft gefehlt) –IMG_2749 man geht nur an der Kante, da ist der Sand fester. Roter Sand wo das Auge reicht. Sonne knallt vom tiefblauen Himmel. Doch um diese Jahreszeit hat die Temperatur mittags „nur“ 30 Grad erreicht. Das war noch gut erträglich. Im Sommer (unsere Wintermonate) herrschen hier bis 50 Grad, da wandert keiner mehr. Gewaltiges Erlebnis war die 45-münitige Wanderung zu dem Deadvlei. Man geht durch den Sand, mit Blick auf einen grünen Punkt (ein Busch) „Dort ist es“ und es wird und wird nicht näher. Doch dann… steht man da und schaut vor sich nach unten und da liegt sie, umrandet von hohem rotem Sand – die weiße trockene Pfanne mit vielen toten Baumstämmen. Es war so irreal und überwältigend, dass mir die Tränen gekommen sind. Ich war so ergriffen über die Natur und dankbar, dass es uns im Leben gegeben ist so etwas zu sehen und erleben.

Wir hatten Halbpension. Man muss wissen, dass es zum Abendessen keine Alternative gibt. Die Lodges liegen weit (sehr weit) im Nichts und selbst von der Einfahrt mit Wächter zu eigentlichen Anlage noch z.B. 5 oder 12 Kilometer zu fahren sind.

Wie schon erwähnt ist die namibische Küche sehr lecker. Sie ist unserer ähnlich. Das liegt auch an der Kolonialisierung. Hier (nicht nur hier) hat Deutschland das Land stark beeinflusst. Nur gut, dass es den späteren Engländern nicht gelungen ist ihre Küche hierher zu bringen… brrrrr…
Das Fleisch ist etwas wilder. Neben Hähnchen, Rind haben wir Kudu, Oryx, Springbock, Eland, Impala, Warzenschwein – in verschiedenen Formen z.B. Stroganoff, Geschnetzeltes, Gulasch, Lasagne, Steak, Braten – bekommen. Mal wurde auch Krokodil angeboten – das habe ich allein probiert: sieht weiß wie Fisch aus, schmeckt auch fischig, aber ist viel fester. Unvergessen bleiben die namibischen Trüffel, die wir nicht geriffelt über die Nudeln bekamen, sondern in ganzen Stücken. Wir haben überhaupt das erste Mal Trüffel gegessen. Dazu gab es einen super Kudusteak. Hmmmm!!!
Auf dem Katamaran durften wir die Austern (roh und mit Käse überbacken) genießen. Die namibischen Austern sind größer und wachsen schneller als die französischen.
Oft wurde uns auch Biltong angeboten – luftgetrocknetes Fleisch und Wurst. Es sieht nicht besonders schön aus, aber ist geschmacklich sehr intensiv, sogar recht lecker. Das hat man zum Bier genascht, wie bei uns Erdnüsse.
Ha!!! Das namibische Bier wird nach deutschem Reinheitsgebot gebraut – das Überbleibsel der deutschen Kolonialzeit.
Amarula war ok, aber hat uns geschmacklich nicht umgehauen. Umso interessanter war die Teufelskralle als Likör und Schnaps.

Zum Schluss lese ich jetzt zu Hause „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“. Es ist im monotonen Erzählstil geschrieben, aber es liest sich sehr interessant und ich kann viele Bilder und Sachen direkt noch nachvollziehen, habe sie vor Augen. Ich schmecke fast das dort zubereitete Biltong, sehe die Fährten und die winterlichen Wetterbeschreibungen und kann mir jetzt auch gut den dortigen Sommer vorstellen. Das ist ein schöner Abschluss.

Alles einfach LECKER. Das Wort bedeutet in Namibia nicht nur leckeres Essen. Es bedeutet: gut, gelungen, super, toll.
Also Namibia ist in jeder Hinsicht LECKER! Und schmeckt nach mehr

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